Mit dem 2018er-Modell des XPS 13 Developer Edition frischt Dell seinen Ubuntu-Laptop auf. Das äußerst kompakte Gerät verspricht hohe Leistung bei hundertprozentiger Linux-Kompatibilität, hat aber Startschwierigkeiten.
Im Rahmen des Projekts Sputnik und den daraus resultierenden Developer Editions vertreibt Dell nun schon in der siebten Geräte-Generation top ausgestattete Linux-Laptops mit vollständigem Hardware-Support. Jetzt setzt das Unternehmen mit dem neuen Dell XPS 13 (9370) diese Tradition fort [1].
Die XPS-Reihe richtet sich primär an professionelle Anwender, die aktuelle und leistungsfähige Technik erwarten und dafür keine Kosten scheuen. So kostet das XPS 13 (9370) mit einem Intel Core i7-8550U der aktuellen “Kaby-Lake”-Generation in der Basis-Version mit 8 GByte RAM, 256-GByte-SSD und Full-HD-Display (1920 x 1080 Pixel) satte 1328,99 Euro. Die Top-Variante mit demselben Prozessor, aber 16 GByte RAM, einer 1-TByte-SSD und UHD-Touchscreen (3840 x 2160 Pixel) treibt den Preis bis auf 2078,99 Euro hinauf. Weitere Varianten mit günstigeren Prozessoren gibt es nur in den USA.
In Europa bleibt zumindest bei der Größe des Arbeits- (8/16 GByte) und des Massenspeichers (256/512/1024 GByte) noch etwas Auswahl. Beim Display dürfen Sie zwischen einem klassischen Full-HD-Bildschirm und einem UHD-Touchscreen mit 4K-Display entscheiden. Der nur wenige Millimeter breite Displayrahmen umrundet den Bildschirm seitlich und oben, was Dell ein “InfinityEdge-Display” nennt.
Platz für die Webcam gibt es wie schon beim Vorgängermodell daher nur am unteren Rand des Bildschirms in einer etwas breiteren Umrandung. Bei Webcam-Chats blickt man dadurch quasi von oben herab auf seinen Gesprächspartner. Immerhin sitzt beim 2018er-Modell die Webcam nun endlich wieder in der Mitte des Geräts.
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Zum Redaktionsschluss bewarb Dell Deutschland die Developer Edition des XPS 13 nur sehr stiefmütterlich. Auf der entsprechenden Landing-Page [1] offenbart nur ein genauer Blick, dass Dell das System mit Ubuntu ausliefert. Die weiterführenden Konfigurationsmöglichkeiten übersieht man schnell. Dazu gilt es, den grünen Button Alle Konfigurationen Anzeigen anzuklicken und dort mit Weiter auf die dritte Übersichtsseite zu wechseln. Dort stehen dann vier Varianten des Geräts zur Auswahl. Im Gegensatz zu früheren Modellen der Developer Edition richtet sich das Angebot nicht mehr nur an Geschäfts-, sondern auch an Privatkunden.
Dank der schmalen Umrandung baut das XPS 13 (2018) sehr klein, der Laptop wirkt zugeklappt gar nicht wie ein Gerät mit 13,3-Zoll-Display. Das Heft, das Sie in diesem Moment in der Hand halten, lässt sich im Endeffekt gut mit dem XPS 13 vergleichen: Breite, Länge und Höhe (zumindest an der schmalen Kante des Geräts) stimmen praktisch vollkommen überein, nur beim Gewicht müssen Sie noch ein Kilo dazurechnen.
Im Gegensatz zu früheren Generationen des XPS 13 gibt es beide Bildschirme nur noch in einer spiegelnden Variante – Dell verwendet bruchsicheres Gorilla Glass 4, wie es auch Smartphones wie das Samsung Galaxy Note 5 vor Kratzern schützt. Das erhöht zwar den Kontrast und die Brillanz des Bilds, verursacht aber bei ungünstigem Lichteinfall störende Reflexionen. Eine “Anti-Glare”-Beschichtung soll das reduzieren. Im Rahmen unseres Tests ließ es sich tatsächlich auch an einem sonnigen Mai-Tag gut auf der Terrasse mit dem Gerät arbeiten.
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Austattung |
Basismodell |
Testgerät |
Top-Version |
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CPU |
Intel Core i7-8550U, Quad-Core, 1800 – 4000 MHz |
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GPU |
Intel UHD Graphics 620 |
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LPDDR3-RAM |
8 GByte (1866 MHz) |
16 GByte (2133 MHz) |
16 GByte (2133 MHz) |
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Massenspeicher |
PCIe-SSD 256 GByte |
PCIe-SSD 512 GByte |
PCIe-SSD 1 TByte |
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Display |
13,3 Zoll Full-HD |
13,3 Zoll Full-HD |
13,3 Zoll 4k UHD Touch |
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Webcam |
1280 x 720 Pixel |
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Akku |
52 Wh |
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Eingänge |
2 x Thunderbolt 3 mit “PowerShare”, 1 x USB-C 3.1 mit DisplayPort, Micro-SD-Kartenleser, Kopfhörerbuchse, Noble Lock |
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Abmaße |
7,8 – 11,6 mm x 302 mm x 199 mm |
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Gewicht |
1,21 kg |
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Preis |
1328,99 Euro |
1578,99 Euro |
2078,99 Euro |
Auch bei den Anschlüssen geht Dell im Vergleich zum Vorgänger neue Wege: Die geringe Höhe des Laptops erlaubt nur USB-C-Anschlüsse. Das Anschließen klassischer USB-Geräte erfordert einen Adapter von USB Typ C auf USB Typ A, den Dell dem Laptop gleich beilegt. Was bei einem USB-Stick kaum stört, nervt bei einem Dongle für eine Funkmaus sehr schnell (Abbildung 1). Hier greifen Sie besser zu einer Bluetooth-Maus, die ohne Dongle auskommt. Fotografen investieren am besten in einen neuen Kartenleser mit USB-C/Thunderbolt-Anschluss: Der interne Kartenleser eignet sich nur noch für Micro-SD-Karten, wie man sie aus Smartphones kennt.

