Mit seinen Massenspeicher-Produkten für Privatanwender hat sich der japanische Hersteller Buffalo Technology einen guten Namen gemacht. Daneben bietet sie auch Speicherlösungen für anspruchsvolle Anwender oder kleine Unternehmen an. In diese Riege zählt auch das Netzwerkspeichersystem Terastation III [1]. Der Hersteller verspricht neben hoher Leistung und jeder Menge Speicherplatz auch eine gewisses Maß an Datensicherheit dank RAID-Technik [2].
Die Terastation III gibt es in zwei Ausführungen. Bei der TS-XL steckt die Hardware in einem Desktop-Gehäuse, bei der TS-RX handelt es sich um ein Ein-HE-Rackmount-Gerät. Technisch unterscheiden sich die beiden Versionen nicht. Sie nehmen bis zu vier Festplatten auf und sind im Fachhandel mit 2 TByte, 4 TByte, 6 TByte und 8 TByte Brutto-Speicherkapazität zu haben. Die Netto-Kapazität hängt vom verwendeten RAID-Level ab. Die Terastation III beherrscht die Modi RAID 0, 1, 5 und 10 sowie das gemeinhin als JBOD apostrophierte einzelne Ansprechen der Platten. Die Netzwerkspeicher sind aktuell zu Straßenpreisen zwischen 650 (2-TByte-Version) und 1300 Euro (8-TByte-Ausführung) zu haben. Für je rund 300 Euro zusätzlich gibt es die Terastation III auch mit iSCSI-Unterstützung.
| Hersteller | Buffalo Technology |
|---|---|
| Modell | Terastation III (TS-XL) |
| Laufwerke | 4 x S-ATA |
| Speicherkapazität(1) | 2 / 4 / 6 / 8 TByte |
| RAID-Modi | 0 / 1 / 5 / 10 |
| Netzwerk | 2 x RJ45 10/100/1000-Mbit/s-Ethernet |
| Anschlüsse | 2 x USB 2.0 |
| Protokolle | AFP, FTP/FTPS, SMB/CIFS, SFTP, HTTP(S), NFS |
| Leistungsaufnahme | |
| Standby | 16 W |
| Startvorgang | max. 60 W |
| Leerlauf | 48 bis 51 Watt |
| Last | max. 58 W |
| Straßenpreis(2) | 650 / 800 / 1100 / 1300 Euro |
| (1) Brutto-Speicherkapazität, (2) Online-Handel, Stand Ende Februar 2010 | |
Nach dem Auspacken schließen wir unsere Terastation über einen der beiden Gigabit-Ethernet-Ports an das lokale Netzwerk an. Ein Druck auf den Power-Schalter an der Gerätefront erweckt den Netzwerkspeicher zum Leben. Deutlich vernehmbar fährt das Gerät hoch, was eine Weile dauert: Die Zeit reicht bequem für einen Gang in die Küche, um sich einen Kaffee zu kochen. Bei der Rückkehr hat sich der Geräuschpegel der Terastation auf ein kaum vernehmbares Maß abgesenkt. Ein blau beleuchtetes Display rechts neben dem An/Aus-Taster informiert über den Betriebszustand (Abbildung 1). So erfahren wir unter anderem die via DHCP zugewiesene IP-Adresse und sehen, dass alle vier Festplatten störungsfrei laufen – derzeit zusammengefasst in einem RAID 5. Damit ist das NAS einsatzbereit.
Der nächste Schritt führt zurück an den eigenen Rechner. Wir rufen im Browser das Webinterface der Linkstation über deren IP-Adresse auf. Zu den Einstellungen gelangen wir nach Eingabe von Benutzer und Passwort – im Auslieferungszustand Admin und password. Da sich das NAS unter Umständen auch aus dem Internet erreichen lässt, empfiehlt es sich, beides schnellstens zu ändern.
