Software

01.10.2002

Nftp - FTP-Client für alle Systeme

Obwohl das FTP-Protokoll von der Mehrheit der Internet-Nutzer kaum verwendet wird, ist es dennoch die einfachste und schnellste Möglichkeit, größere Datenmengen durch das Internet zu bewegen. Deshalb sollte ein leistungsfähiges FTP-Programm auf keinem Betriebssystem fehlen. Mit NFTP (http://www.ayukov.com/nftp) existiert ein Programm, das auf acht verschiedenen Plattformen und vier Prozessoren heimisch ist - unter anderem auch auf Exoten wie BeOS oder OS/2.

Auf den ersten Blick wirkt NFTP etwas spartanisch: Im Gegensatz zu manch anderen FTP-Programmen besitzt es keine grafische, sondern nur eine textbasierte Oberfläche, die an den Midnight Commander erinnert. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase findet man sich aber im Programm gut zurecht und kann sich ganz den besonderen Highlights widmen. Eines ist der Aufruf der Suchmaschine FTPSearch direkt aus dem Programm heraus. Aus den Ergebnissen können Sie anschließend eine Datei auswählen und sofort herunterladen. Möchten Sie NFTP durch den Download nicht blockieren, besteht die Möglichkeit, den Auftrag an ein anderes Programm, zum Beispiel wget zu übertragen. Ein weiteres interessantes Feature ist die Option, komplette Verzeichnishierarchien herunterzuladen und dabei die Struktur zu erhalten. Dank der dem Mignight Commander ähnlichen Oberfläche ist die Navigation in den Verzeichnissen eines FTP-Servers ein Kinderspiel, und die Auswahl der gewünschten Dateien oder Verzeichnisse erfordert lediglich einen Tastendruck.

Übrigens stellen Proxy-Server oder Firewalls für NFTP im Gegensatz zu manch anderem FTP-Client kein Problem dar: Bekannte Proxies wie Squid, Delegate, Wingate oder Netscape Proxy unterstützt NFTP genauso wie alle gängigen Firewall-Systeme. Lediglich Socks-Unterstützung fehlt - dazu muss auf externe Programme wie Dante zurückgegriffen werden.

Ein Wermutstropfen bei aller Funktionalität ist die Tatsache, dass NFTP nicht unter GPL steht, sondern Shareware ist. Nach einer Testperiode von 60 Tagen wird eine Lizenzgebühr von $ 25,- fällig. Dafür erhält der Benutzer einen Registrierschlüssel, der nicht auf ein Betriebssystem beschränkt ist und auch für alle kommenden Versionen seine Gültigkeit behält. Für größere Netzwerke bietet der Entwickler auf seiner Web-Seite günstige Konditionen an.

WMBiff: alle Mails im Blick

Mails sind eine feine Sache und haben in vielen Bereichen die reguläre Korrespondenz schon auf ein Minimum reduziert. Doch sobald Sie mehr als eine E-Mail-Adresse ihr Eigen nennen und diese auch noch rege frequentiert sind, fangen die Probleme an. Schließlich möchte man bei jedem neuen Eingang direkt informiert werden, um die Mail postwendend zu lesen. Wer nicht in regelmäßigen Zyklen seine Adressen von Hand durchsehen möchte, lässt die E-Mail-Konten von WMBiff (http://wmbiff.sourceforge.net) überwachen.

Dieses kleine Programm, das eigentlich als Applet für Window Maker geschrieben wurde, überwacht bis zu fünf Mail-Konten gleichzeitig. Reicht das nicht, kann WMBiff mit verschiedenen Konfigurationsdateien beliebig oft parallel gestartet werden. Einmal gestartet, lässt sich das kleine Applet-Fenster bequem in einer Ecke der Oberfläche verstauen. Jede Zeile im Fenster gibt den Namen und die Anzahl der E-Mails im jeweiligen Konto an. Bei Neuzugängen blinkt die Zeile kurz auf und ändert die Schriftfarbe in signalgelb. So erkennen Sie sofort, auf welchem Konto neue Nachrichten eingingen. Auf Wunsch kann WMBiff auch ein akustisches Signal erzeugen.

Die Intervalle, in denen WMBiff die Mail-Konten abfragt, kann der Benutzer in der Konfigurationsdatei für jedes Konto getrennt definieren. Neben dem Namen des Kontos und den Verbindungsdaten lässt sich dabei auch die Form der Benachrichtigung bei eingehenden Nachrichten festlegen. Vom einfachen Beep bis zur Fanfare oder einem Programmstart ist alles möglich. Außerdem kann der Benutzer bestimmen, welches Programm beim Anklicken eines Kontos starten soll. Hier kann zum Beispiel jeder das Mail-Programm seiner Wahl eintragen oder diese Option ungenutzt lassen, ganz nach Belieben. Neben dem unter Unix weitverbreiteten Mbox-Dateiformat unterstützt WMBiff auch POP3, APOP, IMAP und IMAPS, womit eine Anbindung an alle gängigen Mail-Server gewährleistet ist. Je nach Konfiguration reicht dann ein Klick mit der rechten Maustaste auf das jeweilige Konto, und WMBiff aktiviert ein vorher definiertes Programm, um die Mails herunterzuladen.

