Auf den zwei Seiten der Heft-DVD des Ubuntu User finden Sie die 32- und 64-Bit-Version von Ubuntu 9.10 mit dem Codenamen "Karmic Koala". Die DVD arbeitet als Live-DVD – Sie können damit das System nur ausprobieren oder gleich auf den Rechner einspielen. Die Version befindet sich wie bei einer gewöhnlichen DVD jeweils gegenüber des Labels. Möchten Sie die 64-Bit-Version installieren, legen Sie somit die DVD mit dem Label der 64-Bit-Version nach oben ins Laufwerk ein und umgekehrt.
Tipp
Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie die 32- oder 64-Bit-Version installieren sollen, dann wählen Sie die 32-Bit-Version. Diese lässt sich auf praktisch jedem Rechner installieren. Die 64-Bit-Version funktioniert hingegen nur auf aktuellen Prozessoren von AMD und einigen Modellen von Intel.
Legen Sie die DVD ins Laufwerk ein und warten Sie, bis der Installationsbildschirm von Ubuntu erscheint (Abbildung 1). Hier drücken Sie [F12], um die Sprache zu wechseln und wählen dann den gewünschten Eintrag aus. In dieser Sprache startet Ubuntu dann auch die grafische Oberfläche. Ubuntu lässt sich auf zwei Arten installieren, die sich nur in Details voneinander unterscheiden. Im ersten Fall startet zunächst das Live-System und Sie starten das Installationsprogramm über einen Klick auf die Verknüpfung auf dem Desktop, im zweiten öffnet sich in der Live-DVD direkt das Installationsprogramm.
Möchten Sie zunächst ein wenig im Ubuntu-System schmökern, dann wählen Sie den Menüeintrag Ubuntu ausprobieren (Rechner bleib unverändert), wissen Sie bereits, dass Sie Ubuntu installieren möchten, dann wählen Sie Ubuntu installieren. Startet der Rechner nicht von DVD, dann müssen Sie die BIOS-Einstellungen Ihres PCs ändern. Drücken Sie dazu beim Start des Rechners die Taste [Entf] oder [F1], damit sich das BIOS öffnet. Dann ändern Sie unter Advanced BIOS Options oder Boot die Reihenfolge der Laufwerke so, dass das CD/DVD-Laufwerk an erster Stelle steht (First Boot Device).
Haben Sie den ersten Menüpunkt gewählt, startet Ubuntu ohne Installation und Sie sehen schon bald den orangefarbenen Gnome-Desktop von Ubuntu (Abbildung 2). Arbeiten Sie zum ersten Mal mit Linux, möchten Sie Ubuntu vielleicht zuerst etwas besser kennenlernen, bevor Sie sich für die Installation entscheiden. Die Live-DVD eignet sich hervorragend dafür. Details zum Gnome-Desktop lesen Sie im Artikel auf Seite 21. Beachten Sie, dass der Live-Modus nur eine beschränkte Zahl von Programmen mitbringt und mindestens 512 MByte Hauptspeicher benötigt. Für die Installation genügen bereits 256 MByte RAM.
Im ersten Schritt des Ubuntu-Installationsprogramms wählen Sie die Sprache des Systems aus. Haben Sie die Live-DVD in Englisch gestartet, können Sie hier immer noch Deutsch wählen. Ein Klick auf Vor wechselt zum Dialog für die Zeitzone (Abbildung 3). Überprüfen Sie hier, ob die angezeigte Region und Zone stimmt und klicken Sie danach auf Vor. Es folgt die Tastaturauswahl. Seit Karmic Koala wählt das Installationsprogramm automatisch die zur Sprache und Zeitzone passende Tastatur aus. Möchten Sie die Einstellungen ändern, dann klicken Sie auf Wählen Sie selbst und markieren das gewünschte Layout. Über das Testfeld überprüfen Sie die Einstellungen.
Nach diesen einfachen Einstellungen folgt der --je nach Rechner – schwierigste Teil der Installation: die Partitionierung.
