Viele Wege führen zu einer eigenen Ubuntu-Installation: Eine Möglichkeit – und sicherlich die bequemste Methode – besteht darin, das System von der Desktop-CD im Live-Modus zu starten und von dort aus den grafischen Installer aufzurufen. Diese Vorgehensweise benötigt allerdings ausreichend Arbeitsspeicher (alles unter 512 MByte macht keinen Spaß) und ist nicht besonders flexibel, vor allem, was die Partitionierung betrifft – für Einsteiger aber völlig ausreichend. Die Alternative ist eine klassische, textbasierte Installation mit Hilfe der Alternate CD [1]. Diese Methode bietet zwar wesentlich mehr Entscheidungsmöglichkeiten, ist aber aufgrund dieser Vielfalt nicht ganz einfach und erfordert ein bisschen Hintergrundwissen bzw. Einarbeitungszeit.
Dank Wubi [2] gibt es seit einiger Zeit eine dritte Möglichkeit, Ubuntu auf die Platte zu bringen – aus einem laufenden Windows-System heraus. Bei dieser Vorgehensweise spielen Sie Ubuntu wie eine Anwendung unter Windows ein. Eine eigene Festplatte oder Partition brauchen Sie für das neue Linux-System nicht, und Basteleien am Bootmanager fallen ebenso weg.
Der größte Unterschied zu einer "normalen" Ubuntu-Installation besteht darin, dass Wubi nicht partitioniert. Stattdessen erstellt die Anwendung einen Ordner auf dem Windows-Laufwerk Ihrer Wahl. Dieser enthält mehrere Dateien, die als virtuelle Festplatte für Linux fungieren. Ein mit Wubi installiertes Ubuntu-System greift also ständig auf die Dateien der Windows-Partition zu und ist folglich ein bisschen langsamer bei Lese- und Schreibzugriffen. Wubi eignet sich daher vor allem für Anwender, die hauptsächlich Windows benutzen, aber einen unverbindlichen Blick auf Ubuntu werfen möchten. Der Start des neuen Ubuntu-Systems erfolgt über den Bootmanager von Windows. Wählen Sie Ubuntu aus, tritt der Bootmanager GRUB 2 mit weiteren Startoptionen in Erscheinung.
Die Ubuntu-Macher empfehlen 5 GByte freien Festplattenplatz; außerdem sollten mindestens 384 MByte Arbeitsspeicher (besser 512 MByte) und eine 1-GHz-CPU vorhanden sein. Laut Projekthomepage arbeitet Wubi mit Windows 98, 2000, XP und Vista zusammen; im Test zeigte sich aber auch ein Samsung-Netbook (N130, Intel Atom N270 1,6 GHz, 1 GByte RAM) mit einer vorinstallierten Windows 7 Starter Edition kooperativ. Das zweite Testsystem war ebenfalls ein Laptop (Intel Core 2 DUO CPU, 2,4 GHz, 256 MByte RAM) mit einem Windows XP Professional – auch hier lief alles glatt.
Wubi ist seit Ubuntu 8.04 offizieller Bestandteil der Distribution und Teil der offiziellen Desktop-CD. Der nächste Abschnitt zeigt, wie Sie Wubi von einem solchen Medium verwenden. Wer eine schnelle Internetverbindung hat, sollte den Installer von der Wubi-Homepage oder unserer Heft-DVD benutzen, um Ubuntu direkt übers Internet einzuspielen (siehe Abschnitt "Installation übers Internet"). Im dritten und letzten Szenario ("ISO-Image auf dem Stick") lesen Sie, wie Sie Wubi von einem CD-Image auf einen USB-Stick spielen – ideal für Benutzer eines Netbooks ohne CD-Laufwerk.
Legen Sie die Desktop-CD unter Windows ins Laufwerk und klicken Sie doppelt auf die Datei wubi.exe, um mit der Installation zu beginnen. Der folgende Dialog bietet drei Optionen an: Demo und Vollinstallation startet den Rechner neu und bootet ins Ubuntu-Live-System. Die Option Innerhalb von Windows installieren ruft den Wubi-Installer auf, und Erfahren Sie mehr öffnet die Webseite http://www.ubuntu.com im Standardbrowser. Nach Auswahl der zweiten Option geht's los, und Sie sehen den Wubi-Einrichtungsdialog (Abbildung 1).
