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Schlanke Desktops

Kleine Alternativen zu KDE und Gnome

12.10.2011
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Komfort hat seinen Preis: Aktuelle Desktops wie KDE und Gnome verbrauchen viel Speicherplatz und machen den Rechner langsam. Wir stellen Alternativen vor, die weniger können, dafür aber schneller laufen.

Aktuelle Linux-Versionen starten dank verbesserter Bootprozesse in wenigen Sekunden, doch wenn das System in die grafische Darstellung wechselt und Sie schon den Mauszeiger sehen, dauert es noch eine ganze Weile, bis der Desktop und das Startmenü von KDE oder Gnome erscheinen – die Desktops sind zu sehr komplexen Ungetümen geworden, die zahlreiche Hintergrundprogramme starten, welche Sie nie zu sehen bekommen, die aber für das Funktionieren der Oberflächen notwendig sind.

Linux konnte man schon lange vor der Einführung von KDE und Gnome im Grafikmodus betreiben, und die Herren der Oberfläche nannten sich damals nicht "Desktop-Umgebungen", sondern Fenstermanager (oder englisch: Window Manager) – ihre Aufgabe war und ist es, das Arbeiten mit Fenstern zu erlauben, mehr nicht. Auch KDE und Gnome enthalten eigene Fenstermanager, bieten aber noch viel mehr Funktionen, die mit der Fensterdarstellung gar nichts zu tun haben.

Wer bereit ist, auf den Komfort der aktuellen Desktops zu verzichten, kann sich ein schlankes System konfigurieren, das schneller startet und auch bei der täglichen Arbeit – etwa beim Wechsel auf eine andere Arbeitsfläche – spontaner reagiert. Das kann nötig sein, um einen alten Rechner wiederzubeleben; und es ist auch auf aktuellen PCs hilfreich, wenn Sie mit maximaler Geschwindigkeit arbeiten möchten.

Wir stellen in diesem Artikel den Window Manager Icewm [1] und zusätzlich einige Dateimanager vor, die ebenfalls sparsam mit den Systemressourcen umgehen.

Was bleibt, was geht

Wenn Sie auf einen weniger leistungsfähigen Desktop wechseln, werden Sie auf einige gewohnte Features verzichten müssen – das kann auch ein Grund sein, um auf einen solchen Umstieg zu verzichten. Wir geben einen kurzen Überblick darüber, welche Funktionen Ihnen erhalten bleiben und welche wegfallen.

Das wichtigste Argument für einen Voll-Desktop (wie KDE oder Gnome) ist die perfekte Integration der Komponenten. Die Desktop-Komponenten kümmern sich nicht nur darum, dass Fenster auf dem Bildschirm erscheinen, sondern sie leisten viel mehr: Arbeiten Sie etwa unter KDE nur mit den enthaltenen KDE-Anwendungen (z. B. mit dem KDE-Dateimanager Dolphin, dem KDE-Brennprogramm K3B oder dem KDE-Texteditor Kate), dann haben alle Programme ein einheitliches Look & Feel. Ändern Sie im Kontrollzentrum des Desktops Einstellungen zur Optik, "reagieren" alle KDE-Programme darauf und machen z. B. eine optische Anpassung der Bedienelemente (Buttons, Menüs etc.) mit. Auch Standarddialoge zum Öffnen, Speichern, Drucken etc. sehen in allen Programmen gleich oder zumindest sehr ähnlich aus. Wenn Sie die KDE- oder Gnome-Welt verlassen, fallen solche Vereinheitlichungen weg, und jedes Programm präsentiert sich auf seine individuelle Weise. Der Effekt ist aber nicht sehr gravierend, und Sie sehen ihn auch unter KDE/Gnome, sobald Sie z. B. unter KDE ein Programm starten, das nicht zu KDE gehört.

Andere Features sind da schon wichtiger. Legen Sie etwa eine DVD ein oder schließen Sie einen USB-Stick an, dann reagieren die großen Desktops darauf. Für einfache Window Manager gilt das nicht. Im Test mit IceWM passierte z. B. beim Einlegen einer DVD gar nichts; um darauf zuzugreifen, müssen Sie diese von Hand (mit einem Kommando auf der Konsole) einbinden, was Einsteiger überfordert. Damit Sie das nicht tun müssen, können Sie vor der Verwendung eines externen Datenträgers z. B. den KDE-Dateimanager Dolphin starten – der aktiviert dann auch wieder das automatische Einbinden von Stick & Co., aber zu dem Preis, dass nun im Hintergrund wieder diverse KDE-Komponenten werkeln. Die bessere Performance der grafischen Oberfläche bleibt aber trotzdem erhalten.

