Videos erstellen

Obwohl Sie den MPEG-Encoder gleich aus mehreren KDE-Grafik-Tools aufrufen können, beschränken wir uns in diesem Artikel auf Digikam, das Multitalent zum Verwalten von Fotos. Besitzen Sie gar keine Kamera und verwenden den Encoder in Showimg oder Gwenview, dann ändert sich nur der Menüpunkt, unter dem Sie die Erweiterung erreichen. Die Oberfläche des Encoders präsentiert sich unter allen KDE-Anwendungen identisch.

Digikam verwaltet Bilder in so genannten Alben, die nichts anderes sind als Ordner auf der Festplatte. Beim ersten Start erfragt es den Albumpfad und erwartet die Angabe eines Ordners, in dem es seine Fotoalben anlegt. Über den Menüpunkt KameraKamera hinzufügen, machen Sie das Programm sowohl mit USB-Mass-Storage-Geräten als auch mit Kameras bekannt, die von der Treiber-Software Gphoto2 unterstützt wird. Im Menü Kamera erscheint danach jeder Fotoapparat als separater Menüpunkt, über den Sie auf die Bilder zugreifen.

Liegen alle Bilder, die Sie auf eine VCD, SVCD oder DVD brennen möchten, in einem Digikam-Ordner, markieren Sie diesen und wählen die gewünschten Aufnahmen mit gedrückt gehaltener [STRG]-Taste aus (Abbildung 2). Hintereinanderliegende Sequenzen markieren Sie noch schneller, indem Sie die Umschalttaste drücken und dann das erste und das letzte gewünschte Foto anklicken. Wollen Sie dagegen einen Datenträger mit Aufnahmen aus mehreren Alben bestücken, haben Sie auch später im Encoder-Dialog noch die Möglichkeit, weitere Aufnahmen zur Bildliste hinzuzufügen.

Abbildung 2: Sie können schon in einem Albumordner die Aufnahmen markieren, aus denen Sie das Video zusammenstellen wollen.

Über ToolsMPEG Encoder rufen Sie den entsprechenden Dialog auf. Wenn Sie das Plug-in zum ersten Mal starten, informiert Sie eine Dialogbox darüber, dass Sie den Pfad für die Bildbearbeitungs-Tools aus dem ImageMagick-Paket überprüfen müssen. Auch diese Kommandozeilenwerkzeuge ruft das Plug-in auf. Der Hinweis öffnet sich jedoch hinter dem Programmfenster, so dass Sie ihn erst mit einem Druck auf [Alt]+[Tab] in den Vordergrund holen und schließen müssen, da sonst das Programmfenster nicht auf weitere Eingaben reagiert. Klicken Sie im Encoder (Abbildung 3) auf >Einstellungen und bestätigen Sie den folgenden Dialog über OK. Wenn Sie ImageMagick als Distributionspaket installiert haben, ist der standardmäßig eingetragen Pfad /usr/bin (Abbildung 4) korrekt.

Abbildung 3: In diesem Dialog legen Sie alle Einstellungen für die Filmproduktion fest.
Abbildung 4: Bevor Sie den Encoder das erste Mal nutzen, kontrollieren Sie den Pfad zu den Programmen des ImageMagick-Pakets.

Standardmäßig ist hinter Video format and type der Eintrag SVCD (Super-Video-CD) eingestellt. Wenn Sie keinen DVD-Brenner besitzen oder sich zusätzliche Arbeit ersparen wollen, sollten Sie es dabei belassen. Die Bildqualität bei VCDs ist schlechter, bei DVDs wartet beim Brennen zusätzliche Arbeit auf Sie. Die Vorgabe PAL für die Fernsehnorm behalten Sie ebenfalls bei.

Der Wert hinter Image Duration bestimmt, wie viele Sekunden jedes Bild im Video zu sehen ist. Je länger Sie eines anzeigen lassen wollen, desto mehr Zeit benötigt das Erzeugen (und Abspielen) des Videos. Mit Ihrer Wahl in der der Drop-down-Box Transition Speed entscheiden Sie, ob der Bildwechsel direkt erfolgt oder ob ein Überblendeffekt zum Einsatz kommt.

Geben Sie in der Eingabezeile unter MPEG Output Filename den Pfad und Namen des zu erzeugenden Videos an, wenn Sie mit der Vorgabe /home/Benutzername/output.mpg nicht zufrieden sind. Audio Input Filename nimmt schließlich den Namen einer Audio-Datei auf, mit dem der Encoder das Video musikalisch hinterlegt. Dabei führt er keine Längenberechnung durch. Ist die Abspieldauer der Datei kürzer als das Video, bricht die Musik mitten im Film ab.

