Tiling im Terminal mit Tilix

Aus LinuxUser 09/2017

Tiling im Terminal mit Tilix

Volle Kachel

Wer in Gnome gern mit mehreren Terminalfenstern arbeitet, muss auf die Platzoptimierung per Tiling-Fenstermanager verzichten. Tilix löst dieses Problem äußerst elegant.

Die Macht der Shell ist über alle Zweifel erhaben, hat man sie erst einmal zu schätzen gelernt. Echte Power-User haben oft mehrere Terminalfenster gleichzeitig geöffnet, um verschiedene Befehlsabläufe im Auge zu behalten. Dabei liegen die Fenster meist teilweise übereinander, was die Übersicht nicht eben fördert.

Zwar bringen mittlerweile die Fenstermanager der großen Desktops allesamt Tiling-Funktionen zum Anordnen der Fenster nebeneinander mit, aber gegenüber echten “Fliesenlegern” wie i3 oder Awesome sehen sie doch eher alt aus. Während KDE oder XFCE den Austausch des Fensterverwalters erlauben, sieht Gnome derart tiefe Einschnitte ins System schon seit geraumer Zeit nicht mehr vor. Aber auch dort sind Sie – zumindest beim Terminalemulator – nicht mehr auf den eingebauten einfenstrigen Standard beschränkt: Hier springt das pfiffige Tilix in die Bresche.

Fliesenleger

Ursprünglich als “Terminix” gegründet, firmiert das Projekt heute wegen markenrechtlicher Probleme unter dem Namen Tilix [1]. Wie das Gnome-Terminal und etliche andere nahe Verwandte basiert es auf einem GTK-Widget namens VTE [2]. Das stellt jedoch nur das nackte Terminal bereit, das es mit einer benutzerfreundlichen Umgebung aufzuwerten gilt.

Unmittelbar nach dem Start (Abbildung 1) sieht Tilix noch aus wie jedes andere VTE-Terminal auch. Zumindest beinahe, ergibt die auf der Projektwebseite beworbene Kompatibilität zu den Gnome-Richtlinien für Benutzeroberflächen [3] doch zwangsläufig Unterschiede zu den Geschwistern. Selbst das offizielle Gnome-Terminal hat dort, wo bei Tilix eine sogenannte Kopfleiste sitzt, noch eine Menüleiste, die im Gegensatz zu herkömmlichen Fenstertiteln auch Bedienelemente enthält. Das einspaltige Menü erreichen Sie wie üblich über das Anwendungssymbol links oben (beziehungsweise in der Gnome-Shell in der oberen Leiste des Desktops). Insofern haben die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht, was die Umsetzung der erwähnten Richtlinien angeht.

Abbildung 1: Beim ersten Start offenbart Tilix noch nichts Umwerfendes.

Abbildung 1: Beim ersten Start offenbart Tilix noch nichts Umwerfendes.

Möchten Sie eine echte Titelleiste haben, könnten Sie diese theoretisch in den Einstellungen aktivieren, wodurch dann die Kopf- zur Werkzeugleiste mutiert. In Erscheinungsbild | Fensterstil setzen Sie dazu den Wert CSD deaktivieren. Allerdings verschwand in unserer Cinnamon-Testumgebung dabei der Menüknopf links oben, ein Zugriff gelang nur noch via Gnome-Shell. Das macht den Effekt eigentlich hinfällig, weil echte Titelleisten wohl eher außerhalb der Gnome-Shell erwünscht sind.

Verfügbarkeit

Bislang hat es Tilix nur in wenige Distributionen geschafft. Das gerade erschienene Fedora 26 hat bereits ein Binary an Bord, die Integration in den Dateimanager müssen Sie dabei noch über das zugehörige Paket tilix-nautilus separat installieren. Auch in Debian “Sid” ist Tilix schon heimisch, hier wurde die Nautilus-Extension nicht vom Hauptpaket getrennt.

Neben den offiziellen Paketen verweist die Tilix-Webseite [4] aber auf etliche Versionen für andere Distributionen: Zum Beispiel im AUR für Arch Linux, in einem Copr-Repository für CentOS und einem PPA für Ubuntu. Diese Quellen bedienen die gängigsten Distributionen und auch einige Exoten.

Um Tilix aus dem Quellcode zu installieren, benötigen Sie zumindest die Bibliotheken GTK3 und VTE einschließlich Entwicklerpaketen sowie einen Compiler für die Programmiersprache D, der das DMD-Format unterstützt. Meist befindet sich dieser im Paket ldc der Distribution. Die Nautilus-Erweiterung erfordert während des Erstellens keine weiteren Abhängigkeiten, im laufenden Betrieb benötigt sie jedoch die Python-Erweiterungsschnittstelle für Nautilus.

