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Blick ins Innere

Kernel übersetzen und installieren.

Zur Übersetzung, bitte

Die Sourcen liegen entpackt im Verzeichnis /usr/src/linux, die nötigen Hilfsprogramme sind installiert. Bevor Sie den Kernel nun übersetzen, konfigurieren Sie seine einzelnen Komponenten. Vor der eigentlichen Konfiguration empfiehlt sich folgender Befehl, der bestehende Konfigurations- und temporäre Dateien löscht.

make mrproper

Abbildung 4: Der Klassiker make menuconfig ist für die Konsole gedacht.

Zum Konfigurieren gibt es mehrere Varianten. Die drei gebräuchlichsten zeigt, inklusive einer kurzen Erläuterung, Tabelle 2.

Tabelle 2: Möglichkeiten der Kernel-Konfiguration

make menuconfig Basiert auf dem Textmodus und kann von der Konsole aus verwendet werden (siehe Abbildung 4). Diese Variante setzt die Pakete ncurses-5.3-4 und ncurses-devel-5.3-4 voraus.
make xconfig Diese grafischer Oberfläche setzt die Qt-Funktionsbibliotheken voraus, die auf den meisten Systemen vorhanden sind.
make gconfig Realisiert die grafische Oberfläche mit den Gtk-Bibliotheken. Diese sind ebenfalls auf den meisten Systemen installiert.

Die X-Windows-Varianten (grafisch) zeigen zu jedem Punkt die Hilfetexte, sofern vorhanden, aber leider nur auf Englisch. Sie können zwischen mehreren Ansichten wählen. Bei den ersten Versionen des Kernels 2.6 fehlten bei gconfig in der Ansicht Split einige Menüpunkte (siehe Abbildung 5). Aktuelle Kernel (zum Redaktionsschluss 2.6.5) haben diesen Fehler behoben

Abbildung 5: Baut auf den Gtk-Libs auf: make gconfig.

Die Konfiguration mit make xconfig macht einen übersichtlichen Eindruck (Abbildung 6), es sind immer alle Menüpunkte zugänglich. Vor einem unbeabsichtigten Abbruch wird, wie auch bei gconfig, gewarnt.

Abbildung 6: Unter X-Windows die im Moment wohl beste Art der Kernelkonfiguration: make xconfig. Es basiert wie KDE auf den Qt-Libs.

Die Konfiguration ist hierarchisch aufgebaut und, mit ein wenig Übung, leicht zu bewerkstelligen. Das Aktivieren einiger Punkte verzweigt in weitere Untermenüs. Bleiben die "Abzweige" deaktiviert, sind auch die entsprechenden Untermenüs nicht sichtbar.

Abgesehen von den Einträgen, die ein weiteres Menü öffnen, gibt es pro Menüpunkt maximal drei Möglichkeiten der Auswahl. Die einfachste ist, den jeweiligen Eintrag auszuschalten. Der fertige Kernel wird dann die abgewählte Eigenschaft nicht unterstützen. Die zweite Variante ist die Auswahl als Modul. Dieses kann zur Laufzeit, wenn der Kernel bereits seinen Dienst versieht, nachgeladen werden. Das geschieht nur, wenn sie benötigt werden und spart somit Ressourcen wie Speicher und Rechenzeit. Sie sollten den Dateisystemtyp, auf dem das Root-Filesystems liegt, fest in den Kernel einbauen. Denn um weitere Module von Festplatte laden zu können, muss der Kernel sie erst einmal lesen können. Alternativ ist es mögliche, eine RAM-Disk zu verwenden. Es handelt sich dabei um eine virtuelle Festplatte im Speicher, von der der Kernel beim Start die wichtigsten Module lädt. Diese Löstung ist aber kernelabhängig und müsste für die neue Version erst erstellt werden.

Hinweise zur Konfiguration

Die Entscheidung, welche Punkte angewählt sein sollten, ist systemabhängig. Tabelle 3 gibt ein paar Tipps. Ist ein lauffähiger Kernel generiert, kann ruhig ein wenig experimentiert werden.

