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Hüpfende Sprengmeister

Das Spiel zum Wochenende: OpenClonk

20.08.2011
Paart man Die Siedler mit Worms, kommt ein kleiner Clonk heraus. Der ballert, hüpft, sprengt und buddelt sich durch zerklüftete 2D-Landschaften. Das macht besonders viel Spaß, wenn sich noch weitere Clonks einmischen.

In OpenClonk übernimmt der Spieler die Steuerung eines kleinen, putzigen Männchens der Gattung Clonk. Der findet sich in unwegsamem Gelände wieder, in dem es eine ganz bestimmte Aufgabe zu lösen gilt. Mal muss der Held einfach nur die weiße Fahne am Ende der Karte erreichen, ein anderes Mal möglichst schnell bestimmte Wegpunkte ablaufen, dann wieder Windräder vor herannahenden Raketen beschützen oder einfach nur andere Clonks in die Luft jagen.

Abbildung 1: In dieser Einzelspielerkampagne gilt es die anbrausenden Raketen abzuschießen, noch bevor sie eine der Windmühlen erreichen.

Buddelnde Hängepartie

Zur Lösung dieser Aufgaben findet der Held in der Landschaft zahlreiche nützliche Gegenstände. So gräbt er sich mit Schaufeln Tunnel, überwindet Felsspalten mit einem Enterhaken, reißt mit Dynamit störende Felswände ein oder schießt mit Armbrüsten seine Gegner über den Haufen. Dabei gilt jedoch weiterhin die Schwerkraft: Pfeile fliegen etwa einen Bogen und werden von Windböen beeinflusst.

Abbildung 2: In solchen Kisten findet man immer wieder nützliche Gegenstände. Diese Lavabröckchen hier haben eine ähnliche Wirkung wie Sprengstoff.

Der kleine Clonk entpuppt sich als erstaunlich athletisch. Mühelos kraxelt er steile Wände nach oben oder hangelt sich an Decken entlang – vorausgesetzt das Gestein ist griffig genug. Allerdings ist er nicht unverwundbar: Stürze aus großer Höhe können genau so tödlich sein, wie mehrere Treffer feindlicher Speere. Darüber hinaus kann er immer nur zwei Gegenstände auf einmal halten respektive benutzen. Fünf weitere Dinge passen in seinen kleinen Rucksack.

Abbildung 3: Die Grabarbeiten erschweren unterschiedliche Gesteinsarten. Harte Felsen sprengt beispielsweise nur Dynamit.

Gemeinsam um die Ohren hauen

OpenClonk ist primär auf Mehrspielerpartien ausgelegt. Die dabei angebotenen Spielmodi orientieren sich an herkömmlichen Actionspielen. Je nach Karte gewinnt entweder der letzte Überlebende oder aber der Spieler mit den meisten Treffern. Beste Freunde können auch in den kooperativen Spielmodi gemeinsam losziehen. Eine der entsprechenden Karten lässt sich dann nur lösen, wenn beide zusammenarbeiten und gemeinsam die verschiedenen Rätsel lösen: Während beispielsweise der eine eine Seilwinde betätigt, schlüpft der andere durch das damit geöffnete Tor.

Abbildung 4: Im Split-Screenmodus versuchen hier zwei Spieler gemeinsam schnellstmöglich die Karte zu durchlaufen.

Aber auch Einzelspieler finden in OpenClonk passende Karten. Während man in einigen von ihnen möglichst schnell verschiedene Kontrollpunkte ablaufen muss (ganz im Zeichen der Sportart Parkour [3]), verlangt eine andere, möglichst lange Windmühlen gegen herannahende Raketen zu schützen.

