Wer Daten mit auf Reisen nehmen möchte, hat die Qual der Wahl: Ob Diskette, Wechsel-Platte, CD oder Festplatte, der Markt bietet eine große Auswahl. Bisher krankten alle Lösungen daran, dass von SCSI abgesehen kein Datenbus mit hoher Transferrate und geringem Umbau-Aufwand zur Verfügung stand. USB-Festplatten sind zwar praktisch, aber viel zu langsam - sie erreichen nicht mal die Geschwindigkeit eines 6-fach CD-ROM-Laufwerks.
Mit USB 2.0 und Firewire verschwindet dieser Flaschenhals: Die maximale Datenrate von 60 respektive 50 MByte pro Sekunde können selbst moderne Festplatten kaum ausreizen. Der Aufwand, eine Festplatte mit Wechselrahmen einzusetzen oder sie direkt einzubauen, bringt kaum noch Vorteile.
Drei externe Festplatten-Lösungen mit Firewire oder USB 2.0 treten zum Test an. Die Western Digital WD1200B002-RNN mit 120 GByte hat etwa die Größe eines CD-ROM-Laufwerks. Das Gerät wird über den Firewire-Port auf der Rückseite angeschlossen, der zudem durchgeschleift ist (Abbildung 1): So lässt sich ein zweites Gerät gleich dahinter hängen. Western Digital verbaut eine Standard-Desktop-Festplatte aus eigener Produktion, was das externe Laufwerk insgesamt sehr stromhungrig macht: Es kann sich nicht mehr aus dem Firewire-Port versorgen und benötigt ein externes Netzteil.
Die externe USB-2.0-Festplatte von Iomega kommt ebenfalls nicht mit dem Strom aus dem Rechner aus, obwohl dort nur eine 20 GByte große Notebook-Festplatte eingebaut ist; auf Reisen muss also das Netzteil stets dabei sein. Die Festplatte hat Iomega mit Schaumstoff-Würfeln an allen vier Ecken gedämpft, Transportschäden sind nicht unmittelbar zu befürchten. Die Gehäusegröße gut gewählt - mit zwei Zentimetern ist es ist nur doppelt so dick wie die Notebook-Festplatte im Inneren und etwa doppelt so lang.
Als Clou lässt sich der hintere Teil mit dem USB-Anschluss abziehen (Abbildung 2), womit die Festplatten-Einheit nur noch 14,5 Zentimeter lang ist. Damit ließen sich prinzipiell auch andere Anschlussformen wie Firewire, PCMCIA oder parallele Schnittstelle anstecken, entsprechende Adapter bietet Iomega derzeit aber nicht an.
Das Festplattengehäuse Exsys EX-6551 von IT-Saw kommt als einziges ohne externes Netzteil aus, die Festplatte wird über Firewire oder USB mit Strom versorgt. Zum Test bestückten wir das Leergehäuse mit der Notebook-Festplatte Toshiba MK3017GAP, die bereits in [4] verwendet wurde. Die Messergebnisse sind darüber mit den anderen Laufwerken vergleichbar.
Das Gehäuse ist das kleinste im Testfeld und nur einen halben Zentimeter höher als das von Iomega. Darunter leidet die Dämpfung: Die Notebook-Platte wird direkt mit der Adapter-Platine und dem Gehäuse verschraubt, einzig die blauen Gummimatten an der rechten und linken Seite mildern Stöße etwas. Die Montage der Matten ist allerdings umständlich; sie werden von sechs kleinen Noppen gehalten, die nur schwer in die Löcher des Gehäuses einzudrücken sind und gern abreißen oder wieder heraus gehen. Wir empfehlen deshalb, zusätzlich zu zwei Stück Doppelklebeband zu greifen.
Liefert der angeschlossene Rechner über USB oder Firewire nicht genug Strom für die Festplatte, kann alternativ ein Netzteil angeschlossen werden. Für unterwegs liegt dem Gehäuse ein Tastaturadapter bei, der den Strom beim Tastaturanschluss des Notebooks abzweigt.
Als einziges ist das Gehäuse von Exsys sowohl mit USB 2.0 als auch mit Firewire ausgestattet (Abbildung 3). Damit eignet sich das Gerät hervorragend zum Datentransport, da es ohne Weiteres an alle PCs und Macs angeschlossen werden kann. Der Preis ist mit 138 Euro allerdings sehr hoch.
Die Leistungsdaten ermittelten wir auf unserem Labor-Testsystem aus [4] unter SuSE 7.3, Kernel 2.4.18. Für diesen Test erweiterten wir den Rechner um die Exsys EX-1064 USB-2.0-Karte sowie die Dawicontrol DC-1394 PCI (siehe vorhergehender Artikel). Den Benchmark führten wir mit Bonnie++, Version 1.01d durch.
Wie in Diagramm 1 zu sehen ist, liegen die Leistungsdaten der externen Laufwerke auf dem Niveau einer internen Festplatte. Western Digital spielt mit der eingebauten Desktop-Festplatte in einer anderen Liga, alle anderen Lösungen verwenden deutlich langsamere Notebook-Festplatten. Als Vergleichswert verwenden wir die Transferraten der Notebook-Festplatte Toshiba MK-3017GAP, wurde als interne Festplatte im Testrechner angeschlossen.
Verwunderlich ist, dass USB 2.0 trotz 20 Prozent höherer Transferrate auf dem Bus deutlich hinter Firewire zurückfällt. Eine mögliche Erklärung ist der experimentelle Treiber, weitere Tests müssen das nach der offiziellen Freigabe von USB 2.0 klären. Auch fällt auf, dass der Rechner bei Datentransfers über USB stets komplett ausgelastet ist, bei Firewire jedoch nicht. Derzeit hält Western Digital mit der Firewire-Festplatte die Geschwindigkeitskrone.
Externe Festplattenlaufwerke mit USB 2.0 oder Firewire eignen sich überall dort, wo große Datenmengen bewegt oder Rechner ohne Umbauten aufgerüstet werden sollen. Die Datentransferrate der Firewire-Geräte liegt auf dem Niveau eingebauter Laufwerke, USB 2.0 knapp darunter. Insgesamt gewinnt man durch die externen Laufwerke Flexibilität und Portabilität ohne deutliche Leistungseinbußen.
Externe Festplattenlaufwerke mit Firewire oder USB 2.0
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| Hersteller: | Western Digital | Exsys | Iomega |
| Modell: | WD1200B002-RNN | EX-6551 | HDD 20GB USB 2.0 |
| Kapazität: | 120 GByte | - | 20 GByte |
| Abmessungen (BxHxT): | 15,5 x 4,5 x 21,5 cm | 7,5 x 2,5 x 14 cm | 9 x 2 x 19 cm |
| Transferrate lesen: | 28,0 MByte/s | 25,6 (19,0) MByte/s | 20,0 MByte/s |
| Transferrate schreiben: | 22,3 MByte/s | 20,7 (13,9) MByte/s | 12,5 MByte/s |
| Einzelpreis Festplatte: | 260 Euro | - | 125 Euro |
| Anschlüsse: | 2 x Firewire | 1 x Firewire, 1 x USB 2.0 | 1 x USB 2.0 |
| Preis: | 450 Euro | 140 Euro | 245 Euro |
Infos
[1] Western Digital: http://www.western-digital.com
[2] Iomega: http://www.iomega.de
[3] IT-Saw: http://www.it-saw.de
[4] Oliver Kluge, Mirko Dölle: Plattenparade, Linux-Magazin 11/2001