Freakware
Linux-Telefon OpenMoko "Freerunner"
Schlecht gelöst
Die größten Schwachstellen des Freerunner zeigen sich bereits bei diesen zwei Symbolen. Sie fallen – wie viele andere – nicht sehr aussagekräftig aus, wodurch sich das Gerät kaum intuitiv nutzen lässt. So hätten wir zum Beispiel hinter dem Zahnrad-Symbol eher ein Setup-Menü vermutet als ein Favoriten-Menü.
Dass sämtliche Icons in Orange gehalten sind, bringt zwar ein einheitliches Design, erschwert aber die Bedienung des Telefons. So mussten wir sämtliche Knöpfe durchprobieren, um herauszufinden, welches der drei orangefarbenen Telefon-Icons denn nun einen Anruf tätigt und welches man drücken muss, um ein Gespräch entgegenzunehmen (Abbildung 2). Hier täten die Entwickler besser daran, auf bestehende Standards zu setzen und mit roten und grünen Symbolen zu arbeiten.
Von einem Mobiltelefon erwartet der Nutzer, dass es ein Setup-Menü mitbringt, um zum Beispiel den Provider auszuwählen, die Rufnummernunterdrückung ein- und auszuschalten, den Klingelton festzulegen und so weiter. Beim Freerunner suchen Sie danach vergebens: Es gibt keinen Einstellungsdialog, Änderungen an der grafischen Oberfläche oder am Setup müssen Sie von Hand auf der Kommandozeile vornehmen. Um die digitale Uhr auf eine analoge umstellen, genügt laut Wiki folgender Befehl:
gconftool-2 --type bool --set /desktop/poky/interface/digital_clock false
Auf unserem Testgerät gab es jedoch die entsprechenden Verzeichnisse nicht. Als Paketmanager setzt die OpenMoko-Plattform laut Dokumentation [4] auf Ipkg [5], ein auf mobile Geräte optimiertes Tool, das weitgehend dem Debian-Paketmanagement folgt. Das zugehörige Binary gab es aber auf unserem Testgerät nicht; so waren wir auch nicht verwundert, dass das grafische Frontend zum Paketmanager nicht funktionierte.
Coole Features
Vom iPhone abgeschaut haben sich die OpenMoko-Entwickler die Display-Sperre. Um sie aufzuheben, müssen Sie auf dem Touchpad das OpenMoko-Logo über den Touchscreen ziehen. Das sieht nicht nur sehr hübsch aus, sondern macht auch Spaß. Dummerweise bleibt der Einschaltknopf trotz Displaysperre stets aktiv. So lässt sich das Gerät auch im gesperrten Zustand ausschalten.
Sehr gut gefielen uns die zahlreichen Spiele auf dem Freerunner --hier kann das OpenMoko-Handy mit dem iPhone mithalten. Die Terminalanwendung bildet das eigentliche Herzstück des Handys. Mangels funktionierender GUI-Applikationen müssen Sie zurzeit alle Einstellungen über die Konsole vornehmen. Dazu stehen mehrere Terminals zur Verfügung, sodass das OpenMoko ein echtes Multitasking-Gerät ist.
Positiv überrascht hat uns auch das Powermanagement des Freerunner. Das Gerät schaltet sich nach rund 3 Minuten in einen Schlafzustand, aus dem es per Druck auf einen der zwei Buttons binnen einer Sekunde wieder aufwacht. Eingehende Anrufe wecken das Handy ebenfalls. Der Akku hält so knapp zwei Tage durch, auch mit eingeschaltetem WLAN.
Schließen Sie das OpenMoko per USB-Kabel an einen Linux-Rechner an, dann startet dieser automatisch das Netzwerkinterface usb0. Diesem ordnen Sie die IP-Adresse 192.168.0.200 zu (Abbildung 3) und melden sich dann als root per SSH am OpenMoko-Handy an, das die vorgegebene IP-Adresse 192.168.0.202 besitzt. Die USB-1.0-Verbindung arbeitet relativ langsam, für administrative Aufgaben jedoch schnell genug. Dummerweise funktioniert das Powermanagement auch, wenn das Handy per USB-Kabel mit einem Rechner verbunden ist: Die SSH-Sitzung friert dann ein und wacht auch nach dem Resume nicht mehr auf. Das Freerunner lässt sich aber ausschalten, indem Sie den Power-Schalter für rund zwei Sekunden gedrückt halten.



