Wenn es um das Surfen im Internet geht, haben Anwender heute die Wahl aus einer ganzen Reihe etablierter und funktionaler Browser. EasyLinux stellt die wichtigsten Vertreter der Zunft vor und erklärt, wofür sie sich jeweils besonders gut eignen.
Der Webbrowser ist für die meisten PC-Anwender ein unverzichtbares Werkzeug. Neben dem Lesen von E-Mails und dem Verfassen von Dokumenten ist das Surfen im Web eine der Hauptaufgaben, für die Anwender den eigenen PC regelmäßig nutzen. 2017 ist der Browser-Markt fast schon unübersichtlich: Mit Firefox und Chrome gibt es zwei Browser, die alle Bedürfnisse des Alltags gut abdecken – hier sind meist bestimmte Einzelfunktionen ausschlaggebend dafür, dass Anwender zum einen oder anderen Programm greifen.
Abhängig vom Betriebssystem gibt es weitere Alternativen: Microsoft Edge, eine komplette Neuentwicklung als Ersatz für den in die Jahre gekommenen Internet Explorer, und Opera buhlen ebenso um die Gunst der Nutzer, macOS liefert die Eigenentwicklung Safari mit. Nicht jeder Browser steht für jedes System zur Verfügung, was gelegentlich zum Zünglein an der Waage bei der Browserwahl wird – vor allem, wenn man verschiedene Systeme einsetzt und auf allen Rechern dasselbe Programm verwenden möchte.
Anders als vor 15 Jahren haben Nutzer heute auch unter Linux eine echte Wahl. Dieser Artikel wagt eine Bestandsaufnahme: Welche Browser am Markt gibt es – für Linux und für andere Systeme? Neben den Branchengrößen kommen dabei auch weniger bekannte Alternativen zur Sprache, die etwa besonders sicheres Surfen oder besonders geringen Ressourcenverbrauch versprechen. Am Anfang steht aber ein kurzer historischer Abriss, der die Rolle des KDE-Projekts beleuchtet: Das hat die Browser-Landschaft stärker beeinflusst, als man es erwarten würde.
WebKit dominiert
Als das KDE-Projekt vor fast 20 Jahren mit der Arbeit an KHTML anfing, war die Browser-Landschaft für Linux-Anwender übersichtlich: Neben den Browsern für die Kommandozeile stand als grafische Variante lediglich Netscape zur Verfügung. Das KDE-Projekt wollte das nicht hinnehmen und begann mit der Arbeit an einer Bibliothek, die HTML interpretieren kann. Ziel war es, HTML-Inhalte in allen KDE-Anwendungen anzeigen zu können – auch in einem separaten Programm, das 2000 erschien und auf den Namen Konqueror hört. Bis heute ist der Konqueror der Standard-Webbrowser des KDE-Projekts. Die HTML-Bibliothek für KDE nannten die Entwickler damals einfach KHTML.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der Aufstieg von Apples Mac OS bereits begonnen. Den Apple-Verantwortlichen in Cupertino war nicht entgangen, dass Mac OS keinen eigenen Browser an Bord hatte – anders als etwa Windows, bei dem der Internet Explorer zum Lieferumfang gehörte. Wer Mac OS zum Surfen nutzen wollte, kam darum um die Installation des Mozilla-Browsers oder einer anderen Lösung nicht herum. Kurzerhand entschloss sich Apple, einen eigenen Browser auf Basis der KDE-KHTML-Bibliothek zu bauen. Weil jene freie Software ist, standen ihre Quellen im Netz frei zur Verfügung. Apple entwickelte KHTML zum WebKit weiter, dessen erste freie Version 2005 erschien. Google nutzte später WebKit als Basis für den eigenen Browser Chrome, nachdem auch andere Firmen wie Adobe in die WebKit-Entwicklung investiert hatten. Dadurch hat sich WebKit mittlerweile zu so etwas wie einem HTML-Standard entwickelt: Selbst Firefox, das als Abkömmling des Mozilla-Browsers nicht auf WebKit sitzt, kann heute mit WebKit-spezifischen Anweisungen etwa in CSS-Dateien umgehen. Es werkelt bei einer Vielzahl der aktuellen Browser im Hintergrund also ähnliche Technik, die die einzelnen Hersteller um zusätzliche Funktionen erweitern.