Das Benutzeroberfläche präsentiert sich auf den ersten Blick gut strukturiert und aufgeräumt. In einem schmalen Streifen auf der linken Seite finden sich einige Systeminformationen, den Rest der Oberfläche nehmen die Einstellungsdialoge ein (Abbildung 2). Sie sollen auch IT-Laien eine schnelle und einfache Konfiguration ermöglichen. Gleich der erste Reiter Freigegebene Ordner > Ordnereinrichtung ermöglicht, neue Verzeichnisse anzulegen und freizugeben. Dabei lassen sich die Zugriffsrechte lesend, lesend und schreibend sowohl für alle Benutzer oder für spezielle Nutzer einrichten.
Fünf Checkboxen dienen dazu, die Protokolle für die Dateiübertragung festzulegen. Zur Auswahl stehen das in der Apple-Welt übliche AFP, das mittlerweile allgemein übliche Samba/CIFS – hier als Windows bezeichnet – sowie die verbreiteten Protokolle FTP und SFTP. Was allerdings auf den ersten Blick fehlt, ist die Checkbox für das ebenfalls unterstützte Network File System NFS. Diese Option findet sich erst später im Reiter Netzwerk (Abbildung 3) – zwar nicht verkehrt, aber auch nicht wirklich konsistent.
Das bearbeitete Verzeichnis lässt sich nun noch im Zugriff beschränken, wobei man einzelne User oder ganze Benutzergruppen auswählen kann. Die Checkbox Festplattenbackup bezieht sich auf die beigelegte Backup-Lösung Memeo Autobackup, die jedoch nur unter Windows läuft.
Der nächste Reiter bietet das Einrichten eines Distributed File System an. Darüber lassen sich mehrere Netzwerkspeicher zu einem verteilten Speichernetzwerk zusammenschalten. Dies ermöglicht, Daten im Netzwerk transparent und redundant vorzuhalten. Über die Funktion Direkte Kopie kann man den Inhalt des NAS insgesamt oder ordnerweise auf eine angeschlossene USB-Festplatte sichern, was sowohl manuell als auch automatisiert über einen Zeitplan klappt. Das letzte Tab TeraSearch umfasst die Einstellungen für den optionalen Suchindex des Geräts. Eine passende Suchoberfläche für den Browser liefert die Terastation III nach dem Aktivieren der Funktion über den Port 3000 aus.
Auf den weiteren Seiten und Unterseiten hält das Buffalo-Gerät viele Möglichkeiten zum Feintuning bereit, die man jedoch nicht zwingend verändern muss. So erlaubt die Terastation zum Beispiel, beide ihre beiden Netzwerkanschlüsse (Abbildung 4) zur Steigerung der Übertragungsleistung über Port Trunking zusammenzuschalten (Abbildung 5). Einen großen Bereich nehmen auch die Energieeinstellungen ein. Hier lässt sich die Terastation so konfigurieren, dass sie zu festgelegten Zeiten bootet oder abschaltet. Über den Schalter AUTO / MANUAL auf der Rückseite stellt man das Gerät so ein, dass es mit einem Rechner zusammen bootet. Sowohl für den automatischen als auch den terminierten Start muss sich die Terastation allerdings im Stand-by-Modus befinden.
An dieser Stelle seien ein paar Worte zum Energiebedarf des NAS gesagt: Im Betrieb glänzt die Terastation mit vorbildlichen 48 bis 58 Watt Leistungsaufnahme, den höchsten Wert maßen wir während des Startvorgangs mit 60 Watt. Im "ausgeschalteten" Zustand, also im Stand-by, beträgt die Leistungsaufnahme jedoch immer noch bis zu 16 Watt. Das prädestiniert die Terastation III angesichts steigender Energiekosten nicht eben dazu, dauerhaft am Netz zu bleiben.
Das Einbinden der Terastation ins Netzwerk gelang im Test ohne jegliche Probleme. Egal, mit welcher Distribution – der Zugriff auf die freigegebenen Verzeichnis war stets schnell eingerichtet. Das gleiche galt für die Benutzung von Mac OS X und Windows.