Damals war's

OpenClonk möchte die kommerziellen Clonk-Spiele als Open Source-Projekt fortführen [2]. Das erste Spiel aus dieser Reihe begann Mitte der 90er Jahre als reines Kampfspiel, später kamen immer weitere Spielelemente hinzu, bis schließlich eine Art Mischung aus Die Siedler und Worms entstand. Als der Hersteller RedWolf Design 2009 die Arbeit an der Serie einstellen musste, konnten ihn die vielen Fans dazu überreden, das Programm unter der offenen ISC Lizenz freizugeben. Auf dieser Basis entstand wiederum OpenClonk. Da die Fangemeinde dabei bewusst einige Altlasten über Bord warf, besteht das Spiel im Moment nur aus etwa einem Dutzend Karten, sowie einem kleinen Tutorial. Diese sind jedoch schon voll spielbar, wenngleich sie keine zusammenhängende Hintergrundgeschichte erzählen.

Abbildung 5: Im Nahkampf sticht man mit dem Schwert in der linken Hand zu, während man mit dem Schild in der rechten gegnerische Hiebe abwehrt.

Wer mit dem kleinen Clonk Abenteuer erleben möchte, schnappt sich auf der Homepage des Projekts [1] im Download-Bereich das 25 MB große Linux-Archiv. Dieses muss man nur noch auf der Festplatte entpacken und dann das Programm clonk starten. Ubuntu-Nutzer können alternativ auch das auf der Homepage angebotene PPA-Repository einbinden.

Ab in den Untergrund

Nach dem ersten Spielstart gibt man zunächst seinem Clonk einen Namen und klickt auf OK. Im Hauptmenü entscheidet man sich für den Punkt Spiel starten, gefolgt von Lernrunden. Nach einem Klick auf Öffnen markiert man Clonksteuerung und aktiviert rechts unten Start. Damit beginnt eine recht umfangreiche Einführung. Über die Tasten [w],[a],[s],[d] bewegt man den kleinen Clonk, mit der Maus löst man Aktionen aus.

Abbildung 6: Das ausführliche Tutorial führt behutsam in die komplexe Steuerung ein.

Hat man das Tutorial durchlaufen, wählt man eine der normalen Karten hinter Spiel starten und Back to the Rocks. Für jede Karte erscheint auf der rechten Seite eine kurze Geschichte mit dem Spielziel. Dort ist auch vermerkt, wie viele Spieler man mindestens benötigt.

Mehrspielerduelle kann man gemeinsam vor einem Bildschirm im Splitscreen-Modus erleben oder über das Netzwerk beziehungsweise Internet abhalten. Wer sich für die Splitscreen-Variante entscheidet, muss zunächst für jeden Spieler einen eigenen Clonk einrichten und aktivieren. Das geschieht wiederum hinter der Spielerauswahl im Hauptmenü.

Abbildung 7: In dieser irrwitzigen Parkour-Abwandlung brausen die Clonks auf dicken Silvesterraketen durch die Karte.

Fazit

Die Karten sind durchweg intelligent und abwechslungsreich gestaltet, fast jede bietet eine andere Aufgabe. Da fällt es gar nicht weiter auf, dass es (noch) keine zusammenhängende Hintergrundgeschichte gibt und sich das Spiel mitten in der Entwicklung befindet. Wer Worms und Jump and Runs mag, sollte sich OpenClonk unbedingt anschauen – auch wenn die Grafik veraltet und eher zweckmäßig wirkt. Es dauert zudem eine Weile, bis man die Steuerung beherrscht und weiß, wie man welche Gegenstände und Waffen am besten einsetzt.

Besonders viel Spaß macht OpenClonk mit mehreren realen Spielern vor einem Bildschirm. Der offizielle Internetserver war in unseren Tests allerdings (noch) gähnend leer, man muss folglich derzeit noch im Bekanntenkreis um Mitspieler buhlen.

Eigene Karten kann man sich übrigens mit den Clonk Development Tools for Eclipse (C4DT) basteln – vorausgesetzt man ist leidensfähig genug, sich in dieses Werkzeug einzuarbeiten. Auch bei der Weiterentwicklung kann man mithelfen, eine erste Anlaufstelle dafür bietet das Forum [5].

OpenClonk

Bezugsquelle: http://www.openclonk.org
Entwickler: OpenClonk Team
Lizenz: ISC license und Creative Commons
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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Einzelne Ausgabe
 

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