Für die Installation müssen Sie entweder noch freien Platz auf der Festplatte Ihres Rechners haben oder eine vorhandene Partition (ein Laufwerk) für die Installation von Ubuntu verkleinern oder formatieren. Findet das Installationsprogramm auf der Festplatte andere Betriebssysteme (Linux, Mac oder Windows), schlägt es vor, diese zu verkleinern (Abbildung 4). Dazu richten Sie über den Schieberegler in der unteren farbigen Skala die gewünschte Größe ein und klicken dann auf Vor. Findet das Installationsprogramm auf der Festplatte keinen freien Platz, schlägt es vor, das gesamte Laufwerk zu löschen. Entscheiden Sie sich für diesen Punkt, wenn Sie nur Ubuntu auf Ihrem Rechner haben möchten und keine weiteren Betriebssysteme. Sämtliche Daten auf der Festplatte gehen dann verloren. Manuell wählen Sie diese Möglichkeit per Klick auf Löschen und das gesamte Medium verwenden
Befinden sich mehrere Festplatten im Rechner, können Sie auswählen, auf welcher Platte Sie Ubuntu installieren möchten. Auch hier gehen sämtliche Daten auf der ausgewählten Festplatte verloren. In den übrigen Fällen müssen Sie die manuell Partitionieren. Wählen Sie dazu den Eintrag Partitionen manuell festlege (fortgeschritten) und klicken Sie auf Vor.
Egal, für welchen Weg Sie sich entscheiden: Für die Installation von Ubuntu benötigen Sie eine freie Partition mit einer Mindestgröße von drei GByte. Vier bis acht GByte sind dringend empfohlen. Der Artikel beschreibt im Folgenden, wie Sie auf dem freien Platz die für Ubuntu benötigten Partitionen anlegen, falls Ihnen der automatische Vorschlag nicht passt. Details zum Partitionieren lesen Sie im Kasten "Tipps zum Partitionieren".
Tipps zum Partitionieren
Windows richtet standardmäßig pro Festplatte ein Laufwerk ein. Das muss nicht so sein. Mehrere Laufwerke (so genannte Partitionen) anzulegen, hilft Ordnung zu schaffen und erleichtert das regelmäßige Backup. Diesen Vorgang nennt man Partitionieren.
Unter Linux ordnet man jeder Partition einen so genannten Einhängepunkt (mount point) zu. Das Laufwerk C:\ heißt unter Linux Wurzelverzeichnis. Es hat einen Schrägstrich / als Einhängepunkt. Hier liegt das eigentliche System. Für / müssen Sie eine eigene Partition anlegen, da Sie sonst nicht installieren können. Die Größe der Partition hängt von der Festplatte ab. Mindestens 2 GByte sollten es sein, mehr als 10 GByte lohnt sich kaum. Eine weitere Partition müssen Sie für den virtuellen Speicher, den so genannten Swap-Bereich anlegen. Diese Partition sollte mindestens so groß, wie der Arbeitsspeicher Ihres Rechners sein. Mit 1 bis 2 GByte sind Sie auf der sicheren Seite. Der virtuelle Speicher benötigt keinen Einhängepunkt.
Wenn immer möglich, sollten Sie für das Verzeichnis /home ebenfalls eine separate Partition anlegen. Diese entspricht ungefähr dem Verzeichnis Eigene Dateien unter Windows. Linux speichert hier aber nicht nur Dokumente, sondern auch sämtliche persönlichen Einstellungen, Schriften, Symbole, Hintergrundbilder und so weiter. Je größer /home, desto mehr Platz haben Sie für Ihre Daten.
Alternativ legen Sie neben / und /home noch eine zusätzliche Datenpartition an. Dieser können Sie einen beliebigen Einhängepunkt zuordnen, zum Beispiel /daten, /downloads oder /dokumente. Wenn Sie nicht genau wissen, was Sie tun, sollten Sie für die übrigen Verzeichnisse keine eigene Partition anlegen und stattdessen /home so groß wie möglich machen.