Im Drop-down-Menü Installationslaufwerk suchen Sie das Windows-Laufwerk aus, auf dem sich das Linux-System einnisten darf. Hat der Windows-Rechner nur eine Partition, heißt das Laufwerk C:. Praktischerweise zeigt Wubi an, wie viel freien Platz es auf dem Laufwerk gibt. Direkt darunter legen Sie fest, wie viel Raum Ubuntu einnehmen darf. Interessant wird es im Menü Desktopumgebung: Starten Sie – wie in diesem Szenario – Wubi von einer Desktop-CD, können Sie hier lediglich das Ubuntu-Derivat des Installationsmediums aussuchen. Bei einer Ubuntu-CD ist das Ubuntu mit dem Gnome-Desktop, bei Kubuntu steht hier die KDE-Variante zur Verfügung und bei Xubuntu der Xfce-Desktop. Weiterhin richten Sie die Sprache ein (auf deutschen Windows-Systemen ist German die Voreinstellung) und legen für das Linux-System einen Benutzernamen und ein Passwort fest. Nach einem Klick auf Installation beginnt Wubi mit der Arbeit und richtet das Ubuntu-System ein.
Nach getaner Arbeit stellt Wubi Sie vor die Wahl, den Rechner jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt neu zu starten. Nach dem Reboot bietet der Windows-Bootloader einen zusätzlichen Eintrag für Ubuntu an (Abbildung 2). Blättern Sie mit der Pfeiltaste nach unten und benutzen Sie [Eingabe] zur Bestätigung. Optional rufen Sie danach das GRUB-Menü auf den Plan: Drücken Sie dazu einfach [Esc], während die Sekunden herunterzählen. Alternativ warten Sie kurz oder betätigen [Eingabe], um die Ubuntu-Installation abzuschließen.
Nach kurzer Bootzeit erscheint der Ubuntu-Installer, teilt den zugewiesenen Platz auf und spielt das Grundsystem ein. Währenddessen sehen Sie nicht nur einen Fortschrittsbalken, sondern auch zusätzliche Informationen zum neuen Betriebssystem und seinen Programmen. Hat der Ubuntu-Installer seine Arbeit beendet, bootet er den Rechner selbstständig neu.
Die Installation ohne CD gestaltet sich ähnlich einfach. Laden Sie dazu zunächst Wubi von der Projekthomepage [1] herunter. Nach dem Start sehen Sie direkt den Einrichtungsdialog aus Abbildung 1. Anders als im ersten Szenario, haben Sie hier die Wahl im Bereich Desktopumgebung. Das Drop-down-Menü bietet gleich mehrere Ubuntu-Varianten (Ubuntu, Kubuntu, Ubuntu Netbook usw.) an.
Nach einem Klick auf Installation lädt Wubi selbstständig das passende Image der gewählten Distribution herunter. Dazu verwendet das Tool im Hintergrund das BitTorrent-Protokoll (Abbildung 3), das anders als HTTP und FTP die Ressourcen der Ubuntu-Server schont. Anstatt einen Server zu belagern, helfen bei diesem Filesharing-Protokoll Downloader – wie Sie selbst – bei der Datenverteilung mit. Eine Fortschrittsanzeige informiert Sie, wie lange Sie noch auf das ca. 700 MByte große Image warten müssen. Danach läuft alles wie gehabt und wie im vorigen Abschnitt beschrieben weiter.
Vor allem Netbook-Besitzer dürften sich darüber freuen, dass Wubi auch mit Abbilddateien von Ubuntu zusammenarbeitet und dabei nicht zwingend eine Silberscheibe benötigt. Das ISO-Image, das Wubi installiert, muss nicht einmal auf der Festplatte liegen; ein USB-Stick, der die passende Imagedatei enthält, reicht völlig aus.
Öffnen Sie den USB-Stick mit dem ISO-Image als Ordner im Windows-Explorer und laden Sie die Datei wubi.exe von der Projektwebseite in das Verzeichnis, in dem die ISO-Datei liegt. Es ist dabei wichtig, dass es sich wirklich um denselben Ordner handelt – andernfalls lädt Wubi das benötigte Image doch aus dem Netz herunter. Nach dem Wubi-Start sollten Sie außerdem darauf achten, dass Sie aus dem Drop-down-Menü Desktopumgebung die zum Image passende Ubuntu-Variante wählen. Danach fahren Sie mit der Installation fort, wie im Abschnitt "Installation mit der Desktop CD" beschrieben.
Den Wubi-Installer und damit auch das komplette Ubuntu-System löschen Sie über die Systemsteuerung von Windows. Wechseln Sie in den Bereich Programme, blättern Sie bis zum Ubuntu-Eintrag und wählen Sie diesen dann zur Deinstallation aus. Der folgende Dialog präsentiert eine Sicherheitsabfrage, die Sie mit einem Klick auf Deinstallieren bestätigen (Abbildung 4). Anschließend meldet ein Dialogfenster, dass Wubi und Ubuntu die Platte geputzt haben, und Sie können auf Beenden klicken. Wenn Sie das nächste Mal den Windows-Rechner starten, ist auch der Ubuntu-Eintrag aus dem Bootmenü verschwunden.
Infos
[1] Ubuntu-Medien für Lucid Lynx: http://wiki.ubuntuusers.de/Downloads/Lucid_Lynx
[2] Wubi-Projektseite: http://www.wubi-installer.org/