Zum Test der Buffalo Terastation III TS-XL nutzen wir insgesamt drei Systeme. Ein Eigenbau-Fileserver stand zum Vergleich bereit, mit je einem Mac Pro und einem Eigenbau-PC griffen wir Cat-5e-verkabelt über Netgear Gigabit-Switches verbunden auf die Datenspeicher zu (siehe Tabelle "Testsysteme"). Die Terastation war als RAID 5 konfiguriert. Wir übertrugen je Paarung in beide Richtungen je eine Datei von 4 GByte, 1 GByte und 512 MByte Größe und mittelten die gemessenen Transferraten zum Testergebnis.
| Mac Pro | Eigenbau-PC | Eigenbau-Fileserver | |
|---|---|---|---|
| CPU | 2 x Xeon 5500 | 1 x Pentium-4 EE | 2 x Pentium-3 |
| Kerne | 8 | 1 | 2 |
| Hyperthreading | ja | ja | nein |
| Taktfrequenz | 2,26 GHz | 3,2 GHz | 1 GHz |
| RAM | 6 GByte DDR3 ECC | 2 GByte DDR1 | 2 GByte SD ECC |
| HDD | 2 x 320 GByte RAID 0 | 2 x 80 GByte RAID 0 | 3 x 1000 GByte RAID 5 |
| RAID-Controller | Software | 3ware | 3ware |
| S-ATA Typ | II | I | I |
| Netzwerkkarte | Gigabit-Ethernet | Gigabit-Ethernet | Gigabit-Ethernet |
| OS | Mac OS X 10.6.2 | Slackware 12.1 | FreeNAS 6.9 |
Interessant waren die Unterschiede im Datendurchsatz. Wie in der Tabelle "Testergebnisse" zu sehen, erzielten wir mit 71 MByte/s im Durchschnitt die höchste Übertragungsrate beim Herunterladen unserer Testdatei via FTP auf den Mac. Auch der schon etwas betagte Slackware-PC nutzt das Gigabit-Netzwerk mit 40 MByte/s über FTP noch gut aus. Das Schlusslicht bildeten SMB/CIFS und NFS, wobei auch dort die Transferraten mit Werten zwischen 16 und 41 MByte/s beim Schreiben und Lesen noch durchaus praxistauglich ausfielen. Zum Vergleich: Viele externe USB-Festplatten erreichen beim Transfer weniger als 25 MByte/s. Einen deutlichen Einbruch erlitten sowohl Schreib- als auch Lesegeschwindigkeit über SFTP. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine eher schwache CPU im NAS zurückzuführen.
| Mac / Terastation | Linux-PC / Terastation | Mac / Fileserver | Linux-PC / Fileserver | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Protokoll | read | write | read | write | read | write | read | write |
| AFP | 37,0 | 26,0 | – | – | 32,5 | 25,8 | – | – |
| CIFS | 41,0 | 19,5 | 19,8 | 18,0 | 19,5 | 15,5 | 17,9 | 16,5 |
| NFS | 26,0 | 20,0 | 32,0 | 16,0 | 19,5 | 8,0 | 21,5 | 10,5 |
| FTP | 71,0 | 25,5 | 40,0 | 25,0 | 13,0 | 28,1 | 12,2 | 29,4 |
| SFTP | 4,8 | 4,4 | 7,5 | 1,3 | 10,8 | 9,2 | 7,6 | 5,5 |
| Alle Werte in MByte/s, größer = besser | ||||||||
Auch die Festplatten können sich unter Umständen zur Leistungsbremse entwickeln. In der ersten Testrunde nutzen wir das NAS, wie es ab Werk ausgeliefert und eingestellt war. Dabei erreichten wir weitaus geringe Werte als die in der Tabelle "Testergebnisse" aufgeführten. Mehr durch Zufall als geplant bauten wir anschließend das RAID neu auf – und kamen erst danach auf die beschriebenen, deutlich höheren Werte.
