Glücksspiel
DVB-T-Empfänger unter Linux
DVB-T via USB
Die kleinen USB-Sticks eignen sich besonders für unterwegs oder den Fernsehgenuss zwischendurch, verursachen aber bei der Inbetriebnahme ungleich mehr Aufwand als ihrer PCI-Vettern. Nach dem Einstöpseln gilt es zunächst einmal festzustellen, ob Linux das USB-Gerät als solches erkannt hat. Dabei hilft die Eingabe von dmesg in einem Terminalfenster. Die letzten Zeilen der durchrasenden Textwüsten sollten so ähnlich aussehen, wie in Abbildung 1 und 2. Linux teilt hier unter anderem mit, dass es den USB-Stick als solchen erkannt hat.
Das bedeutet allerdings noch nicht, dass dazu auch ein passender Treiber existiert. Deshalb sollte man kurz seinen Blick ins Verzeichnis /dev richten. Taucht dort ein Ordner namens dvb auf, ist der DVB-T Stick bereits vollständig betriebsbereit. Andernfalls gilt es noch einmal die Ausgabe von dmesg zu begutachten. Diese verlangt im besten Fall nach einer Firmware und nennt gleich den passenden Dateinamen. Nach ihm fahndet man nun im Internet und lädt die entsprechende Datei herunter. Die kopiert man als root ins Verzeichnis /lib/firmware, zieht den Stick kurz ab und stöpselt ihn direkt wieder ein. Die erneute Eingabe von dmesg sollte nun eine Erfolgsmeldung ausspucken – falls nicht, bringt Ihre Distribution keinen passenden Treiber mit. Sie können dann noch versuchen, eine Entwicklerversion aktueller DVB-T-Treiber zu installieren. Details dazu lesen Sie im Kasten "Letzte Rettung".
Im Testparcours erforderten alle USB-Sticks bis auf den AverTV DVB-T Volar den besagten Rettungsversuch. Der Avermedia-Stick glänzt zudem mit einer sehr guten Ausstattung: Neben einem ausreichend langen Antennenkabel liegt in der Packung auch ein USB-Verlängerungskabel. Letzteres löst ein Problem, das auch viele andere Empfänger befällt: Bedingt durch die etwas dickliche Bauart beanspruchen die DVB-T-Sticks um den USB-Port herum etwas mehr Platz. Sollen dort auch noch USB-Maus oder Tastatur Anschluss finden oder handelt es sich um ein schickes, extraflaches Notebookmodell, wird es dort schnell eng. Ein Verlängerungskabel entspannt die Situation dann deutlich.
Letzte Rettung
Unterstützt Ihre Lieblingsdistribution den DVB-T Empfänger nicht, gibt es zwei Hoffnungsträger. Doch Vorsicht: Die nachfolgend aufgezeigten Schritte können Ihr System unter Umständen lahmlegen.
Spielen Sie mit dem Paketmanager die Kernelquellen und die wichtigsten Build-Werkzeuge ein – unter OpenSuse etwa die Pakete kernel-source, make und gcc, bei Ubuntu linux-source, linux-headers und build-essential. Als nächstes besorgen Sie sich das aktuelle Treiberpaket von Linuxtv.org [2] und entpacken es in Ihr Home-Verzeichnis. Dort geben Sie in einem Terminalfester den Befehl make und anschließend sudo make install ein. Die Treiber überschreiben zahlreiche bereits vorhandene auf dem Zielsystem, in der Regel kommt es dabei aber nicht zu Problemen.
Den zweiten Rettungsring liefert Markus Rechenberger: Er bietet auf seinen Seiten ein alternatives Treiberpaket an, das die meisten DVB-T-Empfänger unterstützt, die die offiziellen Treiber noch nicht abdecken [3]. Das betrifft insbesondere Modelle mit einem Chipsatz der EM28xx-Serie. Um die alternativen Treiber zu installieren, zücken Sie zunächst wieder den Paketmanager und installieren neben den Kernelquellen noch das Programm mercurial. Anschließend öffnen Sie ein Terminalfenster und laden mittels des Befehls
hg clone http://mcentral.de/hg/~mrec/v4l-dvb-experimental
die Treiber aus dem Internet. Wie das experimental im Namen schon andeutet, befinden sich diese noch in der Entwicklung. Eine als stabil gekennzeichnete Variante existiert zwar, funktioniert aber nur mit Kernelversionen bis einschließlich 2.6.19.2. Wollen Sie diesen Treiber ausprobieren, dann holen SIe die Dateien per
hg clone http://mcentral.de/hg/~mrec/v4l-dvb-kernel
Nach dem Download wechseln Sie je nach gewähltem Code in das neue Verzeichnis v4l-dvb-experimental oder v4l-dvb-kernel und rufen make auf. Unter OpenSuse bemängelt make das Fehlen der Datei netdevice.h. Kopieren Sie diese aus /usr/src/linux/include/linux/ in das vom Treiber gewünschte Verzeichnis.
Hat make sein Werk vollendet, installieren Sie die Treiber über sudo make install. Anwenderberichten zufolge sollen auch die experimentellen Treiber einwandfrei funktionieren. Für die hier getesteten USB-Sticks galt dies jedoch nicht: Beim "Pinnacle TV for Mac Hybrid Stick" ließ sich beispielsweise nur der analoge Teil aktivieren. Etwas besser sah es zunächst bei der Terratec Cinergy T USB XE aus. Der neue Treiber erkannte den Stick und band ihn auch korrekt ein. Beim Zugriff über Kaffeine fror das gesamte System jedoch reproduzierbar ein und ließ sich erst durch einen Reset wieder zum Leben erwecken. Ein Regelbetrieb war damit jedenfalls nicht möglich. Bei alle anderen USB-Sticks im Testfeld blieb auch mit dem alternativen Treiber der Bildschirm dunkel.
DVB-T via Cardbus
Auch für die zwei getesteten Cardbus-Geräte gibt es im V4L-Repository von Markus Rechenberger Treiber. Aktuelle Distributionen unterstützen die Avermedia-Karte mit einem Zarlink MT352-Chipsatz über das Kernelmodul saa7134_dvb von Haus aus. Es fehlt aber eine passende Firmware, die Sie auf den Blog-Seiten von Konstantin Filtschew finden [4]. Sie benötigen Version 3 der zum Download bereitstehenden Dateien.
Die Pinnacle-Karte besitzt ebenfalls einen Zarlink-Chipsatz (ZL10353) und funktioniert unter den gleichen Voraussetzungen wie das Avermedia-Gerät. Pinnacle scheint allerdings die Firmware verändert zu haben: So meldet das System beim Tuning-Versuch einen Fehler. Das verwirrt insofern, als Kaffeine den DVB-T-Adapter zwar durchaus als solchen erkennt, aber keinen Programmscan durchführt. Zurzeit funktioniert somit nur der analoge Tuner unter Linux.



