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Android zeigt seinen Stachel

Kurztest: Android "Honeycomb"

28.01.2011
Nach vielen Gerüchten und ein paar Demovideos steht Android 3.0 alias "Honeycomb" seit gestern in einer Vorab-Version zum Download bereit. Wir haben uns das neue Linux-System von Google angeschaut.

Die neue Android-Version "Honeycomb" [1] richtet sich in erster Linie an Tablets bzw. Geräte mit großem Bildschirm. Google hat dafür eine komplett neue grafische Oberfläche programmiert. Der Unterbau stammt vermutlich von "Froyo", zumindest legt das der benutzte Kernel 2.6.29 nahe, der nicht mehr der jüngste ist und der auch in Android 2.0 zum Einsatz kommt.

Abbildung 1: Honeycomb setzt auf die gleiche Kernelversion 2.6.29 wie Android 2.0 "Froyo".

Neu und doch vertraut

Bei den geplanten Tablets wollen die Hersteller weitgehend auf zusätzliche Hardwaretasten verzichten. Die Bedienung von Android 3.0 erfolgt deshalb über den System Bar. So heißt das Panel am unteren Bildschrimrand. Ein zweites Panel befindet sich am oberen Rand. Ein Klick auf das Plus-Symbol in der oberen rechten Ecke öffnet den Widget-Bildschirm. Auch das Kontextmenü befindet sich neu rechts oben, wo auf dem Home-Screen das Pluszeichen zu sehen ist (siehe weitere Screenshots).

Neu in Android 3.0 ist eine Art Multitasking-Manager, über den man bequem zwischen den einzelnen geöffneten Apps wechseln kann. Neben diesen optisch auffälligen Änderungen kommt Honeycomb mit einem neuen Browser, der auch Tabs unterstützt. In den Tests mit dem aktuellen SDK stürzte dieser jedoch reproduzierbar ab.

Abbildung 2: Per Klick auf das Icon rechts vom Home-Symbol starten man den Multitasking-Manager.

Auch den E-Mail-Client und die meisten Multimediaprogramme hat Google für Honeycomb angepasst. Auffällig dabei ist das helle Design für Produktive Anwendungen wie E-Mail und Kontakte. Eine Liste sämtlicher Neuerungen findet sich auf den Android-Entwicklerseiten [2].

Erster Eindruck

Aufgrund der höheren Bildschirmauflösung arbeitet der Emulator relativ langsam. Wer sich lediglich einen kurzen Eindruck der Oberfläche verschaffen möchte, den mag das nicht stören. Um jedoch ernsthaft für Honecomb zu entwickeln benötigt man entweder einen ganz schnellen Rechner (Quadcore empfohlen) oder setzt die Displaygröße herunter, was aber eigentlich nicht Zweck der Übung ist, da man ja genau die höheren Auflösungen testen sollte.

Die Symbole für die Apps sind noch mit Android 2.3 identisch. Einige davon passen absolut nicht zum Holographic-Stil von Honeycomb (siehe weitere Screenshots). Auch der kleine grüne Android-Roboter passt mit seinen Tipps für ein Standard-Android nicht ganz ins Bild. Hier wird sich bis zum Release bestimmt noch einiges ändern. Auch sind (noch) nicht sämtliche Anwendungen auf die höheren Auflösungen optimiert, so zeigt sich zum Beispiel der Taschenrechner auf 1280x800 mit Riesentasten.

Die deutsche Lokalisierung bringt das aktuelle SDK bereits mit, an einigen Stellen finden sich jedoch noch unübersetzte Einträge. Sehr gut gefiel in den ersten Tests mit dem SDK die Suchfunktion. Sie zeigt bereits bei der Texteingabe Treffer unter den Apps, Widgets, Kontakten und weiteren Informationsquellen an und arbeitet selbst im Emulator sehr flott.

Abbildung 3: Unter den unterstützten Sprachen befindet sich auch Deutsch.

Fazit

Honeycomb macht in der aktuellen Preview einen guten Eindruck, auch wenn im lahmen Emulator kein richtiges Android-Feeling aufkommt. Zum Glück sind die ersten Geräte ja schon für den Februar geplant.

Galerie mit zahlreichen Screenshots

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Kommentare
Hardwarebeschleunigung?
Daniel Kottmair, Montag, 31. Januar 2011 11:36:29
Ein/Ausklappen

Einer der größten Kritikpunkte an Android ist ja, dass die GPU zur flüssigen Darstellung der GUI (Scrollen, Zoomen etc) bei den meisten Geräten nicht genutzt wird, was oft zu hakeliger Bedienung und ruckelndem Scrollen führt.

Soweit mir bekannt haben nur einzelne Hersteller (z.B. Samsung im Galaxy S/Tab) ihr Android so angepasst, dass das funktioniert, weswegen diese Geräte allgemein als äußerst reaktionsfreudig bekannt und beliebt sind.

Es wäre also äußerst sinnvoll, wenn's dazu von Google standardmäßig (z.B. eben in Honeycomb?) ne Anpassung für die Handvoll Grafikchips gäbe, die in Android-Geräten verbaut werden (gibt's noch was außer PowerVR MBX/SGX, Qualcomm Adreno und Nvidia Tegra, jeweils in geringfügigen Variationen?). Wenn kein unterstützter Grafikchip gefunden wird, kann man ja immer noch wie bisher alles über die GPU stemmen - Quasi wie ein VESA-Modus für Android-Geräte! ;-)


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