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Der deutsche Marktführer

SuSE 7.1 Personal im Test

01.04.2001 Die Distribution der Nürnberger SuSE GmbH wird von vielen Linux-Anfängern als das Betriebssystem Linux schlechthin identifiziert. Wir haben uns für Sie die aktuelle Personal-Edition etwas genauer angeschaut.

SuSE splittet seine Distribution seit Versionsnummer 7 in zwei Versionen auf. Die einstige Vollversion wird seither inklusive DVD zum erhöhten Preis von 129 DM als Professional-Variante vertrieben. Um den preisbewussten Linux-Normalanwender nicht zu verlieren, bietet SuSE außerdem eine abgespeckte Variante (Unterschiede siehe Kasten) zum Preis von 89 DM als Personal-Edition für den (reinen) Desktop-Einsatz an.

Installation

Abbildung 1

Abbildung 1: SuSEs Installationsprogramm glänzt vor allem durch seine flexiblen Auswahl-Optionen wie hier die Wahl des Kernels und der zu installierenden Pakete

Dank der überdurchschnittlich guten Hardware-Erkennung ließ sich die erste CD auch auf von unserem SCSI-DVD-Laufwerk aus sofort booten. Auch die USB-Maus verrichtete nach dem Erscheinen des grafischen Installers sofort anstandslos ihre Arbeit. Grundsätzlich hat man bei SuSE die Wahl zwischen einer Neuinstallation und einem (zeitintensiveren) Upgrade eines bereits vorhandenen alten SuSE-Systems (siehe Artikel über Upgrades in dieser Ausgabe).

Beim Anlegen der Daten-Partition(en) kann man auch in der Personal-Edition zwischen dem klassischen ext2-Dateisystem und dem neuen Journaling-Dateisystem Reiserfs wählen. Die Paketauswahl bietet sowohl für Einsteiger (mit Grobkategorien wie Standard mit Office), als auch für fortgeschrittenere Linux-User (bis hin zur Auswahl einzelner rpm-Pakete) genügend Flexibilität, wenngleich hierdurch die Übersichtlichkeit etwas leidet.

Auch beim Kernel wird man vor die Wahl gestellt: ein ausgereifter und gepatchter Kernel 2.2.18 oder gleich der neue (ebenfalls gepatchte) Kernel 2.4.0 mit all seinen Vorzügen und evtl. noch nicht behobenen Bugs? Von der Idee her konsequent, aber in der Praxis vermutlich eher unüblich wird dagegen der Boot-Manager per Default auf eine Boot-Diskette installiert. Wer es bevorzugt, nach dem Einschalten des Rechners auch ohne Einlegen einer Linux-Boot-Diskette zwischen den installierten Betriebssystemen wählen zu können, muss dies daher bei der Installation (auf etwas umständliche Art) explizit angeben. Ebenfalls lästig, aber dennoch sinnvoll ist es, dass man vom Installer dazu genötigt wird, mindestens einen gültigen Benutzer sowie das Root-Passwort in sicherheitstechnisch korrekter Form einzugeben, bevor die Installation fortgesetzt werden kann. Insgesamt ähnelt die SuSE-Installationsprozedur zunehmend der von Windows – das Positive daran: weitgehende Automatisierung und ein meist verständlicher Benutzerdialog. Weniger nachahmenswert hingegen: allzu nervige Warnungshinweise sowie erforderliche Reboots bereits während der Installationsprozedur.

Relativ einmalig ist allerdings dann doch die Tatsache, dass man dank SuSE als Besitzer einer neuen 3D-Grafikkarte (hier: nVidia Geforce 256) mit etwas Glück durch bloßes Anhaken von 3D-Beschleunigung aktivieren in den Genuss eines (allerdings nicht immer ganz stabilen) 3D-Hardware-beschleunigten X-Servers kommt.

Insgesamt überzeugt SuSEs aktuelle Installationsprozedur trotz der zum Teil etwas gewöhnungsbedürftigen Menüführung vor allem durch ihre Transparenz und Fehlerfreundlichkeit. Dank einer Braille-Unterstützung können neuerdings sogar blinde Personen selbständig eine SuSE-Installation hinter sich bringen.

Welche soll's denn sein: Personal oder Professional?

