Die Featureliste des Jabber-Clients Mcabber [1] liest sich eindrucksvoll: Ein vergleichsweise guter Support für Multi-User-Chat (MUC) sorgt bei Jabber-Anwendern für eine erhöhte Pulsfrequenz. Für die verschlüsselte Kommunikation sorgen SSL, OTR und GnuPG. Für diejenigen, die beim Chatten Wert auf eine korrekte Rechtschreibung legen, bringt die Software außerdem ein Plugin für die Integration von Aspell mit.
In der neusten Version kam außerdem ein Feature hinzu, das es erlaubt, von außerhalb beliebige Kommandos an das Programm zu schicken. Damit schreiben Sie beispielsweise aus dem Musikplayer den Titel des aktuell gespielten Lieds in eine Status-Message. Umfangreiche Logging-Funktionen ermöglichen es auch später, Gespräche nachzulesen. Um alle diese Funktion mit einzukompilieren, übergeben Sie dem Configure-Script folgende Parameter:
$ ./configure --with-ssl --enable-otr --enable-aspell --enable-gpgme
Anschließend geben Sie make && make install ein, um den bekannten Dreisatz zu vervollständigen. Für das korrekte Übersetzen des Quellcodes installieren Sie die Entwickler-Bibliotheken für die entsprechenden Features, unter anderem Libncursesw für den Unicode-Support. Wer den Aufwand scheut, greift einfach auf die Binärpakete zurück, die für die meisten Distributionen bereitstehen.
Alle Option zur Konfiguration von Mcabber erledigen Sie in einer Textdatei. Es existiert zwar ein Perl-Skript [2], das Ihnen beim Einrichten hilft – das bezieht sich aber auf eine ältere Version und unterstützt nicht alle Funktionen. Einfacher gelingt die Konfiguration auf Basis der Beispieldatei mcabberrc.example aus dem Hauptverzeichnis des entpackten Tarballs. Kopieren Sie die Datei einfach in Ihr Homeverzeichnis.
TIPP
Je nach Distribution befindet sich die Datei mcabberrc.example an einem anderen Ort im Dateisystem. Im Zweifelsfall steht die Datei auf der Projekt-Webseite zum Download bereit.
Für den ersten Start passen Sie lediglich die Optionen set username und set server an. Die Angabe von set password ist dagegen optional. Erfolgt sie nicht, fragt Mcabber bei jedem Start nach dem Passwort. Um verschlüsselt mit dem Jabber-Server zu kommunizieren, setzen Sie die Variable set ssl auf den Wert 1.
Falls es Probleme mit dem Zertifikat gibt, schalten Sie den Check mit set ssl_verify = -1 ab. Der Support für GnuPG, OTR und Aspell ist per Default ausgeschaltet. Sie aktivieren ihn, indem Sie die Schalter set pgp, set otr und set aspell_enable jeweils auf den Wert 1 setzen. Wollen Sie GnuPG benutzen, geben Sie außerdem die ID des Private Keys unter set pgp_private_key an.
Nach dem Aktivieren von Aspell setzen Sie über set aspell_lang und aspell_encoding noch Sprache und Zeichensatz. Selbstverständlich erwartet die Software, dass Sie die entsprechende Locale-Dateien, zum Beispiel für de_DE, auf Ihrem System installiert haben. Mit der Konfigurationsoption set lang = de zeigt das Programm alle Hilfetexte in deutscher Sprache an.
Die Oberfläche von Mcabber wirkt dank Einsatz von Ncurses aufgeräumt. Auf der linken Seite befindet sich die Kontakliste, im Jabber-Jargon auch Roster genannt, auf der Rechten das Chatfenster. Sie steuern Mcabber mit diversen Befehlen, die alle mit einem Schrägstrich beginnen, um sie von gewöhnlichen Nachrichten zu unterscheiden. Das Programm ermöglicht es, die Befehle auf beliebige Tastenkürzel zu legen.
Einige sind standardmäßig bereits belegt. So befindet sich der Befehl /help auf [F1]. Der Befehl /roster toggle_offline liegt auf [F5] und schaltet zwischen der Anzeige von Offline-Kontakten um. Auf die Tasten [Bild-auf] und [Bild-ab] legten die Entwickler die Befehle /roster up und /roster down. Damit verschieben Sie den Cursor in der Kontaktliste. Ein Druck auf [Eingabe] öffnet einen Textpuffer für den markierten Eintrag.
Puffer, in denen zum Beispiel neue Nachrichten eingehen, markiert das Programm in der Kontaktliste rot (Abbildung 1). Statt zum Puffer zu navigieren, können Sie mit dem Befehl /roster unread_next diesen auch direkt anspringen. Jeder Befehl lässt sich einer beliebigen Tastenkombination zuweisen.
