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Freakware

Linux-Telefon OpenMoko "Freerunner"

Kleine Baustellen

Um eine WLAN-Verbindung aufzubauen, müssen Sie sich per SSH auf dem OpenMoko einloggen und mit iwconfig den Access Point und die ESSID für die WLAN-Schnittstelle eth0 setzen. Das WPA-Setup funktioniert über den WPA-Supplicant. Sobald das Gerät allerdings per WLAN eine IP-Adresse bekommt, kann man sich über SSH nicht mehr damit verbinden.

Der Mediaplayer zeigte mit dem Build 20080522 (Abbildung 4) stets eine Gstreamer-Fehlermeldung an und verweigert jegliches Playback. Ebenfalls zu einer Fehlermeldung führte es, auf der Kommandozeile per ogg123 OGG-Vorbis-Dateien abzuspielen. Über die Daily-Build-Version vom 24. Juni 2008 gelang es dann immerhin, MP3-Dateien abzuspielen. Das OGG-Playback überforderte das Handy jedoch: Nach vier Sekunden war Schluss, der Mediaplayer blieb stehen. Wie Sie zu den täglich aktualisierten Builds kommen, erklärt der Kasten "OpenMoko-Update".

Abbildung 4: Sie sind drin: Welchen Snapshot Ihr OpenMoko nutzt, erfahren Sie aus der Datei /etc/issue.

Beim Versenden von SMS-Nachrichten müssen Sie bei der aktuellen Firmware noch auf Empfangsbestätigungen verzichten. Die entsprechende Checkbox Request delivery report lässt sich zwar aktivieren, bewirkt aber nichts. Das Bluetooth-Modul des Freerunners funktioniert, bietet aber softwareseitig keine Features an. So lassen sich per Bluetooth keine Dateien zwischen Handy und Rechner übertragen. Der Adapter bleibt zudem für Verbindungswillige unsichtbar.

Fazit

Im Vergleich zum Erstmodell Neo1973 bringt das Freerunner eine deutlich verbesserte Hardware mit und lässt sich nun auch tatsächlich als Telefon nutzen. Von einem für Endnutzer geeigneten Gerät zu sprechen, wäre jedoch noch deutlich übertrieben: Dazu fehlt derzeit schlicht die passende Software zur Hardware.

Im aktuellen Zustand kann man den Freerunner allenfalls als Mini-PC bezeichnen, mit dem sich auch telefonieren lässt. Doch durch die jetzige breite Verfügbarkeit zu einem vernünftigen Preis dürfte bessere, von der Linux-Gemeinde entwickelte Software für das OpenMoko-Handy wohl nicht mehr lang auf sich warten lassen.

OpenMoko-Update

Die Software stellt derzeit den größten Schwachpunkt des Freerunner dar, Updates können hier noch viel bringen. Um Ihr OpenMoko auf den neuesten Stand zu bringen, laden Sie sich einen täglich aktualisierten Snapshot [6] herunter. Sie benötigen die Datei uImage-om-gta02-latest.bin sowie eines der beiden Images mit der Endung .rootfs.jffs2 aus dem Verzeichnis daily/freerunner/. Hier haben Sie die Wahl zwischen dem openmoko-qtopia-Image und dem normalen openmoko-devel-Abbild. Bei der Qtopia-Oberfläche (Abbildung 5) handelt es sich allerdings eher um eine Preview als um eine funktionierende Alternative. Sie reagiert deutlich langsamer als das OpenMoko-System und bringt nur ein minimales Menü mit; der Sound-Support fehlte bei unserer Testversion komplett. Immerhin gibt es hier einen Setup-Dialog. Ist Ihre SIM-Karte per PIN-Abfrage gesperrt, können Sie mit der Qtopia-Version allerdings nicht telefonieren, da sich der passende Codes schlicht nicht eingeben lässt (Abbildung 6). Auch ohne PIN-Code-Abfrage bleibt das Telefonieren mit der Qtopia-Version ein reines Glücksspiel.

Für das Einspielen der neuen Firmware benötigen Sie zudem das Tool dfu-util aus dem Verzeichnis daily/tools. Das speichern Sie auf Ihrem Linux-Rechner und machen es mit chmod +x dfu-util ausführbar. Danach starten Sie das Freerunner in das Bootmenü, indem Sie die Aux-Taste und danach den Einschalter gedrückt halten, dann die Aux-Taste loslassen. Den Einschalter halten Sie gedrückt, bis das Bootmenü erscheint. Hat dieser Vorgang geklappt, verbinden Sie das Handy per USB-Kabel mit dem Linux-Rechner und geben hier als Root folgende zwei Befehle ein:

# ./dfu-util -a kernel -R -D uImage-*.bin
# ./dfu-util -a rootfs -R -D Openmoko-openmoko-devel.*.jffs2

Das Flashen des Kernels dauert rund 30 Sekunden, das Einspielen des neuen Root-Dateisystems ein paar Minuten. Danach booten Sie das Handy neu. Im OpenMoko-Wiki gibt es auch eine Anleitung, wie Sie ein System von der MicroSD-Karte starten. Sie führte aber in unseren Tests nicht zum gewünschten Erfolg. Auf ein Update des Bootloaders U-Boot sollten Sie verzichten, da Sie bei einem defekten Bootloader nur noch über das Entwicklerkit des Neo1973 an die Hardware herankommen.

Abb. 5: Die alternative Firmware Qtopia sieht aufgeräumter aus, befindet sich aber noch im Alpha-Stadium. Abb. 6: Wie gibt man hier den PIN-Code 6542 ein?
Infos

[1] Neo1973 im Test: René Rebe, "Hallo Neo", LinuxUser 12/2007, S. 46, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/12/046-openmoko/

[2] Bezugsquelle: http://www.pulster.de

[3] Kurze Video-Produktvorstellung: http://www.linux-magazin.de/news/video_linux_handy_neo_freerunner_mit_openmoko

[4] OpenMoko-Wiki: http://wiki.openmoko.org/wiki/Main_Page

[5] Paketmanager: http://handhelds.org/moin/moin.cgi/Ipkg

[6] Tägliche Snapshots: http://buildhost.openmoko.org/

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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