LaTeX im Umbruch
LaTeX-Workshop, Teil II
Mit Bildern bitte!
LaTeX ist ein Satzprogramm und sorgt für optimales Layout von Texten. Auch wenn sich einfache Grafiken, wie z. B. Linien, Pfeile oder Kreise, innerhalb der sogenannten picture-Umgebung zeichnen lassen, wirken die Befehle zur Erstellung dieser Strichzeichnungen auf den ersten Blick etwas kryptisch. In den meisten Fällen ist es daher einfacher, Abbildungen mit entsprechenden externen Tools zu erstellen und nachträglich ins Dokument einzubinden.
Im günstigsten Fall liegt die Grafik als EPS ("Encapsulated PostScript") vor. Die meisten Programme (z. B. The GIMP und xv) erlauben das Abspeichern in diesem Format. Andernfalls hilft das Kommandozeilen-Tool convert [3] weiter. Mit dem Befehl \includegraphics aus dem Package graphicx lassen sich die Abbildungen einbinden, drehen und skalieren. In der Präambel des Dokuments wird das Paket geladen:
Listing 2
\documentclass{article}[12pt]
\usepackage{ngerman}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\usepackage[dvips]{graphicx}
…
\begin{document}
…
\end{document}
Als Parameter in den eckigen Klammern steht der Ausgabetreiber dvips, der für den späteren Druck benötigt wird. Die Grafik selbst wird mit dem Kommando
\includegraphics[height=…,width=…,angle=…]{bild.eps}
eingebunden. Legen Sie Höhe und Breite nicht fest, wird das Bild in seiner Originalgröße gedruckt. Kontrollieren Sie zur Sicherheit das Seiten-Layout zwischendurch mit dem Programm xdvi. Tipp: Bei großen PostScript-Grafiken braucht das Tool manchmal etwas länger, um diese darzustellen. Klicken Sie, um den Vorgang zu beschleunigen, auf den Button View PS – das Bild wird nur noch als leere Box dargestellt. Ein erneuter Klick schaltet die vollständige Ansicht wieder ein. Die Angaben zur Bildgröße dürfen in metrischen (Zentimeter "cm", Millimeter "mm", usw.) oder typographischen Einheiten (Punkt "pt", Pica Punkt "pc", etc.) gemacht werden; der Parameter angle bezeichnet den Winkel, um den das Bild gedreht wird (siehe Abbildung 4).
Grafik, Grafik, du musst wandern…
LaTeX ermöglicht es Ihnen, eingebundene Bilder oder Tabellen im Dokument "wandern" zu lassen: Sie geben Kriterien vor, nach denen das Bild plaziert werden soll, LaTeX übernimmt die optimale Umsetzung. Innerhalb der Umgebung figure lassen sich Bilder (oder Tabellen) positionieren und mit einer Unterschrift versehen. Als Parameter dürfen verschiedene Stellen im Dokument angegeben werden (siehe Tabelle 3).
Um das Pinguin-Bild aus Abbildung 4 innerhalb eines längeren Textes an den Beginn einer Seite zu setzen und mit einer Bildunterschrift zu versehen, definieren Sie:
\begin{figure}[t]
\includegraphics[height=4cm]{pingus.eps}
\caption{Pinguine mit Geodreieck}
\end{figure}
Die Parameter zur Positionierung sind sogar kombinierbar, d. h. LaTeX versucht, Objekte in der definierten Reihenfolge zu setzen. Schreiben Sie in die eckigen Klammern [tbp], probiert LaTeX zunächst, das Objekt oben abzubilden. Ist dort kein Platz, wird das untere Ende der Seite angetestet und zu guter Letzt die eigene Seite anvisiert.
Tabelle 3: Positionierungsparameter für "wandernde" Objekte
[h]
|
Steht für englisch "here": Die Positionierung erfolgt an der Stelle im Dokument, wo die Umgebung figure auftritt.
|
[t]
|
Für englisch "top": Objekt wird am Anfang der laufenden Seite eingebunden, vorausgesetzt, dass der laufende Text noch drauf passt. In dem Fall erfolgt die Positionierung zu Beginn der nächsten Seite.
|
[b]
|
Bedeutet "bottom": Position befindet sich unten auf der Seite. Der Platz bis zu dem Objekt wird mit Text aufgefüllt; passt das Objekt nicht mehr auf die Seite, erscheint es am unteren Rand der nachfolgenden Seite.
|
[p]
|
Steht für "page of floats": Alle Bilder oder Tabellen werden auf einer eigenen Seite, die nur Bilder/Tabellen enthält, gesammelt.
|
In der nächsten Folge schauen wir uns ausführlicher den Mathematik- und Formelmodus an und geben Tipps für das Gestalten von wissenschaftlichen Aufsätzen.
Infos
[1] Das Kochbuch für LaTeX, http://www.uni-giessen.de/hrz/tex/cookbook/cookbook.html
[2] Manuela Jürgens: "LaTeX - Eine Einführung und ein bisschen mehr …", Fernuni Hagen, ftp://ftp.fernuni-hagen.de/pub/pdf/urz-broschueren/broschueren/a0260003.pdf
[3] Heike Jurzik: "It's a kind of magic! – convert", LinuxUser 07/2002, S. 84, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/07/084-zubefehl/convert.html
[4] Heike Jurzik: "Gutenberg am Rechner" (LaTeX-Workshop, Teil 1), LinuxUser 09/2002, S. 43, http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/09/043-latex/



