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Finnisch by Nature

SOT Linux 2002

01.08.2002
Aus dem Heimatland von Linus Torvalds, dem Erfinder von Linux, kommt die Distribution SOT Linux auf den Desktop. Früher unter dem namen Best Linux bekannt, setzen die Finnen nun zum zweiten Mal an.

Zum Glück muss ein Anwender nicht unbedingt Finnisch sprechen, um die Distribution auf seinem Rechner zu installieren. Es ist aber schon ein ungewohntes Bild, das sich nach dem ersten Booten im Installations-Guide bietet: In einem Halbkreis sind Icons um einen zentralen Dialog angeordnet. Diese Abbildungen repräsentieren die einzelnen Stationen der Installation.

Abbildung 1: Das ungewöhnliche Design des Installers findet sich im Konfigurationswerkzeug wieder

SOT Linux ließ sich auf dem Testrechner problemlos installieren: Die Grafikkarte wurde automatisch erkannt, das Netzwerk problemlos konfiguriert - mittels DHCP oder manuell, da lässt der Dialog dem Anwender freie Wahl. Hier erweist sich zudem SOT als vorausschauend, da es schon heute die Eingabe von Adressen nach dem IPv6-Standard ermöglicht: Derzeit laufen in der Europäischen Union Bestrebungen, die Umstellung auf das neue System zu beschleunigen, da die Adressräume zu klein werden. Diese Umstellung kommt also früher oder später auf alle zu.

Office und Co.

SOT Linux ist eine RPM-basierte Distribution, was die Integration von distributionsfremden Paketen vereinfacht. Einige grundlegende Werkzeuge zur Entwicklung sind vorhanden, dafür vermissten wir nach einer Komplettinstallation den Netscape-Browser oder eines der großen Office-Pakete.

SOT bietet aber über die Web-Seite ein angepasstes OpenOffice-Paket an, der Download von rund 70 MB ist allerdings nicht gerade etwas für jeden. Daher verkauft SOT über die Web-Seite eine fertig konfektionierte Box mit CD und Handbuch.

Der Desktop selbst basiert auf KDE 2.2.1, also der vorletzten Version der 2er-Serie. Hier setzten die Entwickler ebenso wie beim Kernel (2.4.12) und bei XFree86 (4.1.0) nicht auf die allerletzten Versionen.

Die Entwickler überarbeiteten die Menüstruktur, haben den Anwendern damit aber nicht unbedingt einen Gefallen getan: So erscheint die Sortierung nicht immer logisch, und zum Teil sind die Submenüs etwas überladen mit den unterschiedlichsten Programmen. Da bleibt Raum für Verbesserungen.

Alternativen zur Desktop-Umgebung hat der Anwender erst einmal nicht: GNOME oder gar einer der kleineren Window Nanager finden sich nicht im Angebot der SOT-Distribution.

Fazit

Abbildung 2: Der SOT Linux 2002 Desktop mit nachinstalliertem Office-Paket

Obwohl wir bei der Installation die Sprache Deutsch ausgewählt hatten, erschien der Desktop nur teilweise mit der deutschen Übersetzung. Da sind die etablierten Distributionen schon etwas weiter. Auch die Unterstützung des Euro-Symbols funktioniert nicht auf Anhieb. Das ist natürlich für den europäischen Markt ein Nachteil.

Die Konfiguration in einem eigenen Werkzeug hebt die Distribution deutlich von den Mitbewerbern ab. Ob diese Wahl gelungen ist und von den Benutzern angenommen wird, zeigt die Zukunft. Sicher stellt sich die Frage, warum das Rad immer wieder neu erfunden werden muss, aber Distributionen brauchen wohl ihren eigenen Charakter.

Zumindest unter der Haube setzen die Finnen auf Altbewährtes: Für die Hardware-Erkennung kommt das Programm Kudzu zum Einsatz, das auch Mandrake und Red Hat verwenden.

Insgesamt ist SOT ein Produkt, das durchaus Chancen hat. Die Software-Ausstattung dürfte ruhig etwas umfangreicher sein, was jedoch zur Folge hätte, dass die Distribution nicht mehr mit einer CD auskommt. Hier ist der Mittelweg gefragt.

Aktuellere Software ist für die kommende Release angekündigt, so dass die etwas veralteten Versionen in dieser Ausgabe nicht unbedingt zu einem Negativkriterium werden. Die Entwickler orientieren sich an aktuellen Trends und versuchen, diese in die Paketierung miteinzubeziehen.

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