Verfügt Ihr Rechner über mehrere Festplatten, müssen Sie zunächst herausfinden, an welchem Kabel diese hängen und in welcher Reihenfolge. Diese Informationen finden Sie ebenfalls im BIOS. Öffnen Sie das Menü Standard BIOS Options (oder ähnlich) und suchen Sie nach den Einträgen für Primary Master, Primary Slave, Secondary Master und Secondary Slave. Bei neuen Mainboards mit SATA-Festplatten heißen diese Einträge eventuell First SATA-Master und First IDE-Master. Hier sind auch Third SATA-Master und Third SATA-Slave üblich. Notieren Sie sich, an welchen Geräten Festplatten angeschlossen sind und an welchen CD/DVD-Laufwerke (siehe Tabelle "Gerätebezeichnungen").
Im Dialog Die Partitionen vorbereiten (Abbildung 5) erstellen Sie neue Partitionen oder löschen bestehende, um neue anzulegen. Ubuntu braucht zwei Partitionen: das Wurzelverzeichnis für das System und die Swap-Partition für den virtuellen Arbeitsspeicher. Haben Sie bereits vor der Installation von Ubuntu die benötigten Partitionen erstellt (zum Beispiel unter Windows), dann klicken Sie doppelt auf die gewünschte Partition und wählen unter Benutzen als den Eintrag Ext4 journaling file system. Markieren Sie zudem die Checkbox Partition formatieren setzen Sie den Einhängepunkt auf /. Markieren Sie nun die Partition, die Sie für den Swap-Bereich vorgesehen haben und wiederholen Sie das Setup per Doppelklick. Unter Benutzen als wählen Sie dieses Mal den Eintrag Auslagerungsspeicher (Swap). Was die Einträge in der Spalte Laufwerk bedeuten, erklärt die Tabelle "Gerätebezeichnungen".
Falls Sie lediglich eine freie Partition eingerichtet haben oder noch gar keine, dann müssen Sie zunächst eine Partition löschen, um die zwei neuen Partitionen anzulegen oder gehen Sie folgendermaßen vor:
Nach erfolgreicher Partitionierung sehen Sie mindestens einen Eintrag vom Typ swap und mindestens einen vom Typ ext4 in der Spalte Verwendung (Abbildung 5). Nach einem Klick auf Vor führt das Installationsprogramm die gewünschten Änderungen durch.
Gerätebezeichnungen
| Gerätedatei | Erklärung |
|---|---|
/dev/sda
|
Erstes Festplatte. Je nach Hardware handelt es sich dabei um den Primary IDE-Master, den Primary SATA-Master, ein SCSI- oder ein externes Laufwerk. |
/dev/sda1
|
Erste primäre Partition auf der ersten Festplatte oder erweiterte Partition. |
/dev/sda4
|
Vierte primäre Partition auf der ersten Festplatte oder erweiterte Partition. |
/dev/sda5
|
Erste logische Partition auf der ersten Festplatte |
/dev/sda6
|
Zweite logische Partition auf der ersten Festplatte |
/dev/sdb
|
Zweites Laufwerk. Primary IDE-Slave, Secondary SATA-Master oder externe USB-/ Firewire-/ E-SATA-Festplatte. |
/dev/sdc
|
Drittes Laufwerk. Secondary IDE-Master, Third SATA-Master oder externe USB-/ Firewire-/ E-SATA-Festplatte. |
/dev/scd0
|
Erstes ATAPI- oder SATA-CD/DVD-Laufwerk |
/dev/sr0
|
Erster ATAPI- oder SATA-CD/DVD-Brenner |
/dev/fd0
|
Erstes Diskettenlaufwerk |
/dev/hda
|
Ehemals erstes internes paralleles ATA-Laufwerk. |
