Tagebuch oder Newsticker?
Linux-Tools für Weblogs und RSS
Blog-Tools
Natürlich kann man per Webbrowser bloggen; das ist in der Tat die übliche Herangehensweise. Manchmal erscheint es aber sinnvoller, spezialisierte Tools einzusetzen, beispielsweise, damit die veröffentlichten Artikel auf dem lokalen Rechner gesichert werden können oder weil man sie offline konzipieren und erst später ins Blog stellen will.
Eines der wenigen eigenständigen Weblog-Client-Programme für Linux ist BloGTK. Es verlangt nicht nur eine Python-Installation auf dem System, sondern für die grafische Oberfläche die PyGTK-Bibliothek samt Python-Glade2, was bei manchen Distributionen ein eigenes Paket bildet. Mit Red Hat 9.0 kann das bereitgestellte BloGTK-RPM ohne Probleme installiert werden. Das gilt zwar auch für Suse 9.0, doch scheitert hier die Deinstallation. Wichtig bei Suse: Außer python-gtk müssen auch python-numeric und python-gnome eingespielt werden.
Wer statt des RPM-Pakets das neuere tar-bzip2-gepackte Archiv des Programms herunterlädt, hat – je nach Distribution – bereits mit dem Auspacken zu kämpfen. Wegen ungenügender Rechte einiger im Archiv enthaltener Dateien bleibt auf manchen Systemen nur der Weg, tar -xjvf blogtk-0.8-5.tar.bz2 als root aufzurufen und anschließend mit chmod -R a+r BloGTK-0.8-5 die fehlenden Leserechte zu setzen. Erst, wenn auch die in diesem neu erstellten Verzeichnis abgelegte Datei Makefile lesbar ist, sorgt make (aus dem BloGTK-0.8-5-Ordner heraus aufgerufen) dafür, dass sich das Tool mit dem Befehl BloGTK & von der Kommandozeile aus starten lässt.
Die Installation mit make ist jedoch keine Pflicht: Es reicht, in BloGTK-0.8-5 den Befehl
./src/BloGTK.py &
abzusetzen. Nach der (aus oben genanntem Grund nicht empfohlenen) Installation des blogtk-0.8.noarch.rpm-Archivs unter Suse 9.0 lautet er /usr/lib/blogtk/BloGTK.py &.
Beim ersten Start öffnet BloGTK das Konfigurationsmenü (Abbildung 1), das sich auch später über Edit / Accounts and Settings ... aufrufen lässt. Viel einstellen muss man nicht, allerdings sollte man die URL seines Blogs sowie die Username-Passwort-Kombination parat haben. Sobald BloGTK diese Daten kennt, kann man auf das Weblog zugreifen. Nach dem Erstellen des Artikels (Abbildung 2) zeigt der Reiter Preview Post eine Vorschau an (Abbildung 3); Publish Entry sendet ihn an den Blog-Server.
Beim Schreiben des Beitrags gilt wie für alle Online-Publikationen: Ein aussagekräftiger Titel ist die beste Eigenwerbung, ab und zu ein Absatz erhöht die Lesbarkeit, Zitate gehören kenntlich gemacht (und, wenn möglich, mit dem Original verlinkt), und auf Experimente mit Schriftgröße und Zeichensatz verzichtet man im Interesse der Lesbarkeit besser.
Das Posten von Artikeln geht mit BloGTK recht einfach von der Hand, will man allerdings Konfigurationen am Weblog selber vornehmen, muss man den Webbrowser bemühen. Einen ähnlichen Funktionsumfang bietet das – ebenfalls Python-basierte – GNOME-Applet Gnome Blog [5], das von der Installation her noch problematischer ist: Im Test ließ sich die Version 0.7 unter Suse 9.0 nicht zur Zusammenarbeit bewegen.
Wer mit Mozilla arbeitet, sollte MozBlog [6] im Auge behalten. Dieses Plugin integriert ein Blogtool in den Browser, so dass man im Kontextmenü die Option Blog this auswählen kann. Allerdings klappte der Verbindungsaufbau zur eingesetzten Blog-Software nicht, weswegen es in diesem Artikel keine weitere Beachtung findet.
Feeds im Überblick
Eine weitere (nicht nur für Blogger) hilfreiche Programm-Gruppe sind die sogenannten Feedreader, mit denen man RSS-Feeds im Überblick behält. Neue Artikel erscheinen hervorgehoben; das Lesen von Newstickern wird damit so einfach wie das Lesen von Newsgruppen. Feedreader zeigen nur die in der RSS-Datei enthaltenen Informationen an. Da sie aber mit dem Standard-Browser verknüpft sind, lassen sich interessante Artikel bei Bedarf auch direkt darin öffnen.
Viele Blogger nutzen eine sogenannte Blogroll, um häufig gelesene Blogs aufzulisten und sich deren Updates anzeigen zu lassen. Sowohl Blogg.de als auch Blogrolling.com bieten diesen Dienst an. Indem man die Blogroll exportiert und dann im Feedreader einliest, behält man seine Lieblingsblogs komfortabel im Überblick.
Als per Tastatur zu bedienendes Kommandozeilen-Tool mutet der Feedreader Snownews [7] auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig an. Da es sich bei RSS-Feeds allerdings hauptsächlich um Text handelt, kann man auf eine grafische Benutzeroberfläche in der Tat leicht verzichten. Snownews größter Vorteil besteht jedoch darin, dass man auch unterwegs auf die Lieblingsticker und -Blogs zugreifen kann.
Wer das vorkompilierte Archiv snownews-1.4.2.i586.tar.bz2 von der Projektseite herunterlädt, packt dieses lediglich mit tar -xjvf aus, und schon kann Snownews gestartet werden:
cd snownews-1.4.2/ ./snownews
Zum Selbstkompilieren des Sourcecode-Archivs snownews-1.4.2.tar.gz muss man im entpackten Quellverzeichnis zwar nur die Befehle make zum Kompilieren und make install (als root) zum Installieren absetzen, benötigt aber als Voraussetzung die ncurses- und die libxml2-Bibliotheken samt Dev(el)-Paketen.
Auf der Kommandozeile mit dem Befehl snownews gestartet, gibt ein Druck auf die [H]-Taste einen Überblick über die möglichen Optionen (Abbildung 4). Mit [A] fügt man nun den ersten RSS-Feed hinzu (Abbildung 5) – zum Beispiel http://www.linux-community.de/Ticker/news.rdf für die Nachrichten des Linux-Portals Linux Community (weitere Anregungen liefern zum Beispiel [8] und [9]). Wichtig dabei: Die URL des Feeds muss vollständig sein; Snownews ergänzt das Protokollpräfix http:// nicht automatisch.
In der so erzeugten Übersichtsliste wählt man den gewünschten Feed mit den Pfeiltasten aus und ergötzt sich nach der Betätigung der [Enter]-Taste an den aktuellen Beiträgen (Abbildung 6). Mit [Q] kommt man jeweils eine Ebene zurück; ist man wieder bei der Feed-Liste angelangt, beendet diese Taste das Programm. Schon nach kurzer Zeit liest man sich so schneller durch Artikel als mit einem grafischen Webbrowser.