Die SuSE Professional-Edition bringt folgende zusätzlichen Features mit:

  • Installations-DVD
  • zusätzliches Know-How-Handbuch (635 Seiten)
  • Neues Drucker-System CUPS
  • zusätzliche Entwicklerwerkzeuge / Autoinstaller
  • C/C++-IDE KDevelop 1.3
  • LDAP Server
  • Server Tools
  • IP Videotelefonie
  • Clustering

Insbesondere fortgeschrittene Desktop-Anwender, die den Neukauf einer SuSE-Distribution in Erwägung ziehen, sollten sich überlegen, ob ihnen (vor allem) die erstgenannten (fettgedruckten) Zusatz-Features der Professional-Version den Aufpreis von 40 DM wert sind. Einen (kritischen) Testbericht über SuSE Linux 7.1 Professional finden Sie z. B. in der aktuellen Ausgabe des Linux-Magazins.

kmlinux – eine SuSE-basierte Distribution speziell für Schulen

Eine extra auf die besonderen Anwender-Belange von Schülern und Lehrern zugeschnittene Variante der älteren aber stabilen SuSE 6.4 bietet seit einiger Zeit eine Arbeitsgruppe des Landesbildungs-Servers Schleswig-Holstein in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Freie Software und Bildung an. Die Homepage der für schulische Zwecke kostenlos erhältlichen Distribution finden Sie unter http://www.lernnetz-sh.de/html/projekte/opensource/kmlinux.html. Die Initiative freut sich übrigens sehr über alle Schüler und Lehrer, die einen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung und Verbreitung von kmlinux leisten wollen.

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Erstkonfiguration

Abbildung 2

Abbildung 2: Das X11-basierte Konfigurations-Tool YaST2 ersetzt mit jeder neuen SuSE-Version ein bisschen mehr der menübasierten Vorgängerversion

Die Erstkonfiguration der wichtigsten Hardware-Komponenten stellt sich als recht problemlos heraus. Die gezwungenermaßen manuelle Inbetriebnahme von ISA-Karten dürfte allerdings gerade den Linux-Einsteiger eher überfordern. Zentrale Konfigurations-Tools wie SuSEs YaST/YaST2 haben allerdings nicht nur Vorteile: Immer dann nämlich, wenn man vorgefertige Konfigurationsmenüs aus irgendeinem Grund verlassen muss, etwa um eine bestehende exotische Hardware-Komponente doch noch unter Linux in Betrieb nehmen zu können, stößt man an Grenzen von distributionsspezifischen Konfigurationstools. Bei SuSE kann es z. B. passieren, dass YaST(2) mühsam von Hand editierte Konfigurationsdateien aufgrund des eingebauten Skriptautomatismus nach kurzer Zeit wieder überschreibt. Enttäuscht hat auch die angekündigte USB-Unterstützung: Für das USB-ZIP-Drive existiert zwar (bei Kernel 2.4.0) prinzipiell ein geeignetes Kernel-Modul; einen entsprechenden Eintrag in der /etc/fstab sucht man dafür allerdings vergebens. Nichtsdestotrotz dürfte das neue YaST2 Control Center gerade für Windows-Umsteiger als passable Alternative zur "Systemsteuerung" durchaus geeignet sein.

Erweiterbarkeit

Auf den beiden Binary-CDs befindet sich ein akzeptables, wenn auch zum Teil noch durch weitere Quellen ergänzungsbedürftiges Repertoire an Linux-Anwendungs-Software. Äußerst lästig bei der nachträglichen Installation von rpm-Paketen: Der YaST2-Paket-Manager benötigt bei jeder Nachinstallation von Paketen zunächst die erste SuSE-CD, ganz gleich, auf welcher CD sich das zu installierende Paket letztlich befindet. DJ-Einsatz ist hier also vorprogrammiert! Ansonsten ist das System dank weitgehender Binärkompatibilität im Normalfall relativ einfach durch Red-Hat-6.2-konforme RPMs, notfalls auch durch direktes Kompilieren von Quellpaketen, erweiterbar.

Alles eine Kostenfrage

SuSE 7.1 verbindet momentan besser als die meisten anderen verbreiteten Distributionen eine relativ voraussetzungsarme Administrierbarkeit mit größtmöglicher Aktualität. Das zentrale Administrationskonzept von YaST(2) ermöglicht es auch Linux-Neulingen, auf dem Desktop möglichst rasch produktiv zu werden. Andererseits fühlt man sich gerade als fortgeschrittener Nicht-Nur-Anwender bei einem SuSE-System zunehmend in seiner Gestaltungsfreiheit eingeschränkt. Letztlich ist es aber vor allem eine Kostenfrage, ob man sich in regelmäßigen Abständen von SuSE mit einer (nicht ganz billigen) Auffrischungskur für sein System samt Administrationswerkzeug bedienen lassen will.

SuSE 7.1 Personal

+ Sehr aktuelles und auf deutsche Verhältnisse angepasstes System

+ Zentrales Konfigurations-Tool YaST/ YaST2

– Lästiges CD-Wechseln bei Nachinstallation von Paketen

– Relativ hoher Preis für "abgespeckte" Distribution

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