Im letzten Schritt (Abbildung 6) tragen Sie Ihren Namen, den gewünschten Benutzernamen und ein Passwort ein. Das Passwort sollte optimalerweise, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen enthalten. Sie müssen es sich gut merken, da Sie es später für Administrative Aufgaben am System benötigen. Es ist besser, ein kompliziertes Passwort aufzuschreiben, als ein einfaches zu wählen, falls Sie sich Passwörter schwer merken können. Den Namen des Computers füllt der Ubuntu-Installer automatisch aus. Wenn Sie möchten, können Sie diesen ändern. Ganz zu unterst sehen Sie drei Optionen für den Anmeldevorgang. In der Grundeinstellung erscheint nach dem Start des Systems ein Login-Bildschirm und Sie müssen sich mit Ihrem Passwort am System anmelden. Soll Ubuntu den Login automatisch durchführen, markieren Sie den Eintrag Automatisch anmelden. Seit der aktuellen Version "Karmic Koala" kann Ubuntu zudem das Home-Verzeichnis verschlüsseln, sodass die Daten bei Diebstahl selbst nach dem Ausbau der Festplatte nicht gelesen werden können. Möchten Sie diese Option nutzen, dann markieren Sie den untersten Eintrag. Ein automatischer Login-Vorgang ist dann nicht möglich, da Sie in jedem Fall zunächst Ihr Benutzerpasswort eingeben müssen.
Nach einem Klick auf Vor zeigt Ihnen das Installationsprogramm nochmals sämtliche Einstellungen an (Abbildung 7). Überprüfen Sie hier insbesondere nochmals, welche Partitionen der Installer formatieren wird. Nach einem Klick auf Installieren beginnt die eigentliche Installation, die je nach Geschwindigkeit des Rechners und des DVD-Laufwerks 10 bis 15 Minuten dauert. Verfügt Ihr Rechner während der Installation über eine aktive Internetverbindung, lädt sich das Installationsprogramm erste Fehlerbereinigungen und einige zusätzliche Komponenten direkt aus dem Internet herunter. Über Einstellungen können Sie noch die Installation des Bootloaders ändern. Nach der Installation startet ein Klick auf Jetzt neu starten das neue Ubuntu zum ersten Mal von der Festplatte. Sie sehen dann je nach Einstellung den grafischen Login-Manager von Ubuntu oder gleich den Gnome-Desktop.
Wer Ubuntu 9.10 zum ersten Mal ausprobiert, merkt vor allem eines: Die Distribution bootet sehr schnell und startet in rund 20 Sekunden einen kompletten Gnome-Desktop. Doch dank eines sehr gut funktionierenden Power-Managements muss man Ubuntu 9.10 gar nicht so oft starten und es gibt noch zahlreiche weitere Neuerungen an der Oberfläche und unter der Haube.
Wer Ubuntu bereits seit längerem nutzt, dem fällt gleich beim ersten Start das neue Theme mit der dunkelbraunen Fensterdekoration und den orangefarbenen Symbolen auf. Durch das aktuelle Gnome (Version 2.28.1) und weitere neue Systemkomponenten sowie Anpassungen von Canonical haben sich jedoch auch weitere Dinge verändert.
So gibt sich der Systemabschnitt des Panels in der linken oberen Bildschirmecke ganz in Grau und die Benachrichtigungen haben optisch einen zusätzlichen Feinschliff erhalten (Abbildung 8). Bei beiden Elementen sind deutliche Ähnlichkeiten mit Mac OS X zu erkennen.
Optisch überarbeitet haben die Ubuntu-Entwickler den Netzwerkmanager, komplett neu gibt sich die Lautstärkeregelung. Wer hier nach Reglern für Master, PCM und so weiter sucht, wird nicht fündig. Stattdessen zeigt das Frontend zu Pulseaudio lediglich eine Eingabelautstärke und eine Ausgabelautstärke an (Abbildung 9).
Die zusätzlichen Regler hängen von den benutzten Anwendungen ab, die normalerweise über eine eigenen Lautstärkeregelung verfügen. Auf dem Reiter Klangeffekte lassen sich zudem Töne für das Öffnen und Schließen von Fenstern sowie Fehlermeldungen festlegen.