Ausführliche Installationsanweisungen finden Sie im Download-Bereich der Projektwebseite [5]. An einer auf den GNU Autotools basierenden Installation arbeiten die Entwickler bereits; im Test scheiterte diese Variante jedoch an diversen zwar installierten, aber nicht gefundenen Abhängigkeiten.

Teilix

Das wirkliche Killer-Feature von Tilix stellt die Fähigkeit dar, mehrere Terminalfenster wie ein fliesenlegender Fenstermanager über- und nebeneinander anzuordnen, und das in beinahe beliebigen Formen. Um die Ansicht zu teilen, klicken Sie einfach in der Kopfleiste auf eines der Symbole mit dem Plus-Zeichen. Das linke Symbol teilt vertikal, das rechte horizontal. Außerdem lassen sich diese Knöpfe per Rechtsklick auf das Terminalfenster im Kontextmenü aktivieren. Im Menü findet sich zwar kein entsprechender Eintrag, doch per Tastatur erzielen Sie mit den Kürzeln [Strg]+[Alt]+[D] beziehungsweise [Strg]+[Alt]+[R] dieselben Effekte.

Die Aktion wirkt sich immer auf das aktive, fokussierte Terminal aus. Solange ein Cursor in einer Eingabeaufforderung blinkt, erkennt man diesen Zustand sofort. Laufen aber in einer mehrfach verschachtelten Konstruktion überall Befehle ab, erkennt man die Aktivität nur daran, dass der Name eines der Terminals nicht ausgegraut ist (Abbildung 2). Bei manchen GTK-Themen ließ sich das im Test aber nur mühsam erkennen.

Abbildung 2: Das Auffinden des tatsächlich aktiven Terminals (hier Nummer 3) gestaltet sich zuweilen etwas schwierig.

Abbildung 2: Das Auffinden des tatsächlich aktiven Terminals (hier Nummer 3) gestaltet sich zuweilen etwas schwierig.

Obwohl das Kacheln das Highlight schlechthin darstellt, kommen auch gewohnte Arbeitsabläufe nicht zu kurz. In der Kopfleiste finden Sie neben dem mit 1/1 beschrifteten Knopf ein Plus-Symbol, mit dem Sie einfach eine neue Sitzung öffnen. Sie legt sich über die bestehende Session; erst ein Klick auf den Ausklapppfeil links neben dem Plus-Symbol blendet eine Seitenleiste mit Vorschaubildern der laufenden Sitzungen ein. Dort wählen Sie diese an beziehungsweise schließen sie nach getaner Arbeit wieder. Im Menü gibt es auch einen Befehl zum Öffnen eines neuen Anwendungsfensters – etwa, um es auf eine andere Arbeitsfläche zu verschieben.

Profilierung

Zur üblichen Peripherie von Terminals zählen auch verschiedene Profile. Tilix lässt sich hier nicht lumpen und bietet die Möglichkeit, in den Einstellungen weitere Profile anzulegen und sehr feinkörnig an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Es geht sogar noch einen Schritt weiter und ermöglicht den automatischen Wechsel von Profilen anhand vordefinierter Bedingungen.

Ein neues Profil legen Sie durch einen Klick auf das Plus-Symbol unterhalb der Seitenleiste des Einstellungsfensters an. Die meisten Einstellungen – beispielsweise für Farben, Schriftarten oder Kompatibilität – kennt man so auch aus anderen Terminals. Die Konfiguration des automatischen Profilwechsels finden Sie im äußerst rechten Reiter Erweitert (Abbildung 3).

Abbildung 3: In den Einstellungen definieren Sie die Bedingungen für automatische Profilwechsel.

Abbildung 3: In den Einstellungen definieren Sie die Bedingungen für automatische Profilwechsel.

Derzeit kann Tilix nur Hostnamen und Ordner verarbeiten. Das reicht aber in vielen Fällen aus, weil sich – besonders bei der Arbeit auf entfernten Rechnern – andere Anforderungen an das Terminal ergeben als auf dem lokalen Rechner. Im Prinzip darf das Hostname-Ordner-Tupel dabei nur aus einem Doppelpunkt bestehen, was aber wenig Sinn ergibt. In der Praxis genügt meist der Rechner- oder Ordnername, mit obligatorischem trennendem Doppelpunkt. Außerdem können Sie unter Benutzerdefinierte Verweise mit regulären Ausdrücken arbeiten, um anklickbare Objekte im Terminal zu erzeugen.

Tilix lässt sich uneingeschränkt per Tastatur nutzen. Die verfügbaren Schnellzugriffe finden Sie im Menü unter Tastenkombinationen – aber nicht nur dort, denn hier erscheinen nur die wirklich aktivierten Kürzel. Um einen vollständigen Überblick zu erhalten, öffnen Sie im Einstellungsdialog den Punkt Tastenkombinationen, wo Sie auch Anpassungen vornehmen können. Tilix verhält sich dabei weitestgehend wie andere Terminals: In Gnome gebräuchliche Kürzel wie [Strg]+[W] zum Schließen funktionieren nicht, weil diese vom im Terminal ausgeführten Befehl abgefangen werden könnten.

