Neues in Ubuntu 11.04 “Natty Narwal”

Aus LinuxUser 06/2011

Neues in Ubuntu 11.04 “Natty Narwal”

Einheitsoberfläche

Unity hat in der Ubuntu-Community viel Wirbel verursacht. Dabei ändert sich nur Desktop, unter der Haube bleibt fast alles beim Alten.

Ubuntu 11.04 hat weiterhin die bekannten Programme an Bord, die sich nun allerdings auf dem neuen Desktop Unity tummeln. Allerdings bleibt der Unterbau gleich: Gnome 2.32 [1]. Spätestens im Januar 2011 erkannten die Entwicklern, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, Gnomes Unterbau vom Desktop zu trennen.

Ein externes Paketarchiv [2] bietet Gnome 3 für interessierte Nutzer an. Ubuntu selbst will erst in Version 11.10 “Oneiric Ocelot” den Sprung auf Gnome 3 wagen, ohne dabei aber die Gnome Shell zu übernehmen. Unity soll auf Rechnern laufen, die ATI- oder Nvidia-Grafikkarten aus den letzten fünf Jahren verwenden [3]. Besitzt der Rechner einen integrierten Intel-Grafikchip, sollte er mindestens aus dem Jahr 2005 stammen (GMA 950 und aufwärts).

Booten und Installieren

Den im letzten Release eingeführten großen Änderungen im Installer Ubiquity folgt nun der Feinschliff: Das Tool zum Partitionieren der Festplatte ist klarer strukturiert, und ein vorhandenes Ubuntu lässt sich über den Installer aktualisieren. Das Software-Center bringt ein neues Feature namens Reviews & Ratings mit (Abbildung 1): Anwender, die über einen kostenlosen Ubuntu-One-Zugang verfügen, dürfen sämtliche Anwendungen im Paketmanager nach einem Fünf-Sterne-System bewerten und in Kommentaren ihre Meinung zu einer Software äußern. Bei Ubuntu One funktioniert nun nicht nur der Abgleich schneller, die Software zeigt im Launcher-Icon auch den Fortschritt an und nutzt die Benachrichtigungsfunktion, um wichtige Meldungen abzusetzen.

Das Software-Center mäkelt Software an, die Ubuntus Qualitätsstandards hinsichtlich sauberer Pakete nicht erfüllen. Hier haben Sie die Möglichkeit, die Installation über einen Klick auf Ignore and Install fortzusetzen, was aber unter Umständen die Stabilität des Systems gefährdet.

Banshee löst als Audioplayer Rhythmbox ab, importiert aber auf Wunsch die Rhythmbox-Dateien. Mit LibreOffice ist nun der freie OpenOffice-Fork Teil von Ubuntu 11.04. Die Bürosoftware liegt in Version 3.3.2 vor, die sich bisher nur wenig vom bekannten OpenOffice unterscheidet. Der flinke Bildbetrachter Shotwell liegt in einer aktuellen Version (0.9) vor, die einen besseren Umgang beim Verarbeiten von Fotosammlungen verspricht. Firefox 4 lädt Webseiten wesentlich schneller als die Vorgängerversion, was vor allem an der verbesserten Javascript-Performance liegt. Der Browser unterstützt mit HTML 5 neue Technologien und Formate, wie WebGL und WebM.

Unter der Haube

Das Multitouch-Framework ist noch nicht auf dem endgültigen Stand. Besitzen Sie das richtige Gerät oder greifen Sie zu bestimmter Software, funktioniert das Steuern über Gesten dennoch. Im X-Server, der in Ubuntu 11.04 auf die Version 1.10 kletterte, gibt es rudimentären Support für die X-Erweiterung XInput 2.1. Neu ist das Nux-Frameworks (Nux, NuxCore, NuxGraphics), das eine vermittelnde Ebene zwischen OpenGL und GTK einzieht. Es dient als Toolkit für 3D-Anwendungen und bildet fast alle GTK+-Widgets ab. Dabei arbeitet es plattformunabhängig unter Windows und Linux.

Der Kernel 2.6.38 hat den sogenannten “Wunder-Patch” an Bord, der über das automatische Gruppieren von Prozessen dafür sorgt, dass die CPU wertvolle Zeit wesentlich besser an die Prozesse verteilt. Desweiteren unterstützt der Kernel nun AMD Fusion. Diese so genannten APUs (Accelerated Processing Units) vereinen CPU und GPU auf einem Chip und nutzen so gezielt die Rechenkapazität moderner Grafikchips.

Ansonsten enthält der Kernel Verbesserungen an den Dateisystemen Ext4, Btrfs und XFS und integriert das Mesh-Protokoll mit dem drolligen Namen B.A.T.M.A.N (Better Approach To Mobile Adhoc Networking). Zudem schaut neuerdings der Kernel per Polling regelmäßig nach externen Geräten.

Fazit

Viele kleine Neuerungen täuschen nicht darüber hinweg, dass die Ubuntu-Entwickler den Fokus fast komplett auf den neuen Unity-Desktop gelegt haben. Der ist auf jeden Fall einen Blick wert. Unity macht eine gut Figur, ist aber noch nicht fertig. Insofern bleibt es spannend, welche neuen Features in die nächsten Versionen gelangen. 

Glossar

Unity

Unity orientiert sich eher an den kleinen Displays von Netbooks und mobilen Geräten und erlaubt es, den Desktop sehr effizient über die Tastatur zu bedienen.

Gnome Shell

So heißt die vom Gnome-Projekt offiziell entwickelte grafische Oberfläche. Sie löst den klassischen Gnome-Desktop ab.

Infos

[1] Gnome 2 statt Gnome 3: http://bit.ly/dObAqo

[2] Gnome-3-PPA: https://launchpad.net/~gnome3-team

[3] Hardware-Anforderungen: http://bit.ly/dNrxcl

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