Fedora 8 im Vorabtest

Aus LinuxUser 11/2007

Fedora 8 im Vorabtest

Nummer 8 lebt

Mit der aktuellen Beta-2-Release geht Fedora 8 in den Feature-Freeze. Damit lohnt sich ein erster Blick auf die neue Version.

Mit großen Schritten bewegt sich Fedora [1] auf die Version 8 zu: Die zweite Beta mit dem Namen Fedora 8 Test 2 [2] trägt die offizielle Nummer 7.91 und steht bereits im Feature-Freeze. Wir untersuchen im Kurztest, auf was sich die Anwender der kommenden Nummer 8 freuen dürfen.

Installation mit Tücken

Der Bootbildschirm gibt sich sehr spartanisch und erst einmal in Englisch. Sie wählen die Option Install & upgrade an existing System und überspringen den anschließenden Test des DVD-Mediums mit SKIP: Die Prüfsumme der LinuxUser-Multiboot-DVD stimmt ohnehin nicht mit einer Fedora-CD überein.

Nun startet der Fedora-Installer Anaconda, in dem Sie erst einmal die Systemsprache auswählen. Das Partitionierungsprogramm offenbart bereits den Betastatus der Software: Die eigentlich logischen Dialoge durchscheinen die folgenden und lassen die Grafik dadurch schlechter erkennen. Wie bereits aus früheren Fedora-Versionen bekannt, lieben die Anaconda-Entwickler den ganzen Satz. So fallen Schaltertexte meist sehr großzügig aus und erklärende Texte helfen Unklarheiten zu beseitigen.

Die Option Alle Partitionen auf der Platte löschen und das Standard-Layout kreieren vermeiden Sie tunlichst und nutzen die Bedienerfreundlichkeit des Partitionierungstools, um Ihr bekanntes Festplattenlayout für eine Fedora-Testinstallation anzupassen. Da das System doch einiges an Platz belegt, sollte die Rootpartition wenigstens 5 GByte umfassen. Die Bootloaderkonfiguration trägt nur das neue Fedora-System ein. In unserem Test erkannte Anaconda weder ein vorhandenes OpenSuse noch eine Windows-XP-Partition. Mit dem Schalter Hinzufügen lassen sich aber fehlende Einträge nachholen, soweit Ihnen die Partitionsbezeichnung der weiteren Systeme bekannt ist.

In der Netzwerkkonfiguration tragen Sie die üblichen Parameter wie IP-Adresse, Gateway etc. ein. Auf einen sofortigen Test der Einstellungen verzichtet Anaconda. Nun legen Sie noch die Zeitzone, Systemzeit und das Root-Passwort fest, um zur Paketinstallation zu gelangen. Fedora fasst die vorhandene Software übersichtlich in Themengebiete und Paketgruppen zusammen. Hier wählen Sie auch, ob Sie Gnome (Vorgabe) oder KDE als Desktop nutzen möchten.

Das Auswählen des Depots Additional Fedora Software scheiterte mit einer englischen Fehlermeldung über einen nicht korrekt gesetzten Repository-Eintrag. Leider gibt es an dieser Stelle keine Möglichkeit, diesen anzupassen. Auch die Auswahl einer Paketgruppe mit Editoren quittierte Anaconda mit einer sehr langen Fehlermeldung, installierte das Paket aber anschließend klaglos.

Systemkonfiguration

Nach beendeter Installation wirft Fedora die DVD aus und startet das System neu. Ein schicker, in Blautönen gehaltener Bootsplash verdeckt die Bootinformationen und führt in die schrittweise Systemkonfiguration. Die Firewallkonfiguration schlägt dabei vor, den SSH-Server für externe Zugriffe zu öffnen. Weitere genutzte Dienste wählen Sie jeweils mit einem Häkchen aus. Nach dem Aktivieren von SELinux und der Installation eines NTP-Servers sieht das Konfigurationstool Smolt das Senden der gesammelten Hardwaredaten an das Fedora-Projekt vor. Das Erstellen eines ersten Benutzerkontos sowie das Einrichten der Soundkarte schließen die Systemkonfiguration ab.

Inhaltliches

Der aufgeräumte Gnomedesktop veränderte sich vom Aufbau her zur Vorgängerversion kaum. Optisch wirkt der Desktop dank des neuen Themes Nodoka etwas frischer. Er bietet schnellen Zugriff auf Webbrowser, E-Mail und die wichtigsten OpenOffice-Komponenten. Der automatische Updatemanager schlägt sofort über 200 Updates vor, die wir mutig genehmigten. Nach der Update-Orgie verschwand der Update-Manager aus dem Panel, dafür nistete sich dort die Notizzettelwirtschaft Tomboy ein. Die Links zu den OpenOffice-Komponenten verabschiedeten sich ebenso ins Nirvana. Icons folgen nicht mehr den bisherigen Theme, sondern wurden teilweise wieder auf den Standard zurückgesetzt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nach dem ersten Update gibt es einige Veränderungen auf dem Desktop zu "bewundern".

