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Überall Sound

Drei USB-Soundkarten im Test

Es werde Surround

Für die Tests standen dem LinuxUser drei USB-Soundkarten zur Verfügung (siehe Tabelle Testkandidaten). Als 5.1-Sound-System kam das Inspire P5800 von Creative zum Einsatz. Die iMic von Griffin funktionierte auf Anhieb einwandfrei. Sie bietet einen Stereo-Ausgang und einen Eingang, der sich über einen Schalter wahlweise als Mikrofon oder als Line-In ansteuern lässt. Eine Testaufnahme mit Audacity lief flott und störungsfrei.

Auch Stereo-Sound mit dem Soundblaster Audigy2 NX und der Philips-Karte PSC805 Aurilium lassen sich ohne große Probleme realisieren. Schwieriger wird die Aufgabe, wenn Sie mehr als zwei Lautsprecher ansprechen, oder DVD-Filme mit Surround-Sound hören möchten.

Stereosound auf alle sechs Lautsprecher zu bringen, gelang im Test nur mit der Philips-Karte. Bei der Audigy2 NX weigerte sich ALSA bei sämtlichen Versuchen, mehr als zwei Lautsprecher anzusteuern und gab diverse Fehlermeldungen aus. Damit die Philips-Karte auch Stereo-Musik über alle sechs Lautsprecher abspielt, ergänzen Sie die Datei .asoundrc um einen weiteren Eintrag, wie im Kasten "Stereosound auf allen Lautsprechern" beschrieben. Anschließend weisen Sie das Wiedergabeprogramm an, über das neue Gerät doppelt zu spielen.

Unter Xine editieren Sie dazu die Datei ~/.xine/config. Suchen Sie nach dem Eintrag alsa_front_device:default und ändern Sie default zu doppelt. Xine spielt nun den Stereo-Sound über alle sechs Lautsprecher ab, und die Front- sowie Rear-Lautsprecher lassen sich separat steuern. In Xmms wählen Sie als Device doppelt aus. In beiden Fällen müssen Sie als Sound-System ALSA einstellen. Bei MPlayer starten Sie das Programm mit der Kommandozeilen-Option -ao alsa:device=doppelt.

Stereosound auf allen Lautsprechern

pcm.doppelt {
        type plug
        slave.pcm hw
        slave.channels 6
        route_policy duplicate
}
speaker-test -c 6

lieferte seltsame Ergebnisse. Center und Rear links vertauschte das Programm, den Subwoofer sprach es über den rechten Rear-Lautsprecher an. Welche Einstellungen zum optimalen Surround-Sound führen, hängt zudem vom jeweiligen Movie ab. Von drei getesteten Filmen brachte lediglich "Matrix Revolutions" unter MPlayer den vollen Sound hervor. Beim James-Bond-Streifen "Tomorrow Never Dies" blieb der linke hintere Lautsprecher unter Xine und MPlayer stumm. Immerhin spielte MPlayer den Film mit der Option - channels 4 auf allen vier Satelliten-Lautsprechern ab. Einen dritten Testfilm spielte MPlayer nur ohne Sound ab, Xine gab sich mit Stereo zufrieden.

Über Einträge an der .asoundrc lässt sich zwar die Kanalzuordnung manuell anpassen, diese Einstellungen jedoch bei jeder DVD von Hand wieder zu ändern, nimmt selbst eingefleischten Linux-Usern die Lust am Filmvergnügen. Perfekten Surround-Sound unter Linux soll die Creative-Karte Extigy liefern (siehe Kasten "Soundblaster Extigy"), für die auch separate Linux-Treiber existieren. Creative bietet allerdings diesen USB-Soundblaster nicht mehr zum Kauf an und konnte der Redaktion auch kein Testgerät zur Verfügung stellen.

Um mit der Audigy oder der Philips-Karte in den Genuss von Surround-Sound zu gelangen, müssen Sie bei Xine und MPlayer den ALSA-Treiber benutzen. In Xine stellen Sie dazu in der Datei ~/.xine/config den Parameter audio.driver: auf alsa. Unter MPlayer benutzen Sie entweder den Parameter -ao alsa auf der Kommandozeile, oder Sie tragen die Option in ~/.mplayer/config ein. In beiden Fällen lohnt es sich, den Player aus den Quellen selbst zu kompilieren. Für MPlayer sind damit die Einstellungen bereits erledigt. Der Befehl:

