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KDEs Informationsverwaltung

15.08.2010 Auch wenn es sich noch in der Entwicklung befindet, bietet KDEs Kontact bereits viele nützliche Features an, lässt sich einfach konfigurieren und bietet Zugang zu fortgeschrittenen Werkzeugen.

Stören Sie die eher langsamen Fortschritte von Gnomes Evolution? Dann versuchen Sie es doch einmal mit KDEs Personal Information Manager (PIM) Kontact. Das Programm bringt eine einheitliche Oberfläche mit, die Anwendungen wie KMail, KAddressbook, KOrganizer Kalender und Akregator unter einem Dach vereint. Dazu kommen noch einige weitere Programme, die Notizen aufnehmen, eine To-do-Liste verwalten und die Zeit beim Erledigen bestimmter Aufgaben messen. Auch wenn die Tools noch Raum für Verbesserungen bieten, sind sie in ihrer Kombination einen Blick wert.

Kontacts Komponenten befinden sich in einer Übergangsphase hin zu Akonadi, einem zentralen Speicherdienst für den KDE-Desktop, der verspricht, das Entwickeln neuer PIM-Tools zu erleichtern. Bisher nutzt lediglich KAddressbook Akonadi, aber die restlichen PIM-Tools sollen in KDE 4.5 folgen, das im August 2010 erscheint. Lediglich die Anbindung an KMail setzen die Entwickler voraussichtlich erst einen Monat nach dem Erscheinen von KDE 4.5 um. Nimmt man KAddressbook als Indikator, feilen sie bei der die Umstellung wohl auch an den grafischen Oberflächen der Programme, um diese besser an das Look & Feel von KDE 4 anzupassen. Unabhängig von der angestaubten KDE-3-Ästhetik können Sie in Kontact jedoch noch immer eine Vielzahl an Funktionen entdecken. Gerade die kleinen Anwendungen bringen vielleicht genau die Funktion mit, die Sie benötigen.

Oberfläche, Übersicht, Adressbuch

Unter den PIM-Tools von KDE befinden sich drei, die Informationen und Dienste für alle anderen anbieten. Das erste dieser Tools ist Kontact selbst, auf dass Anwender gern verweisen, wenn sie eigentlich die gesamten PIM-Werkzeuge meinen. Im engeren Sinne handelt es sich bei Kontact nur um ein Interface für die PIM-Werkzeuge. Sie brauchen Kontacts Oberfläche nicht, um die einzelnen Anwendungen zu nutzen, aber man gewöhnt sich schnell an den Komfort, alle auf einem Fleck zu haben.

Als Anwendung unterstützt Kontact auch ein paar Kommandozeilenoptionen (Abbildung 1). Geben Sie kontact --help ein, listet das Programm diese auf. Die meisten Anwender dürfte lediglich die Option --list interessieren, die verrät, welche PIM-Module momentan installiert sind. Hängen Sie die dabei angezeigten Modulnamen an den Befehl kontact --module MODULNAME, bestimmen Sie, welches PIM-Modul Kontact nach dem Start anzeigt – andernfalls ruft es das zuletzt benutzte Werkzeug auf. Um Kontact minimiert zu starten, verwenden Sie den Schalter --iconify.

Abbildung 1: Auf der Kommandozeile bringt Kontact eine Reihe grundlegender Funktionen mit. Der angezeigte Befehl listet die installierten Anwendungen auf, die mit Kontact funktionieren.

Die Kontact-Umgebung selbst ist einfach. Sie besteht aus einer schmalen Seitenleiste auf der linken Seite, die alle verfügbaren PIM-Module auflistet. Den restlichen Platz im Fenster belegt die Oberfläche des momentan gewählten PIM-Moduls. Sie bestimmen selbst, welche Kombination von Text und Icons in der linken Spalte auftaucht und legen auch die Größe der Icons fest – und das war es schon mit den Optionen für Kontact selbst.

Über Einstellungen | Kontact einrichten erhalten Sie Zugriff auf weitere Optionen. Beispielsweise bestimmen Sie, welche PIM-Module Kontact generell anzeigt und mit welchen es startet. Im selben Fenster arbeiten Sie sich dann durch sämtliche Optionen für die einzelnen Werkzeuge. Hierbei handelt es sich um eine enorme Aufgabe, weshalb es die meisten Anwender vermutlich vorziehen, die Optionen der Anwendungen individuell zu bearbeiten, sobald ein konkreter Bedarf besteht.