Abbildung 1: Nach dem ersten Update gibt es einige Veränderungen auf dem Desktop zu “bewundern”.

Weitere Software sortiert sich nicht immer wohl überlegt in die Menüstruktur des Gnome-Panels ein. So finden Sie wie schon bei Fedora 7 [3] wichtige Systemtools wie die Softwareverwaltung unter Anwendungen | Systemwerkzeuge, statt in der Werkzeugsammlung System. Auch der Menüpunkt Energieverwaltung versteckt sich nach wie vor unter System | Einstellungen | System.

Wie Mandriva bereitet nun auch Fedora eine Ordnerstruktur im Home-Bereich vor und verlinkt diese auch gleich mit dem Menü Orte (Abbildung 2). Auf ein zentrales Konfigurationswerkzeug verzichtet Fedora auch in Version 8. So finden Sie unter System die einzelnen Konfigurationstools (Abbildung 3) in den Sparten Einstellungen und Administration, wobei ersteres die Konfiguration des direkten persönlichen Arbeitsumfeldes und letzteres systemweite Eingriffsmöglichkeiten vorhält.

Abbildung 2: Fedora bereit einige wichtige Ordner für jeden Anwender bereits vor und bietet einen Schnellzugriff über die Menüleiste.

Abbildung 2: Fedora bereit einige wichtige Ordner für jeden Anwender bereits vor und bietet einen Schnellzugriff über die Menüleiste.

Neu hinzu kam in dieser Ausgabe ein Werkzeug zur Firewallkonfiguration (Abbildung 3, links oben). Der eingebaute Wizard fragt nach der Anzahl der Netzwerkzugänge und Ihrem Wissen zum Thema Firewall, lässt Sie aber im Dunkeln über die getätigten Modifikationen. Einzelne Ports zu bestimmten Diensten, wie ssh oder ftp schalten Sie zwar problemlos frei, für tiefergreifende Konfigurationen benötigen Sie jedoch weiterhin einen Editor. Ein Menüpunkt für Masquerading erlaubt mit wenigen Mausklicks einen voreingestellten Router zu erstellen, welchen Sie über die Schnittstellen eth, ippp, isdn, ppp und tun betreiben.

Abbildung 3: Fedora bietet auch in seiner 8 Ausgabe keine einheitliche Systemkonfiguration, sondern liefert lediglich einzelne Tools, welche sich in der Handhabung teils deutlich unterscheiden.

Abbildung 3: Fedora bietet auch in seiner 8 Ausgabe keine einheitliche Systemkonfiguration, sondern liefert lediglich einzelne Tools, welche sich in der Handhabung teils deutlich unterscheiden.

Den Paketmanager suchen Sie unter System | Administration vergeblich. Er findet sich im ersten Menüpunkt Anwendungen | Software hinzufügen/entfernen. Das Programm arbeitet zügig und lässt sich durch die Gliederung der Pakete in logische Untergruppen kinderleicht bedienen (Abbildung 4). Die Suche funktioniert schnell und zuverlässig.

Abbildung 4: Der übersichtliche und leicht zu bedienende Paketmanager zur Softwareverwaltung erlaubt das schnelle Umrüsten auf KDE oder XFCE.

Abbildung 4: Der übersichtliche und leicht zu bedienende Paketmanager zur Softwareverwaltung erlaubt das schnelle Umrüsten auf KDE oder XFCE.

Als Neuerung fällt die freie Java-Umgebung IcedTea [4] ins Auge, die auf Open JDK basiert. Weniger augenfällig ist der neue Soundserver PulseAudio. Beide versahen im Test ihren Dienst zuverlässig.

Fazit

Die Neuerungen in Fedora 8 Test 2 fallen zu wenig ins Gewicht, um beim Anwender großen Eindruck zu schinden. Die Entwickler passten lediglich die zentralen Softwarekomponenten an die derzeit aktuellen Releases an, wobei sie darauf verzichteten, auf KDE 4 zu warten oder Teile davon zu integrieren. Bis zum Final Release müssen die Entwickler außerdem noch mächtig an den Feinheiten feilen, nicht zuletzt auch bei den Übersetzungen.

Fedora 8 Test 2 im Überblick

Komponente Version
Kernel 2.6.23
GCC 4.1.2
X.org 7.2
Yum 3.2.5
Gnome 2.20
KDE 3.5.7
OpenOffice 2.3.0
Firefox 2.0.0.6
Evolution 2.12.0
Infos

[1] Fedora-Homepage: http://fedoraproject.org

[2] Fedora 8 Test 2: http://mirrors.fedoraproject.org/publiclist/Fedora/7.91/

[3] Fedora 7: Rene Gäbler, “Die saubere Distro”, LinuxUser 08/2007, DVD-Teil S. II

[4] IcedTea: http://icedtea.classpath.org/wiki/Main_Page

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