Rechner mit Bluetooth-Adapter profitieren von einem stark überarbeiteten Gnome-Bluetooth-Framework. Damit lassen sich Dateien problemlos auf ein Handy übertragen oder von einem Mobiltelefon aus empfangen. Komplett neu im Systemabschnitt ist das Brief-Symbol. Es zeigt nicht etwa die neuen Mails an, sondern bietet den Start des Instant Messengers Empathy und der Mailprogramms Evolution zur Auswahl an. Empathy löst in dieser Ubuntu-Version das Programm Pidgin als Standard-IM-Client ab.
Für Nutzer, die öfter Screenshots machen, bringt Ubuntu 9.10 nun endlich ein eigenes Tool mit. Sie finden es unter Zubehör | Bildschirmfoto aufnehmen. Es schließt sich aber nach jedem Bildschirmfoto automatisch, sodass es als Ersatz für Ksnapshot oder Gimp noch nicht in Frage kommt.
Neben dem weiterhin standardmäßig vorinstallierten Paketmanager Synaptic bringt Ubuntu 9.10 eine Art App-Store mit, das so genannte Software-Center. Es erleichtert vor allem Neueinsteigern die Programminstallation, da es in der Trefferliste nur Programme anzeigt, keine Bibliotheken oder devel-Pakete. Aktuell bringt das Software-Center nur gratis verfügbare Programme mit, in Zukunft möchte Canonical auch eine echte Shop-Funktion einbauen. Einen detaillierten Artikel zum Software-Center finden Sie ebenfalls in dieser Ausgabe (Abbildung 10).
Durch eine Änderung in Gnome 2.28 zeigen sehr viele Menüeinträge und Buttons keine Symbole mehr an. Laut Gnome-Projekt macht diese Änderung den Desktop übersichtlicher. Gehören Sie zu den Nutzern, die um die Symbole auf den Knöpfen und in den Menüeinträgen froh waren, dann können Sie das Verhalten von früheren Gnome-Versionen wieder herstellen. Über System | Einstellungen | Erscheinungsbild öffnen Sie den zugehörigen Dialog, ein Klick in die Checkbox Symbole in den Menüs anzeigen auf dem Reiter Oberfläche bringt die Symbole wieder zum Vorschein.
Damit auch die diversen Schaltflächen wieder zu ihren Icons kommen, müssen Sie den Gnome-Konfigurationseditor starten. Drücken Sie dazu [Alt]+[F2] und geben Sie den Befehl gconf-editor ein. Windows-Nutzern dürfte der neue Dialog bekannt vorkommen, der mit der Windows-Registry einige Gemeinsamkeiten aufweist. Wählen Sie hier Bearbeiten | Suchen und markieren Sie im Suchdialog die Checkbox Auch Schlüsselnamen durchsuchen. Geben Sie als Suchbegriff buttons und klicken Sie auf Suchen. Die Trefferliste sollte nun zu oberst den Eintrag
../buttos_have_icons
anzeigen (Abbildung 11). Markieren Sie die Checkbox hinter dem Eintrag und im Nu zeigen auch die Schaltflächen wieder Symbole an.
Bei Ubuntu 9.10 standardmäßig mit an Bord ist der Synchronisationsdienst Ubuntu One (Abbildung 12). Er speichert Dateien, Adressen und Notizen automatisch zusätzlich auf einem Server von Canonical und gleicht die Daten mit dem eigenen Rechner oder mehreren ab. Das ist praktisch, wenn man zu Hause mehrere Ubuntu-Systeme betreibt und zum Beispiel ein gemeinsames Adressbuch pflegen möchte. Canonical bietet für den Dienst 2 GByte Speicher gratis an, wer monatlich 10 US Dollar ausgeben möchte, erhält sogar 50 GByte freien Speicher. Neu in der aktuellen Version ist die Synchronisation von Tomboy-Notizen und des Adressbuchs. Einen detaillierten Artikel zu Ubuntu One finden Sie ebenfalls in diesem Heft.