Urgestein: Firefox
In Sachen Theorie soll das vorerst reichen – los geht es mit der Praxis. Den Anfang macht mit Firefox ein echtes Urgestein. Das Programm kommt von der Mozilla Foundation und existiert als eigenständige Anwendung erst seit 2002. Zuvor war der Browser Teil der “Mozilla Suite”, zu der auch noch ein E-Mail-Client und diverse andere Werkzeuge gehörten. Der Mail-Client lebt als Mozilla Thunderbird fort, doch die meiste Aufmerksamkeit zieht bis heute Firefox auf sich.
Technisch zeigt sich Firefox solide: Alle aktuellen Markup-Sprachen und Protokolle beherrscht das Programm aus dem Stand. Auch moderne Webtechniken wie HTML5 gehören bei Firefox zum Lieferumfang. Die Entwickler legen außerdem Wert auf eine strikte Trennung zwischen Browser-Funktionen und den eventuell gewünschten Zusatzfeatures: Der Browser selbst beherrscht nur jene Features, die die Firefox-Entwickler als wichtig für den alltäglichen Einsatz betrachten. Weitere Funktionen lassen sich aber über Add-ons einbauen, für die Firefox selbst einen Marktplatz [2] betreibt (Abbildung 1). Die Zahl dieser Erweiterungen ist riesig. Wer also auf der Suche nach einer ganz bestimmten Funktion ist, die nicht zum Lieferumfang gehört, sollte hier auf jeden Fall einmal suchen. Klassiker sind etwa Werbeblocker: Davon sind gleich mehrere für Firefox verfügbar.

Abbildung 1: Firefox enthält eine Schnittstelle für Erweiterungen, die Sie über den Firefox-Marktplatz beziehen.
Sprachen und Themes
Seit einigen Jahren enthält Firefox eine Theme-Engine. Über Themes ist es möglich, die äußere Erscheinung von Firefox an die eigenen Wünsche anzupassen. In seinem Marktplatz bietet Firefox auch Themes an, die Nutzer erstellt haben, um sie anschließend anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Per Mausklick lassen sich Themes genauso wie Erweiterungen sehr schnell installieren. Ähnliches gilt für die so genannten Language Packs, mit denen sich die Firefox-Sprache verändern lässt. Es gibt auch ein deutsches Language Pack.
Licht und Schatten
Ebenfalls spendiert haben die Firefox-Entwickler ihrem Schützling einen umfassenden Download-Manager: Der bietet unter anderem die Möglichkeit, einen gestarteten Download anzuhalten und später fortzusetzen, falls der Server, von dem die Datei stammt, diese Funktion beherrscht. Schritt hält Firefox auch in Sachen PDF: Das Programm kann PDF-Dateien direkt im Browser anzeigen. Sie müssen eine PDF-Datei also nicht herunterladen und anschließend mit einem separaten Viewer öffnen.
Großen Wert legen die Firefox-Entwickler auf das Thema Sicherheit: Neben der obligatorischen Unterstützung für SSL-Verbindungen bietet Firefox auch einen privaten Surf-Modus an. Der unterscheidet sich vom normalen Modus vor allem dadurch, dass er Cookies und ähnliche Techniken nicht zulässt. Ebenso tauchen Links, die Sie in Firefox im “Inkognito”-Modus öffnen, nicht in der von Firefox gepflegten Browser-Historie auf. Vergleichbar mit den Funktionen der Sicherheitsbrowser (siehe Kasten Surfen? Aber sicher!) ist der private Modus von Firefox aber nicht – wenn Sie im Inkognito-Modus eine Website öffnen, sieht der Server Ihre IP-Adresse wie üblich.
Dem Bedürfnis nach Sicherheit ist übrigens auch geschuldet, dass Firefox die NPAPI-Schnittstelle mittlerweile deutlich eingeschränkt hat. Über jene war es in früheren Firefox-Versionen möglich, externe Plug-ins – etwa für Java oder Microsofts Silverlight – in den Browser zu integrieren. Auch Flash ist ab Werk darauf ausgelegt, per NPAPI geladen zu werden. Zu Redaktionsschluss war das Flash-Plug-in tatsächlich das einzige Plugin, das die NPAPI von Firefox noch lädt – bei allen anderen verweigert es den Dienst.
Surfen? Aber sicher!