Quake-Modus

Beim Quake-Modus haben Sie es nicht mit einem Terminal für das allseits bekannte Ballerspiel zu tun, sondern mit einer speziellen Anzeigeart von Tilix. Sie aktivieren diese mit tilix --quake, wobei Sie sich den Befehl gleich auf ein Tastenkürzel legen sollten. Das Terminal klappt dann als rahmenloses Fenster aus der oberen Leiste nach unten (was im Test wiederum nur in der Gnome-Shell funktionierte).

In den zugehörigen Einstellungen (Abbildung 4) können Sie das Verhalten noch anpassen. Die voreingestellte Höhe von 40 Prozent des Bildschirms bei voller Breite erscheint praxisgerecht. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Sie das Terminal tatsächlich auf allen Arbeitsflächen sehen wollen. Auf Breitbildschirmen oder in Multimonitor-Setups wäre auch eine vertikale Anordnung am Rand denkbar – hier stehen Ihnen alle Wege offen.

Abbildung 4: Das aus der oberen Leiste ausklappende Tilix lässt sich gut an eigene Vorlieben anpassen.

Abbildung 4: Das aus der oberen Leiste ausklappende Tilix lässt sich gut an eigene Vorlieben anpassen.

Nautilus

Jeder ernstzunehmende Terminalemulator sollte auch über eine Anbindung an einen Dateimanager verfügen, sodass sich zumindest das Terminal im gerade aktiven Ordner öffnen lässt. Tilix lässt sich mit Nautilus koppeln. Öffnen Sie dazu in der Ordneransicht per Rechtsklick das Kontextmenü, und wählen Sie Tilix hier öffnen (Abbildung 5). Tilix erscheint in einem separaten Fenster, die von Nautilus bekannte direkte Einbettung funktioniert (noch) nicht.

Abbildung 5: Tilix lässt sich direkt im Kontextmenü von Nautilus erreichen.

Abbildung 5: Tilix lässt sich direkt im Kontextmenü von Nautilus erreichen.

Beim Navigieren innerhalb von Ordnerstrukturen sollte das Terminal idealerweise ebenfalls den Arbeitsordner wechseln. Obwohl es sicherlich ebenso viele eingefleischte Hasser wie Freunde dieses Verhaltens gibt, lässt sich das Fehlen ebendieser Funktion in Tilix nur als Manko werten. Ein einmal geöffnetes Terminal verbleibt stets im Ursprungsordner, für einen Wechsel müssen Sie auf die Navigationsfunktionen der Shell zurückgreifen oder ein neues Terminal öffnen.

Auch mit anderen Dateimanagern spielt Tilix bei Bedarf zusammen. Für Nemo genügt ein einziger Befehl (Listing 1), um die Voreinstellung gnome-terminal in tilix zu ändern. Alternativ ändern Sie im Dconf-Editor den Wert des entsprechenden Schlüssels. In anderen Arbeitsumgebungen finden Sie für diesen Zweck meist eine Möglichkeit in den Einstellungen der bevorzugten Anwendungen.

Listing 1

$ gsettings set org.cinnamon.desktop.default-applications.terminal exec tilix

Fazit

Tilix hat als Fliesenleger auf jeden Fall gegenüber anderen Terminals die Nase vorn, braucht sich aber auch als gewöhnliche Anwendung dieser Art nicht zu verstecken. Bis auf den noch wenig ausgeprägten automatischen Profilwechsel konnten wir keine besonderen Fähigkeiten entdecken. Allerdings gelten Terminalemulatoren aufgrund jahrzehntelanger Entwicklung als in Sachen Features recht ausgereift und wohl auch nahezu ausgereizt. Das noch fehlende Offline-Benutzerhandbuch reichen die Tilix-Entwickler sicherlich irgendwann nach, bis dahin hilft im Bedarfsfall die recht umfangreiche Dokumentation auf der Projektwebseite weiter [6].

Alles in allem liegt Tilix (bis auf kleine Unstimmigkeiten) gleichauf mit dem Mitbewerb und ist eine klare Empfehlung wert. Sie sollten allerdings bedenken, dass die Wertschätzung der Gnome-Entwickler für andere Arbeitsumgebungen seit Jahren schwindet, was sich in seltsamen Verhaltensweisen im Zusammenspiel mit anderen Anwendungen äußern kann. Schon allein die anwendungsseitig gezeichneten Fensterrahmen, die in Dialogfenstern keinen Schließen-Knopf anzeigen, und die fehlende Menüleiste sind für Nicht-Gnome-Fans gewöhnungsbedürftig. Außerhalb des Footprint-Desktops dürfte sich das Publikum für Tilix daher in überschaubaren Grenzen halten. 

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