Ganz oben in Kontacts Hauptfenster gelangen Sie zu einer Gesamtübersicht. Die hält, was der Name verspricht: Sie zeigt, was gerade in den einzelnen PIM-Modulen passiert. Sie listet beispielsweise die im Kalender eingetragenen Ereignisse auf, zeigt die aktuell anstehenden Aufgaben für den Tag an, verweist auf Geburtstage von Freunden und Kollegen sowie neue E-Mails (Abbildung 2). Sie selbst stellen ein, was genau die Gesamtübersicht anzeigt. Leider zeigt sie weder RSS-Feeds an noch Texte neuer Notizen, was die Nützlichkeit mindert.

Abbildung 2: Starten Sie Ihren Tag regelmäßig, indem Sie E-Mails empfangen und die To-do-Liste lesen, ergibt es Sinn, Kontact in der Gesamtübersicht zu starten. Andernfalls brauchen Sie diese eher selten.

Ein weiteres Programm, auf das die anderen PIM-Module vertrauen, ist KAddressbook, das Kontact unter dem Eintrag Kontakte führt. War die Oberfläche von KAddressbook früher noch ziemlich überfüllt, wurde sie in KDE 4.4 deutlich vereinfacht (Abbildung 3). Das Interface besteht nun aus drei Spalten: Von links nach rechts gibt es die Spalten Adressbücher, Name und ganz rechts eine Spalte, die Details zu Ihrer Auswahl zeigt. Um einen Namen zu ergänzen, wählen Sie ein Adressbuch aus und klicken auf die Schaltfläche Neuer Kontakt links oben, um Kontaktinformationen zu ergänzen. Um eine Mailingliste anzulegen, wählen Sie die gewünschten Namen aus, klicken mit der rechten Maustaste in die Spalte Name und wählen Neue Gruppe. Um den Workflow noch effizienter zu gestalten, befördern Sie Namen auch per Drag & Drop in das Adressbuch.

Als minimale Information in einem Kontakteintrag gilt der Name. Allerdings hält das Adressbuch genug Platz für Details vor, um jeden Sicherheitsdienst zu erfreuen. Es gibt die üblichen Infos zum Internet (Blog, Webseite, Instants Messenger usw.), auch für Anschriften und Telefonnummern bleibt ausreichend Platz. Über Register nehmen Sie Einstellungen für geschäftliche und persönliche Daten vor, allerdings mit Einschränkungen. Im Reiter Persönliches gibt es etwa ein Feld für Partner, aber keines für Kinder.

Abbildung 3: Das für KDE 4.4 überarbeitete KAddressbook bringt nun eine einfache, aber hilfreiche Oberfläche mit.

Zusätzlich tragen Sie ein, ob Ihre Kontakte verschlüsselten E-Mail-Verkehr wünschen, verlinken auf eine Sound-Datei, welche die Aussprache der Namens verrät und tragen im Reiter Ort die Koordinaten der Wohnorte Ihrer Kontakte ein. Das Feld möglicher Optionen erweist sich also als deutlich größer als das von Gnomes PIM-Suite Evolution.

Email

Die bei weitestem populärste Anwendung in Kontact ist KMail (Abbildung 4). Das Geheimnis des Erfolges dürfte darin liegen, dass KMails Grundkonfiguration einfach ist, es sich aber über Dutzende Optionen optimieren lässt. Tatsächlich halten einige Anwender die vielen Konfigurationsmöglichkeiten für extrem. Ich bezweifle zum Beispiel, dass die meisten Menschen zwei Dutzend Einstellungen brauchen, um Nachrichten farbig zu kodieren. Und wenn sie es tun, werden sie sich später kaum an die Bedeutung der Farben erinnern. Glücklicherweise kann man für die meisten Einstellungen die Standards wählen und die wichtigsten Optionen zum Umgang mit Spam und Viren über Assistenten regeln.

Abbildung 4: Einfach zu konfigurieren und dennoch voller Möglichkeiten: KMail ist die wichtigste Anwendung von Kontact. Nur wenige E-Mail-Programme warten mit so vielen Optionen auf wie KMail.

Neben der grundlegenden Möglichkeit, E-Mails zu senden, empfangen und zu filtern, bietet KMail eine Reihe von Funktionen an, die es in ein außergewöhnliches E-Mail-Programm verwandeln. Wechseln Sie von anderen populären Clients wie Evolution oder Thunderbird zu K-Mail, importiert ein Assistent die existierenden Nachrichten in KMail. Indem es die E-Mails verschachtelt anzeigt, verfolgen Sie Diskussionen einfacher, was sich besonders bei nachträglichen Rekonstruktionen von E-Mail-Konversationen auszahlt.