mplayer dvd:// -channels 6

spielt daraufhin DVDs bereits mit 5.1-Sound ab. Bleiben die Lautsprecher stumm, versuchen Sie es mit dem Parameter -channels 4 oder -channels 2. Unter Xine müssen Sie zwei Änderung an der Konfigurationsdatei vornehmen. Zunächst stellen Sie für die Option audio.speaker_arrangement: den Parameter Surround 5.1 ein. Entfernen Sie dann die Raute vor dem Eintrag audio.alsa_sourround51_device: und setzen Sie den Parameter auf default. Entgegen der Xine-Dokumentation brachte lediglich diese Einstellung Surround-Sound hervor. Unter Xine blieb allerdings der linke hintere Lautsprecher stets stumm. Mit 4-Kanal-Einstellungen weigerte sich das Programm, DVDs abzuspielen.

Soundblaster Extigy

Für den Soundblaster Extigy USB von Creative stehen unter [1] auch Linux-Treiber zum Download bereit, die zusätzlich zu den Grundfunktionen auch Unterstützung für Surround und die Fernbedienung liefern. Sind die Kernelquellen installiert und konfiguriert, erstellt nach dem Entpacken der Quellen ein einfacher make-Befehl im Verzeichnis exaudio-1.65 die Module exaudio und exaudio_remote. Für letzteres Modul, das Unterstützung für die Fernbedienung liefert, rufen Sie make mit der Option USE_LIRC=1 auf.

Da die Treiber nicht mit ALSA zusammenarbeiten, müssen Sie bei dieser Karte auf das Open Sound System (OSS) zurückgreifen. Die Advanced Linux Sound Architecture schalten Sie mit dem Befehl /etc/init.d/alsasound stop ab. Überprüfen Sie anschließend mit lsmod | grep snd, dass kein Sound-Modul mehr geladen ist. Sind noch welche geladen, müssen Sie sie mit dem Befehl rmmod -f Modulname entfernen. Nun laden Sie zunächst die OSS-Module mit modprobe sound, anschließend im Exaudio-Verzeichnis die Extigy-Treiber:

insmod exaudio.ko
insmod exaudio_remote.ko

Verfolgen Sie während des Ladens des Moduls die Meldungen des Kernels mit tail -f /var/log/messages, sehen Sie, wie der Treiber die für die Soundkarte und die Fernbedienung benötigten Gerätedateien anlegt. Die Karte ist nun einsatzbereit.

Lohnt sich der Kauf?

USB-Soundkarten zum Klingen zu bringen, stellt für Linux kein Problem dar. Dennoch sollten Sie folgende Punkte in die Kaufentscheidung miteinbeziehen.

  • Die Prozessorbelastung durch die USB-Soundkarte steigt sowohl bei Xine als auch bei MPlayer mit 5.1-Sound enorm an. Auf einem Centrino-Notebook stockte die Wiedergabe mit 600 MHz deutlich. Auch als der Prozessor mit 1,4 GHz arbeitete, waren noch ab und zu Sound-Aussetzer zu hören. Ein Pentium-4-Rechner mit 2,4 GHz lieferte zwar keine Aussetzer, aber auch hier war die Prozessorlast enorm.
  • Ohne USB 2.0 müssen Sie auf den Surround-Sound ganz verzichten.
  • Auf einem normalen Desktop-Rechner bietet Ihnen eine Karte für 20 Euro fast die gleichen Features, wie die wesentlich teureren USB-Modelle.

Der Kauf einer externen Soundkarte lohnt sich somit in erster Linie dann, wenn Ihr Laptop über keine Soundausgabe-Möglichkeit verfügt, oder Sie einen zusätzlichen Eingang benötigen. Der Surround-Sound funktioniert zwar mit gewissen Einschränkungen, hier ist jedoch manuelles Feintuning nötig. Spaß macht es alleweil.

Tabelle 1: Testkandidaten

@Bi:audigy.jpg

@Bi:aurilium.jpg

@Bi:imic.jpg

Soundblaster Audigy2 NX

PSC805 Aurilium

iMic

Hersteller Creative Philips Griffin
Ausgänge Front,Rear, Center, Kopfhörer Front,Rear, Center, Kopfhörer Stereo
Digitaler Ausgang SPDIF, Optical SPDIF, Optical -
Eingänge Line-In, Mikrofon Line-In, Mikrofon Line-In, Mikrofon
Digitaler Eingang Optical - -
Stromversorgung Extern via USB via USB
Preis ca. 90 Euro 50 Euro 40 Euro

Infos

[1] Extigy Treiber: http://exaudio.sourceforge.net

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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