SystemRescueCD bringt – ohne unnütze Schnörkel – alle zur Datenrettung wichtigen Programme auf einer CD unter.
Distributionen zur Systemrettung gibt es wie Sand am Meer. Meist versuchen sie, alle denkbaren Szenarien mit speziellen Reparaturwerkzeugen abzudecken. Die kleine, auf Gentoo basierende Distribution SystemRescueCD geht einen anderen Weg: Vereint unter einer minimalistischen Oberfläche finden Sie lediglich jene Tools, die man zur Rekonstruktion defekter Datenträger in heterogenen Umgebungen unbedingt braucht.
Erste Schritte
Das lediglich gut 430 MByte große Image [1] der aktuellen Version von SystemRescueCD befördern Sie entweder auf eine CD oder einen USB-Stick. Haben Sie die Media-Edition erworben, verwenden Sie bei Bedarf den beigelegten Datenträger.
Da die Entwickler zur Installation auf einem Flash-Stick eine eigene Routine für die Kommandozeile geschrieben haben, empfiehlt es sich, vor dem Abspeichern des ISO-Images einen Blick in die entsprechende Anleitung [2] zu werfen. Nach der Installation bootet das System zunächst in einen Grub-Bildschirm mit zahlreichen Optionen (Abbildung 1).
Als Alternativen stehen dabei nicht nur Parameter für 32- und 64-Bit-Systeme bereit, sondern in Untermenüs zusätzlich spezielle Optionen für den Fall, dass bei den Standardeinstellungen Probleme mit der Hardware auftreten.
Da die SystemRescueCD von Haus aus nach erfolgreichem Start lediglich eine Kommandozeile öffnet, bietet das Bootmenü außerdem eine Option zum Aktivieren der grafischen Oberfläche. Diese erreichen Sie durch Eingabe des Befehls startx am Prompt ohne weitere Anmeldung.
Damit Sie nach dem Booten gleich das korrekte Tastatur-Layout eingestellt haben, fragt die Routine beim Start zudem nach den Präferenzen, wobei etwa zwei Dutzend Alternativen zur Auswahl stehen.
Spartanisch
Den Liebhabern der grafischen Oberfläche bietet SystemRescueCD einen sehr schlicht gehaltenen, wieselflinken XFCE-Desktop an. Er beeindruckt zunächst mit gähnender Leere: Auf dem Desktop findet sich nicht ein einziger Programmstarter. Auf optische Gimmicks jeglicher Art haben die Entwickler ebenfalls verzichtet. Im XFCE-Panel am unteren Bildschirmrand finden Sie jedoch die gewohnten Strukturen vor.
Anders als Allround-Distributionen setzt die SystemRescueCD hier jedoch eher auf exotische Software: Neben dem schnellen Webbrowser Midori, der bei Bedarf im privaten Modus startet, gibt sich der Dateimanager EmelFM und der Editor Geany ein Stelldichein, als Brennprogramm für optische Medien fungiert Xfburn.
Das Menü, das sich hinter der Schaltfläche ganz links im Panel verbirgt, weicht ebenfalls von bekannten Konventionen ab. So finden Sie zwar die üblichen Kategorien Office, Internet und Multimedia, diese beinhalten jedoch nur sehr wenige Einträge. Lediglich die für Datenrettungszwecke unbedingt nötigen Applikationen wurden in das System integriert – Schwergewichte wie LibreOffice, Firefox, VLC oder Gimp suchen Sie vergebens.
Deutlich besser ausgerüstet zeigt sich dagegen das Untermenü System mit den Tools zum Retten von Daten im heterogenen Umfeld. Hier gibt es nicht weniger als drei unterschiedliche Dateimanager: Neben zwei Programmen mit grafischer Oberfläche (SpaceFM und EmelFM2) residiert hier auch der textbasierte Midnight Commander. Er erinnert an DOS-Zeiten, ermöglicht jedoch dank Tastenkombinationen ein flottes Arbeiten.
Um möglichen Defekten der Hardware auf die Spur zu kommen, bietet die Distribution im gleichen Untermenü zusätzlich den Hardware Lister an, der als grafisches Frontend zu Lshw in vier Spalten die vorhandene Hardware analysiert und Informationen dazu anzeigt. So sehen Sie nicht nur schnell, welche Komponenten im System verbaut sind, sondern ermitteln auch fehlerhafte Geräte oder falsche BIOS-Einstellungen.
Für den Fall, dass Prozesse oder Dienste nicht korrekt arbeiten, werfen Sie ohne manuellen Wechsel auf die Kommandozeile mithilfe von Htop oder dem XFCE-Task-Manager einen Blick in die Liste der Prozesse. Der grafische Task-Manager zeigt dabei Ressourcenfresser mittels eines gelben Balkens nahezu in Echtzeit an (Abbildung 2).