Zudem bestückten wir das NAS mit der aktuellsten Firmware. Dazu benötigt man zwangsläufig einen Windows-Rechner, das das von Buffalo gestellte Update-Tool nur unter Microsofts Betriebssystem läuft (Abbildung 6). Dies erscheint umso weniger verständlich, als die Terastation III selbst als Firmware Linux verwendet. Die entsprechenden Quellen finden sich ganz vorbildlich unter [3].
Negativ fällt weiter auf, dass sich auf dem Gerät trotz Linux-Betriebssystem kein Zugang über SSH freischalten lässt. Dadurch war es uns versagt, die darüber möglichen Transfergeschwindigkeiten zu ermitteln oder die ein oder andere Anpassung vorzunehmen.
Zu guter Letzt seien noch die zusätzlichen Funktionen der Terastation III erwähnt. Wer in seinem LAN Mac-Rechner betreibt, wird sich über die Möglichkeit freuen, per Timemachine Backups auf dem NAS abzulegen. Und da auch der hartgesottenste Admin nicht ganz ohne Unterhaltung auskommt, hat Buffalo der Terastation noch einen DLNA-Streamingserver verpasst. Ganz praktischer Natur ist der Bittorrent-Client: Für diesen legt der Benutzer ein Zielverzeichnis auf dem NAS fest, anschließend lassen sich über die Weboberfläche die Torrentfiles auswählen. Der Download läuft dann im Hintergrund ab.
Die Terastation III von Buffalo lässt sich ruhigem Gewissens sowohl für den Einsatz im Privathaushalt als auch in kleinen Unternehmen empfehlen. Die Einrichtung gelingt dem Laien wie dem Profi, der Geräuschpegel bleibt auf wohnzimmertauglichem Niveau, der Funktionsumfang lässt fast nichts zu wünschen übrig und die Leistungsdaten überzeugen. Mit einem Preis ab rund 650 Euro platziert sich die Terastation III im Mittelfeld dieser Geräteklasse.
RAID
Redundant Array of Independent Disks. Verfahren zum Zusammenschließen von Festplatten zu einem Verbund, aus dem einzelne Platten ausfallen dürfen, ohne dass dies zu einem Datenverlust führt.
HE
Höheneinheit für Geräte zum Einbau in 19-Zoll-Racks. 1 HE entspricht 1,75 Zoll (44,45 mm).
JBOD
Just a bunch of Disks ("bloß ein Stapel Platten"). Salopper Fachjargon für den Nicht-RAID-Betriebsmodus von RAID-Systemen.
iSCSI
Internet SCSI (RFC 3720). Verfahren, das die transparente Nutzung des SCSI-Protokolls über TCP-Verbindungen erlaubt.
AFP
Apple Filing Protocol. Netzwerkprotokoll unter Mac OS und Mac OS X.
CIFS
Common Internet File System. 1996 von Microsoft eingeführte, für den Gebrauch über TCP/IP-Netze angepasste SMB-Variante.
Port Trunking
IEEE 802.3ad, auch als Link Aggregation oder Port Aggregation bezeichnet. Fasst mehrere physikalischer LAN-Schnittstellen zu einem logischen Kanal zusammen, wobei sich die Transferrate der einzelnen Interfaces aufsummiert.
DLNA
Digital Living Network Alliance. Ursprünglich von Sony und Intel gegründete Industrie-Allianz, die die Interoperabilität von Multimedia-Geräten sichern soll. Die DLNA hat mittlerweile über 250 Mitglieder.
[1] Buffalo Terastation III: http://www.buffalo-technology.com/products/network-storage/terastation/ts-xl-terastation-iii/
[2] Grundlagen RAID: Marcus Nasarek, "Easy RAIDer", LinuxUser 04/2006, S. 42, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/04/042-raid-basics/
[3] Terastation-OS (Quellen): http://opensource.buffalo.jp/gpl_storage.html