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Konsolitis multimedialis

Sound, Video und News über die Kommandozeile

01.12.2007 Auch die Konsole bietet das volle Multimedia-Programm: Streams abspielen, Bilder bearbeiten und CD/DVDs auslesen mit ein paar Befehlen.

Mithilfe des Konsolentools Mencoder verwandeln Sie einen Film in ein anderes Format, skalieren ihn und machen so aus einem mehrere GByte großen DVD-Film schlankes MPEG4-Material, das auf eine CD passt. Mencoder nutzt dazu die Codecs von Ffmpeg. Zum Betrachten der Resultate müssen Sie – wie in Ausgabe 10/2007 beschrieben [1] – den Framebuffer aktivieren. Die Tabelle "Repositories" führt auf, über welche externen Paketquellen Sie Mencoder als Nutzer von Ubuntu und OpenSuse installieren und welche Alternativen es für die einzelnen Programme gibt.

Drei Schritte zum Video

DVDs wandeln Sie gewöhnlich in drei Schritten um (3-Pass-Enkodierung): Zunächst lesen Sie nur die Audiospur des Films aus, dann transkodieren Sie das Video aus dem VOB-Format ins MPEG4-Format und legen den Audio-Track darüber. Basierend auf den dabei gewonnenen Daten verbessern Sie schließlich die Qualität des Films. Doch ein Schritt nach dem anderen:

$ mencoder -oac mp3lame -lameopts br=96:cbr:vol=6 -ovc frameno -o ziel.avi dvd://7

Dieser erste Befehl extrahiert die Audiospur aus dem siebten Titel einer im Laufwerk befindlichen DVD und speichert ihn als ziel.avi. Der Befehl mplayer -identify -nosound -novideo dvd:// zeigt Ihnen, welche Titel und Kapitel sich überhaupt auf der DVD befinden. Die Tabelle "Audiospur auslesen" erklärt, was die weiteren Parameter des Befehls bewirken.

Audiospur auslesen

Parameter

Wirkung

-oac mp3lame Mencoder verwandelt die Audiospur mit Lame ins MP3-Format.
-lameopts br=96:cbr:vol=6 Die Optionen für die MP3-Datei: Die Bitrate beträgt 96 kbit/s (br=96), es handelt sich um eine konstante Bitrate (cbr) und die Lautstärke liegt im Mittelfeld zwischen 0 und 10 (vol=6).
-ovc frameno im ersten Schritt der 3-Pass-Enkodierung soll keine Bildumwandlung stattfinden

Nun folgt ein Zwischenschritt, über den Sie Crop-Werte ermitteln. Dabei bestimmen Sie über die Option cropdetect, welchen Ausschnitt Sie aus dem Rohmaterial herausschneiden, damit die schwarzen Streifen an den Rändern verschwinden:

$ mencoder -sws 2 -oac copy -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4:vhq:vbitrate=629:vpass=1 -vf cropdetect,scale= 720:576 -o ziel.avi dvd://7

Die Umwandlung beginnt, die Kommandozeile spuckt nach etwa 10 Sekunden die benötigten Crop-Werte aus (Abbildung 1). Ersetzen Sie cropdetect einfach durch den angezeigten Crop-Wert, etwa crop=720:640:0:0.

Abbildung 1: Mit Mencoder schrumpfen Sie unter anderem Filme von DVDs, damit sie auf eine CD-passen. Dazu wandeln Sie das Filmmaterial in ein anderes Format um.

Dann starten Sie den eigentlichen zweiten Durchgang, an dessen Ende eine erste Fassung des fertigen Films steht. Die zahlreichen Optionen entschlüsselt hier die Tabelle "Video umwandeln".

Video umwandeln

Parameter

Wirkung

-sws 2 bikubisch skalieren
-oac copy kopiert nur die Audiospur
-ovc lavc benutzt die Libavcodec-Bibliothek, die diverse Videocodecs mitbringt
-lavcopts vcodec=mpeg4:vhq:vbitrate=629:vpass=1 Details zum gewählten Codec: Film wird in das MPEG4-Format umgewandelt (vcodec=mpeg4), in bester Qualität (vhq), mit einer Bitrate von 629 kbit/s. Es handelt sich um den ersten Durchgang beim Enkodieren (vpass=1).
-vf cropdetect,scale=720:576 Cropdetect erkennt den Crop-Wert, den Sie hier später einsetzen, scale skaliert den Film auf PAL-Auflösung

TIPP

Wollen Sie den Film am Ende in einer 16:9-Auflösung erhalten, ändern Sie den Wert hinter scale= auf 704:304. Laufen Audio- und Videospur im Ergebnisfilm asynchron zueinander, hilft beispielsweise die Autosync-Option beim Enkodieren.

Der letzte Streich erfolgt sogleich: Der dritte Durchgang. Da nutzen Sie einfach wieder die eben vorgestellte Zeile, ersetzen aber vpass=1 durch vpass=2. Das war's schon. Was macht die Zeile anders? Sie verwendet eine im ersten Durchgang angelegte Log-Datei und verbessert basierend auf den darin enthaltenen Daten die Qualität des produzierten Films.

Eine ausführliche Erläuterung der Details sprengt den Rahmen dieses Artikels. Es gibt aber zahlreiche Anleitungen in deutscher und englischer Sprache, die weiterhelfen ([2],[3],[4],[5]). Beim Feintunen des Ergebnisses helfen zudem die Handbuchseiten von Mencoder (man mencoder).

Schnappschüsse

Auch im Bildbereich geht einiges: So erlaubt es das Tool Fbgrab, Screenshots von der Kommandozeile aufzunehmen. Der Befehl lautet fbgrab screenshot.png und setzt ebenfalls die Existenz des Framebuffers voraus. Nun wollen Sie aber vermutlich nicht nur den Aufruf des Screenshot-Tools dokumentieren. Geben Sie also:

$ fbgrab -s 5 screenshot.png

ein und wechseln Sie über [Strg]+[Alt]+[F4] auf ein anderes Terminal. Dort soll die Anwendung laufen, die Sie fotografieren möchten, wobei Sie die 4 je nach Bedarf durch andere Terminals ersetzen. Warten Sie einen Augenblick, und nach 5 Sekunden (-s 5), kehren Sie zum ursprünglichen Terminal zurück, wo der Screenshot auf Sie wartet. Die Manpage von Fbgrab verrät nebenbei auch, wie Sie Bilder in bestimmter Größe und Qualität erzeugen.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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