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© Jozef Dunaj; 123RF

Spielspaß

Spiele für Linux im Kurztest

07.04.2011 Spielen unter Linux heißt Solitaire und Mine Sweeper? Das ist falsch. Auch für Linux gibt es viele grafisch und spielerisch komplexe Games, von denen wir hier einige vorstellen.

Ein häufig gehörtes Vorurteil über Linux lautet, dass dieses Betriebssystem als Spieleplattform völlig ungeeignet ist, weil es einfach keine Programme gibt. Der wahre Kern ist, dass die kommerziellen Neuerscheinungen im Spielemarkt überwiegend nur Windows (und Spielkonsolen), seltener Mac OS und kaum Linux unterstützen. Wer sich also in den aktuellsten Spielen mit Gleichgesinnten messen möchte, setzt dafür tatsächlich besser auf Windows auf Zweitsystem.

Das bedeutet aber nicht, dass es unter Linux keinen Spaß gäbe: In diesem Artikel stellen wir fünf sehr interessante Linux-Spiele vor, die preislich alle unter 20 Euro liegen oder sogar kostenlos sind.

Conquest

Im rundenbasierten Strategiespiel der Proxy Studios gilt es auf einer Landkarte mit Hexfeldern möglichst viele Städte einzunehmen. Die unkomplizierte Steuerung und eine auf das Wesentliche reduzierte Spielmechanik sorgen für überraschend schnelle Duelle.

Zu Beginn einer Partie darf man drei Truppenverbände auf jeweils einem der Hexfelder abladen. Anschließend zieht man jeden einzelnen Soldaten, Panzer oder Abfangjäger per Drag & Drop auf sein neues Ziel. Jede der Einheiten kann pro Runde nur eine begrenzte Anzahl Felder zurücklegen: Soldaten schaffen beispielsweise nur eines, Flugzeuge gleich zwei. Unwegsames Gelände, wie hohe bewaldete Berge bremsen zusätzlich. Erst wenn man allen Einheiten seine Anweisungen erteilt und bestätigt hat, führt sie das Spiel aus. Kommen dabei gegnerische Einheiten und eigene Truppen auf dem gleichen Feld zu stehen, eröffnen sie automatisch das Feuer. Dabei gilt das Stein-Schere-Papier-Prinzip: Zwei Soldaten schlagen einen gegnerischen Kollegen, ein Panzer ist stärker als ein Soldat. Hat man zwei Einheiten von verschiedenen Seiten auf ein Hexfeld geschickt, löst dies einen speziellen und wesentlich stärkeren Flankenangriff aus.

Abbildung 1: Das Strategiespiel Conquest fordert zum Erobern der Nachbarstädte auf.

Auf der Conquest-Homepage verlangen die Macher 10 Dollar für ihr Strategiespiel [1]. Wer es zunächst antesten möchte, greift zur kostenlosen Demo-Version.

Conquest ist konsequent auf schnelle, kurze und unkomplizierte Mehrspielerpartien ausgelegt. Das grundlegende Spielsystem ist deshalb recht einfach, die taktischen Möglichkeiten arg begrenzt. Die Bedienung per Drag and Drop ist so einfach wie genial. Einsteiger verzweifeln jedoch in den ersten Runden an dem sie überrennenden Computergengner, das rudimentäre Tutorial ist eigentlich seinen Namen nicht wert. Immerhin klärt das Wiki auf der Homepage die wichtigsten Fragen und liefert wertvolle taktische Tipps [2]. Grafik und Sound sind zweckmäßig, an die Qualität eines aktuellen Civilization kommen sie nicht heran. Im Gegenzug sind die 10 Dollar ein durchaus fairer Preis. Liebhaber von rundenbasierten Strategiespielen sollten daher unbedingt die Demo-Version probespielen.

Conquest

Bezugsquelle: http://www.conquest-game.com/
Entwickler: Proxy Studios
Lizenz: Kommerziell
Preis: 10 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Intel Pentium III 1 GHz, 256 MByte RAM, 200 MByte Festplattenspeicher, NVIDIA GeForce 6600 bzw. Radeon R300 (9500) oder höher, Internetverbindung für den Mehrspielermodus

MotoGT

Ein kleines Rennspiel aus Spanien treibt potente Zweiräder über 10 verschiedene Rennstrecken. Obwohl die rasante Jagd nach Siegen noch in der Entwicklung steckt, darf man schon jetzt die Reifen ordentlich qualmen lassen.

MotoGT [3] knüpft an klassische 2D-Rennspiele der frühen 90er Jahre an. Aus der Vogelperspektive steuert man ein MotoGP-Zweirad über derzeit zehn optisch wie spielerisch abwechslungsreiche Rennstrecken (Abbildung 2). Nervende Gegner darf man von der Strecke drängeln, während unterschiedliche Wetterbedingungen und Tageszeiten das Rennfahrerleben erschweren. Wer mit der Bande kollidiert oder von einem Konkurrenten über den Haufen gefahren wird, darf nach einer kurzen, aber gemeinen Zwangspause wieder auf sein Rad steigen und weiterfahren.

Abbildung 2: Bestimmte Manöver, wie hier den Überholvorgang, kommentiert MotoGT häufig und gerne. Auf das Rennergebnis haben sie aber zumindest in der Betaversion noch keine Auswirkung.

Die Steuerung könnte einfacher nicht sein: Mit den Pfeiltasten gibt man Gas, bremst und lenkt. Dennoch braucht es seine Zeit, bis man das etwas behäbig reagierende Zweirad unter Kontrolle hat.

Obwohl dies alles genau die richtigen Zutaten für einen launigen Mehrspielermodus wären, darf man derzeit nur gegen computergesteuerte Fahrer antreten. Diese kennen immerhin verschiedene Schwierigkeitsgrade, fahren glücklicherweise nicht alle hintereinander auf einer Linie und rempeln sich schon einmal gegenseitig von der Fahrbahn.

MotoGT erinnert stark an das legendäre SuperCars. Es ist auf schnelle, unkomplizierte Rennen ausgelegt und somit im Inneren eigentlich mehr ein Geschicklichkeitsspiel. Die Strecken sind optisch äußerst abwechslungsreich und durchdacht entworfen, einfache Passagen wechseln sich mit fordernden ab. Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass die Zweiräder wie Staubsauger klingen und die 2D-Grafik eher zweckmäßig ist.

In MotoGT finden Rennsportliebhaber genau das Richtige für Zwischendurch. Bleibt zu hoffen, dass Pablo Novara die Entwicklung weiter so fleißig vorantreibt und in der Zukunft noch einen Mehrspielermodus einbaut – den haben wir nämlich schmerzlich vermisst.

MotoGT

Bezugsquelle: http://motogt.sourceforge.net/
Entwickler: Pablo Novara
Lizenz: GPL, Creative Commons (CC-BY-SA)
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik
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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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