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Emulatoren unter Linux: Atari ST

Atari auf X

Der letzte Atari-ST-Emulator trägt den Namen STonX ("ST unter X Window"). Er ist von den hier vorgestellten Emulatoren nicht nur am kompliziertesten zu bedienen, er verursachte in unseren Tests auch die meisten Probleme. Sofern er Ihrer Distribution beiliegt, sollten Sie der mitgelieferten Variante den Vorzug vor dem Selbstkompilieren geben. Damit ersparen Sie sich zusätzlich die folgende Prozedur.

Als erstes benötigt Hatari ein TOS, dessen Größe exakt 256 KB umfasst. Dies ist z. B. bei allen STE-Modellen der Fall. Verschieben Sie diese Betriebssystemdatei in das Verzeichnis, in dem sich das Programm stonx befindet. Stellen Sie weiterhin sicher, dass dort die Datei cartridge.rom vorhanden ist. Als Benutzer root kopieren Sie nun die Datei Keysyms in das Verzeichnis /etc. Benennen Sie sie dort in stonx.Keysyms um. In ihr befindet sich die Belegung der Atari-Tastatur und deren PC-Entsprechungen. Geben Sie mit exit die Administratorrechte wieder ab. Die Datei stonxrc kopieren Sie in Ihr eigenes Heimatverzeichnis und geben ihr den Namen .stonxrc (Punkt am Anfang beachten). Öffnen Sie nun ein Terminalfenster und wechseln Sie in das Verzeichnis, das den Emulator und die übrigen Dateien enthält. Sie starten den Emulator mit dem Befehl

stonx -cartridge cardridge.rom -tos tosname

Abbildung 9: So meldet sich STonX, wenn alles geklappt hat

Alle weiteren Einstellungen müssen ebenfalls direkt beim Start des Emulators übergeben werden. stonx -h zeigt alle verfügbaren Parameter an. Um z. B. eine Diskette in das Laufwerk A: einzulegen, starten Sie STonX mit dem Befehl

stonx -cartridge cardridge.rom -tos tos.img -disk A:mydisc.st

Hiermit verwendet STonX das Betriebssystem in der Datei tos.img und simuliert eine Diskette in Laufwerk A:, deren Inhalt in der Datei mydisc.st zu finden ist. Um den Emulator im hochauflösenden Grafikmodus zu starten, hängen Sie dem Befehl noch -mono an.

Dies und das

Leider ist keiner der hier vorgestellten Emulatoren perfekt. Sie sollten sich daher alle Programme etwas näher anschauen und dann den für Sie passenden auswählen. Zu erwähnen wäre noch der Java-Emulator heyuck [5]. Er wird innerhalb eines Java-fähigen Internet-Browsers ausgeführt.

Für Programmierer, die ihre alten Atari-Programme schnell und einfach auf den Linux-PC übertragen möchten, sind verschiedene Bibliotheken erhältlich, die das Portieren etwas vereinfachen [9].

Im nächsten Teil betritt Ataris ewiger Rivale den Ring: der Commodore Amiga. Wegen seiner überragenden Grafikfähigkeiten war er nicht nur bei Spielern äußerst beliebt.

Kompilieren 

Sofern Ihnen nur ein Archiv mit dem Quellcode zur Verfügung steht, müssen Sie den entsprechenden Emulator in eine ausführbare Version übersetzen (kompilieren). Hierzu installieren Sie zunächst die GNU-Werkzeuge in Form von GNU make, dem C-Compiler gcc und der Bibliothek zlib. Diese Programme sollte jede Distribution mitbringen. Anschließend entpacken Sie das herunter geladene Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Öffnen Sie nun ein Terminalfenster und wechseln Sie mit cd in dieses Verzeichnis.

Hatari

Installieren Sie die SDL-Bibliothek [1]. Sie sollte mittlerweile jeder Distribution beiliegen. Wechseln Sie nun mit cd src in das gleichnamige Unterverzeichnis. Dort stoßen Sie den Kompiliervorgang mit make an. Das Programm wird unter dem Namen hatari im selben Verzeichnis abgelegt.

STonX

Mit ./configure und make wird der Emulator unter dem Namen stonx im selben Verzeichnis erstellt. Bei unseren Tests gab es insbesondere unter SuSE Linux einige Probleme. Sollte ./configure gar nicht erst ausgeführt werden, versuchen Sie statt dessen sh configure. Prüfen Sie bei Fehlermeldungen, ob stonx nicht doch korrekt erstellt wurde. Ist dies nicht der Fall, halten Sie auf der Homepage nach Patches (Programmaktualisierungen) oder neueren Versionen ausschau. Falls auch dies nicht hilft, probieren Sie eine ältere Version von STonX aus.

Rechtliches 

Sowohl ausgelesene ROMs als auch Diskettenabbilder unterstehen nach wie vor dem Copyright des ursprünglichen Herstellers. Wer bei einem Download aus dem Internet nicht über das Original verfügt, erstellt damit zwangsläufig eine Raubkopie. Verschärft wird das Problem dadurch, dass einige Firmen mittlerweile pleite sind oder der Verbleib der Rechte nach mehreren Auf- und Verkäufen im Dunklen liegen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, können Sie auf dem Gebrauchtmarkt ältere Computer und Original-Software erstehen (z. B. unter [15] oder [16]). Darüber hinaus gibt es einige Hobbyprogrammierer, die Share- oder Freeware-Programme geschrieben haben (vgl. Kasten Infos).

Infos

[1] http://www.libsdl.org: Homepage der SDL-Bibliothek. Sie wird vom Emulator Hatari benötigt.

[2] http://www.complang.tuwien.ac.at/nino/stonx.html: STonX

[3] http://www.blimey.strayduck.com/: steem

[4] http://hatari.sourceforge.net/: hatari

[5] http://www.atari-st.lovely.net/: heyuck (Online-Demo)

[7] http://sourceforge.net/projects/wfdcopy: Transferprogramme

[7] http://www.atari.st: Little green desktop

[8] http://www.st-computer.net: Eine deutsche Atari ST-Zeitschrift

[9] http://www.uni-ulm.de/~s_thuth/ix/atari2x.html: Liste mit Atari-Emulatoren und Bibliotheken für Anwendungsprogrammierer

[10] http://emutos.sourceforge.net: Freie, aber noch nicht sehr kompatible TOS-Alternative

[11] http://ftp.cs.tu-berlin.de/pub/atari: Umfangreiches Archiv mit Software

[12] http://www.atari-home.de: Seite rund um Atari in deutscher Sprache

[13] http://www.atari-forum.com: Ein englisches Forum

[14] http://www.zock.com

[15] http://www.ebay.de: Internetauktionshaus

[16] http://www.sintech-shop.de: Sintech (Verkauf von alten Computern und Programmen)

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Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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