Pinguin-Trio

Drei vorinstallierte Linux-Desktops

01.12.2007 Haben Sie weder Zeit noch Lust, sich beim Rechnerkauf mit Kompatibilitätsproblemen herumzuschlagen, bietet sich ein vorkonfiguriertes Linux-System an – LinuxUser nahm drei in die Mangel.

Bis es im Kaufhof, bei Media-Markt und Saturn Linux-Rechner von der Stange zu kaufen gibt, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Doch mit Dell und Shuttle bieten seit diesem Herbst zwei große PC-Hersteller zum ersten mal Rechner mit vorinstalliertem Linux zum Kauf an. Wir haben die Rechner getestet und mit einem Konkurrenzprodukt von Lincomp verglichen.

Dell Inspiron 530

Dell Inspiron 530

Um es vorweg zu nehmen: Wer den Dell-Rechner wegen des vorinstallierten Ubuntu 7.04 kauft, muss sich auf eine Enttäuschung gefasst machen: Dell hat keine 10 Minuten investiert, um Rechner und Betriebssystem aufeinander abzustimmen. Die Ausgabe von lspci vermeldet nach dem Login sämtliche Geräte als Unknown device.

So bringt die Distribution weder einen passenden Treiber für den integrierten Intel-Grafikchipsatz mit, noch für die zusätzliche Nvidia-Grafikkarte. Mangels proprietärem Nvidia-Treiber lässt sich auch die optimale Auflösung des mitgelieferten 19-Zoll-Bildschirms (1440x900 Pixel, WXGA+) nicht einstellen. Auch Suspend-to-RAM unterstützt der Rechner im Auslieferungszustand nicht – das funktioniert nur mit dem proprietären Grafikkarten-Treiber von Nvidia. Und das ist noch nicht alles: Ohne die speziell aufbereitete CD/DVD von Dell lässt sich Ubuntu 7.04 auf dem Rechner gar nicht erst installieren. Der Download des knapp 800 MByte großen DVD-Images [1] lohnt sich allerdings trotzdem nicht – wechseln Sie am besten gleich die Distribution.

@ZT_klein: Geht doch!

Aus diesen Tatsachen zu schließen, dass der Rechner sein Geld nicht Wert sei, ist hingegen voreilig: Unter OpenSuse 10.3 und dem neuen Ubuntu 7.10 verrichtet er seinen Dienst ausgezeichnet. Möchten Sie eine dieser zwei Distributionen einsetzen, steht dem Kauf des Dell-Rechners somit nichts im Wege. Bei OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 gibt es zur Hardwareunterstützung eigentlich nicht viel zu berichten: Den integrierten Kartenleser nutzen beide Distributionen ohne Treiberinstallation. Auch erkennen sie die Geforce 8300 GS korrekt, und Ubuntu installiert auf Wunsch den passenden 3D-Treiber. Die Ausgabe von lspci unter OpenSuse 10.3 sehen Sie in Abbildung 1.

Abbildung 1: OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 erkennen die Hardware des Inspiron 530 problemlos.

Mit seinem Core-Duo-Prozessor arbeitet das Dell-System zwar nicht so schnell wie etwa der getestete Shuttle-Rechner, kompiliert aber den Ubuntu-Kernel in knapp einer Minute. Gegen Aufpreis dürfen Sie im Online-Shop von Dell eine schnellere CPU auswählen. Setzen Sie den Rechner neu auf, können Sie auch auf die Maintenance-Partitionen von Dell verzichten, die auf unserem Testsystem über ein GByte beanspruchten.

Der Dell-Tower bietet viel Platz, für Erweiterungen stehen genügend Raum und Steckplätze zur Verfügung. Dank der zwei großen Lüfter (Abbildung 2) arbeitet der Inspiron 530 sehr leise, lediglich beim Einschalten rotieren die Ventilatoren mit maximaler Drehzahl. Schlecht gelöst hat Dell Unterbringung des DVD-Laufwerks: Steht die Abdeckklappe offen, kommt man kaum noch an den Laufwerksschalter heran und muss den Brenner durch Druck auf die Schublade schließen.

