Konqueror 3.2

Aus LinuxUser 04/2004

Konqueror 3.2

Der Eroberer

Konqueror, Dateimanager und Browser von KDE, stellt in der aktuellen Version vor allem aufwändige Web-Seiten besser dar. Welche versteckten und sichtbaren Neuigkeiten er sonst bietet, ziegt dieser Artikel.

Der Allzweck-Browser Konqueror [1], eines der zentralen KDE-Projekte, profitiert in Version 3.2 zum ersten Mal von der Zusammenarbeit mit der Firma Apple, dessen Browser Safari[2] die gleiche Code-Basis benutzt. So sind etliche Verbesserungen, die die Apple-Entwickler einbrachten, auch im neuen Konqueror zu finden. Der Browser stellt Seiten jetzt wesentlich schneller dar und produziert sehr viel weniger Fehler beim Anzeigen. Neben diesen Verbesserungen unter der Haube gibt es einiges, was die Entwickler an der Oberfläche und am Bedienungskomfort verbessert haben.

Abbildung 1: Konqueror unter KDE 3.2.

Abbildung 1: Konqueror unter KDE 3.2.

Tabs

Tabbed Browsing, also das Darstellen mehrer Browser-Fenster innerhalb eines Programmfensters, beherrscht Konqueror schon lange. Im neuesten Release vereinfachen einige Funktionen das Arbeiten mit Unterfenstern weiter. In der Tab-Liste unterhalb der Werkzeugleiste finden Sie links eine Schaltfläche zum Öffnen eines neuen Tabs, rechts einen Button um den aktuellen Reiter zu schließen.

Mit festgehaltener mittlerer Maustaste verschieben Sie Tabs; über das Kontextmenü, das sich hinter einem Klick mit der rechten Taste verbirgt, kopieren Sie sie außerdem. Leider fehlt dort seit Version 3.2 der Befehl Link in einem Unterfenster im Hintergrund öffnen; um diese Funktion weiterhin zu nutzen, konfigurieren Sie Konqueror so, dass er Unterfenster immer im Hintergrund öffnet. Wie Konqueror mit Tabs umgeht, stellen Sie unter EinstellungenKonqueror einrichten im Bereich Web-Verhalten ein. Die Optionen sind etwas unübersichtlich, da sie nicht wie beispielsweise beim Webbrowser Mozilla [3] in einem eigenen Dialog zusammengefasst werden.

Im Bereich Browsing mit Unterfenstern legen Sie mit der Option Verknüpfungen in Unterfenstern zeigen statt in extra Fenstern fest, dass Konqueror beim Klick auf einen Link mit der mittleren Maustaste kein neues Fenster öffnet.

Im Dialogfenster Erweiterte Optionen… stellen Sie weitere Details zum Tabbed Browsing ein. Die beiden wichtigsten Optionen verbergen sich hinter Neues Unterfenster neben aktuellem öffnen – damit positionieren Sie zueinandergehörende Reiter nebeneinander – und Als Unterfenster in einem bereits geöffneten Konqueror anzeigen, falls die Adresse von außerhalb aufgerufen wird, das dafür sorgt, dass nicht immer mehr neue Fenster den Desktop überladen, wenn Sie zum Beispiel beim Lesen von News oder Mails Links anklicken.

Eselsohren

Bei der Verwaltung von Lesezeichen haben die Entwickler ebenfalls nachgebessert: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen Eintrag in der Lesezeichen-Werkzeugleiste – diese aktivieren Sie wenn noch nicht geschehen unter EinstellungenWerkzeug-LeistenLesezeichen-Leiste (Konqueror) anzeigen – erscheint ein Kontextmenü, über das Sie die aktuelle Seite in der Werkzeugleiste ablegen, als Lesezeichen in einem solchen übernehmen oder den gewählten Eintrag löschen. Ferner öffnen Sie hierüber einen Lesezeichen-Ordner im Editor, um ihn zu bearbeiten.

Mit nur zwei Mausklicks legen Sie jetzt sämtliche geöffneten Tabs in einen Lesezeichen-Ordner ab; eine Funktion, die Mozilla-Nutzer schon länger kennen. Dazu wählen Sie LesezeichenUnterfenster als Lesezeichen-Ordner… aus dem Menü. Nach Eingabe eines Namens für den Ordner stehen Ihnen die Links zur Verfügung.

Auch der Lesezeichen-Editor erfuhr eine Reihe von Verbesserungen: Unterhalb der Werkzeugleiste finden Sie jetzt eine Suchfunktion (Abbildung 2). Nach Eingabe eines Begriffs startet die Eingabetaste die Suche, jedes weitere [Enter] setzt sie fort.

