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Die Größte bis jetzt

Ubuntu-Treffen in Leipzig

15.02.2011
In Leipzig fand im Oktober die vierte Ubucon statt. Rund 250 Leute besuchten das dreitägige Treffen mit Workshops, Vorträgen, Kaffee und Clubmate. Ubuntu User war auch dort.

Er habe wohl nicht schnell genug 'Nein' gesagt, antwortet Martin Kaufmann auf die Frage, wie er zum Organisator der Leipziger Ubucon 2010 wurde. Wir stehen in der improvisierten Küche im Informatikgebäude der Uni Leipzig. Monitore im Treppenhaus kündigen die Veranstaltung an, in der Küche herrscht Hochbetrieb. Freiwillige wie der Leipziger Thoralf Schilde kochen Kaffee, schmieren reihenweise Brötchen und hoffen, dass die Clubmate-Kästen bald eintrudeln. Es ist der 15. Oktober 2010, erster Tag der Ubucon und das Wetter draußen ist – gelinde gesagt – mies. Es regnet permanent und in der Stadt versuchen sich einige Rechtsradikale an einer Demonstration, die jedoch schon am Bahnhof scheitert.

Die "Küche" ist der zentrale Anlaufpunkt während der dreitägigen Veranstaltung. Das Eintrittsgeld der Teilnehmer finanziert die Snacks, Brötchen und Getränke. Die Gebühr habe den positiven Nebeneffekt, dass die angemeldeten Leute auch wirklich kommen, erzählt Dirk Deimeke, Vorsitzender des Ubuntu Deutschland e.V. und Mitorganisator der Veranstaltung. Am letzten Tag wird er vor den Augen der Ubuntu-Fans eine Ubucon-Torte anschneiden (Abbildung 1) und vermuten, dass es "die größte Ubucon bis jetzt war". Er wird Recht behalten. Laut Zählung kommen in den drei Tagen 253 Besucher nach Leipzig – neuer Rekord.

Abbildung 1: Dirk Deimeke schneidet am Schluss der Ubucon eine Torte an und verkündet einen neuen Besucherrekord.

Bis dahin finden in den modernen Uni-Räumen aber noch Dutzende von Vorträgen und Workshops statt. Denn die bilden den Mittelpunkt der Ubucon – neben der Kontaktpflege. Mitunter wird auch einfach nur diskutiert. In einer Fragestunde zu Desktopthemen tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen mit bestimmter Software aus. Auch Organisator Deimeke hält einen Vortrag und demonstriert zusammen mit dem Schweizer Ubuntu-Blogger Roman Hanhart, wie man einen Apache-Server mitsamt der Versionsverwaltung Trac und einem Mediawiki aufsetzt.

Besucher

Hanhart ist mit dem Auto angereist, zusammen mit drei anderen Schweizern. Er finanziert die Reise selbst und wohnt in einer Pension. Damit ist er nicht allein. Dennis Fink etwa kommt extra aus Luxemburg. Dort programmiert er an einer Bibliothekssoftware und sucht auf der Ubucon den Austausch. Phillip Hagedorn wird hingegen für seine Anwesenheit bezahlt. Er arbeitet für eine große Firma, die 50 Ubuntu-Desktops einsetzt. Das klappt laut Hagedorn gut, denn die Mitarbeiter installieren sich ihre Ubuntus einfach selbst. Auf der Ubucon ist er, um mit Leuten zu reden und potenzielle Mitarbeiter zu entdecken. Er lernt, wie er sagt, am meisten zwischen den Vorträgen.

Gut an der Ubucon sind die kurzen Wege. Alle Seminarräume tragen die Codenamen von Ubuntu-Distributionen. Sie gehen vom selben Gang ab, in den auch die Küche mündet. In einem der Räume hat Radio Tux am zweiten Tag seine Kabelstränge verteilt und veranstaltete eine Live-Sendung (Abbildung 2). Am Abend strömen die Besucher ins Beyerhaus. In dem hübschen alten Saal mit Billardtischen, Holzdielen und Couchecken findet das "soziale Event" statt.

Abbildung 2: Auch Radiotux ist wieder dabei, die Talkrunde setzt sich vor Ort mit allerhand Themen rund um Linux- und den Open-Source-Bereich auseinander.

Auf ein Neues

Was der Ubucon fehlt, sind die deutschen Entwickler, konstatiert Ubuntu-Entwickler Benjamin Drung, der uns am Rande der Konferenz ein Interview gibt. Seine Theorie: Während sich die deutsche Community fast komplett auf Ubuntuusers.de tummele, seien die Ubuntu-Entwickler eher in Chaträumen, auf Launchpad und im offiziellen Ubuntu-Wiki unterwegs. Mal sehen, ob sich das im nächsten Jahr ändert – die Planungen sind jedenfalls schon voll im Gange.

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