Abbildung 2: Zwei große, langsam drehende Lüfter sorgen für einen fast geräuschlosen Betrieb des Dell-Rechners.

Bei einem Bürorechner lohnt es sich, auf die Nvidia-Karte zu verzichten und die interne Intel-Grafik zu nutzen: Damit spart der Rechner satte 20 Watt an Leistung und arbeitet noch etwas leiser. Das Grafikboard können Sie mit etwas Glück bei E-Bay verkaufen, womit Sie – je nach Verkaufstalent – nochmals einige Euro sparen. Allerdings müssen Sie dann auf 3D-Performance verzichten, da der interne Intel-G33-Chipsatz unter Linux (noch) keinen 3D-Support bietet.

@ZT_klein:Interessante Preise

Der Ubuntu-Rechner von Dell kostet in der Grundausstattung inklusive 19-Zoll-TFT 550 Euro. Ohne Bildschirm bekommen Sie den Rechner bereits für 360 Euro (siehe Tabelle "Übersicht"). Kaufen Sie das gleiche Modell mit Windows Vista, müssen Sie 465 Euro ausgeben. Die Vista-Version ist aber nicht komplett identisch, sondern bringt zum Beispiel zwei 512-MByte-RAM-Module und eine 250-GByte-Festplatte mit, verzichtet aber auf den Kartenleser. Mit der exakt gleichen Hardware-Ausstattung zahlen Sie für das Linux-System 418 Euro. Sie sparen somit knapp 50 Euro, wenn Sie auf Windows Vista Home Basic verzichten.

Interessanter wird der Vergleich mit Monitor. Für den SE198WFP bezahlen Sie im Linux-Konfigurator nur 190 Euro – wählen Sie hingegen den Inspiron mit Vista, will Dell für den gleichen Bildschirm 260 Euro haben. Inklusive TFT kostet der Ubuntu-Inspiron somit 608 Euro, die Vista-Alternative 725 Euro. Bei der Preisdifferenz springt bereits ein LinuxUser-Jahresabo für Sie heraus.

Esprimo P2511

Fujitsu-Siemens Lincomp Esprimo Edition P2511

Beim Esprimo P2511 handelt es sich um einen speziell auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden zugeschnittenen Midi-Tower mit einem Celeron 420 (1,6 GHz), 512 MByte Hauptspeicher und einer 80-GByte-Festplatte. Die Firma Lincomp [2] vertreibt dieses System mit vorinstalliertem Ubuntu, Kubuntu oder Mandriva für 365 Euro, ohne Betriebssystem kostet der Rechner 30 Euro weniger.

Das Gehäuse des Fujitsu-Siemens-Rechners gewinnt ganz sicher keinen Design-Preis, lässt sich aber seitlich ohne Schraubenzieher öffnen. Der Hersteller hat den Rechner tendenziell auf einen leisen Betrieb ausgelegt: Anstelle eines CPU-Lüfters sorgt ein voluminöser Kühlkörper mit einem Wärmeleitkanal für die Kühlung des Celeron-Prozessors (Abbildung 3). Der Gehäuselüfter arbeitet aber lauter als die beiden Ventilatoren von Dells Inspiron zusammen.

Abbildung 3: Der große Kühlkörper führt die Abwärme der CPU dem zentralen Gehäuselüfter zu.

Ubuntu 7.04 ist auf dem Rechner im OEM-Modus vorinstalliert. Nach dem Hochfahren des Rechners stellen Sie Sprache und Zeitzone ein und legen dann Ihren Benutzeraccount an. Diese Schritte erfolgen in Englisch. Dank integrierter Intel-Grafik funktionieren Suspend-to-RAM und der 3D-Desktop problemlos, auch die Soundausgabe bereitet keine besondere Probleme. Die Kernelquellen übersetzte der Lincomp-Rechner in 68 Minuten, brauchte also fast doppelt so lange wie der LinuXPC von Shuttle.