KMail kann verschiedene Identitäten mit unabhängigen Konten anlegen, so dass Sie Verschlüsselungsmethoden oder Nachrichtenvorlagen je nach Bedarf einsetzen. Es erlaubt Ihnen zudem, Nachrichten später zu senden, was dabei hilft, den Text einer Nachricht noch einmal zu überdenken und zudem die Offline-Arbeit erleichtert. Auch die Standardtexte in Antworten und Weiterleitungen passen Sie den eigenen Vorstellungen an.

Ein besonders beeindruckendes Feature von KMail ist der pädagogische Umgang mit dem Thema Sicherheit. Hier ein Beispiel: Klicken Sie auf Einstellungen | KMail einrichten | Security, zeigt KMail einen kurzen Text, der darüber aufklärt, dass die Anzeige von HTML-Nachrichten oder das automatische Abnicken von Empfangsbestätigungen womöglich die eigene Sicherheit gefährden.

Kalender

KOrganizer ist die Kalenderanwendung für KDE. Sie umfasst eine Vielzahl von Ansichten und Optionen zum Kalender-Sharing. Die Software orientiert sich dabei eher an geschäftlichen als an privaten Bedürfnissen, speichert Informationen zum Aufenthaltsort und zur Geheimhaltungsstufe (Öffentlich, Privat, Vertraulich) und bringt eine Möglichkeit mit, Termine mit einem Anhang zu versehen. Als Heimanwender ignorieren Sie diese irrelevanten Funktionen einfach.

Wie viele Kalender kämpft KOrganizer mit dem Problem, detaillierte Informationen auf dem begrenzten Raum eines Anwendungsfensters präsentieren zu müssen. Weder löst KOrganizer dieses Problem, noch stellt sich die Software besser an, als andere Kalender. Die linke Spalte enthält drei Bereiche, mit einer Wochenübersicht, den Details zu einem Termin und einem Feld, das die verfügbaren Kalenderdateien anzeigt. Der rechte Bereich ist für die aktuelle Kalenderansicht reserviert. Der Platz genügt häufig nicht, um die Inhalte adäquat darzustellen, auch wenn Sie das umgebende Kontact-Fenster maximieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit anderen Kalendern teilt Korganizer das Problem einer beschränkten Fenstergröße. Die Software arbeitet ansonsten aber zuverlässig.

Auch wenig gelungen ist, dass man Ereignisse zwar im 15-Minuten-Takt eintragen kann, der Kalender diese aber nur im Halbstundentakt anzeigt. Bei kürzeren Intervallen bleibt nur noch eine Linie auf dem Schirm übrig.

Zur Kompensation betrachten Sie die Informationen von KOrganizer in Form einer To-do-Liste oder einer Ereignisliste. Diese Ansichten entschärfen das Bildschirmproblem, auch wenn sie nicht so überzeugen, wie der Blick auf den kompletten Kalender. Weniger klar ist, warum Kontact die To-do-Liste und die Standardansicht von KOrganizer, die Journal heißt, als zwei separate Anwendungen auflistet.

Haben Sie sich einmal an das Layout gewöhnt, erweist sich KOrganizer als zuverlässiges Werkzeug, braucht aber von allen Anwendungen in Kontact am dringendsten einen Facelift. Die aktuelle grafische Oberfläche ermutigt potenzielle Anwender nicht gerade, das Programm länger zu erforschen.

Feed Reader

Ein RSS Feed Reader fällt nicht wirklich in die Kategorie "Personal Information Management". Rufen Sie Kontact jedoch als erste Anwendung nach dem Anmelden auf dem Desktop auf, ergibt die Integration der Software Sinn.

Bei Akregator handelt es sich um einen Feed Reader, dessen Oberfläche Sie in Sekunden verstehen. Sie enthält im linken Bereich eine Liste mit RSS-Feeds, rechts oben die gesamten Beiträge eines Feeds und darunter den Inhalt des zur Zeit ausgewählten Beitrags (Abbildung 6). Die Werkzeuge, um einen Feed zu ergänzen, einen existierenden zu aktualisieren oder ihn als gelesen zu markieren erreichen Sie sowohl über die Werkzeugleiste als auch über das Kontextmenü. Einträge öffnen Sie entweder in einem Reiter oder im Browser.

Abbildung 6: Akregator ist ein einfach zu benutzender Feed Reader, der für die Anwender keine Fragen offen lässt.

Die Konfigurationseinstellungen umfassen die Möglichkeit, die angezeigten Farben zu ändern, die Frequenz der Updates und andere grundlegende Funktionen. Auch praktisch: Sie lassen die Beiträge eines Feeds nach ein paar Tagen automatisch löschen, und wichtige Nachrichten archivieren Sie per Mausklick.

