Qual der Wahl

Der Linux-Kernel ist modular aufgebaut: Verschiedene Funktionen (zum Beispiel die Unterstützung für ein bestimmtes Dateisystem oder eine bestimmte Soundkarte) lassen sich beim Neubau aktivieren oder deaktivieren. Je mehr Funktionen aktiviert sind, desto größer wird der Kernel – theoretisch. In der Praxis dauert nur der Kompiliervorgang länger, sofern Sie die on-demand-load-Funktion des Kernels nutzen.

Die meisten Kernel-Features lassen sich sowohl als Modul in den Kernel integrieren als auch fest einkompilieren. Nur die fest einkompilierten Bestandteile bleiben stets im Arbeitsspeicher. Kernel-Module lädt Linux nur bei Bedarf. Deshalb spielt es es in der Praxis – bis auf einen Platzverbrauch in der Größenordnung von 50 MByte auf der Festplatte – keine Rolle, wenn nicht benötigte Kernel-Funktionen als Modul aktiviert sind (vgl. Abbildung 2).

Vorarbeit

Da Linux-Distribution auf möglichst jeder Hardware laufen sollten, ist es gängige Praxis, bei den mitgelieferten Kerneln so gut wie alle Funktionen als Modul einzubauen – ausgenommen extrem selten benötige Bestandteile oder solche, die Probleme verursachen. Diese Vorkonfiguration sollten Sie übernehmen: Die Kernelkonfiguration in allen Details zu verstehen, erfordert viel Hintergrundwissen.

Die meisten Distributionen legen die Standard-Konfiguration des Kernels in der Datei /boot/config-Kernelversion ab. Die Version des laufenden Kernels erfahren Sie als Root über uname -r. Suse-Anwender finden die Kernelkonfiguration nicht im Verzeichnis /boot, dafür generiert der laufende Kernel dynamisch im /proc-Verzeichnis eine Datei config.gz. Kopieren Sie diese in das Kernel-Verzeichnis, entpacken Sie sie mit gunzip config.gz und benennen Sie sie in .config um.

Alle make-Befehle führen Sie stets als Root und aus dem Verzeichnis /usr/src/linux-Kernelversion heraus aus. Reinigen Sie einen neu entpackten Kernelbaum zunächst mit make mrproper von eventuellen Resten aus dem Entwicklungsprozess. Kopieren Sie die nun die Konfigurationsdatei mit cp /boot/config-Kernelversion /usr/src/linux-Kernelversion/.config in den Kernelbaum.

Der Kernel bringt ein Qt-, ein Gtk-, sowie ein konsolenbasiertes Frontend zur Konfiguration mit. Damit wählen Sie aus, welche Funktionen Ihr selbstkompilierter Kernel beherrschen soll. In diesem Konfigurationsmenü, das bei allen Frontends die gleichen Einträge enthält, finden sich mehrere hundert Einstellungen – was zunächst abschreckt.

Doch dank der kopierten Konfigurationsdateien ist der Kernel zum Glück bereits vorkonfiguriert, wenn Sie nun das Konfigurationswerkzeug mit make menuconfig (Konsolen-Version), make gconfig (Gtk-Version) oder make xconfig (Qt-Version) starten (Abbildung 2). Die Konsolen-Version benötigt ncurses-devel, gilt jedoch als das zuverlässigste Werkzeug.

Wenn Sie eine .config-Datei aus einer älteren Kernelversion in ihren Quellbaum kopiert haben, müssen Sie Menuconfig oder ein anderes Konfigurationstool einmal aufzurufen, bevor Sie mit dem Kompilieren beginnen: Dies ergänzt die Konfigurationsoptionen, die bei der neuen Kernelversion hinzugekommen sind, mit der Standardeinstellung.

Sie sollten die Konfiguration nun jedoch beenden, ohne Einstellungen zu verändern: Wählen Sie in Menuconfig respektive Xconfig so lange die Option Exit, bis das Tool Sie fragt, ob Sie die Konfiguration speichern möchten. Bejahen Sie dies. In Gconfig dagegen müssen Sie für das Speichern selbst Sorge tragen, anderenfalls gehen die Einstellungen verloren.

Erst wenn Sie den neuen Kernel erstellt und einmal erfolgreich gebootet haben, rufen Sie das Konfigurationswerkzeug erneut auf und verändern die Kernelkonfiguration bei Bedarf weiter.

Abbildung 3: Ein Aufruf des Konfigurationstools ergänzt .config-Dateien älterer Kernel-Versionen um fehlende Einstellungen.

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