TV digital
Digitales Fernsehen über Antenne und Kabel
Windows-Treiber unter Linux
Für die Premium-Karte können Sie prinzipiell auch den Frontend-Treiber der Budget-Karten einsetzen, oder Sie kopieren den im Treiber-Paket von [4] enthaltenen Treiber ttdvbacc.dll.aus dem Verzeichnis software/OEM/HE/App wiederum nach /usr/lib/hotplug/firmware/tda1004x.bin. Zusätzlich müssen Sie die Firmware des MPEG-Decoders, die Datei SC_MAIN.MC aus dem Verzeichnis software/OEM/HE/App/boot des Treiber-Pakets nach /usr/lib/hotplug/firmware/sc_main.mc kopieren.
Für Benutzer von Kernel 2.6.8.1 oder höher ergibt sich eine weitere Änderung: aufgrund des erweiterten Bereichs für Major-Device-Numbers werden die DVB-Karten nun nicht mehr über Major-Number 250 (reserviert für lokale und experimentelle Zwecke), sondern über Major-Number 212 angesprochen. Deshalb müssen alle Einträge unter /dev/dvb entsprechend ersetzt werden. Für Benutzer älterer Kernel, insbesondere 2.4, ändert sich nichts.
Um die Treiber zu laden, verwenden Sie am besten das Script insmod.sh, das Sie im Paket des DVB-Treibers von [2] in zwei Versionen – für Kernel 2.4 und Kernel 2.6 – finden. Scheitert das Laden der Treiber, liegt es meist daran, dass die Firmware- und und Treiberdateien der Windows-Treiber an der falschen Position liegen oder nicht den richtigen Namen haben. In dem Fall finden Sie im Syslog /var/log/messages oder /var/log/syslog ungefähr folgende Meldung:
syslog.warn klogd: tda1004x: Detected Philips TD1316 tuner. syslog.warn klogd: tda1004x_fwupload: Unable to open firmware /usr/lib/hotplug/firmware/tda1004x.bin
In dem Fall müssen Sie noch einmal die Position und den Dateinamen überprüfen. In seltenen Fällen schlägt auch das Laden der Firmware fehl – das kann daran liegen, dass Technotrend den Windows-Treiber verändert hat und die Einsprung-Adresse für den Firmware-Loader nicht mehr stimmt. Versuchen Sie es in dem Fall mit einer älteren Firmware oder einem Pendant von Convergence aus [5].
Ist der Treiber geladen, benötigen Sie natürlich eine Kanalliste, um einen Sender zu empfangen. Im Download-Bereich des VDR-Portals [6] gibt es bereits für viele Regionen fertige Kanallisten, die Sie verwenden können. Ist nichts passendes dabei, müssen Sie entweder den Frequenzbereich scannen lassen oder Ihre Kanal-Liste von Hand erstellen.
Kanalliste anlegen
Zum scannen der Kanäle benutzen Sie das Programm scan aus dem Paket linuxtv-dvb-apps-1.1.0.tar.bz2 von [2]. Gegenüber früheren Versionen müssen Sie in der Aktuellen Version von scan einen Datensatz mit Frequenzbereich, Fehlerkorrektur und Modulationsart beim Aufruf mitgeben – Beispieldateien finden Sie im Unterverzeichnis util/scan/dvb-t und für Kabel unter util/scan/dvb-c. Folgender Aufruf scannt zum Beispiel die DVB-T-Kanäle in Berlin:
./scan dvb-t/de-Berlin > channels.conf
Leider ist das Scan-Ergebnis nicht sehr zuverlässig, es kommt vor, dass das Programm ganze Sendergruppen nicht, mit falschen Frequenzen oder erst nach mehreren scans findet. Es lohnt also in jedem Fall ein Blick in die Kanalkonfiguration.
Die Datei channels.conf enthält für jeden Fernsehsender eine separate Zeile mit allen Frequenzen und Daten. Die einzelnen Felder sind durch Doppelpunkte getrennt, hier am Beispiel von Eurosport über DVB-T in Berlin:
Eurosport:754000:I0C23D0M16B8T8G8Y0:T:27500:577:578:583:0:16420:0:0:0
Das erste Feld enthält den Namen des Senders im Klartext, das zweite die Frequenz in Kilohertz. Laut Betreiber-Homepage [7] wird Eurosport auf Kanal K56 ausgestrahlt, was nach Tabelle 1 einer Kanalmittenfrequenz von 754 MHz entspricht – scan hat also den Kanal korrekt erkannt. Statt in Kilohertz können Sie die Frequenzen auch in Megahertz oder gleich in Hertz angeben – der Wert wird intern automatisch so lange mit 1000 multipliziert, bis er größer als eine Million ist. Allerdings dürfen an dieser Stelle lediglich ganzzahlige Werte stehen, den Kanal 5 mit der Mittenfrequenz 177,5 MHz müssen Sie also zwangsläufig mit "177500" eintragen. Das gleiche gilt für den Kabelempfang mittels DVB-C, die Mittenfrequenzen für die Kabel-Sonderkanäle finden Sie in Tabelle 2.
Die dritte Spalte enthält zusätzliche Parameter für den Empfangsweg, bei DVB-T ist das ein Sammelsurium aus verschiedenen Angaben über Bandbreite, Inversion und Modulationsart – "M16" steht hier zum Beispiel für die Modulationsart Quadrature Frequency Division Multiplexing (QFDM). Bei DVB-S über Satellit stünde im dritten Feld die Polarisationsebene, bei Kabel einfach "M64" für die Modulationsart QAM (Quadrature Amplitude Modulation). Die vierte Spalte enthält schließlich die Angabe über den Empfangsweg – "T" für DVB-T, "C" für Kabel und "S" gefolgt von der Satellitenposition für DVB-S.
Bis zu diesem Punkt sind die Konfigurationsdaten noch nicht eindeutig, da auf jedem Kanal mehrere Sender gleichzeitig ausgestrahlt werden. Erst mit Hilfe von Service-ID (Feld 10), Video- und Audio-PID (Felder 6 und 7) wird daraus der eindeutige Eintrag für den jeweiligen Sender. Wichtig ist, dass es keinen Sender doppelt gibt, weil dies manche Anwendungsprogramme wie etwa VDR [8] nicht vertragen. Dementsprechend müssen Sie Doppel unbedingt entfernen.



