Evolution vor Revolution: Gemäß Debians Credo “Qualität geht vor Aktualität” fallen die Neuerungen im neuen Major-Release Debian 6 “Squeeze” wie gewohnt moderat aus.
Keine andere Distribution hat längere Release-Zyklen als Debian (http://www.debian.org). Zwei Jahre mussten die Anwender auf Version 6 warten – aus gutem Grund: Die Entwickler stellen extrem hohe Qualitätskriterien an das System und geben es erst dann frei, wenn alles reibungslos funktioniert. Hier könnte sich manch eine andere Distribution eine dicke Scheibe abschneiden. Allerdings fordert diese Politik auch ihren Preis: Wer Wert auf die neuesten Programmversionen legt, sollte die Finger von Debian lassen. Hier gilt nämlich traditionell: Qualität vor Aktualität.
Technische Daten
| Name | Debian |
| Version | 6.0 “Squeeze” |
| Release | 05.02.2011 |
| Kernel | 2.6.32 |
| Desktop | KDE 4.4.5, Gnome 2.30, XFCE 4.6 u.a.m. |
| X-Server | X.org 7.5 |
| Architektur | i386, AMD64, Mips, PPC u.a.m. |
| Orientierung | Universaldistribution |
Neuigkeiten
Erstmals in der Geschichte der Distribution veröffentlichten die Entwickler ein Release, das vollständig auf proprietäre Bestandteile verzichtet. Das betrifft nicht nur die Programme: Selbst Kernelmodule, die einer unfreien Lizenz unterliegen, wurden entfernt. Allerdings stehen sowohl die Programme als auch die Module im Non-Free-Zweig der Online-Repositories zur nachträglichen Installation bereit.
Von der konservativen Release-Pflege zeugen auch die verwendeten Programme, die Debian in dieser Version verwendet. Den Unterbau bildet Kernel 2.6.32 zusammen mit X.Org 7.5. Als grafische Oberflächen wählen Sie zwischen Gnome 2.30, KDE SC 4.4.5 und XFCE 4.6. Der Webbrowser Iceweasel (alias Firefox) steht in Version 3.5.16 breit. OpenOffice 3.2.1 übernimmt die Büro-Aufgaben, Gimp 2.6.11 und Inkscape 0.47 das Zeichnen und Bearbeiten von Bildern. Zur nachträglichen Installation stehen unter anderem der Mediaplayer VLC in Version 1.1.3 und Googles Browser Chromium 6.0 bereit. Der obligatorischen Paketverwaltung Synaptic stellt Debian das aus Ubuntu bekannte Software-Center zur Seite, das die Programme übersichtlicher verwaltet und deren Installation vereinfacht.
Konservativ heißt aber nicht, dass es nichts Neues gäbe: Insgesamt spendierte das Entwicklerteam der Distribution über 10?000 zusätzliche Pakete, darunter Chromium, Icinga, LXC und Corosync. Die Distribution umfasst damit komplett etwa 29?000 Pakete.
Installation
Wie die Vorgängerversion “Lenny” bietet auch Debian 6 einen grafischen Installer an, der vor allem Einsteigern das Setup erleichtern soll. Im normalen Modus gestartet, reicht es für eine grundlegende Installation aus, oft genug den Weiter-Button zu drücken. Alternativ starten Sie den Installer im Expertenmodus, der Ihnen den gleichen Funktionsumfang wie die textbasierte Version bietet. Bevorzugen Sie eine andere Desktopumgebung als das voreingestellte Gnome, dann wählen Sie im Boot-Menü unter Alternative desktop environments das gewünschte (KDE, LXDE, XFCE) aus.
Schon bei der Ersteinrichtung versucht die Installationsroutine, das Online-Repository mit den Updates einzubinden, und spielt auf Wunsch Aktualisierungen bereits während der Installation ein. Nach Eingabe der Eckdaten wie Rechnername, Nutzername und Root-Passwort ist die Systemeinrichtung abgeschlossen.
Ein Novum in der vorliegenden Version: Der Installer unterstützt jetzt auch das Erstellen und Einbinden von LVM, verschlüsselten Partitionen und Software-RAIDs. Darüber hinaus kann Debian jetzt auch schon während der Installation mit den Dateisysteme Ext4 und Btrfs umgehen.
Fazit
Wenig überraschend zeigt sich auch das neue Debian eher von seiner schlichten Seite. Zum Einsatz kommen praktisch ausschließlich altbewährte Programme, die der aktuellen Version nicht selten um ein Jahr oder mehr hinterherhinken. Dieser vermeintliche Nachteil bietet dem Anwender jedoch ein deutliches Plus an Stabilität und Sicherheit gegenüber den Schnellschüssen anderer Distributionen. Ebenfalls gegen den Trend verzichtet Debian in dieser Ausgabe komplett auf unfreie Software – was speziell Mainstream-Konsumenten abschrecken dürfte, gilt es doch, sämtliche Mediacodecs und Hardwaretreiber, für die es keine freie Entsprechung gibt, von Hand nachzuinstallieren.





