Fedora 24 Workstation im Überblick

Aus LinuxUser 08/2016

Fedora 24 Workstation im Überblick

© Andrew Mayovskyy, 123RF

Flach gepackt

Mit Flatpak und Wayland wagt Fedora 24 weitere Schritte in eine neue Linux-Welt.

Etwa alle sechs Monate packen die Entwickler von Fedora möglichst viele interessante Neuerungen in die Distribution. Unterstützung erhalten sie vor allem durch Red Hat. Mitte Juni war es wieder einmal soweit: Nach etlichen Terminverschiebungen gaben die Developer Fedora 24 frei.

Wie immer stellen sie das System in drei Geschmacksrichtungen bereit: Fedora Workstation richtet sich an PC- und Notebook-Anwender, die Server-Variante kommt vor allem im Datacenter zum Einsatz. Für den Betrieb in der Cloud gibt es noch eine abgespeckte Fassung [1]. Alle drei Varianten nutzen dasselbe Basissystem und unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Auswahl der Software. Im Folgenden steht primär die Workstation-Variante im Vordergrund.

Installation und Update

Fedora 24 Workstation gibt es in einer 32- und 64-Bit-Fassung für x86-Prozessoren sowie (auf der Fedora-Homepage etwas versteckt) für ARMv7-Systeme. Das rund 1,4 GByte große ISO-Image brennen Sie auf eine DVD oder schreiben es auf einen USB-Stick. Von dem entsprechend präparierten Medium bootet zunächst ein Live-System.

Die Installation läuft wie in der vorherigen Version ab, lediglich einige Beschriftungen im Assistenten haben sich in der deutschen Übersetzung geändert. Geblieben ist folglich das umständliche Partitionieren der Festplatte.

Ab Fedora 24 besteht die Möglichkeit, über das Programm Gnome Software mit wenigen Mausklicks auf ein neueres Release umzusteigen [2]. Dazu genügt ein Wechsel auf den Reiter Aktualisierungen, auf dem Sie wiederum das Upgrade anstoßen. Fedora lädt dann alle notwendigen Pakete im Hintergrund herunter. Sobald diese auf der Festplatte liegen, spielt das System sie beim nächsten Neustart ein.

Diesen komfortablen Weg wollen die Entwickler demnächst den Nutzern von Fedora 23 ebenfalls öffnen. Das dazu notwendige Update für Gnome Software lag allerdings bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Unabhängig davon funktioniert auch weiterhin das Upgrade über DNF auf der Kommandozeile [3].

Flatpak

Fedora 24 unterstützt erstmals Flatpak-Pakete [4]. Hier stecken alle von einer Anwendung benötigten Komponenten und Bibliotheken in einem kompakten Archiv. Das hat nach Ansicht der Entwickler gleich mehrere Vorteile: Es erleichtert, mehrere Versionen eines Programms nebeneinander zu betreiben, eine Anwendung auf ein anderes System mitzunehmen und Software nachträglich zu installieren, die in den offiziellen Repositories fehlt – wie etwa kommerzielle Spiele.

Die Distribution stellt zudem sicher, dass jedes Flatpak-Programm in einer abgeschotteten Umgebung (“Sandbox”) läuft. Das erhöht die Sicherheit und vermeidet Konflikte mit anderen Programmen und Diensten. Flatpak-Pakete dürfen auf anderen Paketen gleicher Machart aufbauen beziehungsweise von diesen abhängen. Das wiederum vereinfacht laut Entwickler die Installation und das Aktualisieren. Neben Fedora 24 unterstützt auch Arch Linux das Format, die Entwickler von Debian 9 arbeiten bereits an der Integration.

Flatpak – ursprünglich beim Gnome-Projekt als XDG-App entstanden – geht damit in Konkurrenz zu Snaps von Canonical. Anders als Letzteres benötigt es jedoch kein zentrales Repository: Jeder Entwickler stellt bei Bedarf selbst ein entsprechendes Paket bereit.

Schon jetzt liegen Flatpak-Pakete für einige Gnome-Anwendungen sowie diverse größere Linux-Programme wie Gimp und Inkscape vor [5]. Das im Herbst erscheinende LibreOffice 5.2 wollen die Entwickler ebenfalls als Flatpak bereitstellen. Das ermöglicht dann dem Anwender, die neue Version des Büropakets parallel zu LO 5.1 aus den offiziellen Repositories zu nutzen.

In Fedora 24 gibt es allerdings noch ein paar Nachteile: Die Flatpaks existieren parallel zu den bestehenden RPM-Paketen und gelangen an der normalen Paketverwaltung vorbei ins System. Die Software-Verwaltung von Fedora 24 zeigt derzeit lediglich installierte Flatpaks an, das Einrichten und Verwalten der Paks erfolgt vollständig auf der Kommandozeile.