Somit bleiben kaum Wünsche offen. Sicherlich ist WMBiff ungeeignet, um 20 oder mehr Mail-Konten zu überwachen. Aber für den normalen Anwender, der lediglich eine Hand voll Konten im Auge behalten muss, ist es eine echte Erleichterung.

Abbildung 2: Fünf Mail-Boxen im Griff mit WMbiff

Nmap sucht nach offenen Ports

Jeder, der ein Netzwerk mit einer größeren Anzahl von Rechnern übernimmt oder regelmäßig warten muss, kennt die Fragen: Wieviele Rechner sind erreichbar? Welches Betriebsystem ist installiert? Welche Dienste stellt der jeweilige Rechner im Netz bereit? Natürlich könnten Sie nun von Rechner zu Rechner pilgern, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Alternativ nutzen Sie einen Portscanner wie Nmap (http://www.insecure.org/nmap/) und sparen damit eine Menge Zeit und Lauferei.

Primär zur Kontrolle großer Netzwerke entwickelt, verfügt Nmap über eine Reihe effizienter Scan-Verfahren. Damit ist das Programm leider auch für Hacker interessant. Nichtsdestotrotz haben damit Systemverwalter die Möglichkeit, einmal selbst zu sehen, welche Informationen vermeintlich sichere Rechner im Netzwerk preisgeben. Unter anderem ist Nmap durch geschickte Analyse in der Lage, das Betriebssystem des gescannten Rechners relativ sicher zu bestimmen: Dazu wertet es die Antworten auf seine TCP- bzw. IMCP-Pakete aus. Da sich kein Betriebssystem bei allen Protokollen 100-prozentig an geltende RFC-Bestimmungen hält, weisen die Antwortpakete je nach System verschiedene (fehlerhafte)Merkmale auf. Je mehr Dienste der gescannte Rechner dabei anbietet, umso genauer ist eine Bestimmung möglich. Bei einigen exotischen Systemen kann es aber dennoch zu Fehlinterpretationen kommen, aber bei gängigen Systemen wie zum Beispiel Windows ist die Trefferquote 99%.

Wer eine Weile mit Nmap arbeitet, erwirbt so ein Gespür für die Auswirkungen, die verschiedene Scan-Techniken haben und wie sie in den Log-Dateien des jeweiligen Rechners nachzuweisen sind. Positiver Nebeneffekt ist dabei der Aufbau eines soliden Grundwissens über das TCP/IP-Protokoll, so es nicht bereits vorhanden ist. Mit seinem Funktionsumfang ist Nmap ein sehr mächtiges Werkzeug und dient oft als Grundlage für noch komplexere Kontrollprogramme wie zum Beispiel cheops-ng. Die Steuerung von nmap erfolgt dabei über Kommandozeilenparameter. Es gibt jedoch eine komfortable X-Oberfläche und eine Vielzahl von Zusatzprogrammen, die die Arbeit erleichtern. Ist man später im Einsatz von nmap routinierter, lassen sich mit Kommandozeilenparametern viele Aufgaben in eigenen Programmen und Skripten automatisieren. Damit zeigt sich einmal mehr, dass nmap ein Programm ist, das in keinem Netz in der Werkzeugkiste fehlen sollte.

mkwav bringt MP3s zurück zu den Wurzeln

Fast alle MP3-Dateien waren irgendwann mal ein Track auf einer CD im heimischen Regal. Deshalb existieren unzählige Programme oder Skripte, die das Erstellen von MP3-Dateien aus Audio-CDs mehr oder weniger automatisieren. Wer aber aus MP3-Dateien wieder Audio-CDs machen möchte, muss etwas länger suchen, bis er ein geeignetes Werkzeug findet.

mkwav (http://www.oppresses.us/~avenj/mkwav/) ist ein solches. Eigentlich handelt es sich bei mkwav um ein Shellscript, das auf die Programme mpg321 bzw. mpg123 und cdrecord zurück greift. Einfach, aber sehr wirkungsvoll. Um wenigstens etwas Bedienkomfort zu bieten, enthält das Archiv auch eine Version mit einer auf Xdialog basierenden Oberfläche. Auf Wunsch brennt mkwav die Audio-Dateien auch direkt auf eine CD. Das funktioniert allerdings nur mit dem root-Zugang, was aus Sicherheitserwägungen eher unschön ist. Außerdem kontrolliert mkwav nicht, ob überhaupt alle Dateien auf die CD passen. Wer jedoch unseren Workshop "Grundlagen der Bash" im letzten Jahr verfolgt hat, verfügt über das notwendige Wissen, um Änderungen in dem strukturierten Shellscript selbst vorzunehmen.

Dies ist nur einer der Vorteile von mkwav, es kann mit wenig Aufwand an eigene Bedürfnisse angepasst werden. Außerdem ist das Skript plattformunabhängig und läuft auf jedem Betriebssystem, das über mpg123, cdrecord und eine Unix-Shell verfügt - somit wäre auch eine Verwendung unter OS/2 denkbar. Wer also eine Audio-CD mit den schönsten Balladen erstellen möchte, ohne vorher nochmals alle einlesen zu müssen, dem ist mkwav sicher eine große Hilfe.

Abbildung 4: Mkwav macht aus MP3-Sammlungen wieder Audio-CDs für den CD-Player

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