Akademy: OpenDocument im Detail

Akademy: OpenDocument im Detail

Am vierten Tag der KDE-Konferenz in Dublin bildete das Open-Document- Format (ODF) einen Schwerpunkt. Das Format steht kurz vor der endgültigen Verabschiedung als Standard ISO/IEC 26300. Bereits jetzt ist es in Anwendungen wie OpenOffice und KDEs KOffice umgesetzt.

Die Implementierungen sind allerdings derzeit weder vollständig noch einheitlich, wieLotzi Bölöni von der University of Central Florida anhand einer ODF-Testsuite demonstrierte. Anwesende Entwickler wie David Faure von KOffice schmunzelten über die bloßgestellten Fehler und begrüßten die umfangreichen Testmöglichkeiten.

Das XML-basierte Format sei viel zu praktisch um es ausschließlich in Office-Programmen auf dem Desktop einzusetzen, findet Rob Weir von IBM. Er regte an, ein Entwicklerkit für OpenDocument zu schaffen und stellte zahlreiche Anwendungsszenarien für die automatische Verarbeitung vor: Mit einer solchen Werkzeugkiste könnten Programmierer Dokumente durchsuchen, übersetzen, umformatieren, digital signieren oder als Ausgabeformat für die Ergebnisse ihrer Anwendungen verwenden. Damit ein solches Toolkit auch Benutzer finde, müsse es allerdings einen hohen Abstraktionsgrad bieten: Das API sollte Entwicklern erlauben, ODF-Dateien mit einigen wenigen Zeilen C/C++, Java, Perl oder Python zu manipulieren.

Bereits im nächsten Vortrag stellte Florian Reuter von der Open Document Foundation ein derartiges Projekt vor: Das “OpenDocumentInfoset API” stellt Methoden zur Verfügung, um Absätze und andere typische Dokumentenbestandteile in C++-Programmen zu verarbeiten. Damit hat die amerikanische Stiftung bereits im Auftrag des US-Bundesstaats Massachussetts ein ODF-Plugin für Microsoft Word erstellt. Was weiter mit dem Code passiert, ist derzeit unklar — um das API als Open-Source-Projekt weiter pflegen zu können, wären laut Reuter Sponsorengelder wünschenswert.

Andere Teilnehmer wünschen sich Erweiterungen für ODF, beispielsweise ein Format für anspruchsvolle Bitmap-Grafiken inklusive Ebenen: Sander Koning stellte das Open-Raster-Format vor, an dem unter anderem Akademy-Preisträger Boudewijn Rempt vom Krita-Projekt arbeitet. Es enthält neben Bitmaps für die einzelnen Ebenen eine beschreibende XML-Datei, die für Überblendungen, Maskierungen und Ähnliches sorgt. So soll der verlustfreie Austausch komplexer Pixelgrafiken zwischen Anwendungen wie Gimp, Krita und OpenOffice möglich werden. Derzeit geht mit Formatumwandlungen stets ein Informationsverlust einher. Ein Vorschlag für das Format ist als PDF-Datei verfügbar.

Tim Eves sieht in einem anderen Bereich Verbesserungsbedarf. Er arbeitet für die Organisation SIL international, die sich für bedrohte Minderheitensprachen einsetzt und Alphabetisierungskampagnen durchführt. Dabei entwickeln die Mitarbeiter auch Schreibungen für bisher rein mündliche Sprachen, um den Sprechern einen Zugang zum Bildungssystem zu verschaffen. “Die Kombination aus Linux und OpenOffice hat uns und unseren Partnern schon vieles ermöglicht”, berichtet Eves. Nun wünscht er sich erweiterte Schrifteigenschaften in ODF, um die komplizierten Ligaturen und Diakritika asiatischer Sprachen in Office-Dokumenten darstellen zu können.

Massachussetts hat mit seiner Entscheidung für ODF Schlagzeilen gemacht. Auch die Europäische Kommission beschäftigt sich mit dem Format, wie Barbara Held berichtete. Sie ist Mitglied im Programm IDABC, das an einer Empfehlung für Austauschformate in europäischen E-Government-Diensten arbeitet. Held bescheinigte dem ODF-Format beste Aussichten, da es lizenzkostenfrei ist und nach ISO-Verabschiedung einen echten Standard im Sinne des EU-Rechts darstellt. Daneben hat sich die Kommission wiederholt für Offene Standards ausgesprochen und auch Open-Source-Software in ihren Erklärungen erwähnt. Zudem ist eine GPL-kompatible “European Union Public License” in Vorbereitung. Sobald die Kommission eine Empfehlung für ODF ausgibt, winken Fördergelder für Softwareprojekte, die mit dem Format arbeiten.

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