Viele Linux-Distributionen wollen als Allrounder auf dem Desktop wunschlos glücklich machen. 4M Linux dagegen bietet funktionsorientierte Varianten ohne unnötigen Ballast.
Schlanke Linux-Distributionen für ältere Hardware gibt es wie Sand am Meer. Meist bieten sie jedoch nur eine eingeschränkte Funktionalität, weil statt der üblichen Standardprogramme schlanke, aber weniger leistungsfähige Alternativen zum Einsatz kommen.
4M Linux [1] beschreitet einen völlig anderen Weg: Das Projekt bietet die Distribution in insgesamt sechs verschiedenen Varianten an, die unterschiedliche Software-Schwerpunkte abdecken und somit unnötigen Ballast vermeiden. Darüber hinaus gibt es noch eine Multiboot-Edition, die es ermöglicht, vier der bekanntesten Linux-Distributionen nachzuinstallieren.
4M Linux bezieht seinen Namen von den Themenschwerpunkten seiner vier Varianten: Maintenance (Systemrettung und -wartung), Miniserver, Multimedia und Mystery (Spiele). Hinzu gesellt sich noch die All-in-one-Edition, die alle Spielarten unter einem Dach vereint.
Im Blog von 4M Linux [2] finden Sie Download-Links zu den aktuellen Varianten des Betriebssystems. Außerdem stehen dort noch eine Multiboot- und eine Antivirus-Variante bereit, wobei sich Letztere auch zum Einsatz in heterogenen Betriebssystemumgebungen eignet und den freien Virenscanner ClamAV mitbringt.
Multiboot
Die Multiboot-Edition von 4M Linux bietet bereits im Bootmanager Grub die Option, Debian 7.3, Fedora 20, Slackware 14.1 oder Ubuntu 13.10 zu installieren (Abbildung 1). Dazu ruft die Routine eigens entwickelte Skripte auf, welche die benötigten Pakete aus dem Netz herunterladen und anschließend die gewählte Distribution auf die Festplatte packen.
Als Voraussetzung dazu benötigt der Rechner eine zum Boot-Zeitpunkt bereits funktionierende Internetverbindung (sprich: per Netzwerkkabel), per WLAN klappt es nicht. Die Multiboot-Edition eignet sich daher primär für die schnelle Installation einer der angebotenen vier Distributionen auf einem System, wenn Sie das umständliche Prozedere mit dem Download und Vorbreiten eines ISO-Images vereinfachen wollen.

Abbildung 1: Der Bootmanager stellt vier gängige Distributionen zur Installation bereit. Allerdings benötigt er zu deren Download eine Internetverbindung.
Daneben enthält die Multiboot-Variante die Rescue-Edition von 4M Linux. Diese startet zunächst im Textmodus und erwartet im ersten Schritt die Eingabe eines neuen Root-Passworts. Danach können Sie sich auf der Kommandozeile anmelden. Die anschließende Eingabe von startx öffnet einen modernen, unaufdringlich wirkenden Desktop mit der Starterleiste Wbar und dem Systemmonitor Conky.
Den Desktop selbst stellt der leichtgewichtige Fenstermanager JWM, was auch auf betagter Hardware ein flottes Arbeiten ermöglicht. Der Eintrag 3D On/Off im Hauptmenü erlaubt Ihnen das Zu- und Abschalten von 3D-Effekten. Über einen Rechtsklick mit der Maus auf der Arbeitsoberfläche erreichen Sie das Hauptmenü. Es gliedert sich in die üblichen Untergruppen, wobei jedoch die Menüs Maintenance, Miniserver und Mystery bereits andeuten, dass die Distribution den vollen Funktionsumfang der All-in-one-Variante mitbringt.
Unter Maintenance finden Sie hier im Untermenü Backups drei Anwendungen zur Datensicherung, wobei neben optischen Datenträgern und USB-Sticks als Zielmedien auch Server im Netz infrage kommen. Im Untermenü Recovery finden Sie mit TestDisk und Photorec zwei Tools, die es Ihnen ermöglichen, versehentlich gelöschte Dateien und Partitionen zu rekonstruieren.