In der Dateiliste unten links finden Sie bereits die Bilder, die beim Start des Encoders markiert waren. Über die vier daneben liegenden Buttons ändern Sie die Auswahl und die Reihenfolge der Fotos. Ältere Digikam-Versionen, wie beispielsweise jene, die Suse Linux 9.1 beiliegt, haben hier einen unschönen Bug: Das Umsortieren der Bilder über die Schaltflächen Image Up und Image Down führt dort reproduzierbar zu einem Absturz von Digikam.

Mit einem Klick auf Encode starten Sie die Videoproduktion. Der Vorgang benötigt viel Rechenleistung und dauert selbst auf schneller Hardware ziemlich lange. Das Plug-in zeigt mit dem Fortschrittsbalken am unteren Fensterrand an, zu wie viel Prozent es seine Arbeit schon erledigt hat. Außerdem sehen Sie in der Vorschau immer das Bild, welches der Encoder gerade konvertiert (Abbildung 5). Ist die Videodatei erzeugt, haben Sie in der Dialogbox mit der Erfolgsmeldung die Möglichkeit, über einen Klick auf Extras die Kommandozeile anzuzeigen, die der MPEG-Encoder im Hintergrund aufgerufen hat (Abbildung 6).

Haben Sie den Vorgang abgebrochen und möchten ihn danach erneut starten, ist es nötig, den MPEG-Encoder zu schließen und erneut zu starten. Das Plug-in entfernt sonst seine temporären Dateien nicht und es kommt beim zweiten Aufruf zu einer Fehlermeldung.

Abbildung 5: Am Fortschrittsbalken und dem angezeigten Vorschaubild sehen Sie, wie weit der Encoder mit seiner Arbeit ist.
Abbildung 6: Mit welchem Befehl der Encoder ein Video erstellt, erfahren Sie im Detailfenster der Erfolgsmeldung.

Auf CD oder DVD

Das so erstellte Video schauen Sie probehalber mit einem Player wie Kaffeine an. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, können Sie die Datei für eine VCD oder SVCD direkt mit K3b brennen. Das Programm greift dabei automatisch auf Vcdimager zu, welches Sie eventuell von den Installationsmedien Ihrer Distribution nachinstallieren müssen. Sobald Sie sich für ein Neues Video-CD-Projekt entscheiden und das erzeugte Video ins Projektfenster ziehen, öffnet sich bei einem Klick auf Burn der Video-CD-Dialog. Das richtige Format (VCD oder SVCD) ermittelt K3b anhand der zu brennenden Datei (Abbildung 7) , so dass Sie die Voreinstellungen dort übernehmen können.

Etwas komplizierter gestaltet sich die Sachen, wenn Sie eine DVD erzeugen. K3b erwartet, dass beim Brennen bereits die entsprechenden Dateien mit der Endung .vob und .ifo vorliegen. Diese erzeugen Sie beispielsweise mit einem Tool wie Dvdauthor. Wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie in einem LinuxUser-Artikel unter [7].

Abbildung 7: K3b erkennt an der Eingabedatei, ob Sie eine VCD oder SVCD brennen möchten.

Die so erzeugten Silberscheiben spielen Sie auf einem DVD-Player am Fernseher ab. Außerdem eignen sich die Film gewordenen Aufnahmen als Mitbringsel für Freunde und Bekannte. Ob der Fotoabend ein Erfolg oder eine langweilige Veranstaltung wird, entscheidet jedoch genau wie zu Zeiten des guten alten Projektors allein die Qualität und Auswahl der vorgeführten Fotos.

Infos

[1] Digikam: http://www.digikam.org

[2] Kipiplugins: http://extragear.kde.org/apps/kipi

[3] Gwenview-Artikel: Stefanie Teufel, "Programm mit Aussicht", LinuxUser 05/2005, S. 58 f.

[4] Komplette Mjpegtools für Suse Linux: http://packman.links2linux.de/?query=mjpegtools&action=search

[5] Erweiterungs-Pakete für Suse Linux 8.2 und 9.0: http://www.easylinux.de/Download

[6] Digikam-Artikel: Andrea Müller, "Showtime" EasyLinux 06/2005, S. 30 ff.

[7] DVD-Authoring: Marco Kraus, "Geschnitten und Geröstet", LinuxUser 11/2004, S. 30 ff.

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