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Fast Food

Web-Desktop gOS Space

01.08.2008 Junge Leute brauchen eigentlich nicht viel mehr als einen PC und einen schnellen Netzanschluss – das Essen bringt der Kurier. Genau diese Generation spricht gOS Space an.

Nach gOS 1.0 und gOS Rocket 2.0 schiebt Thinkgos [1] mit gOS Space 2.9 eine neue Version des auf Ubuntu 7.10 basierenden Betriebssystems nach, das sich in erster Linie an My-Space-Nutzer richtet. Dazu bringt gOS Space neben einem leicht abgeänderten Gnome-Desktop ein spezielles Panel mit einem Stapel von Webanwendungen mit. Details zu den gOS-Versionen entnehmen Sie dem Kasten "Von Google zu My Space".

Von Google zu My Space

Hinter gOS steht die Firma Thinkgos – ein Team aus ehemaligen oder aktiven Enlightenment-Entwicklern und Designern. Sie hatten anfänglich vor, eine Art Google-OS zu entwickeln, das sehr viele Web-Anwendungen mitbringen sollte. Erste Erfolge erreichte die Firma in Amerika, als Everex das Betriebssystem auf einigen Rechnern bei Walmart verkaufte [2]. Aus dem Google-OS wurde dann ein Green-OS. Mit gOS Space kehrt Thinkgos jetzt wieder zum ursprünglichen Konzept zurück, spricht aber in erster Linie My-Space-Benutzer an. Offiziell steht die Abkürzung gOS für Good OS.

Erster Eindruck: unseriös

Sie finden gOS Space auf der Heft-DVD und können sich den Download somit sparen. Das ist auch gut so, denn die Thinkgos-Homepage hinterlässt einen zweifelhaften Eindruck: Haben Sie sich für eine der drei Thinkgos-Versionen (Space, Rocket G mit Gnome, Rocket E mit Enlightenment) entschieden, sehen Sie eine Liste von "Spiegelservern". Dabei handelt es sich nicht etwa um Mirrors einer offiziellen gOS-Downloadseite – eine solche gibt es gar nicht – sondern um meist mit Werbung und Popup-Fenstern überfrachtete kommerzielle Seiten, die unter anderem auch gOS zum Download bereitstellen.

Der erste Mirror begrüßte uns denn auch gleich mit einer 404-Fehlermeldung, der zweite war down for maintenance, der dritte ließ das ISO dann mit maximal 80 KByte/s durch das Netz tröpfeln. Die übrigen Download-Server ließen sich gar nicht erreichen. Zudem wenden alle Anbieter das von zweifelhaften Seiten bekannte Verfahren des Mehrfachklicks an – Sie müssen also zwei oder drei Mal auf einen Knopf mit der Aufschrift Download Now klicken, bis Sie endlich das gewünschte ISO-Image erreichen. Mit diesem Angebot hinterlässt die Distribution einen unseriösen ersten Eindruck.

Die Installation verläuft in der gewohnten Ubuntu-Manier: Nach dem Start des Live-Mediums klicken Sie auf dem Desktop den Installer an. Als Ubuntu-Derivat spricht gOS Space auch Deutsch, die fehlenden Sprachdateien zieht das System während der Installation aus dem Internet.

Zweiter Eindruck: verspielt

Der Space-Desktop bringt oben das Standard-Panel von Gnome mit, am unteren Fensterrand residiert ein spezielles Dock (Abbildung 1). Es dient sowohl als Schnellstarter für die Web-2.0-Programme als auch als Fensterleiste. Für die Darstellung der hübsch animierten Icons zeichnet der Avant Window Navigator [3] verantwortlich. Je nach Grafikkarte und CPU kommt es bei den Animationen zu leichten Störungen am Bildschirm: So zeichnete der Via-Chip unserer Testmaschine beim Ausfahren des Stapels (Abbildung 2) zunächst ein weißes Fenster, dann erst das transparente Menü. Bei den einzelnen Applets des Docks handelt es sich um Python-Skripte.

Abbildung 1: Der Desktop von gOS Space mit dem animierten AWN-Dock am unteren Bildschirmrand.

Abbildung 2: Per Klick auf eines der Dock-Applets fährt ein Stapel von zugehörigen Anwendungen aus.

Für sämtliche Partitionen und Laufwerke zeigt die Distribution Icons auf dem Desktop an. Das Gnome-Menü hinter dem gOS-Button haben die Entwickler stark vereinfacht. Es enthält ein paar Links auf die gOS-Homepage und die Gnome-Menüpunkte Anwendungen, Orte und System. Auf das vom Paketmanager vorgeschlagene Update auf die Ubuntu-Version 8.04 sollten Sie bei gOS Space und gOS Rocket verzichten, da einige Anwendungen danach nicht mehr funktionieren. Details dazu finden Sie im Thinkgos-Blog [4].

Hinter den Einträgen des unteren Docks befinden sich ausnahmslos Webseiten, darunter viele alte Bekannte wie Flickr, YouTube und LastFM. Das Angebot orientiert sich stark am nordamerikanischen Markt – so bekommen Sie bei den meisten TV-Anwendungen als Europäer aus rechtlichen Gründen eine Fehlermeldung statt des Films zu sehen, das gleiche gilt für den Musikdienst Pandora.

Wir entdeckten aber auch ein paar neue Anwendungen, zum Beispiel die schönen Flash-Spiele von Orisinal [5] und die noch eher rudimentäre Online-Textverarbeitung Buzzword von Adobe.

Sehr angenehm fanden wir die Systemklänge von gOS – daran könnten sich andere Distributionen ein Beispiel nehmen. Für MySpace-Mitglieder bringt das gOS-Dock vier MySpace-Minianwendungen mit. In den Tests funktionierte allerdings das Super-Graffiti-Applet nicht wie vorgesehen.

Im Vergleich zu einem Standard-Ubuntu mit Gnome oder KDE reagiert gOS Space enorm träge. Das hängt in erster Linie mit den Anforderungen des Dock und von Firefox zusammen, das Flash-Applet trägt nochmals zur hohen CPU-Belastung bei. Setzen Sie gOS auf einem Rechner mit Speedstepping ein, arbeitet die CPU praktisch dauernd auf Maximalleistung, weil gOS immer wieder rechenintensive Prozesse startet. Die Ausgabe von top zeigt stets python und Xorg an erster Stelle. Mit aktiver 3D-Beschleunigung sieht das Bild etwas besser aus.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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