Reparaturen
Gibt es etwas zu reparieren, handelt es sich in den meisten Fällen um Massenspeicher, oft in heterogenen Umgebungen auf fremden Rechnern. Dazu bietet die SystemRescueCD zunächst mit GParted ein sehr leistungsfähiges Werkzeug mit grafischer Oberfläche zum Ermitteln des Partitionsschemas an. Sie erreichen das Tool direkt über das Panel.
Im Untermenü System finden Sie zusätzlich den textbasierten Fsarchiver, der sich hinter dem Eintrag Show Filesystems verbirgt. SystemRescueCD kommt dabei mit einer großen Anzahl unterschiedlicher Dateisysteme zurecht, wobei die Auswahl neben vielen gängigen unixoiden Systemen auch jene aus dem Microsoft-Kosmos umfasst. Das ermöglicht es, Speicher wie Flash-Sticks zu rekonstruieren, da diese meist ein FAT32-Dateisystem besitzen.
Zum Synchronisieren von mehreren Datenträgern bietet die Distribution zum einen das grafisch auf Rsync aufsetzende Tool Grsync an. Es ist in der Lage, ganze Hierarchien von Ordnern abzugleichen. Dabei setzt die Applikation den großen Umfang der Parameter für die Kommandozeile in drei Menüs um.
Zum anderen steht mit der CLI-Anwendung Partition Image ein leistungsfähiges Tool bereit, das komplette Partitionen in einer Abbilddatei ablegt und von dort auch wiederherstellt. Zusätzlich besteht die Option, aus einer Image-Datei heraus einen defekten Master Boot Record einer Festplatte zu rekonstruieren, sodass diese wieder startet. Partition Image eignet sich mit diesen Optionen selbst für die forensische Arbeit, bei der sich Veränderungen an den originalen Daten aus rechtlichen Gründen verbieten.
Gelöscht oder nicht?
Sowohl bei Hardware-Defekten als auch bei fahrlässigem oder unbedachtem Arbeiten mit Massenspeichern gehen schnell Daten verloren. In vielen Fällen gelingt es jedoch, diese wieder zu rekonstruieren. Das kleine Tool Testdisk empfiehlt sich dabei als zuverlässiger Partner, wenn es um die Rekonstruktion von Partitionen und das Wiederherstellen zerstörter Bootsektoren geht.
Ein Problem entsteht durch die enormen Speicherkapazitäten, die inzwischen in Form von Festplatten vorliegen, und der intensiven Nutzung eines Computers: Als Anwender verlieren Sie schnell den Überblick über vorhandene Dateibestände. Damit Sie einzelne Dateien ohne manuelle Suche finden, stellt SystemRescueCD im Menü Accessories mit SpaceFM File Search eine grafische, leicht zu bedienende Suchfunktion bereit.
Das Tool bietet nicht nur die einfache Suche nach Dateien, wobei es bei Bedarf auch eingrenzende Optionen wie Zeitstempel oder nur bestimmte Verzeichnisse berücksichtigt. Da diese Funktion ein Bestandteil des im gleichen Menü zu findenden Dateimanagers SpaceFM darstellt, besteht die Möglichkeit, gefundene Dateien gleich weiterzuverarbeiten.
Mit dem in XFCE integrierten Application Finder, den Sie ebenfalls im Menü Accessories finden, haben Sie zudem die Möglichkeit, Programme zu suchen.
Individuell
Als Schmankerl bietet die SystemRescueCD die Möglichkeit, eine angepasste Version des Betriebssystems manuell zusammenzustellen. Auf diese Weise passen Sie den Werkzeugkasten durch Hinzufügen und Entfernen von Programmen an Ihre Bedürfnisse an. Allerdings verfügt das System über keinen Paketmanager. Das Anpassen setzt also voraus, dass Sie die gewünschten Applikationen aus dem Quellcode kompilieren.
Dazu bringt die SystemRescueCD bereits die nötigen Voraussetzungen mit: Sie enthält Entwicklerwerkzeuge wie GCC, Automake, Autoconf oder Cmake sowie die Header-Dateien von GTK. Eine detaillierte Anleitung zur individuellen Modifikation findet sich auf der Webseite der Distribution [3].
Fazit
In Notfällen haben Sie mit der SystemRescueCD ein nützliches Werkzeug zum Rekonstruieren von Speichermedien und Daten an der Hand, das sich auch für heterogene IT-Umgebungen eignet. Es arbeitet sowohl auf 32- als auch auf 64-Bit-Computern und läuft dank der durchdacht vorkonfigurierten Auswahl an Software ohne Installation, wobei es stabil, schnell und zuverlässig arbeitet.
Infos
[1] SystemRescueCD: http://www.sysresccd.org/Download
[2] Installation auf USB-Stick: http://www.sysresccd.org/Sysresccd-manual-en_How_to_install_SystemRescueCd_on_an_USB-stick#A.29_Recommended_USB_installation_method_from_Linux
[3] Anleitung zum Personalisieren: http://www.sysresccd.org/Sysresccd-manual-en_How_to_personalize_SystemRescueCd