Gnome

In Fedora 24 Workstation fungiert Gnome 3.20 als Standard-Desktop. Dessen Neuerungen kommen folglich Fedora-Anwendern zugute. Diese dürfen unter anderem in Gnome Software jetzt einzelne Anwendungen bewerten und kommentieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Derzeit gibt es erst wenige Bewertungen in Gnome Software, wie hier für die Astronomie-Software Stellarium.

Abbildung 1: Derzeit gibt es erst wenige Bewertungen in Gnome Software, wie hier für die Astronomie-Software Stellarium.

Die Suchfunktion des Dateimanagers arbeitet nicht nur robuster: Zudem können Sie nun die Möglichkeit, die Ergebnisse jetzt danach filtern, wann die Datei zuletzt geändert oder verwendet wurde (Abbildung 2). Darüber hinaus lässt sich die Suche auf weitere Kategorien einschränken, wie etwa ausschließlich alle Dokumente.

Abbildung 2: Der Dateimanager zeigt die Icons standardmäßig riesig an.

Abbildung 2: Der Dateimanager zeigt die Icons standardmäßig riesig an.

Klappen Sie am oberen Bildschirmrand den Tray-Bereich mit dem Kalender auf, finden Sie dort jetzt zusätzliche Steuerelemente für die Wiedergabe von Medien (Abbildung 3). Die Foto-Verwaltung Gnome Fotos bringt jetzt zudem einfache Bearbeitungsfunktionen mit. Das Einrichten und Verwalten von Eingabegeräten und Druckern sowie die Kontrolle von Druckjobs klappt jetzt besser.

Abbildung 3: Neben dem Kalender finden sich im entsprechenden Bereich der Leiste Elemente, über die Sie bei Bedarf schnell ein Musikstück stoppen. Die Musikverwaltung übernimmt Rhythmbox.

Abbildung 3: Neben dem Kalender finden sich im entsprechenden Bereich der Leiste Elemente, über die Sie bei Bedarf schnell ein Musikstück stoppen. Die Musikverwaltung übernimmt Rhythmbox.

Die Einstellungen für die Maus zeigen zudem immer die passenden Optionen zur angestöpselten Hardware. Darüber hinaus präsentieren viele Gnome-Anwendungen nun auf Wunsch eine Übersicht aller verfügbaren Tastaturkürzel (Abbildung 4).

Abbildung 4: Hier die Übersicht über alle Tastenkürzel des Dateimanagers.

Abbildung 4: Hier die Übersicht über alle Tastenkürzel des Dateimanagers.

Die spinnen, die Fedoras

Wer Gnome nicht mag, greift zu einer der Varianten der Workstation-Ausgabe. Diese sogenannten Spins [6] gab es zum Redaktionsschluss mit den vorinstallierten Desktop-Umgebungen Cinnamon 3.0, KDE Plasma 5.6.4 (Abbildung 5), LXDE, Maté (mit Compiz), SOAS und XFCE.

Abbildung 5: Fedora 24 gibt es unter anderem auch mit vorinstalliertem Plasma-Desktop.

Abbildung 5: Fedora 24 gibt es unter anderem auch mit vorinstalliertem Plasma-Desktop.

Der Plasma-Spin enthält die KDE Applications 16.04. Die neue QGnomePlatform erleichtert dabei nach den Plänen der Entwickler schrittweise den Austausch von Einstellungen zwischen Gnome und Plasma [7]. Dies macht sich vor allem beim parallelen Betrieb der entsprechenden Programme beziehungsweise dem Mischen von Applikationen aus beiden Welten angenehm bemerkbar. In Fedora 24 funktioniert der Austausch allerdings vorerst einmal nur mit den Einstellungen für die Schriften.

Die Fedora-Labs bieten noch weitere Varianten der Distribution für spezielle Zwecke an, darunter etwa eine maßgeschneiderte Version für Spieler oder Wissenschaftler [8]. Neu dabei ist mit dem Astronomy Lab eine Fedora-Geschmacksrichtung für Astronomen und Astrophysiker (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die Fedora Labs stellen maßgeschneiderte Varianten für verschiedene Zwecke bereit.

Abbildung 6: Die Fedora Labs stellen maßgeschneiderte Varianten für verschiedene Zwecke bereit.

Wayland

Fedora 24 Workstation nutzt weiterhin das X11-System und somit den X-Server für die Ausgabe. Sie haben jedoch die Möglichkeit, beim Anmelden auf Wayland umzuschalten. Dazu klicken Sie neben dem Eingabefeld für das Passwort auf die Schaltfläche mit dem Zahnrad und wählen dann Wayland aus. Dies ermöglicht die in Gnome 3.20 deutlich verbesserte Unterstützung des X11-Nachfolgers, die sich mittlerweile für die tägliche Arbeit eignen soll.