Zusätzlich zu den “normalen” Browsern erhält in letzter Zeit eine weitere Browser-Kategorie Auftrieb: Es geht um Programme, die ab Werk eine höhere Sicherheit als Firefox, Chrome & Co. versprechen. Zwei stechen aus der Menge heraus: Auf der einen Seite der Iridium-Browser, der eine besonders abgehärtete Version von Googles Chromium sein möchte, und auf der anderen Seite der TorBrowser, der die Anonymisierungsfunktion von Tor integriert und vorkonfiguriert. Grund genug, sich beide Lösungen genauer zu Gemüte zu führen.
Iridium: stoppt Social Media Buttons
Bei Iridium [3] ist das Ziel, dass Anwender während des Surfens möglichst wenig ungewollt oder unbemerkt über sich preisgeben. Ein gutes Beispiel sind Cookies und die mittlerweile standardmäßig vorhandenen Social-Media-Buttons auf vielen Websites: Alleine dadurch, dass eine Seite Social-Media-Buttons einbindet, stellt sie beim Aufrufen der Seite Verbindungen zu den Servern von Facebook & Co. her. Facebook weiß dann zumindest, dass Sie die Website aufgerufen haben. Und dabei bleibt es oft nicht: Über Cookies haben Seiten die Option, den aktuellen Seitenaufruf mit früheren Besuchen dieser Webseite und von Partnerseiten abzugleichen und Ihnen z. B. personalisierte Werbung anzuzeigen. Es ist kein Zufall, dass Sie gelegentlich bei Google nach etwas suchen und kurz darauf bei Facebook oder auf anderen Seiten Werbung für genau jenes Teil erhalten, nach dem Sie zuvor noch gesucht haben.
Iridium hat das Ziel, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Der Browser setzt im Kern auf Chromium, die freie Version von Chrome. Diese kombiniert er mit verschiedenen Erweiterungen, die eigens für Iridium geschrieben wurden. So akzeptiert Iridum ab Werk keine Cookies und unterbindet auch das Einbinden von Social-Media-Plug-ins, indem es die entsprechenden HTTP-Aufrufe verhindert. Zusätzliche Techniken wie Sandboxing für die einzelnen Tabs erhöhen weiter die Sicherheit. Dabei bedeutet Sandboxing allgemein die Trennung eines Programms vom Rest des Systems: Jeder Reiter in Iridium ist ein eigenes Mini-Programm, das in einer abgeschottenen Umgebung läuft. Falls es einem Angreifer also gelingt, eine Schwachstelle im Browser auszunutzen, kann er zumindest nicht auf den Rest des Systems zugreifen. Malware, die sich bevorzugt über Browser-Schwachstellen verteilt, greift so ins Leere und bleibt ohne Effekt.
Tor verschleiert die Verbindung
Einen noch radikaleren Ansatz wählt der Tor-Browser [4]. Tor steht für “The Onion Router” und hilft bei der Verschleierung der Internetnutzung. Das funktioniert so: Wann immer Sie im normalen Browser eine Website öffnen, erfährt der Webserver, auf dem diese Seite liegt, zumindest Ihre IP-Adresse und weitere Daten wie die Browser-Version, welche Sie nutzen. Das Tor-Projekt hat den Ansatz, die Zugriffe über viele Knotenpunkte im Internet umzuleiten und den Traffic dabei zu verschlüsseln. Die Verschlüsselung ist insofern besonders, weil sie “schichtenweise” erfolgt: Jede neue “Schale” der Kommunikationszwiebel erhält nur den verschlüsselten Inhalt der Schicht darunter, kann diesen selbst aber nicht lesen. “Exit-Nodes” dienen als Endpunkte und greifen dann auf die angefragte Webseite zu: Beim letzten Glied der Verschlüsselungskette lässt sich aber, so das Prinzip, nicht mehr nachvollziehen, von welchem Rechner die Anfrage stammt. Tor eignet sich damit besonders für Szenarien, in denen unklar bleiben soll, wer kommuniziert.
Der Tor-Browser ist eine speziell vorkonfigurierte Firefox-Version, die den Tor-Client mitliefert und automatisch das Tor-Netz für ausgehende Anfragen nutzt. Die im Artikel für Firefox bereits beschriebenen Punkte gelten damit auch für den Tor-Browser, der aber im Gegensatz zum Original Anonymisierung bietet.
Ressourcenhungrig?