LinuXPC

Shuttle LinuXPC SD3002Q/W

Unter dem Brand LinuXPC vertreibt der Mini-PC-Hersteller Shuttle seit Herbst 2007 ein XPC-Modell mit vorinstalliertem OpenSuse 10.2 oder mit dem Suse Linux Enterprise Desktop 10 (SLED). Das Q-Modell mit OpenSuse (SD3002Q) kostet rund 480 Euro, für die SLED-Variante (SD3002W) verlangt Shuttle 530 Euro.

Beim XPC lassen sich ähnliche Mängel feststellen wie beim Dell Inspiron: Das mitgelieferte Betriebssystem unterstützt Teile der Hardware nicht oder zumindest nicht optimal. So hat Shuttle etwa im BIOS das Suspend-to-RAM zugunsten des Stand-By-Modus deaktiviert, da weder OpenSuse 10.2 noch SLED erfolgreich aus dem Suspend aufwachen. Unter OpenSuse 10.2 funktioniert immerhin der Stand-By-Modus, beim SLED ließ er sich nicht aktivieren. Nicht viel besser sieht es mit der Grafik aus: Beide Suse-Varianten nutzen noch den alten i810-Treiber für die Intel-Grafik, damit lassen sich jedoch über den DVI-Ausgang keine höheren Auflösungen als 1024x786 einstellen. Über den VGA-Ausgang tritt dieses Problem nicht auf. Nutzen Sie die 64-Bit-Version von OpenSuse, arbeitet das System zudem nicht im 3D-Modus – das gilt auch für OpenSuse 10.3 und aktuelle Ubuntu-Versionen.

Nicht nachvollziehen konnten wir das Partitionslayout des XPC: Shuttle richtete auf der 250 GByte großen Festplatte eine 7,5 GByte große Root-Partition sowie eine 60 GByte große erweiterte Partition ein, auf der sich als logische Partition /home und der Swap-Bereich befinden. Der unpartitionierte Platz lässt sich somit nur noch in zwei primäre Partitionen einteilen, weitere logische sind nicht mehr möglich. Linux-Profis stört dieser Umstand wohl weniger; Einsteiger dürften sich aber wundern, warum Sie nur einen Bruchteil der 250 GByte nutzen können.

Der Shuttle-Rechner arbeitet leise, eignet sich jedoch wegen des DVD-Brenners von NEC nicht als Wohnzimmer-PC. Das Laufwerk macht einen höllischen Lärm und lässt sich mit Linux-Tools nicht heruntertakten. Um einen DVD-Film wirklich genießen zu können, müssen Sie somit eine sehr laute HiFi-Anlage besitzen.

Trotz dieser Probleme lässt sich der SD3002W als Linux-tauglich empfehlen. Mit aktuellen Distributionen funktioniert Suspend-to-RAM problemlos, die Schwierigkeiten mit dem DVI-Ausgang treten unter Ubuntu 7.04 und OpenSuse 10.3 ebenfalls nicht mehr auf. Auch die 7.1-Soundausgabe klappt bei aktuellen Distributionen auf Anhieb (Abbildung 4). Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 15 Watt rechtfertigt sich über die Jahre auch der Preis. Setzen Sie nicht auf eine Celeron-CPU, sondern geben zusätzlich rund 100 Euro für eine Intel-Core2-Duo-Prozessor aus, verwandelt sich der Mini-PC in einen echten Kraftprotz: Das Testsystem brauchte lediglich 38 Minuten, um die Kernelquellen von Ubuntu 7.04 zu übersetzen.

Abbildung 4: Über das Gnome-Mischpult lassen sich sämtliche Kanäle der 7.1-Soundausgabe separat steuern.

