Home / LinuxUser / 2009 / 04 / Laues Lüftchen

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Debian 7.1 ist erschienen
(179 Punkte bei 5 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

Photocase-Krockenmitte-Segelschiffe.jpg

© Krockenmitte, Photocase.com

Laues Lüftchen

AIR bringt Webanwendungen auf den Desktop

19.03.2009 Mitte Dezember veröffentlichte Adobe die lang erwartete Linux-Fassung seiner AIR-Plattform. Die Internetgemeinde jubelte und klapperte emsig auf den Tastaturen – dabei stecken hinter AIR nur ein paar alte Bekannte.

Moderne Internet-Anwendungen wie Google Maps besitzen zwar eine komfortable und bunte Oberfläche, funktionieren aber ausschließlich im Browser. Diese Fessel möchte Adobe mit seiner Adobe Integrated Runtime [1] AIR sprengen. Auf ihrer Basis entwickelte Webanwendungen laufen wie jede andere lokale Applikation auf dem heimischen PC. So verschwimmen die Grenzen zwischen herkömmlichen Programmen und Webseiten: Der Benutzer merkt im Idealfall gar nicht mehr, ob er im Internet surft oder die Verbindung gerade gekappt wurde.

Wiedersehen macht Freude

Das alles klingt nach einer faszinierenden, neuen Technik. Bei genauerem Hinsehen allerdings stellt sich schnell heraus, dass Adobe lediglich ein Paket aus altbekannten Softwarekomponenten geschnürt hat. In der luftigen Schachtel stecken nichts anderes als ein Flashplayer, ein Browser auf Basis der Webkit-Engine, eine SQLite-Datenbank, die Möglichkeit zum Verarbeiten von PDFs und etwas Kleber, der die vier Komponenten zusammenschweißt und vor den Augen der Nutzer verbirgt.

Was stark nach aufgewärmtem Kaffee riecht, ist tatsächlich ein pfiffiger Schachzug: Da Adobe AIR etablierte und bekannte Standards nutzt, schreiben Webentwickler plötzlich aus dem Stand heraus komplette Desktopanwendungen. An die Stelle kryptischer Programmiersprachen wie C oder C++ tritt das wesentlich schneller zu erlernende Dreigestirn HTML, Javascript und Flash. Die auf Basis von AIR erstellten Programme laufen ohne weitere Anpassungen plattformübergreifend auf Linux, Mac OS X und Windows.

Auch für Linux-Anwender bringt Adobe AIR einige Vorteile: Mit wenigen Mausklicks laden Sie komplette Desktopanwendungen aus dem Internet herunter und installieren sie. Nie wieder müssen Sie ein Programm kompilieren, es in irgendwelchen Repositories suchen oder seine extrem verstrickten Paketabhängigkeiten aufdröseln.

Schattenseiten

Doch es gibt auch einige, mitunter sogar recht hässliche Haken. Zunächst einmal müssen diese Anwendungen explizit mit AIR entwickelt worden sein. Fertige Internet-Seiten wie Google Maps holen Sie nicht einfach per Knopfdruck auf den Desktop.

Da AIR-Anwendungen in einer behüteten Umgebung ablaufen, erreichen sie bei weitem nicht die Geschwindigkeiten einer nativen Linux-Anwendung – Sie kennen das vielleicht von Flash-Applikationen. Es empfiehlt sich der Einsatz eines möglichst flotten Rechners mit mindestens 512 MByte RAM; einige AIR-Programme gieren sogar nach mehr.

Um sich gegen Angriffe und Schadprogramme aus dem Internet zu wappnen, laufen AIR-Anwendungen grundsätzlich in einer Sandbox. Die verbietet unter anderem den direkten Zugriff auf Linux-Treiber und Geräte. Die Wände des Sandkastens fallen jedoch dünner aus als bei einer nur im Browser laufenden, reinen Webanwendung: So darf jede AIR-Applikation in alle angeschlossenen Netzwerke funken und auf das Dateisystem des Wirtscomputers zugreifen. Adobe weist sogar selbst ausdrücklich darauf hin, dass AIR-Anwendungen mit den gleichen Nutzerrechten laufen wie jedes andere native Programm ([2], [3]). Eine AIR-basierte Anwendung könnte folglich unbemerkt Trojaner auf dem heimischen Rechner ablegen oder munter Spam-Mails in alle Welt verschicken.

Aus diesem Grund installiert die AIR-Umgebung ausschließlich vom Hersteller digital signierte Anwendungen. So prüfen Sie als Anwender vor dem ersten Start, ob das Programm tatsächlich von dem angegebenen Erzeuger stammt. Allerdings bleiben die dabei präsentierten Informationen äußerst kryptisch, sodass viele Anwender sie einfach ungelesen wegklicken. Zudem darf jeder Entwickler sein Programm selbst signieren, was schon kurz nach Veröffentlichung der ersten AIR-Version zu zahlreichen Warnungen und Debatten im Internet führte [4].

Unter dem Strich sind AIR-Anwendungen damit genau so (un)sicher, wie andere Linux-Programme aus dem Internet. Folglich müssen Sie dem Anbieter des ins Auge gefassten Pakets blind vertrauen – falls Sie denn ein solches überhaupt finden.

Einem Freund empfehlen    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

1945 Hits
Wertung: 72 Punkte (5 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 07/13

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft bestellen Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

whowatch
Nutzer und Prozesse mit whowatch überwachen
Tim Schürmann, 18.06.2013 12:49, 0 Kommentare

Wenn Administratoren herausfinden wollen oder müssen, was die Benutzer auf einem System gerade so treiben, dann hilft ihnen whowatch. Das kleine Kommandozeilenprogramm zeigt in Ec...

Aktuelle Fragen

SUSE 12.3 64Bit: Miro funzt nicht
Wimpy *, 14.06.2013 13:05, 5 Antworten
Seit Installation von openSUSE 12.3 64Bit startet Miro nicht. (Version 5.0.4-1.24-x86_64 von Pa...
Kontakt via QR code hinzufügen
Herman Sproesser, 17.05.2013 17:46, 4 Antworten
Hi hab in der aktuellen ausgabe 06.2013 den artikel über QR Codes gelesen. Ich hab nartürlich...
Dateimanager Dolphin, wo legt er die Datei Kommentare ab?
Uwe Heine, 16.05.2013 15:19, 1 Antworten
Suse Linux 12.1 - KDE 4.7.2 / Dolphin 1.7. Ich habe bei vielen Dateien über Dolphin Kommentare...
wie baut man Kernel Module so, dass sie mit jedem Kernel laden?
GoaSkin , 22.04.2013 10:22, 1 Antworten
Hallo, baut man anhand eines Kernel-Sources Module, nutzt Linux im Normalfall eine strikte V...
Problem beim Installieren von SuSe 12.3
Georg Prokert, 14.04.2013 00:04, 16 Antworten
Hallo, auf meinem neuem Laptop (Acer Aspire V3-771, Intel Core i5-3230 M, Intel HD Graphics 4...