Senden Sie eine für Mcabber bisher unbekannte Tastenkombination, so zeigt das Programm deren Keycode an, wie etwa 17 für [Strg]+[Q]. Durch Einfügen der Zeile bind 17 = quit in die Konfigurationsdatei ordnen Sie den Befehl /quit diesem Keycode zu. Mit dem Befehl /add Nickname
@example.org
Name
fügen Sie einen neuen Kontakt hinzu, der in der Kontaktliste unter der Label Name
erscheint. Anschließend haben Sie die Möglichkeit, den Kontakt mit /move Gruppenname
in eine Gruppe verschieben. Die Kontaktanfrage des Gegenübers beantworten Sie mit /event 1 accept beziehungsweise mit reject als Parameter.
Hinein ins Chatvergnügen mit mehreren Teilnehmer geht es mit dem Befehl /room join Chatroom
@example.org
. Existiert ein Raum nicht, erstellt der Server diesen – abhängig von seinen Einstellungen. Über die Implementation der verschiedenen MUC-Befehle (kick, ban etc.) in Mcabber gibt der Befehl /help room Aufschluss.
Befinden Sie sich in einem MUC, nehmen Sie diesen mit /room bookmark add in die Lesezeichen auf, und mit dem Zusatz +autojoin veranlassen Mcabber beim Starten dazu, diesen Raum automatisch zu betreten. Bei größeren MUCs sorgen die Zeilen set nick_colors = red green yellow blue magenta cyan white und color muc * on in der Konfigurationsdatei für Übersichtlichkeit – oder bringen zumindest Farbe in die Textwüste.
Sind Sie vorübergehend nicht zu erreichen, teilen Sie dies Ihrem Gegenüber durch Senden des Status mit. Ein entsprechender Puffer zeigt die Nachrichten der anderen Teilnehmer an (Abbildung 2). Mit dem Befehl /status away Ich bin kurz weg zum Beispiel signalisieren Sie Ihre Abwesenheit.
Alternativen zu away fragen Sie über die Hilfefunktion mit /help status ab. Als sehr nützlich erweist sich unter Umständen /status_to . dnd Ich bin beschäftigt als Statusnachricht. Durch status_to senden Sie die Nachricht nur an einzelne Kontakte. Der Punkt steht dabei für den zur Zeit ausgewählten Kontakt. Sie dürfen aber auch die Jabber-ID verwenden.
Um GnuPG zu benutzten, weisen Sie zuerst dem Kontakt einen Schlüssel zu. Dies geschieht mit dem Befehl /pgp setkey Nickname
@example.org
Keyid
in der Kommandozeile von Mcabber. Alternativ schreiben Sie diesen Befehl (ohne führenden Schrägstrich) in die Konfigurationsdatei. Anschließend aktivieren Sie mit dem Befehl /pgp force die verschlüsselte Kommunikation für den entsprechenden Kontakt.
Ohne komplizierte Schlüsseleinstellungen funktioniert OTR ("Off The Record"). Sobald Sie mit dem Befehl /otrpolicy default opportunistic OTR so eingestellt haben, dass die verschiedenen Chatclients sich untereinander darüber in Kenntnis setzen, dass sie OTR sprechen, geschieht alles automatisch. Allerdings setzt dieses Verfahren voraus, dass die beiden Clients erst eine unverschlüsselte Nachricht senden, bevor sie die Schlüssel automatisch austauschen. Mit /otr info informieren Sie sich über den OTR-Status.
Um das Logging zu aktivieren, setzen Sie die Optionen set logging und set load_logs jeweils auf 1. Eventuell gilt es außerdem mit der Option set max_history_age = 10 das Alter der angezeigten Nachrichten auf 10 Tage zu begrenzen. Vor dem ersten Start mit eingeschaltetem Logging erstellen Sie das Verzeichnis .mcabber/histo/ in Ihrem Homeverzeichnis. Darin legt Mcabber für jeden Kontakt eine Textdatei an. Mit Hilfe von Symlinks fassen Sie mehrere Logfiles zusammen, falls einer Ihrer Kontakte mehrere Jabber-IDs verwendet.
Neu hinzu kam in Version 0.9.7 die FIFO genannte Pipe, die es externen Programmen ermöglicht, beliebige Befehle an das Chatprogramm zu senden. Mit der Zeile set fifo_name = ~/.mcabber/mcabber.fifo in der Konfigurationsdatei aktivieren Sie die Pipe. Wenn Mcabber läuft, schicken Sie mit echo befehl > ~/.mcaber/mcabber.fifo Befehle an die Software. Das ermöglicht auch, mit Skripten Befehle in die Pipe zu schreiben.
Ungeachtet des fehlenden grafischen Interfaces erweist sich Mcabber als komfortabler und vor allen Dingen gut konfigurierbarer Chatclient. Dank ausführlicher Hilfe, die Sie mit dem Befehl /help aufrufen, lernen Sie schnell alle Mcabber-Befehle kennen. Zudem finden Sie meistens auch Hilfe im (englischsprachigem) Mcabber-MUC auf mailto:mcabber@conf.lilotux.net.