Abbildung 1: Das 2018er-Modell des XPS 13 verfügt nur noch über USB-C/Thunderbolt-Ports, was Adapter für den Anschluss von USB-Sticks oder Funk-Dongles erfordert.
Zwei der USB-Ports laden im Bedarfsfall per “PowerShare” angeschlossene Geräte wie Smartphones oder Tablets, auch wenn der Laptop selbst gerade nicht läuft. Der dritte USB-C-Port dient zum Anschluss von externen Monitoren via DisplayPort. Über Daisy-Chaining lassen sich auf diesem Weg mehrere externe Bildschirme nutzen. Möchten Sie auf einer Konferenz oder einem Meeting einen Vortrag halten, sollten Sie allerdings Adapter zu klassischen HDMI- oder DVI-Anschlüssen nicht vergessen: In den wenigsten Vortragsräumen dürften die passenden Kabel am Beamer bereitliegen.
Startschwierigkeiten
Dell setzt beim aktuellen XPS 13 Developer Edition noch auf Ubuntu 16.04. Nach dem Einschalten des Geräts empfängt Sie eine klassische OEM-Installation, bei der Sie nur noch Kleinigkeiten wie die Spracheinstellungen oder den Benutzer- und Rechnernamen nachtragen.
Das klappte beim Testgerät wie erwartet, danach fand die Installationsroutine jedoch ein jähes Ende (Abbildung 2). Das gecrashte System ließ sich nur mit einem harten Reset beenden, wonach das System wieder in den Installationsmodus bootete und das Spiel von neuem begann.

Abbildung 2: Die Developer Edition des XPS 13 liefert Dell mit Ubuntu 16.04 aus. Der Installationsassistent lief allerdings erst nach einem Reset auf Werkseinstellungen durch.
Abhilfe schuf erst eine Neuinstallation des Systems über den von Dell im Grub-Bootmanager integrierten Wiederherstellungsmodus. Er überschreibt das komplette System mit einer Version, bei der die Installationsroutine ohne Komplikationen durchläuft. Nach einem abschließenden Neustart lädt der in der aktuellen Version von Ubuntu inzwischen von Gnome abgelöste Unity-Desktop. Dell belässt es beim klassischen “Look and Feel” und ersetzt lediglich Firefox mit Chrome und Chromium, sonst fallen keine Änderungen auf (Abbildung 3).

Abbildung 3: Chrome und Chromium anstatt Firefox, ansonsten liefert Dell ein praktisch unverändertes Ubuntu 16.04 LTS.
Zwei von Dell beigesteuerte Anwendungen für das Erstellen eines Wiederherstellungsmediums und zur Installation von Treibern ergänzen das Software-Angebot (Abbildung 4). Die wichtigsten Hardware-Komponenten funktionieren ohne weiteres Zutun: Der XPS 13 findet sofort per Funk ins Netzwerk, die Bluetooth-Maus bekommt Anschluss, und auch die Webcam lässt sich umgehend mit Cheese oder einem nachinstallierten Skype-Client verwenden.

