Seid umschlungen, Milliarden!

01.04.2005

Liebe Leserinnen und Leser,

mit diesem LinuxUser können wir Ihnen einen besonderen Leckerbissen anbieten. Statt der üblichen Heft-CD liegt dieser Ausgabe eine DVD mit speziellem Inhalt bei: Sie enthält eine exklusiven Vorab-Version von Debian Sarge für 32- und 64-Bit-PC, PowerPC und die HP-PA-Architektur.

Die Entwickler des deutschen Debian-Projekts haben diese Pre-Release speziell zur CeBIT 2005 zusammengestellt, um die Vorzüge der in den kommenden Monaten erscheinenden nächsten Hauptversion der Distribution zu demonstrieren. Die nur mit dieser Ausgabe des LinuxUser sowie direkt beim Debian-Projekt auf der CeBIT erhältliche DVD bietet damit eine hervorragende Gelegenheit, sich von den neuen Fähigkeiten Debians – speziell in Sachen benutzerfreundliche Installation – zu überzeugen.

Ich grüße an dieser Stelle ganz herzlich das deutsche Debian-Team, das es ermöglicht hat, Ihnen diese exklusive Vorabversion zur Verfügung zu stellen. Besonderer Dank gilt Alexander Schmehl für die engagierte Projektkoordination, Jörg Jaspert für das geduldige Zusammenstellen der kniffligen Architekturvarianten und dem Darmstädter Test-Team, das die heikle Aufgabe der Qualitätssicherung übernommen hat.

Zusätzlich zu den vier Debian-Varianten finden Sie auf der Heft-DVD wie gewohnt die komplette Software zu den Artikeln dieser Ausgabe. Aus naheliegenden Gründen haben wir diesmal allerdings auf ergänzende Beigaben ohne direkten Bezug zum Heftinhalt verzichtet. Angesichts des hohen Nutzwerts der enthaltenen Distribution lässt sich diese Einschränkung aber wohl verschmerzen.

Aus gegebenem Anlass bleibe ich gleich beim Thema Debian. Ohnehin eine der ältesten, renommiertesten und am meisten verbreiten Linux-Spielarten, setzt die Distributionen jetzt an, sich eine gewaltige neue Benutzergruppe zu erschließen: Die Anwender in China interessieren sich zunehmend für freie Software im Allgemeinen und Debian im Besonderen.

Dies drückt sich nicht zuletzt auch in der Veranstaltung der ersten China Open Source Software Week in Beijing Anfang März aus. Als Veranstalter zeichneten so namhafte Verbände wie die China Software Industry Association, die China Open Source Software Promotion Union, und das China Electronic Standardization Technology Institute verantwortlich. Einen Teil wesentlichen Teil des Kongresses bildete die Asia Debian Mini Conference. Dort trat auch der bereits zitierte deutsche Debian-Frontmann Alexander Schmehl als Referent an, um die immerhin mehr als eine Milliarde Chinesen von den Vorteilen des freien Betriebssystems zu überzeugen.

Erste Früchte der Überzeugungsarbeit zeigen sich bereits: So gaben die Unternehmen Sun Wah Linux (China) und VA Linux Systems (Japan) Anfang März bekannt, dass sie zusammen auf Basis von Debian Telekommunikations- und Unternehmenslösungen auf den asiatisch-pazifischen Markt bringen werden. Seitens des Debian-Projekts wurde die Neuigkeit mit Genugtuung aufgenommen. "Es ist besonders erfreulich, dass dieser Zug von Firmenseite aus erfolgt.", kommentierte etwa Debian-Entwickler Matthew Garret. "Das beweist, dass freie Software sich auch bestens mit Business verträgt."

Wer weiß – möglicherweise wird aus Jon "Maddog" Halls Lieblingsscherz von den "1,5 Milliarden künftiger Linux-Anwender in China" schneller Ernst, als der Urheber bislang vermutet. Aber auch buchstäblich näher liegende Benutzergruppen bieten durchaus noch ein Potential für die Verbreitung von Linux. So haben dieses Jahr knapp 5000 Mitarbeiter der Wiener Stadtverwaltung die Möglichkeit, ihren Windows-2000-Desktop gegen eine Debian-Alternative mit KDE 3.3, OpenOffice und Firefox einzutauschen. Man darf gespannt sein, wie viele tatsächlich davon Gebrauch machen.

Falls Sie selbst die Verbreitung von Linux fördern wollen, sehen Sie sich doch einmal im Kreis der Verwandten und Bekannten nach Benutzern überholter Windows-Versionen um. Laut einer aktuellen Erhebung der Marktforscher von IDC arbeiten 21 Prozent aller Microsoft-Anwender noch immer mit Betriebssystemen der Windows-9x-Reihe, die allmählich dem Ende ihrer Lebensdauer entgegensehen oder bereits ausgelaufen sind. Eine zur rechten Zeit an der richtigen Stelle platzierte LinuxUser-CD könnte da möglicherweise Wunder wirken …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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