An professionelle Anwender richten sich die speziellen ISO-Abbilddateien von Ubuntu 9.10 für die EC2-Cloud von Amazon beziehungsweise die Ubuntu Enterprise Cloud (UEC). Ein Teil dieser Produkte hielt schon mit Version 9.04 Einzug in die Distribution, Canonical hat den Dienst nun aber ausgebaut.
Für die schnellen Bootzeiten von Ubuntu ist unter anderem das Startsystem Upstart verantwortlich, das in dieser Version das klassische Sys-V-Init zum ersten Mal komplett ersetzt. Galt bislang für den Start von Diensten allgemein die Syntax /etc/init.d/Dienst
start, lassen sich unter 9.10 sämtliche Dienste zusätzlich auch über service Dienst
start aufrufen, zum Beispiel
service bluetooth start
Bereits bei Version 9.04 ließ sich das neue Dateisystem Ext4 zur Installation auswählen. Damit konnte es aber unter gewissen Umständen zu Datenverlust kommen, sodass Ext3 das Standarddateisystem blieb. Mit 9.10 sind diese Fehler nun behoben und Ext4 ist das Standarddateisystem. Bei einem Update bleiben die Ext3-Partitionen erhalten, es gibt jedoch auch ein Migrationstool. Da die Migration eines bereits aktiv genutzten Dateisystems erfahrungsgemäß keine Performancevorteile bringen, empfehlen die Ubuntu-Entwickler, auf das Konvertieren des Dateisystems von Ext3 auf Ext4 zu verzichten und für Ext4 besser eine Neuinstallation vorzunehmen.
Ein größeres Update hat auch der Bootmanager Grub erfahren. Er kommt in der Version 2, die unter anderem auch Mac-OS-X-Systeme starten kann. Allerdings fehlen dem neuen Grub auch ein paar Features gegenüber der Vorgängerversion, darunter die Möglichkeit, den Bootloader per Passwort zu schützen. Bei einem Update bleibt deshalb der "alte" Grub bestehen.
Viele Nutzer hatten unter Ubuntu 9.04 mit Problemen bei Rechnern mit Intel-Grafik zu kämpfen. Diese Probleme hat Canonical mit der Umstellung des Grafikbeschleunigungsmodus "EXA" auf das aktuelle "UXA" behoben und dank Kernel 2.6.31 zugleich den Kernel-Mode-Settings-Support eingeführt. Nutzer von Rechnern mit Intel-Grafik kommen deshalb in den Genuss eines komplett flickerfreien Bootvorgangs.
Haben Sie bei der Installation den automatischen Login gewählt, dann werden Sie eine weitere Neuerung auf dem Desktop gar nicht groß bemerken: Canonical hat für diese Version den Login-Manager gdm durch die komplett neue Version GDM 2 ersetzt (Abbildung 13). Sie unterstützt allerdings noch keine zusätzlichen Themes, sodass Freunde von speziellen grafischen Login-Bildschirmen mit Ubuntu 9.10 erst mal auf Themes-Unterstützung warten müssen.
Neben diesen Änderungen hat die Distribution durch zahlreiche Versionssprünge sehr viele neue Features bekommen und fühlt sich nicht nur beim Booten sondern generell schneller an. Zudem besteht Ubuntu nicht nur aus Gnome sondern es gibt noch zahlreiche Schwesterprojekte wie Kubuntu, Xubuntu, Mythbuntu und Edubuntu, um nur die populärsten zu nennen. In jeder der genannten Versionen treffen Sie weitere interessante Neuerungen an. Einige Artikel dazu finden Sie im Heft weiter hinten.
Glossar
Pulseaudio
Audio-Schnittstelle, die als Vermittler zwischen der von ALSA unterstützten Hardware und den einzelnen Programmen arbeitet. Pulseaudio ermöglicht eine individuelle Lautstärkeregelung von Programmen.