Anders als bei früheren Fedora-Versionen funktioniert endlich Drag & Drop; ein Klick mit der mittleren Maustaste fügt den Text aus der Zwischenablage ein. Wayland unterstützt nun vernünftig mehrere Bildschirme und gibt Videos ohne Streifen wieder. Allerdings funktioniert es nach wie vor nicht auf allen Rechnern. Insbesondere die proprietären Nvidia-Treiber erlauben noch nicht alle benötigten Funktionen. Darüber hinaus steht die Wayland-Unterstützung vorerst nur in der Fedora-Variante mit Gnome-Desktop bereit.

Außerdem haben die Entwickler noch nicht alle Funktionen implementiert: So gibt es beispielsweise noch keine Bildschirmtastatur, eingesteckte USB-Geräte erkennt Gnome noch nicht automatisch (Hotplug), und die Remote-Desktop-Funktion steht erst zur Hälfte. Im Fedora-Wiki findet sich eine Liste mit allen noch ausstehenden Funktionen [9].

Dennoch überlegen die Fedora-Entwickler, im kommenden Fedora 25 vollständig auf Wayland zu wechseln, sofern die Nutzer keine gravierenden Fehler mehr melden.

Weitere Software

Auf den Medien für die Installation liegt noch Kernel 4.5.5, die Entwickler wollen jedoch schon bald Version 4.6 nachreichen. Die Bibliothek Glibc kommt in Version 2.23, 3D-Software greift auf Mesa 11.2 zurück.

Zu den aktualisierten Software-Paketen zählen der Webbrowser Firefox 47 sowie die Mail-Clients Evolution 3.20.2 und Thunderbird 45. Zum Verwalten von Fotos und Bearbeiten von Bildern kommen Darktable 2.0 sowie Shotwell 0.23.1 zum Einsatz, Musik spielen Sie mit Rhythmbox 3.3.1 ab.

Entwickler freuen sich über die GNU Compiler Collection in der Version 6.1. Der enthaltene C++-Compiler kennt die Standards C++14 und OpenMP 4.5. Der Konkurrent LLVM meldet sich in Version 3.9. Die Fedora-Entwickler haben zudem die Basispakete der Distribution mit GCC 6 neu übersetzt. Python-Programmierer dürfen zwischen Python 2.7.11 und Python 3.5.1 wählen. Als weitere Skriptsprachen finden sich im Angebot unter anderem Perl 5.22, PHP 5.6.22, Ruby 2.3 und Go 1.6. Mono kommt in der Version 4.2.

Eine neue Freetype-Version zeichnet Schriften klarer auf den Bildschirm. Zudem haben die Gnome-Entwickler die Standardschriftart Cantarell leicht überarbeitet, sodass keine Probleme bei der Anzeige mehr auftreten (insbesondere im Rahmen des sogenannten Font-Hinting) [10]. Sofern Sie die Einstellungen für die Schrift verändert haben (etwa mit dem Gnome Tweak Tool), lohnt es sich, diese nach einem Upgrade auf Fedora 24 zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Um das Netzwerk kümmert sich der NetworkManager 1.2 [11]. Dessen Entwickler haben die Schnittstelle für die Kommandozeile runderneuert. Beim Umgang mit VPNs gibt sich die Software zudem flexibler und kann nun Einstellungen exportieren und wieder einlesen. Darüber hinaus erschwert die Version 1.2 die Identifikation von Nutzern im WLAN und über IPv6-Verbindungen. Dazu verwendet der NetworkManager bei Anfragen ins WLAN eine falsche MAC-Adresse. Die richtige nutzt er erst dann, wenn eine Verbindung zu einem Access Point besteht. Bei IPv6-Verbindungen unterstützt das Tool die Privacy Extensions.

Virtuelles 3D

Wer die Virtualisierungslösung KVM und Qemu nutzt, kann mit Fedora 24 3D-Beschleunigung in einer virtuellen Maschine nutzen. Möglich macht dies die Technik Virgil 3D, die alle OpenGL-Zeichenbefehle an den Wirt durchreicht. Sie gilt allerdings noch als experimentell und funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. So gelingt es derzeit nicht, die virtuelle Maschine im laufenden Betrieb auf einen anderen Rechner zu schieben. Virgil 3D funktioniert nicht mit SELinux, und im Zusammenspiel mit dem beliebten Virtmanager gibt es ebenfalls noch ein paar Probleme mit der Anzeige [12].

Fazit

Die meisten Änderungen von Fedora 24 stecken unter der Haube. Zu den wichtigsten Innovationen gehören zweifellos die Integration von Flatpak sowie die fortgeschrittene Unterstützung von Wayland. Damit wird Fedora seinem Ruf als “Bleeding-Edge”-Distribution wieder einmal voll gerecht.

Allerdings zeigen die neuen Techniken noch Macken: Wayland stürzte auf dem Testsystem immer wieder ab, und Flatpak verabschiedete sich ebenfalls regelmäßig mit einem Segmentation Fault. Das System richtet sich somit eher an fortgeschrittene Nutzer. Insbesondere Ein- und Umsteiger sollten hier mit Vorsicht agieren. 

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