These: E-Books sind im Kommen – langsam, aber gewaltig

These: E-Books sind im Kommen – langsam, aber gewaltig

3. E-Book-Konferenz

Bilanz und Ausblick auf die Entwicklung des hiesigen Markts für elektronische Bücher bestimmten das Programm der 3. E-Book-Konferenz der Akademie des Deutschen Buchhandels gestern in München.

Die Entwicklung auf dem E-Book-Markt nimmt Fahrt auf – das ist das alljährliche Mantra der Konferenz. Inzwischen aber hat man sich wohl von der Vorstellung verabschiedet, hierzulande könnte sich die amerikanische Entwicklung mit einer Zeitverzögerung von ein paar Jahren wiederholen. Ein derart steiler Anstieg wie in den USA – Amazons Kindle 1 war dort trotz seines gehobenen Preises beispielsweise binnen fünf Stunden ausverkauft, seine Nachfolger ähnlich schnell – zeichnet sich hierzulande nicht ab.

Ein Grund, mutmaßten Referenten der Konferenz, könnte darin liegen, dass man in Übersee sehr viel weniger in den stationären Buchhandel investiert. Eine auf der Konferenz referierte Studie von Pricewaterhouse Coopers kommt außerdem zu dem Schluss, dass E-Books hierzulande im Unterschied zu den USA noch zu teuer seien, das Angebot an Titeln noch nicht ausreiche und die Bekanntheit der Lesegeräte zu wünschen übrig lasse. In fünf Jahren sieht die Studie einen Marktanteil von 6,3 Prozent in Deutschland (USA dann 22,5 Prozent). Obwohl die Kurve also flacher ausfällt, weist sie dennoch unverkennbar nach oben.

Neue Distributoren: Pubbles, Google E-Books

Ein Indiz dafür sind neue Anbieter, die sich auch auf der diesjährigen Konferenz wieder vorstellten. Darunter befindet sich Pubbles, ein E-Book-Shop, der sich als digitales Pendant einer Bahnhofsbuchhandlung versteht und Bücher (3000 Titel zum Start) gemeinsam mit Zeitschriften (40 Titel) in digitaler Form anbietet. Hinter dem Angebot stehen Bertelsmann und der Deutsche Pressevertrieb (dpv).

Von einer ganz anderen Dimension ist der am Tag der Konferenz allerdings vorerst nur in den USA gestartete Dienst Google E-Books, der unter dem Namen Google Editions bekannt wurde. Im kommenden Jahr, so Annabella Weisl, Strategic Partner Manager von Google, soll auch in Deutschland der Startschuss fallen. In den USA hatte dieses Angebot am ersten Tag zwei Millionen Titel von 35.000 Verlagen zu bieten.

Ein Unterschied zu Mitbewerbern ist unter anderem, dass Google die Titel in verschiedenen Formaten in einer persönlichen Bibliothek des Nutzers auf seinen Servern behält (die in diesem Zusammenhang selbstredend Cloud genannt werden wollen). Das macht einerseits die Benutzung der Inhalte überall und jederzeit auf verschiedenen Endgeräten ohne Umkopieren und Konvertieren möglich, führt andererseits aber einmal mehr zum gläsernen Nutzer. Letzteres soll übrigens auch Missbrauch verhindern, denn Google würde eine hohe Zahl von Zugriffen aus verschiedenen Weltgegenden auf denselben Inhalt bemerken und als unberechtigt klassifizieren.

Alles kann aber auch Google nicht. So muss der Internet-Riese beispielsweise beim Thema “Enhanced E-Book” noch passen, das gerade neu am Horizont winkt. Erste vorzeigbare Beispiele präsentierte Rita Bollig von Bastei-Lübbe mit Apps zu Titeln ihres Erfolgsautors Ken Follet (unter anderem “Die Säulen der Erde”), die Spielfilmsequenzen und andere Multimedia-Inhalte in das E-Book integrieren. Allerdings dürften hier technisch bedingt die relativ trägen und schwarzweißen E-Ink-Displays allesamt außen vor bleiben.

Lesegeräte: Tablets statt E-Book-Reader?

A propos E-Ink-Display: Auf der ersten E-Book-Konferenz der Buchhandelsakademie vor drei Jahren machten die allerersten Lesegeräte die Runde durchs staunende Publikum. Im letzten Jahr konnte eine Marktübersicht anlässlich der Konferenz bereits über 30 E-Book-Reader präsentieren. Und in diesem Jahr war an selber Stelle zu hören, dass die spezialisierten Lesegeräte schon sehr bald von Tablet-PCs überholt werden sollen, die sich für denselben Zweck mehr oder weniger eignen, und die dabei seien, den Massenmarkt zu erobern.

Ob sie damit zu dem Lesegerät für digitalen Content schlechthin werden, scheint fraglich – eignen sich doch ihre Displays weniger für ermüdungsfreies Lesen, und zählen ihre Besitzer wohl eher zu den Gelegenheitslesern. Nutzer “echter” E-Book-Reader mit E-Ink-Display kaufen denn auch momentan die meisten digitalen Bücher im Netz.

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Ugglan
15 Jahre her

Ich denke, da kommen noch mehr Gründe zusammen, die aber selbstverständlich nicht im Fokus der Markt”führer” stehen: In Europa ist der Buchhandel, wie auch der gesamte Einzelhandel, weit diversifizierter und (noch) nicht in der Hand weniger Ketten. Ebenso ist der Kunde etwas störrischer und noch nicht gewöhnt, sich Angebot und Nutzungsbedingungen diktieren zu lassen. DRM wirkt sich hier hinderlich auf den Verkauf aus, genauso wie exklusive Bindung an ein Lesegerät pro Verlag. Die meisten Leute haben doch etwas aus den Formatkriegen der letzten Jahre gelernt und kaufen erst, wenn die Formatfrage geklärt ist und sie nicht über Gebühr gängelt. Aus… Mehr »

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