Unter Partitions lagern in den Menüs MBR und GPT zahlreiche Applikationen zur Partitionierung von Massenspeichern. Dabei eignen sich die Tools Gdisk und Cgdisk aus dem Menü GPT als modernere Pendants zu den älteren Programmen Fdisk und Cfdisk für aktuelle Datenspeicher, die statt über einen Master Boot Record mithilfe einer GPT (GUID Partition Table) angesprochen werden. Sowohl Gdisk als auch Cgdisk kommen problemlos auch mit Festplatten über 2 TByte Kapazität zurecht.
Vier auf einen Streich
4M Linux bietet vier Serverdienste an, die Sie per Mausklick auf den Eintrag StartAll (Abbildung 2) aktivieren. Innerhalb von Sekunden aktiviert das System einen FTP-, HTTP-, SSH- und einen Telnet-Server. Diese können Sie im Menü Tests mittels textbasierter Routinen auch einzeln testen. Über StopAll halten Sie die Dienste wieder an.
Der Menüpunkt QuickHelp in Miniserver gibt Ihnen die Möglichkeit, sich näher in die Benutzung der Server und deren Syntax auf der Kommandozeile einzuarbeiten. Hier finden Sie zudem Verweise auf die Konfiguration einer Firewall, eines Proxy-Servers sowie einer SQL-Datenbank.
Zuladung
Da 4M Linux weder eine eigene Paketverwaltung besitzt noch Software-Repositories anbietet, klappt die Installation neuer Programme nur eingeschränkt. Vor allem proprietäre Programme, die nur als DEB- oder RPM-Archiv und nicht im Quelltext zur Verfügung stehen, lassen sich in aller Regel nicht unter 4M Linux nutzen.
Viele der in den Untermenüs aufgeführten Programme befinden sich zudem nicht von Hause aus in der Distribution: So lässt sich LibreOffice zwar im Hauptmenü aufrufen, jedoch lädt dann ein Skript zunächst die Software aus dem Netz herunter und installiert sie anschließend. Bei vielen Spielen sowie den gängigen Internet-Applikationen Firefox und Thunderbird verhält es sich genauso. Als Standard-Browser dient der sehr schlanke Qupzilla, der sich in der Oberfläche und Bedienung an Firefox anlehnt, ohne freilich dessen Funktionsumfang zu erreichen.
Verwunderlich erscheint in diesem Kontext, dass die Distribution beim Aufruf der Installationsroutinen für die Mozilla-Programme (Abbildung 3) nicht die nativen Linux-Versionen aus dem Internet holt, sondern Windows-Varianten. Diese integriert 4M Linux dann über Wine in das System, enthält aber in der Grundinstallation den Windows-Emulator nur unvollständig: Wine erwartet vor der ersten Inbetriebnahme noch den Download des Gecko- und Mono-Paketes und einiger kostenfrei angebotener Truetype-Fonts.
Dieses umständliche Procedere schaufelt nicht nur unfreie Software auf Ihr System, sondern macht durch den Umweg über Wine auch teilweise den Geschwindigkeitsvorteil des Systems bei der Arbeit auf betagterer Hardware zunichte. Für einige Spiele gibt es jedoch keine andere Option zur Linux-Integration, da sie nur als Windows- oder DOS-Variante zur Verfügung stehen.

Abbildung 3: 4M Linux lädt Mozilla-Programme aus dem Internet nach – allerdings nicht als native Linux-Programme, sondern als Windows-Software, die es mittels Wine ins System einbindet.
Fazit
Mit 4M Linux erhalten Sie ein äußerst wandlungsfähiges Betriebssystem, das sich aufgrund seines flexiblen Konzepts auf nahezu jeder Hardware einsetzen lässt. Die durchgängig sehr ressourcensparenden einzelnen Varianten fokussieren dabei meist auf einen bestimmten Software-Schwerpunkt und lenken den Anwender nicht durch unnötigen Ballast ab.
Neben den primär für den Desktop vorgesehenen Versionen bieten die Multiboot- und die Rescue-Images auch Werkzeuge für Systemadministratoren: So lassen sich mit dem Multiboot-System schnell vier große Fremddistributionen einsetzen, während die Rescue-Edition die wichtigsten Werkzeuge zur Datenrettung in heterogenem Betriebssystem-Umfeld bietet.