Fazit

Trotz einiger Mängel beim mitgelieferten Betriebssystem stellen Dell und Shuttle zwei Rechner bereit, die mit den allerneuesten Linux-Distributionen problemlos zusammenarbeiten. Von einem perfekt vorkonfigurierten System kann aber in beiden Fällen nicht die Rede sein. Besser sieht es beim Esprimo P2511 von Lincomp aus: Hier gibt es nach dem Anschalten und Durchklicken des OEM-Wizards eigentlich nichts mehr zu tun.

Übersicht

Modell

Insprion 530

Lincomp Esprimo Edition P2511

LinuXPC SD3002Q/W

Hersteller Dell Fujitsu-Siemens Shuttle
CPU Intel Core Duo E2140 Intel Celeron 420 Intel Core 2 Duo E4400
Takfrequenz 1,6 GHz 1,6 GHz 2,0 GHz
RAM 512 MByte 512 MByte 1024 MByte
Festplatte Seagate ST3160815AS, 160 GByte SATA Western Digital WD800JD-55MU, 80 GByte SATA SAMSUNG SP2504C, 250 GByte SATA
CD/DVD Lite-On DH-16W1S, DVD+/-RW, SATA Lite-On DH-16D1S, DVD-ROM, SATA Sony/NEC AD-7170A, DVD+/-RW, IDE
Steckplätze 4 x RAM (1 belegt), 4 x SATA (2 belegt), 1 x 64-Bit PCI-E (belegt), 1 x 16-Bit PCI-E, 2 x PCI 2 x RAM ( 1 belegt) 3 x SATA (2 belegt), 1 x PCI-E, 1 x PCI 2 x RAM (2 belegt), 2 x SATA (1 belegt), 1 x IDE, 1 x PCI-E (64-Bit, belegt), 1 x PCI
Anschlüsse (Front) 4 x USB 2.0, Kopfhörer, Mikrofon, 8 in 1 Kartenleser 2 x USB 2.0, Kopfhörer, Mikrofon 2 x USB 2.0, 1 x Firewire 400 Mini
Anschlüsse (Rückseite) 4 x USB 2.0, 7.1-Sound, Fast-Ethernet, VGA 6 x USB 2.0, Kopfhörer, Mikro, Line-In, 1 x seriell, VGA, Fast-Ethernet 4 x USB 2.0, 1 x Firewire 400, Maus und Tastatur (PS/2), 7.1-Sound, VGA, DVI, 1 x seriell, Gigabit-Ethernet
Grafikkarte Nvidia Geforce 8300 GS 128 MByte, Intel G33 (onboard, shared memory) Intel GM950 (shared memory) Intel 945G (shared memory)

Linux-Unterstützung

Installiertes Betriebssystem Ubuntu 7.04 Ubuntu 7.04 OpenSuse 10.2 (Q) / Suse Linux Enterprise Desktop 10 mit SP1 (W)
3D-Support X X X
Suspend (Disk/Ram/Standby) X / X / 0 X / X / 0 X / * / X
Cardreader X (alle gängigen Formate) 0 0
Speedstep X 0 X
Stromverbrauch (Max./Typ./Susp./Aus) 130W / 80W / 12W / 12W 90W / 70W / 11W / 11W 80W / 15W / 15W / 2W

Preis und Support

Support nur gegen Aufpreis nur gegen Aufpreis
Garantie 12 Monate, bis 5 Jahre gegen Aufpreis 12 Monate 24 Monate
Bezugsquelle http://dell.de/ubuntu https://de.lincomp.eu/ http://sys.eu.shuttle.com/home.jsf
Preis ca. ab 360 Euro (ohne Monitor) 365 Euro ab 480 Euro (Testkonfiguration: 750 Euro)

X = Linux-kompatibel, 0=Nicht vorhanden * = vorhanden, aber nicht unterstützt

Infos

[1] Dells Ubuntu-Images: http://linux.dell.com/dru/images/

[2] Lincomp: https://de.lincomp.eu

Einem Freund empfehlen    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare