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Zeitreise

Emulatoren unter Linux: Atari ST

01.01.2003 Wir verlassen das Feld der 8-Bit-Rechner und machen mit dem Atari ST einen großen technologischen Schritt nach vorne.

Mitte der 80er Jahre betraten drei neue Heim-Computer-Reihen die Bühne: Apple Macintosh, Atari ST und Commodore Amiga. Das Hauptmerkmal dieser Computer war der 16-Bit-Prozessor 68000 aus dem Hause Motorola, aber auch die restlichen Hardware-Komponenten stiegen in damals ungeahnte Leistungsklassen auf. So erlaubten z. B. die neuen visuellen Möglichkeiten und der wesentlich größere Hauptspeicher endlich den Einsatz grafischer Benutzeroberflächen. Leider hat so viel geballte Technik zwangsläufig zur Folge, dass die zugehörigen Emulatoren komplexer werden, was sie ihrerseits wiederum zu einem erhöhten Verlangen nach Rechenleistung unter Linux treibt.

Begleitet wurde die Ära der 16-Bit-Computer von einem ständigen Kleinkrieg ihrer Fans, die regelmäßig darüber stritten, welches System denn das bessere sei. Die erste Runde dieses Duells wollen wir mit dem Atari ST einläuten, der sogar noch heute bei einigen Musikern beliebt ist.

Kurioses und Interessantes 

  • Auf der CES 1985 wurde neben dem Atari 520ST auch der Atari 130ST vorgestellt. Er kam jedoch niemals in den Handel, da sich sein Speicher mit 128 KB als zu gering erwies.
  • Die MIDI-Schnittstelle wurde gerne "missbraucht", um ein Netzwerk mit anderen ST-Computern aufzubauen. Das bekannteste Netzwerkspiel trägt den Namen MIDI-Maze und ist heute noch als Klon für Linux erhältlich.
  • Obwohl die MIDI-Schnittstelle bei Musikern sehr beliebt ist, bleiben die ST-eigenen Möglichkeiten zur Klangerzeugung eher kümmerlich.
  • Atari experimentierte immer wieder mit alternativen Systemen. Hierzu zählten neben PCs auch der Gameboy-Konkurrent Lynx oder der Handheld-Computer Portfolio. Sogar an einem Unix für die ST-Computer wurde gearbeitet.
  • Ein paar technische Daten:Atari 520ST: Motorola 68000 Prozessor mit 8MHz, 512 KB Hauptspeicher, Soundchip mit drei Kanälen, Grafik: 320 x 200 Punkte bei 16 (aus 256) Farben, 640 mal 200 Punkte bei 4 (aus 256) Farben, 640 mal 400 Punkte in schwarz/weiß

Machtwechsel

Mit dem Videospielmarkt brach 1983 eine der Haupteinnahmequellen für Atari zusammen. Als Retter in der Not erwies sich Jack Tramiel, der den stärksten Konkurrenten Commodore verließ und Atari im Juli 1984 übernahm. Sofort gab er einen 16-Bit-Computer in Auftrag, der auf der Consumer Electronic Show 1985 unter dem Namen 520ST vorgestellt wurde.

Abbildung 1: Der Atari 520ST mit Floppy

Gegenüber seinem Hauptkonkurrenten Apple Macintosh war er wesentlich billiger und stellte obendrein noch Farbgrafiken dar. Kurze Zeit später kam er in die Geschäfte – und wurde prompt ein voller Erfolg, so dass Atari 1986 eine Variante mit 1 MB Hauptspeicher unter dem Namen 1040ST nachschob. Es folgten die Modelle 1040STF, 1040STM und 1040STFM. Im Unterschied zum 1040ST verfügten sie zusätzlich über ein eingebautes 3,5''-Diskettenlaufwerk (F, Floppy) bzw. einen Anschluss für ein Fernsehgerät (M, Modulator). Für die professionellen Anwender stand die Desktop-Variante Mega ST nebst passendem Laserdrucker bereit.

Im Laufe der Jahre nahm der Druck durch Apple und Commodore zu. Atari versuchte 1989 mit dem STE (einem grafisch leicht erweiterten STFM) mitzuhalten. In der gehobenen Klasse folgten der Mega STE und der Atari TT.

Abbildung 2: Der Atari Mega ST mit dem speziellen Schwarz-weiß-Monitor

1992 stand Atari dem explosionsartig wachsenden PC-Markt gegenüber. Unter Zugzwang wurde der Multimedia-Rechner Falcon veröffentlicht. Dieser floppte ebenso wie Ataris letzter Versuch, sich 1993 wieder auf den Videospielemarkt zu konzentrieren. Nach mehreren Besitzerwechseln existiert Atari heute nur noch als Marke auf einigen Computer-Spielen.

Abbildung 3: "The Pawn" war eines der ersten Atari-ST-Spiele, das eindrucksvoll die Grafikfähigkeiten des Atari ST vorführte

Zwei Eigenschaften machten den Atari ST für zwei Berufsgruppen interessant: Zum einen verfügte er über einen eingebauten MIDI-Port, der in der Musikindustrie zur Ansteuerung verschiedener elektronischer Musikinstrumente verwendet wird; zum anderen benötigte er für die Darstellung der damals ungewöhnlich hohen Auflösung von 640 x 400 Punkten zwingend einen speziellen Monitor, der mit ergonomischen 71,4 Hz arbeitete. Diese Daten prädestinierten ihn für den Bereich des Desktop Publishing (DTP), was ihm einen Stammplatz in vielen Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen einbrachte.

An die Software

Das Betriebssystem der ST-Computer hört auf den Namen TOS und ist fest in das flache Tastaturgehäuse eingebaut. Bestandteil von TOS ist die grafische Oberfläche GEM, die über eine Maus gesteuert wird. Wer einen heutigen Computer bedienen kann, sollte auch intuitiv mit dem Atari ST zurecht kommen.

Für den Betrieb eines Emulators werden drei Dinge benötigt: Neben dem Emulator selbst ist dies zunächst eine Kopie des Betriebssystems. Man erhält sie, indem man den entsprechenden Computerchip (ROM) auf einem originalen Atari ST ausliest und die so gewonnenen Daten in einer Datei abspeichert. Alternativ wird man auch im Internet fündig (vgl. Kasten Rechtliches). Einen freien, aber zur Zeit noch nicht sehr kompatiblen Nachbau findet man unter [10]. Zu beachten ist, dass es verschiedene TOS-Versionen gibt, mit denen die einzelnen Emulatoren jeweils unterschiedlich gut zurecht kommen. Ein Blick in die beiliegende Dokumentation verschafft hier in der Regel Klarheit.

Als Letztes benötigt man noch die eigentlichen Programme. Leider verwendet der Atari ST verschiedene proprietäre Diskettenformate, mit denen der PC in der Regel nicht direkt umgehen kann. Aus diesem Grund liest man die Disketten Bit für Bit aus und speichert sie in einer Datei, dem so genannten Disketten-Image. Anleitungen für diese Prozedur findet man im Internet (vgl. Kasten Info). Eine Ausnahme bilden einige wenige Disketten im MS-DOS-Format.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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