Icewm

Den Window Manager IceWM finden OpenSuse- und Ubuntu-Anwender in den Repositories – unter OpenSuse installieren Sie das Paket icewm-default, bei Ubuntu heißt es icewm. Das Paketverwaltungstool richtet automatisch abhängige Pakete mit ein. Wählen Sie nicht die Variante icewm-lite – dahinter verbirgt sich eine Version mit reduziertem Funktionsumfang, bei der z. B. die Startleiste fehlt. Falls icewm-lite bereits installiert ist, entfernen Sie im gleichen Schritt dieses Paket.

Um IceWM nach der Installation auszuprobieren, melden Sie sich vom laufenden Desktop ab. Im Login-Manager haben Sie dann die Möglichkeit, von KDE bzw. Gnome auf IceWM umzuschalten; auf dieselbe Weise kommen Sie später auch zu KDE / Gnome zurück. Der Auswahldialog erscheint eventuell erst, nachdem Sie den anzumeldenden Benutzer festgelegt haben: Die Auswahl erfolgt also zwischen der Eingabe des Benutzernamens und der Eingabe des Passworts.

Direkt nach dem Start von IceWM erscheint je nach Distribution ein mehr oder weniger karger Bildschirm, an dessen unterem Rand einsam eine Leiste hockt (Abbildung 1). Mit dem Erscheinen dieser so genannten Taskbar (wir nennen sie im Folgenden immer Startleiste) ist bereits der gesamte Desktop einsatzbereit. Die Startgeschwindigkeit ist – im Vergleich zum KDE- oder Gnome-Desktop – enorm hoch.

Abbildung 1: Standardmäßig gibt sich IceWM ziemlich karg. Ubuntu verteilt die Programmauswahl zudem auf zahlreiche Untermenüs.

Bei der Bedienung fühlt sich IceWM ein bisschen wie eine Mischung aus rudimentärem Windows und Gnome an: Hinter der Schaltfläche am äußeren linken Rand der Startleiste steckt ein Startmenü, das zu allen installierten Anwendungen führt. Die Beschriftung des Knopfs hängt genauso von der Distribution ab wie die dahinter stehende Menüstruktur. In der Regel weicht letztere von den ansonsten gewohnten Gruppierungen ab, z. B. finden Sie unter Ubuntu alle Systemprogramme noch einmal fein säuberlich sortiert unter Programme / Anwendungen / System. Den Inhalt des Startmenüs erhalten Sie auch jederzeit über einen Rechtsklick auf den freien Desktop.

Über den Startmenü-Eintrag Fenster wechseln Sie auf einen der vier virtuellen Desktops. (Klicken Sie dabei direkt auf den – optisch abgetrennten – Pfeil, erscheint ein Untermenü und nicht gleich ein Fenster.) Noch schneller geht das mit einem Klick auf die von 1 bis 4 beschrifteten Knöpfe in der Taskbar. Welche Schaltflächen direkt rechts vom Startmenü stecken, hängt wieder von der Distribution ab.

Am besten eignen sich aber Tastenkürzel für den Wechsel der Arbeitsfläche: Mit [Strg]+[Alt]+[Pfeil links] und [Strg]+[Alt]+[Pfeil rechts] wechseln Sie zum vorherigen bzw. nächsten Desktop; wollen Sie eine bestimmte Arbeitsfläche nutzen, erreichen Sie diese über [Strg]+[Alt]+[1] bis [Strg]+[Alt]+[4]. Daneben gibt es noch die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[Pfeil runter], die Sie zum zuletzt benutzten Desktop bringt: Mehrfaches Drücken lässt Sie also zwischen den letzten beiden Desktops hin und her springen.

Besonders praktisch ist ein Feature, mit dem Sie beim Desktop-Wechsel ein Fenster mitnehmen können: Das aktive Fenster (das den Fokus hat) verschieben Sie auf den neuen Desktop, indem Sie zusätzlich die Umschalttaste drücken – das klappt mit allen gerade vorgestellten Tastenkombinationen, also z. B. [Umschalt]+[Strg]+[Alt]+[Pfeil links] und [Umschalt]+[Strg]+[Alt]+[Pfeil rechts] für Sprünge zum vorherigen / nächsten Desktop.

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