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© sxc.hu

Das Hercules-Netbook eCafé im Test

Nettes Café

Wer gerne Kaffee trinkt, kennt das Problem: Es stehen mehrere Cafés zur Auswahl, man muss sich für eines entscheiden. Oft spielt dabei das Äußere eine wichtigere Rolle, als die inneren Werte.

Beim eCafé erkennt man auf den ersten Blick, dass es sich um ein echtes Netbook handelt. Der in Cappuccino-Braun gehaltene Deckel glänzt angenehm, ohne dass Fingerabdrücke sichtbar werden, und der kleine Rechner liegt sehr angenehm in der Hand. Den Einschaltknopf hat Hercules [1] ins rechte Scharnier verpackt und mit einer blauen LED versehen (Abbildung 1). Beim Einschalten piepst das eCafé kurz und fährt anschließend in rund 35 Sekunden ein stark angepasstes Mandriva Linux hoch, als Desktop kommt LXDE zum Einsatz. Die sehr kleine Tastatur hat einen angenehmen Druckpunkt, das Touchpad sowie beide Tasten reagieren prompt. Bis zu diesem Punkt vermag das Hercules-Netbook (siehe Tabelle "Technische Daten") sehr zu gefallen.

Abbildung 1: Elegant gelöst: Den Einschaltknopf finden Sie beim eCafé seitlich im Scharnier.

Technische Daten

Modell Hercules eCafé
Hersteller Guillemot
Prozessor AMD Geode LX 800, 500 MHz
Hauptspeicher 1 x 512 MByte
Festplatte Samsung HS020GB, 1,8 Zoll, P-ATA, 20 GByte
Grafik AMD Geode LX Video
Webcam 0,3 Megapixel
Netzwerk Fast Ethernet, WLAN 802.11b/g
Anschlüsse 2 x USB 2.0, Audio In/Out VGA-Out
Kartenleser SD/MMC/MS
Gewicht 980 g
Preis 300 Euro
Bezugsquelle Pearl, Quelle, Otto-Versand u.a.

Schwachstellen

Beim genaueren Hinschauen fallen allerdings kleinere Mängel auf. So bringt das Touchpad zum Beispiel keinen Scrollbereich mit, und das Tastaturlayout der deutschen Version (Abbildung 2) fällt etwas aus dem Rahmen: [Ä] befindet sich neben der linken Umschalttaste, [Ü] gleich rechts neben der sehr kurzen Leertaste. Das fordert etwas Übung beim Schreiben.

Abbildung 2: Auch bei der Anordnung der deutschen Tastatur hat sich Guillemot etwas besonderes einfallen lassen.

Das Hercules-Netbook bringt ein 8-Zoll-Display mit 800 x 480 Bildpunkten mit. Wer mit dem Eee-PC 4G arbeitet, kennt die Probleme mit dem kleinen Bildschirm. Guillemot hat die Auflösung in der Grundeinstellung aber auf die bei aktuellen Netbooks üblichen 1024 x 600 Bildpunkte eingestellt, wodurch sämtliche Schriften etwas unscharf wirken. Obwohl der interpolierte Modus die Darstellung von Internetseiten verbessert, erschwert er gleichzeitig das Lesen von Artikeln im Netz. Immerhin lässt sich die Anzeige über ein gesondertes Menü relativ einfach umstellen, was im laufenden Betrieb problemlos funktioniert.

Leichte Probleme bereitet auch der Wifi-Manager. Das sehr hübsche Tool (Abbildung 3) findet zwar sämtliche WLAN-Netze in der Umgebung und zeigt detaillierte Informationen dazu an. Es gelang ihm im Test aber nicht, sich mit einem per WPA-TKIP abgesicherten Access Point zu verbinden. Nachdem wir per wpa_passphrase eine zusätzliche wpa_supplicant.conf-Datei erstellten und den WPA-Supplicanten von der Kommandozeile aus aufriefen, gelang der Verbindungsaufbau über den Zydas-Chip (zd1211rw) letztlich aber ohne weitere Probleme. Interessanterweise klappte anschließend auch der Verbindungsaufbau über das Ecafe-Connect-Tool.