Die einzige Schwachstelle ist, dass Sie ständig den linken Bereich weiter aufziehen müssen, um die Anzahl der gelesenen und ungelesenen Beiträge zu erkennen. Aus irgendeinem Grund stellt sich in gewissen Intervallen wieder die Originalbreite des Bereichs ein. Darüber hinaus verursacht Akregator keine Probleme, tut aber auch nichts Innovatives, sondern erfüllt seine zugedachten Aufgaben.

Andere Werkzeuge

Neben den Hauptanwendungen vereint Kontact eine Reihe kleinerer Anwendungen unter seinem Dach. Berufstätige, die ihre Arbeitsstunden aufschreiben müssen, können KTimeTracker verwenden, um die individuellen Aufgaben im Auge zu behalten. Anwender, die Newsgroups lesen, sollten sich einmal KNode ansehen. Von Google Groups abgesehen, scheinen das aber nur noch sehr wenige zu sein, so dass die Anwendung standardmäßig meist nicht mehr in Kontact auftaucht. Sie installieren zunächst über KPackagekit das Paket knode und machen die Komponente dann über Einstellungen | Kontact einrichten | Usenet | Komponente aktivieren sichtbar.

Wollen Sie Notizen für sich selbst anfertigen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Brauchen Sie nichts weiter als rudimentäre Schriftformatierungen und keine Suchmöglichkeit oder Gruppierungen der Notizen, reicht KNotes aus. Allerdings vermute ich, dass die meisten Anwender KJots (das in Kontact unter Notizbücher firmiert) praktischer finden, das Sie zunächst über den Paketmanager installieren (es steckt im Paket kjots). Es lässt Sie Notizen in Form von Büchern organisieren, Bookmarks anlegen und schließt einen praktischen Inhaltsbereich ein (Abbildung 7). In anderen Worten: KJots ist das Äquivalent zu Tomboy.

Abbildung 7: Brauchen Sie eine Anwendung, um Notizen aufzunehmen, ist die beste Wahl zur Zeit KJots. In Kontacts Inhaltsverzeichnis taucht sie als "Notizbücher" auf.

Schaut man zurück auf KDE 3 und verfolgt man den Ankunft von Akonadi, werden vermutlich im Laufe des nächsten Jahres noch mehr Anwendungen in Kontact landen. Insbesondere warten viele auf die KDE-Variante von BasKet Notizzettel [2], einer Art Super-Notizbuch, das nicht nur mit Texten umgehen kann, sondern auch mit Auszügen von Webseiten, Filmen und Audio-Clips. Noch gibt es BasKet nur als erste Beta-Version, es wird aber vermutlich KNotes und KJots in vielen Kontact-Versionen ersetzen, sobald es Release-Reife erreicht.

Fazit

Abgesehen von ein paar Schwächen, die besonders in den Oberflächen und in der Konsistenz der Komponenten stecken, sieht Kontact im Feature-Vergleich mit anderen PIM-Suiten wie Evolution gut aus. Dennoch gibt es ein großes Manko: Kontact bringt zur Zeit keine Unterstützung für Microsoft Exchange Server mit.

Diesen Mangel gab es nicht immer: In der KDE-3-Serie unterstützte Kontact Exchange-Versionen, die vor 2007 erschienen; die Unterstützung für Exchange 2007 war in Arbeit. Der Exchange-Support kehrt in KDE 4 indes nur schleichend zurück, zum Teil auch, weil sich die Microsoft-Produkte ständig ändern. Exchange-Unterstützung sollte in Form von OpenChange [3] ursprünglich in KDE 4.2 landen, wird nun aber frühestens Einzug in KDE 4.5 oder 4.6 finden.

Für Anwender, die mit Microsoft-Nutzern interagieren, verhindert der fehlende Exchange-Support vielleicht die Wahl von Kontact und seinen Komponenten als Nachrichtenzentrale. Brauchen Sie das Feature hingegen nicht, bleibt Kontact eine erkundenswerte Option – speziell, wenn Sie eine einfache Konfiguration und den Zugriff auf fortgeschrittene Funktionen mögen.

Glossar

PIM

Abkürzung für Personal Information Manager, die Software besteht meist aus mehreren Komponenten und hilft etwa beim Planen von Terminen, verwaltet die persönlichen Kontakte, bringt ein E-Mail-Programm mit, eine Notizfunktion und einen Aufgabenplaner.

Infos

[1] Kontact: http://userbase.kde.org/Kontact

[2] Basket Note Pads: http://basket.kde.org/index.php

[3] OpenChange: http://www.openchange.org/

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