Software

01.08.2002

JEdit 4.0.3

Emacs und Vi gelten auf Grund ihres Funktionsumfangs seit vielen Jahren als Maßstab für Editoren im Unix-Bereich; den einzigen Wermutstropfen stellt die sehr gewöhnungsbedürftige Bedienung dar. Schließlich möchte niemand ein Diplom ablegen, nur um einen Editor zu benutzen. JEdit ist da eine interessante Alternative: Plattformunabhängig, da Java-basiert, läuft JEdit auf jedem System, für das ein JDK2 1.3 oder 1.4 existiert.

In punkto Funktionsumfang kann es JEdit mit den beiden Platzhirschen durchaus aufnehmen. Zu den integrierten Optionen gesellt sich noch eine Schar von zirka 50 verschiedensten Plug-Ins, die sich dank das eingebauten Plug-In-Managers problemlos verwalten und aktualisieren lassen. Starten Sie einfach den Manager, und Sie erhalten eine Liste aller verfügbaren Plug-Ins. Alternativ klicken Sie auf Update und erfahren sofort, von welchen Plug-Ins neue Versionen existieren. Natürlich lassen sich diese auch direkt herunterladen und installieren sich automatisch. Damit sind der Nutzung von JEdit kaum Grenzen gesetzt. Immerhin werden mitterweile bis zu 70 verschiedene Programmiersprachen erkannt und mit Syntax Highlighting unterstützt - unter anderem auch Exoten wie NetRexx oder Modula-3. Sollte dennoch für die favorisierte Programmiersprache kein Highlighting-Schema existieren, ist es dank XML-basierten Konfigurationsdateien kein Problem, ein eigenes Schema zu erstellen und einzubinden.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie flexibel JEdit an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Aber auch Tastaturbelegung, Kontextmenü und Iconleiste lassen sich ebenso komfortabel und einfach ändern. Damit sind die Konfigurationsmöglichkeiten bei Weitem nicht erschöpft, doch eine komplette Aufstellung wäre an dieser Stelle zu umfangreich. Wer nun neugierig geworden ist, sollte die Version auf unserer Heft-CD einmal installieren und auf Entdeckungsreise gehen: Es lohnt sich. http://www.jedit.org

Checkinstall 1.5.2

Jeder kennt das Problem: Kleine Programme oder die aktuellste Version des Lieblings-Tools sind oft nur als Quell-Code im tar-Archiv verfügbar. Zwar ist die Installation mit configure/make/make install in der Regel kein Problem, doch was tun, wenn das Programm wieder entfernt werden soll? Einige Programm-Makefiles verfügen über eine Funktion make uninstall; fehlt diese, bleibt nur der Weg, alle Dateien von Hand aus dem Verzeichnisbaum zu entfernen oder zur Installation Checkinstall zu verwenden.

Checkinstall ersetzt im Installationsvorgang den Befehl make install, so dass die Befehlsfolge nun wie folgt aussieht:

configure
make
checkinstall

Auf diese Art aktiviert, überwacht es die Installation des jeweiligen Programms, generiert daraus wahlweise ein RPM-, Debian- oder Slackware-tgz-Archiv und trägt es in die Paketdatenbank der jeweiligen Linux-Distribution ein. Welches Paketformat erzeugt werden soll, lässt sich über Parameter oder in der Konfigurationsdatei festlegen. Außerdem erwartet Checkinstall zu jedem Programm eine Kurzbeschreibung, die Sie entweder während der Installation ein- oder als vorgefertigte Datei übergeben. So wissen Sie auch später noch, was das Programm macht. Als Paketnamen verwendet Checkinstall den Namen des Verzeichnisses, in dem der Quell-Code liegt. Gefällt ihnen dieser nicht, ist das auch kein Beinbruch: Vor der Generierung des Pakets erlaubt Ihnen das Tool, nochmals alle wichtigen Parameter zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Die so mit Checkinstall erstellten Pakete lassen sich auch auf andere Rechner übertragen, vorausgesetzt natürlich, dass dort alle benötigten Paketabhängigkeiten erfüllt sind. Handelt es sich aber um die gleiche Distribution, gibt es in der Regel jedoch keine Probleme. http://checkinstall.izto.org

LGames, spielen unter Linux

Auch wenn mit Loki Games die bekannteste Spieleschmiede unter Linux den Weg alles Irdischen gegangen ist, bedeutet das nicht das Ende der Kurzweil. Schließlich gibt es noch eine ganze Reihe von kleineren, freien Spieleschmieden, wie zum Beispiel LGames. Zwar findet man hier keine komplexen Strategiespiele, doch Titel wie LGeneral, LBreakout2 oder LTris gehören im Prinzip auf den Rechner jedes Zockers und haben außerdem einen gewissen Suchtcharakter, dem fast dieser Artikel zum Opfer gefallen wäre. Werfen wir einen Blick auf die beiden aktuellen Releases.