Tabelle 3: Tipps zur Konfiguration

General Setup Grundlegende Systemeinstellung. Empfehlenswert ist .config support einzustellen, denn damit ist es später möglich, die Kernelkonfiguration über Datei /proc/config.gz auszulesen.
Processor type and features Festlegen des Prozessortyps. Eine falsche Auswahl kann dazu führen, dass der Kernel nicht bootet. Im Zweifelsfall wählen Sie 586/... (funktioniert ab der Pentium-Generation, für Intel wie auch AMD). Den Prozessor Ihres Computers ermitteln Sie mit cat /proc/cpuinfo.
Power management options (ACPI/APM) Stromsparfunktionen. Kernel 2.6.x unterstützt das alte APM und das neuere ACPI. Letzteres funktioniert leider nicht auf allen Systemen fehlerfrei. Gerade Laptop-Benutzer sollten zunächst APM einstellen. Sind beide als Modul selektiert, verwendet der Kernel den Modus verwendet, der als erstes geladen wurde.
Device Drivers | Plug and Play support Sowohl ISA- als auch BIOS-Plug-and-Play-Support sollten Sie erst einmal deaktivieren ,wenn Sie einen modernen PC besitzen. Beide Einstellungen verhinderten auf einem Testsystem (Sony Laptop) das Booten des Kernels.
Device Drivers | ISDN subsystem ISDN-Unterstützung. Schalten Sie CAPI 2.0 (Standardisierte Software-Schnittstelle) nur dann ein, wenn die ISDN-Programme mit dem CAPI-Interface umgehen können. Ansonsten ist die Verwendung von Old ISDN4Linux ratsam.
Device Drivers | Sound Kernel 2.6 führt als neuen Audio-Standard ALSA ein (Advanced Linux Sound Architecture), unterstützt aber weiterhin noch das ältere OSS (Open Sound System). Um ALSA zu verwenden sind nach dem Start des Kernels mitunter weitere Einstellungen notwendig. Informationen dazu finden sich in der Kernel-Dokumentation Documentation/sound/alsa. ALSA unterstützt eine OSS-Emulation, so dass auch ältere Anwendungsprogramme mit dem neuen Soundsystem arbeiten. Für die ersten Versuche ist es ratsam, OSS zu verwenden. Achten Sie darauf, bei der Kernel-Konfiguration die passende Audio-Hardware auszuwählen. Im Zweifelsfall wählen sie alle verfügbaren Sound-Chips als Modul aus. Achtung: Einige Fernsehkarten (beispielsweise der BT878) bringen einen eigenen Soundchip mit.
Device Drivers | I2C I2C-basierende Chips kommen häufig auf Motherboards, Sound-, Video- und Fernsehkarten zum Einsatz. Es empfiehlt sich, sie als Modul auszuwählen.
Device Drivers | USB support Defaultmässig ist nur der EHCI HCD-Treiber aktiviert. Dieser unterstützt USB 2.0. Bei Computern, die nur USB 1.1 unterstützen, müssen Sie den Punkt UHCI HCD aktivieren. Sonst ist Stille auf der USB-Leitung.
Device Drivers | USB support | USB HID Boot Protocol drivers Die Menüpunkte Keyboard und Maus aktivieren Sie, wenn das System mit einer USB-Tastatur bzw. -Maus ausgestattet ist. Diese Komponenten können nicht als Module eingebunden werden.
File systems Auswahl der unterstützten Dateisysteme. Wichtig: Das Filesystem der Root-Partition (oberste Verzeichnisebene /) muss fest im Kernel integriert werden. Das Einbinden als Modul reicht nicht.
File systems | DOS/ FAT/ NAT Filesystems Unterstützung von Nicht-Linux-Dateisystemen. Benutzen Sie Windows auf demselben Rechner, sind diese Einstellungen für Sie interessant, denn damit können Sie auf DOS- und Windows-Festplatten zugreifen. Für Windows 2000 oder NT unterstützt der Kernel auch das NTFS, aber der Schreibzugriff ist nicht ganz ausgereift.

Die Einstellungen werden in der Datei .config gespeichert, die ein Aufruf von make mrproper allerdings löscht. Um das zu verhindern, können Sie sie unter einem anderen Namen speichern (wie im Beispiel als "myconfig") und sie von Hand kopieren.

cp myconfig .config
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LinuxUser 06/2012

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