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Multi-Boot

Windows und 2x Linux auf einer Platte

07.10.2012
Viele Linux-Anwender möchten sich nicht ganz von Windows trennen und streben daher eine Parallelinstallation beider Betriebssysteme an. Wie Sie Windows sogar mit zwei Linux-Distributionen gemeinsam nutzen können, zeigt dieser Artikel.

Festplatten aktueller Rechner bieten oft ein ganzes Terabyte (1 TByte = 1024 GByte) Platz für Programme und Daten, da ist es problemlos möglich, die Platte aufzuteilen und mehrere Betriebssysteme zu installieren. Ein Bootmanager erlaubt beim Rechnerstart die Auswahl, welches der Systeme booten soll; für den Wechsel zu einem anderen System fährt man den Computer einfach herunter und startet ihn neu. Das ist deutlich billiger als die Alternative, mehrere Computer zu kaufen, die häufig gar nicht ins Arbeitszimmer oder unter den Schreibtisch passen.

Die Alternative zur Parallelinstallation mehrerer Systeme heißt Emulation bzw. Virtualisierung; dabei läuft Windows in einer virtuellen Maschine unter Linux (oder umgekehrt) – diese Vorgehensweise haben wir schon in mehreren Artikeln beschrieben [1,2], und sie bietet den Vorteil, dass man Programme aller Betriebssysteme parallel (und ohne Reboot) einsetzen kann. Der Nachteil ist, dass die Performance des Gastsystems oft niedriger als die einer nativen Installation ist und es (selten) Probleme beim Zugriff auf angeschlossene Geräte gibt.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Parallelinstallation von Windows und zwei oder mehr Linux-Distributionen auf einem Rechner, wobei (nach Auswahl im Bootmanager) immer nur ein einziges Betriebssystem aktiv ist. Bei der Einrichtung sollte man geschickt vorgehen und unter anderem dafür sorgen, dass wichtige Dateien von allen installierten Systemen aus erreichbar sind. Die meisten Installationsroutinen von Linux-Distributionen sind darauf ausgerichtet, dass bereits ein Windows auf der Platte vorhanden ist und dort auch bleiben soll; für die Installation von mehr als einer Linux-Distribution sind zusätzliche Planungen nötig.

Da geht es hin

Das Ziel ist ein Multi-Boot-System, das Windows, OpenSuse und (K)Ubuntu auf einer Festplatte kombiniert und dabei die folgenden Eigenschaften hat:

  • Beim Booten des Rechners wählen Sie im Bootmenü aus, welches der drei Betriebssysteme Sie starten möchten.
  • Auf Ihre privaten Dateien, Musik und Videos sowie E-Mails greifen Sie einheitlich von allen Systemen aus zu; es spielt keine Rolle, welches der Betriebssysteme gerade aktiv ist.
  • Standardprogramme wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice, die es für Windows und Linux gibt, sind auf allen Betriebssystemen mit einheitlichen Einstellungen installiert.

Außerdem ist die Festplatte für das Nachrüsten weiterer Linux-Distributionen bzw. für Aktualisierungen auf neuere OpenSuse- bzw. Ubuntu-Versionen vorbereitet.

Wir gehen in diesem Szenario davon aus, dass nur ein Benutzer (Sie) mit diesem Rechner arbeitet und dass Sie unter Windows und Linux denselben Benutzernamen verwenden. Beide Betriebssysteme richten auch standardmäßig nur einen Benutzer-Account ein. Wenn Sie unter einem der Systeme weitere Nutzer (etwa für andere Familienmitglieder) anlegen, können diese das jeweilige System auch verwenden, aber die Integration der Einstellungen und persönlichen Dateien über Betriebssystemgrenzen hinweg funktioniert nur für den ersten (Standard-)Benutzer.

Installationsmarathon

Die Installation beginnt mit dem Einrichten von Windows, weil der Windows-Installer sich am schlechtesten mit bereits vorhandenen anderen Betriebssystemen verträgt. (Er ignoriert sie komplett und kann nur durch Löschen einer Partition freien Platz schaffen.) Außerdem sind die meisten Rechner ab Werk bereits mit Windows vorkonfiguriert.

