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Glücksspiel

DVB-T-Empfänger unter Linux

01.12.2007 Wer ohne Kabel oder Satellitenschüssel fernsehen möchte, ist auf einen DVB-T-Empfänger angewiesen. Mit ein bisschen Glück finden Sie auch einen Adapter, der mit Linux zusammenarbeitet.

Nachdem das digitale Antennenfernsehen zunächst viel Kritik einstecken musste, erfreut es sich mittlerweile wachsender Beliebtheit. So entdecken es viele Haushalte als günstigen Ersatz für den Kabelanschluss. Diesen Trend heizen die Hersteller von TV-Karten weiter an, indem sie die Elektronikmärkte mit ihren Produkten regelrecht überschwemmen. Eine Auswahl der teils bunten DVB-T-Empfänger musste beweisen, ob sie auch unter Linux das Überallfernsehen auf den Monitor zaubern.

Im Hinblick auf das kommende Weihnachtsfest haben wir einen bekannten Elektromarkt geplündert und insgesamt sieben USB-Sticks, sowie vier Steckkarten und zwei Cardbus-Geräte auf ihre Linux-Tauglichkeit hin überprüft. Die Tabelle "Das Testfeld" führt alle angetretenen Kandidaten auf. Das Ergebnis – so viel sei schon vorab verraten – fällt reichlich ernüchternd aus: Lediglich vier Testsamples ließen sich zur Mitarbeit bewegen, zwei weitere beherrschen immerhin den analogen Empfang.

Das Testfeld

Hersteller Pinnacle Pinnacle Pinnacle Terratec Terratec Terratec Avermedia Hauppauge LifeView Pinnacle Terratec Avermedia Pinnacle
Modell Dazzle TV Stick TV for Mac Hybrid Stick PCTV DVB-T Flash Stick Cinergy Piranha Cinergy HT USB XE Cinergy T USB XE AverTV DVB-T Volar WinTV-HVR 1300 FlyDVB Trio PCTV Dual DVB-T Pro PCI Cinergy 2400i DT AverTV Hybrid+FM PCTV Hybrid Pro Card
Schnittstelle USB USB USB USB USB USB USB PCI PCI PCI PCI Express Cardbus Cardbus
Zubehör Stabantenne Stabantenne Stabantenne Mini-Stabantenne mit Spezialbuchse Stabantenne Stabantenne Stabantenne, Antennenadapter, USB-Verlängerung Antenne (für Radioempfang), Fernbedienung, IR-Kabel Antenne, Fernbedienung, IR-Kabel, Videokabel Fernbedienung Fernbedienung Antenne, Fernbedienung Antenne, Fernbedienung
Preis (ca.) 45 Euro 100 Euro 70 Euro 70 Euro 55 Euro 40 Euro 40 Euro 80 Euro 130 Euro 80 Euro 109 Euro 60 Euro 90 Euro
Betrieb unter Linux nein nur analog nein nein nur analog nein(*) ja ja ja nein nein ja nur analog

(*)Absturz unter alternativem Treiber

Das neue Fernsehen

Das digitale Antennenfernsehen liest sich auf dem Papier recht verführerisch: Über 30 Programme in bester Bildqualität, das Ganze rauschfrei und dank kleiner Stabantennen auch unterwegs genießbar – nicht umsonst spricht die Werbung vom "Überallfernsehen". Die Sendetechnik hat sich in den letzten Jahren nicht grundlegend verändert. Um trotzdem 30 Programme und mehr verbreiten zu können, komprimieren die Sendeanstalten zunächst das digitalisierte Bildmaterial, bevor sie es mit mehreren anderen Programmen durch einen herkömmlichen Kanal quetschen. Je höher die Kompression, desto mehr Programme passen in einen Kanal, doch parallel sinkt auch die Bildqualität. Im direkten Vergleich mit digitalem Satelliten- oder Kabelfernsehen zieht die Antenne meist den Kürzeren, HDTV-Programme sind nur mit Einschränkungen möglich. Um diese Grenzen zumindest etwas aufzuheben, arbeitet eine Kommission bereits am Nachfolgestandard DVB-T2. Ihn spricht jedoch keiner der vorgestellten Testkandidaten, auch nachrüsten lassen wird er sich in den meisten Fällen wohl nicht.

Die Qualität des Signals steigt und fällt mit der Entfernung zum Sendemast. Ab einer bestimmten Distanz kommen Sie um eine aktive Antenne mit Stromanschluss nicht mehr herum, die eine verbesserte Empfangsleistung bietet. Keinem der getesteten DVB-T Empfänger lag eine solche bei, sodass man gerade in ländlichen Gebieten noch einmal den Geldbeutel zücken muss. Eine Übersicht, wo welche Programme via DVB-T senden, liefert die Homepage der DVB-T-Taskforce von ARD und ZDF [1].

Die erste Anlaufstelle für den fernsehenden Linux-Liebhaber bildet die Internetseite Linuxtv.org [2]. Das dort beheimatete Projekt entwickelt emsig neue Treiber, die dann nach einer ausgiebigen Testphase im Linux-Kernel und somit wiederum in jeder Distribution landen. Als Faustregel gilt dabei: Je neuer die Distribution, desto mehr DVB-T Empfänger unterstützt sie – je älter der Empfänger, desto wahrscheinlicher funktioniert er unter Linux. Für unseren Test griffen wir daher zum nigelnagelneuen OpenSuse 10.3 sowie dem letzten Release Candidate von Ubuntu 7.10.

DVB-T via PCI

Hauppauge WinTV-HVR 1300

LiveView FlyDVB Trio

DVB-T Karten für den PCI-Steckplatz lassen sich normalerweise recht schnell in Betrieb nehmen: Man platziert die Karte schlicht in einen freien PCI-Steckplatz und schaltet anschließend den Computer ein. Linux erkennt die Karte beim Start und richtet sie automatisch ein. OpenSuse-Besitzer dürfen für die Feineinstellungen noch das TV-Modul in YaST heranziehen (unter Hardware | TV-Karte).

Auf diese Weise ließen sich die Hauppauge WinTV-HVR 1300 und die LifeView FlyDVB Trio komfortabel und ohne zu Murren in Betrieb nehmen. Einzig für die Karte aus dem Hause Pinnacle fand der Kernel keinen Treiber und ließ sie folglich untätig in ihrem Steckplatz schmoren. Gleiches geschieht übrigens auch mit sämtlichen PCI-Express-Karten, wie beispielsweise der Cinergy 2400i DT: Mangels Treiber geben diese unter Linux derzeit keinen Mucks von sich. Wer in seinem Computer nur noch PCI-Express-Steckplätze vorfindet, muss somit zwangsweise auf einen USB-Stick ausweichen.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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