Abbildung 2: Der Lesezeichen-Editor mit neuen Funktionen.

Abbildung 2: Der Lesezeichen-Editor mit neuen Funktionen.

Unterhalb der Baumansicht mit den Lesezeichen finden Sie eine Reihe von Textfeldern, in denen Sie die Eigenschaften des ausgewählten Lesezeichens – Adresse, Beschreibung und Kommentar – ohne den Umweg über ein Dialogfenster bearbeiten. Die Lesezeichen lassen sich jetzt zudem komplett oder innerhalb der Ordner alphabetisch sortieren. Über das Kontextmenü jedes Ordners legen Sie fest, ob dieser in der Lesezeichen-Werkzeugleiste erscheint.

Ebenfalls neu sind einige Exportmöglichkeiten: Der Lesezeichen-Editor verwandelt die Bookmark-Sammlung jetzt auch ins Opera- und Internet-Explorer-Format; der Export in eine einzige HTML-Datei oder der Ausdruck der Liste sind ebenfalls möglich.

Sidebars

Mozilla untersützt in der aktuellen Version bereits die von Netscape [4] eingeführten Sidebars (Abbildung 3). Solche Web-Seiten hat der Anbieter auf eine besonders schmale Darstellung optimiert und aktualisiert sie üblicherweise regelmäßig.

Konqueror bietet die Sidebar-Funktion in der neuen Version ebenfalls an; er stellt sie im linken Teil des Hauptfensters im Navigationsbereich dar (FensterNavigationsbereich anzeigen oder [F9]).

Das Einrichten einer Sidebar geschieht über einen von zwei möglichen Wegen: Auf den Seiten einiger Anbieter finden sich Skripte, die eine Sidebar selbständig installieren – Konqueror fragt dann den Benutzer um Einverständnis. Manuell schafft ein Klick auf HinzufügenWeb-Navigationsbereich im Menü des Werkzeugsymbols im Navigationsbereich die Voraussetzungen; eine neue Schaltfläche mit dem Netscape-Icon erscheint in der horizontalen Werkzeugleiste. Mit einem Rechtsklick darauf öffnen Sie ein Kontextmenü. Wählen Sie hier Adresse auswählen und geben Sie im erscheinenden Dialogfenster die Adresse der gewünschten Sidebar an.

Abbildung 3: Konqueror zeigt auch Sidebars an.

Abbildung 3: Konqueror zeigt auch Sidebars an.

Die Integration von Sidebars klappt jedoch noch nicht immer problemlos. Manchmal zeigt Konqueror gar nichts an, einmal stürzte das Programm in unserem Test beim Anlegen einer Sidebar sogar ab.

Vermischtes

Weiterhin gibt es eine Reihe von Kleinigkeiten, die das Browsen mit dem neuen Konqueror bequemer gestalten. Ein Neuerung ist die Möglichkeit, die Rechtschreibung des Inhalts von Feldern in Web-Formularen überprüfen zu lassen (Abbildung 4); der Browser greift dabei auf die KDE-Rechtschreibprüfung zurück. Ein Rechtsklick auf ein Formularfeld bringt ein Kontextmenü zum Vorschein, aus dem Sie Rechschreibung prüfen wählen. In einem Dialog erhalten Sie für unbekannte Wörter einen Korrekturvorschlag, als falsch erkannten Wörter im Formularfeld markiert das Programm zudem rot.

Abbildung 4: Die KDE-Rechtschreibung gibt es nun auch im Konquerer.

Abbildung 4: Die KDE-Rechtschreibung gibt es nun auch im Konquerer.

Ein Schalter in der Konfiguration von Konqueror beschleunigt den Programmstart: Wenn Sie im Dialogfenster EinstellungenKonqueror einrichten… unter Leistung das Kästchen Beim KDE-Start eine Ausgabe im Hintergrund laden aktivieren, trifft KDE beim Start Vorbereitungen, die beim Aufruf von Konqueror zu sehr kurzen Startzeiten führen.

Das neue Release von Konqueror ist durchaus gelungen. Der Browser läuft stabil, HTML-Seiten stellt er zügig und weitgehend fehlerfrei dar. Ein Manko stellen die trotz einer Aufräumaktion teilweise immer noch überladenen Menüs und Dialoge dar; deshalb dauert manchmal eine Weile, bis man einen gewünschten Befehl gefunden hat.

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