Bos Wars ist ein klassisches Echtzeitstrategiespiel, wie es im Buche steht: Ausgehend von einer Lagerhalle errichten Arbeiter weitere Gebäude, die militärische Einheiten ausbilden, Panzer und Flugzeuge bauen oder weitere nützliche Einrichtungen produzieren. Mit ihnen im Rücken versucht man wiederum den Rest der Landkarte zu erobern.
Als Rohstoffe fungieren Energie und Magma. Letztere zapft man entweder direkt aus sprudelnden Quellen ab oder lässt Gesteinsbrocken umwandeln. Analog gewinnt man Energie aus der achtlos herumstehenden Vegetation oder baut alternativ Kraftwerke. Jedes Gebäude fordert eine ganz bestimmte Menge Energie und Magma. Fehlen Rohstoffe, stockt die Produktion und somit der Truppennachschub.
Die Kämpfe funktionieren strikt nach dem Stein-Schere-Papier-Schema: Jeder Mitspieler darf die exakt gleichen Gebäude und Einheiten produzieren, die beim Gegner den allseits bekannten Schaden anrichten. Hierdurch sind weniger komplexe Taktiken und Vorgehensweisen notwendig, als beispielsweise im kommerziellen Klassiker Starcraft, das vollkommen unterschiedliche Gegnertypen verwendet. Damit eignet sich Bos Wars aber auch wiederum besser für Genreeinsteiger, welche die Folgen ihres Handels besser abschätzen können.
Jede Einheit und jedes Gebäude besitzt eine begrenzte Sichtweite. Alle außerhalb liegenden Teile der Karte und somit auch die meisten Aktionen des Gegners bleiben verdeckt. Erst strategisch platzierte Radaranlagen lichten sukzessive diesen so genannten Kriegsnebel (Fog of War). Wer diese taktische Finesse nicht mag, darf sie bei Einzel- und Mehrspielerkarten deaktivieren. Bei einer Kampagne ist dies hingegen nicht möglich.
Gebäude benötigen nicht nur unterschiedlich große Bauplätze, sie lassen sich auch nur auf dem flachen Land errichten. Gleichzeitig möchte man dem Feind nicht gleich die Filetstücke seiner Ministadt anzupreisen. Folglich sollte man sich gut überlegen, wo man welches Gebäude platziert. Immerhin helfen bei der Abwehr von Angriffen defensive Einrichtungen, allen voran Geschütztürme.
Die Installation von Bos Wars geht hingegen äußerst schnell über die Bühne: Sofern es nicht der Distribution beiliegt, lädt man sich das Archiv von der Bos Wars Homepage [1], entpackt es und startet boswars. Da das Spiel ausschließlich 2D-Grafiken einsetzt, läuft es auch noch auf älteren und schwachbrüstigen Computern angenehm flüssig.
Bos Wars liegt lediglich eine extrem kurze README-Datei bei, ein Handbuch sowie weitere Dokumentation fehlen völlig. Man kommt folglich nicht umhin, das Spiel nach dem Try-and-Error-Prinzip zu erkunden. Das eingebaute Tutorial ist zudem seinen Namen nicht wert: Da es weder in die Steuerung einführt, noch weitergehende Informationen über die verfügbaren Gebäude und Einheiten preis gibt, stehen Neulinge weiterhin wie der Ochs vorm Berg.
Im Hauptmenü sollte man zunächst die Sprache auf Deutsch stellen und die Auflösung anpassen. Dazu wechselt man in die Options zum Punkt Language, wählt Deutsch, OK, dann Video, eine gewünschte Auflösung und klickt schließlich auf OK. Deutsch spricht das Spiel damit aber nur an einigen, wenigen Stellen, wie etwa im Hauptmenü. Vor allem die Bezeichnungen der Einheiten, sowie die Missionsbeschreibungen bleiben weiterhin auf Englisch.
Wieder im Hauptmenü hat man die Wahl, eine Kampagne, eine einzelne Karte (Spiel starten) oder eine Mehrspielerpartie zu starten (Multiplayer). Die Kampagne erzählt eine kleine Geschichte, auf episch erzählte Texte oder gar Videosequenzen muss man dabei aber verzichten. Immerhin sind die Missionsziele abwechslungsreich gewählt.
Die Steuerung orientiert sich an den üblichen Standards kommerzieller Echtzeitstrategiespiele: Arbeiter oder Gebäude mit der linken Maustaste anklicken, im Menü rechts unten das passende Symbol für den Bauauftrag oder eine Aktion wählen, gegebenenfalls noch das Gebäude auf der grünen Wiese platzieren, fertig. Um eine Einheit an eine andere Stelle auf de Karte laufen oder fahren zu lassen, markiert man sie und klickt dann das Ziel mit der rechten Maustaste an. Diese Belegung ist recht untypisch und gerade für Umsteiger recht gewöhnungsbedürftig. In Konkurrenzprodukten reagieren die Soldaten mit einem Linksklick. Per [F10] gelangt man immer wieder an ein Optionsmenü.
Wer alle Karten durchgespielt hat, darf sich weiteren Nachschub auf der Bos Wars Homepage besorgen [2]. Dort stehen von Fans entwickelte Kartenpakete bereit, die man lediglich im maps-Verzeichnis entpacken muss.
Ob gewollt oder ungewollt, Bos Wars erinnert frappierend an das erste Command and Conquer. Die Einheiten und Gebäude sind sichtlich an das Vorbild angelehnt. Statt Tiberum sammelt man hier Steine und pumpt Magma ab, die Bedienung über das Seitenmenü funktioniert ähnlich und selbst ein Harvester ist mit an Bord. Die 2D-Grafik kann zwar nicht mit aktuellen Echtzeitstrategiespielen konkurrieren, ist aber ordentlich gezeichnet und hübsch anzusehen. Arg verbesserungswürdig ist die Wegfindung. Gerade bei engen Stellen nehmen die Truppen schon einmal extreme Umwege.
Unter dem Strich ist Bos Wars jedoch ein solides Echtzeitstrategiespiel, das allerdings auch keine herausragenden Eigenschaften besitzt. Wer Command and Conquer liebte, wird auch Bos Wars mögen.
Boswars
| Bezugsquelle | http://www.boswars.org |
| Entwickler | Bos Wars Team |
| Lizenz | GNU GPLv2 |
| Preis | kostenlos |
| Voraussetzungen | halbwegs aktuelle Linux-Distribution |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://www.boswars.org
[2] Weitere Karten: http://www.boswars.org/addons/addons.shtml