Abbildung 4: Im Anwendungsmenü finden Sie Dell-eigene Anwendungen zum Wiederherstellen des Auslieferungszustands und zur Installation neuer Treiber.
Ohne Funktion bleiben allerdings der in den An/Aus-Taster integrierte Fingerabdruckscanner sowie die neben der Webcam am unteren Bildschirmrand eingebaute Infrarotkamera. Sie dient unter Windows mit Windows Hello zum passwortlosen Anmelden per Gesichtserkennung. Auch manuell lässt sich keine der beiden Hardware-Komponenten zur Kooperation mit Linux bewegen [2].
Bevorzugen Sie ein aktuelles Ubuntu 18.04 LTS mit Gnome-Desktop, aktualisieren Sie entweder das vorinstallierte System oder installieren gleich ein Original-Ubuntu: Auch damit zeigten sich im Test keine Auffälligkeiten, sämtliche im Dell-Ubuntu funktionierende Hardware tat weiter ihren Dienst.
Auf der 512 GByte großen SSD im Testgerät standen 472 GByte für Ubuntu und die Benutzerdaten zur Verfügung. Daneben gab es eine 5 GByte große Recovery-Partition und eine üppige 34 GByte große Swap-Partition. Letztere lässt sich bei Bedarf problemlos auf die Größe des Arbeitsspeichers schrumpfen. Die Recovery-Funktion erreichen Sie über den Bootmanager, sie löscht alle gespeicherten Benutzerdaten.
Ergonomie
Dell verspricht in der Produktbeschreibung der Developer Edition eine Akkulaufzeit von exakt 19 Stunden und 46 Minuten – beim Einsatz von “typischen Office-Anwendungen wie Word oder Excel”. Diesen Lapsus kann man Dell verzeihen, nicht aber, dass die tatsächliche Akkulaufzeit in der Praxis eher bei 9 Stunden liegt (Abbildung 5). Der Laptop lief in diesem Fall im Test bei einem Drittel der Bildschirmhelligkeit mit aktiviertem WLAN und Bluetooth durch, wobei wir das Gerät zum Surfen und Texten nutzten. Der Aufladevorgang ging danach zügig voran, schon nach drei Stunden war die Batterie praktisch voll. Zum Laden dürfen Sie das Netzteil an jede der drei USB-C-Schnittstellen hängen.

Abbildung 5: Im Praxistest hielt das Dell XPS 13 Developer Edition mit Ubuntu 16.04 knappe 9 Stunden ohne Nachladen durch.
Der im Gerät verbaute Lüfter macht nur selten auf sich aufmerksam. Bei Alltagsaufgaben wie Surfen, Schreiben oder Mailen bleibt er komplett still. Erst beim Betrachten von 4K-Videos oder beim Ausführen von Spielen dreht der Lüfter hoch, bleibt aber selbst dann noch angenehm ruhig. Ein Abluftsystem schafft die Wärme dabei zuverlässig aus dem Gehäuse. Selbst nach zwei Stunden Kernel-Kompilieren laufen alle Kerne noch in der höchsten Taktstufe und drosseln sich nicht vorsichtshalber herunter.
In Sachen Multimedia und Spiele genügt der XPS 13 den Ansprüchen. Die links und rechts unter der Tastatur eingebauten Lautsprecher erfüllen ihren Zweck: nicht allzu laut, nicht allzu scheppernd und immerhin in Stereo. Für herausragenden Ton bräuchte es einfach mehr Platz im Gerät. Für einfache Spiele liefert die Intel-GPU UHD Graphics 620 ebenfalls ausreichend Rechenleistung. Bei neuesten 3D-Titeln müssten Sie allerdings die Bildqualität deutlich herabsetzen. Besondere Treiber sind nicht notwendig, der Kernel bringt im Modul i915 von Haus aus alles Nötige mit.
Fazit
Dell behält bei der 2018er-Version des XPS 13 Developer Edition Bewährtes bei und wirft viele Altlasten über Bord: nur noch USB-C/Thunderbolt, nur noch Micro-SD und nur noch spiegelnde Displays. Als Anwender müssen Sie sich dem wohl oder übel fügen und gegebenenfalls neue Peripherie anschaffen. Eine Thunderbolt-Dockingstation erlaubt beispielsweise den Anschluss der kompletten Desktop-Ausstattung (externe Maus, Tastatur und Bildschirm) mit nur einem Kabel, das den Laptop auch gleich lädt. Auch externe Grafikkarten lassen sich via Thunderbolt integrieren, was Linux demnächst zulässt.
Von der Technik her gibt sich das XPS 13 2018 keine Blößen: Die Core-i7-CPU erledigt jede Rechenaufgabe mit hohem Tempo, der Akku bringt Sie ohne Nachladen selbst durch einen langen Arbeitstag, das Display beeindruckt mit satten Farben und einem hellen Bild. Das Fehlen einer matten Bildschirm-Option dürfte einige Kunden abschrecken; in unserem Test erwies sich die Anti-Glare-Beschichtung allerdings als durchaus praktikabler Kompromiss.
Der für das Projekt Sputnik verantwortliche Entwickler Barton George begleitet die Developer Edition des XPS 13 nun schon seit fünf Jahren. In seinem Blog erklärt er diese Geschichte zur Erfolgsstory [3]. Das gilt allerdings wohl nur für Dells US-Mutterhaus, das weitere Modelle mit vorinstalliertem Linux anbietet [4]. In Deutschland müssen Sie Dells Linux-Angebot im wahrsten Sinne des Wortes weiter mit der Lupe suchen.
Infos
- Dell XPS 13 Developer Edition: http://www.dell.com/de-de/shop/dell-notebooks/xps-13-dell-cinema-notebook/spd/xps-13-9370-laptop
- Arch-Wiki zum Dell XPS13 (9370): https://wiki.archlinux.org/index.php/Dell_XPS_13_(9370)
- Barton George: https://bartongeorge.io/2018/01/04/xps-13-developer-edition-the-7th-gen-is -here/
- “Linux ready systems from Dell”: http://www.dell.com/learn/us/en/555/campaigns/xps-linux-laptop_us