LTris ist ein Klon des bekannten Tetris für bis zu drei Spieler. Da LTris nicht netzwerkfähig ist, müssen diese sich die Tastatur teilen, was aber dennoch für einigen Spielspaß sorgt. Ist kein menschlicher Gegner greifbar, lässt sich LTris aber auch in der klassischen Variante alleine oder gegen den Computer spielen. Der Spieler kann dabei auf jeder beliebigen Schwierigkeitsstufe starten. Wem das immer noch zu simpel ist, dem bietet LTris die Möglichkeit, mit Mustern vordefinierter Zeilen zu starten. Neben der Geschwindigkeit ändert sich auch das Muster in jedem Level. Besonders bei höheren Levels wird so das Knacken des High-Score sicher nicht zur langweiligen Angelegenheit.

Ein weiterer Schützling aus der LGames-Schmiede ist LGeneral, das dem bekannten Panzer General nachempfunden wurde. Mit Hilfe eines Konverters, der ebenfalls bei LGames erhältlich ist, können sogar die alten Panzer-General-Daten übernommen werden. LGeneral bietet einen Satz eigener Szenarien in einem separaten Archiv, die allesamt Schlachten aus dem zweiten Weltkrieg nachempfunden sind. Einen Linux-Editor zum Erstellen neuer Karten und Szenarien gibt es im Augenblick noch nicht. Allerdings würde sich der Autor sehr freuen, falls sich jemand dieser Aufgabe annimmt. Bis dahin muss mit den Windows-Editoren für Panzer General Vorlieb genommen werden. Ziel des Spiels ist es, seine Einheiten strategisch zu plazieren, um je nach gewählter Nation sein Terrain zu sichern oder neues zu erobern. Als Gegner stehen der Computer oder ein anderer Spieler, der aber am gleichen Rechner sitzen muss, zur Auswahl. Wie LTris ist auch LGeneral leider nicht netzwerkfähig. Bei LGames gibt es noch eine Reihe weiterer Spiele, die alle unter der GPL zum freien Download bereit stehen. Wer also Ablenkung unter Linux sucht, sollte dort auf jeden Fall vorbei schauen. http://www.lgames.org

PDF-Viewer

Adobe stellt mit zirka einem Jahr Verspätung endlich den Acrobat Reader 5.05 für Linux bereit. Lange erwartet, liegen die Neuerungen primär im Darstellungsbereich. Verbesserte Lesbarkeit von Texten auf LCD-Display zählt ebenso dazu wie die Unterstützung von transparenten Illustrator-9.0-Grafiken und optimierte automatische Ausrichtung von PDF-Dokumenten nach einer größeren Veränderung des Fensters. Doch es gibt auch neue Funktionen: So ist der Acrobat Reader nun endlich in der Lage, mit dem Browser geladene Dokumente auf der lokalen Festplatte zu speichern - eine Funktion, die schon lange fällig war. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, die Icons in der Symbolleiste frei anzuordnen. Damit erschöpfen sich aber schon die funktionellen Unterschiede zum Vorgänger. http://www.adobe.org

Wem der Acrobat Reader zu ressourcenhungrig ist, für den ist Xpdf eine schlanke Alternative. Neben einem reinen PDF-Betrachter gehören verschiedene Konverter und ein Tool zur Extraktion von Bildern aus PDF-Dokumenten zum Xpdf-Paket. Ansonsten gibt sich Xpdf im Vergleich zu Adobes Produkt eher spartanisch, bietet es doch weder Navigation mit Bookmarks noch Thumbnails zur Seitenvorschau. Dies macht Xpdf mit seinem geringen Ressourcenbedarf jedoch wieder wett. Schließlich benötigt es nur ein Achtel des Speichers, den der Acrobat Reader reserviert, und ist damit gerade für kleinere Systeme eine leistungsfähige und schnelle Alternative. http://www.foolabs.com/xpdf/

Browser, kurz notiert

Zum Abschluss noch ein schneller Blick auf das aktuelle Browser-Geschehen. Nach vier Jahren Entwicklungszeit existiert mit der Final Release Mozilla 1.0 endlich ein stabiler, standardkonformer und schneller Browser. Doch das Mozilla-Team ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus: Eine Alpha Release der Version 1.1 mit neuen Features ist bereit verfügbar. Mit einer fertigen Version ist laut Mozillas Entwicklungsplan bereits Anfang August zu rechnen. Parallel dazu sollen noch fehlerkorrigierte Unterversionen des Mozilla 1.0 erscheinen. http://www.mozilla.org

Wie üblich ist kurz nach Erscheinen von Mozilla 1.0 auch eine neue Galeon-Version erhältlich. Auch hier wurden, wie bei Mozilla, im Vergleich zum Vorgänger keine neuen Funktionen implementiert, sondern lediglich Fehler korrigiert. Alle neuen Version befinden sich auch auf der Heft-CD. http://galeon.sourceforge.net/

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