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Herr der Fliegen

Das Spiel zum Wochenende: Blue Libra

03.12.2011
Wer schon immer mal einen wuseligen blauen Pixelhaufen auf einen wuseligen roten Pixelhaufen hetzen wollte, ist beim Entwickler Orator Games genau an der richtigen Stelle. Deren kurzweiliges Strategiespiel kommt sogar vollkommen ohne das sonst übliche Ressourcenmanagement aus.

In Blue Libra startet man mit einem einsamen dicken Raumschiff. Der Zerstörung seines Heimatplaneten entkommen, gleitet es als letztes seiner Art langsam durch das Weltall. In drei Werkstätten produziert es unablässig weitere Raumschiffe, mit denen der Spieler andere Planeten und herrenlos im All trudelnde Raumstationen einnimmt. Die so annektierten Gebiete fabrizieren dann wiederum selbst fleißig neue Raumschiffe.

Abbildung 1: Die grauen Linien zeigen an, wohin die jeweiligen Truppen fliegen beziehungsweise wen sie angreifen. Der Asteroidengürtel rechts verlangsamt den Flug eines jeden Raumschiffs, das dort hindurch will.

Roter Zwergenaufstand

Auf den knappen Wohnraum im All hat es dummerweise aber auch eine nicht näher bezeichnete gegnerische Fraktion abgesehen. Zum Glück besitzt jedes Raumschiff eine mehr oder weniger starke Waffe. Aus der ballert es unablässig, sobald ein gegnerisches Schiff in seine Nähe kommt – oder es der Spieler dazu anweist.

Abbildung 2: Noch während der Eroberung der Raumstation in der oberen Mitte, greift der rote Gegner an.

Können Mutterschiff und eroberte Raumstationen zunächst nur kleine, schnelle Gleiter mit geringer Feuerkraft zusammenschweißen, kommen im späteren Spielverlauf weitere Raumschiffmodelle mit unterschiedlichen Fähigkeiten hinzu. Darunter beispielsweise auch ein etwas behäbiger Zerstörer. Die Produktionsstätten verlangen zwar netterweise kein Baumaterial, besitzen dafür aber nur eine begrenzte Anzahl Fertigungsstraßen. Man muss sich lediglich überlegen, welche von ihnen mit welcher Priorität produzieren soll.

Abbildung 3: Das Mutterschiff besitzt drei Fertigungsstraßen. In diesem Fall produziert nur die erste mit voller Kraft (100%) einen kleinen Fighter.

Punkt, Punkt, Strich

Blue Libra bietet zwei Spielmodi: Für ein schnelles Spielchen zwischendurch tritt man auf einer Karte gegen den Computergegner an (Skirmish-Modus). In der Kampagne gilt es hingegen mehrere zusammenhängende Missionen zu überstehen. Mal muss man dabei alle Gegner von der Karte putzen, mal bestimmte Planeten erobern. Nach Abschluss einer Mission erhält man Punkte gutgeschrieben, die man wiederum in die Aufrüstung der eigenen Flotte investiert. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise dem Mutterschiff eine dickere Waffe spendieren.

Abbildung 4: Für die in der letzten Mission gewonnenen 100 Punkte darf man dem Mutterschiff im Laden beispielsweise eine bessere Waffe kaufen.

Etwas ungewöhnlich ist die Steuerung: Alle produzierten Raumschiffe gruppiert Blue Libra automatisch zu einer Einheit. Je länger man wartet, desto mehr Schiffe kommen dazu. Um die Gruppe schließlich auf Reisen zu schicken, zieht man von ihr mit der Maus eine Linie zum Ziel. Möchte man eine zu groß gewordene Gruppe teilen, "zerschneidet" man sie einfach mit dem Mauszeiger.

Abbildung 5: Es dauert eine kleine Weile, bis ein Planet oder eine Raumstation erobert wurde. Den Fortschritt zeigen die blauen Balken rund um das Objekt beziehungsweise bei Planeten auch die blauen Kacheln an.

Testflug

Blue Libra kostet 4 Euro plus Mehrwertsteuer, zum Redaktionsschluss wollte der Online-Shop 4,51 Euro haben. Skeptiker können die ersten drei Missionen in einer kostenlosen Demoversion anspielen, die wiederum auf der Homepage bereitsteht [1]. Das dabei erhaltene Archiv entpackt man auf der Festplatte, öffnet dann ein Terminalfenster, wechselt in das BlueLibraDemo-Verzeichnis und startet dann dort das Spiel mit den zwei Befehlen:

export LD_LIBRARY_PATH=$LD_LIBRARY_PATH:./lib32
./BlueLibraDemo

Im Spiel selbst wählt man mangels Alternativen New Game, dann die Campaign und einen Schwierigkeitsgrad. Auf der Karte steht jeder Planet für eine Mission. Die erste davon nimmt man mit einem Mausklick auf den grün umrandeten in Angriff. Es startet jetzt ein kleines Tutorial, das in die Bedienung einführt.

Abbildung 6: Auf der Karte repräsentiert jeder Planet für eine Mission. Als Nächstes auf dem Programmplan steht die grün umrandete.

Fazit

In Blue Libra gibt es weder Rohstoffe, noch Nachschubprobleme: Die Planten und das Mutterschiff bauen ohne Unterlass immer weitere Raumschiffe. Dadurch besitzt das Spiel zwar einerseits wenig Tiefgang, andererseits kann man sich aber auch vollständig auf die Taktik konzentrieren. Eine solche ist denn auch bitter nötig: Man möchte vor Anspannung am liebsten in die Tischkante beißen, wenn von rechts langsam eine rote Armada anrückt, während sich die eigene Unterstützung noch am linken Bildschirmrand in der Produktion befindet.

Abbildung 7: Die nette Dame links unten im Bild gibt Hinweise, Tipps und führt zu Beginn des Spiels in die Bedienung ein.

Die Steuerung erweist sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase als erstaunlich intuitiv und effektiv. Hier merkt man Blue Libra seine Smartphone-Herkunft an. Die Grafik ist extrem einfach gehalten, im Wesentlichen besteht jedes Raumschiff aus einem Punkt. Dadurch lassen sich die einzelnen Raumschifftypen aber auch nur schwer auseinander halten. Immerhin gerät das Kampfgeschehen nett wuselig. Eine Schlacht läuft nach dem bewährten Stein-Schere-Papier-Muster ab: 20 Gleiter überrollen 5 gegnerische, die Feuerkraft eines Zerstörer ist stärker als die eines Gleiters. Obwohl Blue Libra eigentlich für Mehrspielerpartien prädestiniert wäre, existiert nur eine Einzelspielerkampagne, die noch nicht einmal besonders umfangreich ausfällt.

Taktik- und Strategiespielfreunde sollten zumindest einen Testflug mit der Demoversion wagen. Die moderaten 4 Euro sind zudem für die kurzweilige Nervenfolter durchaus angemessen.

Blue Libra

Bezugsquelle: http://orator-games.com/index.php/games/blue-libra/
Entwickler: Orator Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 3,99 Euro plus Mehrwertsteuer
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, sowie mindestens ein Prozessor mit 1 GHz und 256 MByte Hauptspeicher

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