Wenn Sie eine frische Festplatte verwenden, installieren Sie also zunächst Windows. Dabei müssen Sie sich über eine Aufteilung der Festplatte (Platz für die Linux-Systeme) keine Gedanken machen, weil die Linux-Installationsroutinen eine bestehende Windows-Partition problemlos verkleinern können. Im Kasten Theorie zu Platten und Partitionen finden Sie Hinweise zur Theorie der Festplattenaufteilung und zu der unter Linux üblichen Notation, mit der Sie individuelle Linux-Partitionen benennen können.

Theorie zu Platten und Partitionen

Linux gibt jeder Festplatte einen so genannten Gerätedateinamen: Das ist ein Kürzel der Form sda (für die erste SATA- oder SCSI-Festplatte) bzw. hda (für die erste klassische IDE-Festplatte). Weitere Platten vom gleichen Typ heißen dann sdb, sdc usw. bzw. hdb, hdc usw. Diese Kurzbezeichnungen stehen traditionell für "SCSI Disk A" (SCSI-Platte A), "SCSI Disk B" usw. und "Hard Disk A" (Festplatte A), "Hard Disk B" usw. In aktuellen Rechnern werden Sie keine IDE-Festplatten mehr finden, so dass Sie meist nur mit den Namen sda und sdb rechnen müssen, weil auch mehr als zwei Festplatten unüblich sind.

Diese Kürzel heißen Gerätedateinamen (engl. device filenames), weil es im Ordner /dev/ passende Einträge gibt (etwa: /dev/sda für die erste SATA-Platte), über welche Linux mit den Platten kommuniziert. Das Verzeichnis enthält noch zahlreiche weitere Einträge, über die sich andere Hardware (andere Geräte) ansprechen lässt.

Jede Festplatte kann vier so genannte primäre Partitionen enthalten. Es gibt auf jeder Platte ein zentrales Inhaltsverzeichnis, das Informationen über diese vier Partitionen speichert. Die vier primären Partitionen werden von 1 bis 4 durchnummeriert. Diese Nummer wird an den Namen der Plattengerätedatei angehängt, um den Namen der Partitionsgerätedatei zu bilden: So heißt etwa die erste Partition auf der Platte /dev/sda einfach /dev/sda1.

Damit man mehr als vier Partitionen auf einer Platte verwenden kann, wurde zu MS-DOS-Zeiten das Konzept der erweiterten Partition eingeführt: Auf jeder Festplatte darf eine der vier primären Partitionen vom Typ "erweitert" sein – innerhalb dieser erweiterten Partition können dann weitere "logische" Partitionen angelegt werden. Die erweiterte Partition ist also nur ein Container und enthält selbst kein Dateisystem, auf dem Sie Dateien speichern können, sondern weitere Partionen (Abbildung 1).

Abbildung 1: So sieht eine einfache Aufteilung einer Festplatte mit einer primären und einer erweiterten Partition (die wiederum zwei logische Partitionen enthält) aus.

In Microsoft-Sprache heißen die logischen Partitionen "logische Laufwerke". Linux nutzt auch erweiterte Partitionen und kann innerhalb einer solchen prinzipiell beliebig viele logische Partitionen anlegen. Sie werden ab 5 durchnummeriert, so dass etwa die erste logische Partition auf der Platte /dev/sda über die Gerätedatei /dev/sda5 ansprechbar ist.

In sehr seltenen Fällen reicht es nicht aus, eine Windows-Partition zu verkleinern, um Platz für Linux zu schaffen: Das ist dann der Fall, wenn Windows so installiert wurde, dass das System bereits vier primäre Partitionen (z. B. eine Systempartition, zwei Datenpartitionen und eine Recovery-Partition) enthält. Eine dieser Partitionen muss dann in eine erweiterte Partition umgewandelt werden, damit sich darin neue logische Partitionen anlegen lassen – und das bedeutet den Verlust aller Dateien in dieser primären Partition, die Sie darum vorher auf eines der anderen Windows-Laufwerke sichern müssen. Auf den meisten Rechnern gibt es ab Werk aber nur zwei (primäre) Partitionen, und dann können die Installationsroutinen der Linux-Distributionen problemlos Platz für Linux schaffen.

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