Abbildung 3: Mit Ecafe-Connect bringt das Hercules-Netbook einen eigenen und einfach zu bedienenden Verbindungsmanager mit.

Gehören Sie nicht zur hörgeschädigten iPod-Generation, dürfte Sie zudem ein Piepen in einem sehr hohen Frequenzbereich stören, das von direkt unterhalb der Tastatur zu kommen scheint. Es tritt allerdings nur dann auf, wenn das Gerät den Akku lädt. Bei vollem Akku piepst nur noch das Ladegerät selbst. Im Akkubetrieb arbeitet das eCafé ohne Piepen, auch die 20-GByte-Festplatte gibt kaum Geräusche von sich.

Performance

Das eCafé basiert auf einer mit 500 MHz getakteten AMD-Geode-CPU. Trotz des nicht eben rasend schnellen Prozessors und lediglich 512 MByte Hauptspeicher reagieren die meisten Anwendungen zügig. Eine hübsche 5-Sekunden-Animation verkürzt zudem die Wartezeiten bei sämtlichen Programmen. Auch OpenOffice läuft zufriedenstellend, sobald die automatische Rechtschreibprüfung das Wörterbuch geladen hat.

Der Geode-LX-Prozessor geht sehr sparsam mit dem 4000-mAh-Akku um. Das komplette System verbraucht ohne WLAN im Leerlauf nur 10 Watt, unter Last und mit WLAN steigt der Verbrauch auf 12 Watt an. Mit diesen Werten schafft das eCafé Laufzeiten zwischen drei und vier Stunden. Leider unterstützt das angepasste Mandriva kein Suspend-to-RAM: Um Strom zu sparen, müssen Sie das Netbook ausschalten.

Wie langsam die AMD-CPU im Vergleich zu einem Atom-Prozessor wirklich arbeitet, zeigt sich erst, wenn man CPU-intensive Prozesse startet. So dauert das Konvertieren einer kompletten CD im WAV-Format nach Ogg Vorbis auf dem eCafé rund 62 Minuten. Eine Atom-CPU mit 1,6 GHz erledigt die gleiche Aufgabe in 12 Minuten, ein Core-2-Duo-Prozessor arbeitet sie in nur 3 Minuten ab. Dieser Umstand fällt aber nur bei wenigen Anwendungen negativ auf, zum Beispiel beim Starten des Paketmanagers (man fühlt sich wie bei OpenSuse 10.1 mit kaputtem Zypper) oder beim Laden von Vorschaubildern im Dateimanager. Auch für die Live-Aufnahme von Filmen über die Webcam bringt die interne CPU zu wenig Leistung. Als Resultat erhalten Sie nur ein ruckelndes Video, keinen Film.

Das Interface mit der Schnellstartleiste am linken Rand (Abbildung 4) erweist sich als praktische Lösung, allerdings benötigt der Rechner zum Umschalten von einer "Welt" zu einer anderen mit 2 Sekunden doch etwas lange. So lassen sich im Easy-Modus um die Symbole zwischenzeitlich Artefakte erkennen, wodurch das ganze System etwas unprofessionell wirkt. Dieses Problem sollte sich aber mit einem Software-Update lösen lassen. Für Poweruser gibt es auch eine Einstellung ohne Seitenleiste mit dem Panel am unteren Rand.

Abbildung 4: Die auf LXDE basierte Benutzeroberfläche des eCafé verbirgt die Programme hinter vier Welten.

Wer mit dem eingerichteten speziellen Mandriva nicht zufrieden ist, kann sein Glück auch mit der eigenen Lieblingsdistribution versuchen. In den Tests gelang aber weder das Aufspielen von OpenSuse 11.0 noch die Installation von Ubuntu 8.04.1, lediglich Mandriva 2009 und Alt Linux 4.1 ließen sich auf den Geode-Rechner einrichten. Allerdings gestaltet sich die Installation auf dem kleinen Display nicht ganz trivial: Achten Sie darauf, im Bootbildschirm statt einer festen Auflösung den Vesa-Modus auszuwählen.

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