Firefox bietet viele praktische Funktionen für den Alltag. Dazu gehört das so genannte Tabbed Browsing: Sie haben in Firefox also die Möglichkeit, viele Websites in Form von Reitern (Tabs) gleichzeitig in einem Browser-Fenster zu öffnen. Im Firefox-Marktplatz stehen diverse Erweiterungen zur Verfügung, die eine Vielzahl offener Tabs effektiv managen sollen. Die Tabs haben aber auch einen negativen Aspekt: Je mehr Reiter in einem Fenster offen sind, desto mehr Systemressourcen genehmigt sich die jeweilige Instanz von Firefox. Das ist bei anderen Browsern wie Chrome ähnlich. Es hält sich allerdings seit Jahren das Gerücht, dass Firefox nicht sehr effizient mit den Ressourcen umgeht.
Synchronisierung über mehrere Geräte
Nicht unerwähnt soll schließlich bleiben, dass Firefox persönliche Einstellungen über mehrere Computer synchron halten kann: Sie gleichen die Firefox-Konfiguration über dieses Feature mühelos zwischen den Geräten ab. Dazu benötigen Sie aber einen Firefox-Account. Dessen Login-Daten tragen Sie auf jedem Gerät in die Firefox-Konfiguration ein, um die Synchronisation in Gang zu setzen. Das klappt auch mit Firefox auf mobilen Plattformen, obwohl sich auf Smartphones und Tablets nicht alle gesetzten Konfigurationswerte wie auf dem Desktop anwenden lassen.
In Summe präsentiert sich Firefox als mächtiger Browser auf der Höhe der Zeit, der eine große Nutzerbasis hat. Laut verschiedenen Analysen nutzen rund 35 % aller Anwender Firefox. Komfortfunktionen und die Möglichkeit, den Browser über Plug-ins zu erweitern, runden das Angebot ab. Ebenfalls wichtig: Die Mozilla Foundation legt großen Wert darauf, ihren Browser regelmäßig zu pflegen und um neue Funktionen zu erweitern. Außerdem stopft der Anbieter Sicherheitslöcher schnell und zuverlässig.
Der Klassenprimus: Google Chrome
In der Wahrnehmung vieler Nutzer ist Googles Browser Chrome [5] bis heute “der neue Browser” – da scheint es schwer vorstellbar, dass Chrome schon fast neun Jahre existiert und um Nutzer wirbt. Auslöser für Googles Ansinnen, selbst einen Browser zur Verfügung zu stellen, war die Unzufriedenheit mit Firefox und Internet Explorer. Microsoft und das Mozilla-Team hielten sich, so glaubte man bei Google, nicht ausreichend an bestehende Standards, trieben die Entwicklung neuer Standards nicht schnell und konsequent genug voran, und die Browser hätten auch ansonsten einige Schwachstellen. Ganz falsch lag man damit nicht: Microsoft hatte gerade den Internet Explorer 8 vorgestellt, aber viele Nutzer setzten noch immer auf die Uraltversion 6 des Microsoft-Programms; Mozilla tat sich schwer damit, bei Firefox einen Zahn zuzulegen. Als Google in Form von Gmail einen webbasierten Maildienst bauen wollte und Android als Betaversion veröffentlichte, wurde schnell klar: Die verfügbaren Browser entsprachen nicht Googles Ansprüchen.
So ging man dort den konsequenten Weg und stellte diverse erfahrene Browser-Entwickler ein. Mit Ben Goodger kam ein Mitarbeiter an Bord, der zuvor bereits bei der Herauslösung von Firefox aus der Mozilla-Suite maßgeblich beteiligt war. An erfahrenen Entwicklern mangelte es Google mithin nicht, und erste Resultate manifestierten sich in Form erster Google-Chrome-Betaversionen schnell.
Grundsolide
Was zeichnet Google Chrome aus heutiger Sicht aus? Zunächst bietet Chrome das komplette Set an Standard-Features, die aus dem Internet-Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Gängige Markup-Sprachen wie das 2014 veröffentlichte HTML5 unterstützt Chrome. Auch in Sachen Bequemlichkeit hält Chrome mit den anderen Browsern Schritt: Tabbed Browsing ist mit Chrome genauso möglich wie mit Firefox, auch wenn Chrome keine “Tab Groups” beherrscht, Tabs also nicht zu Gruppen zusammenfassen kann. Themes gibt es bei Chrome ebenfalls, sie heißen dort “Designs”. Wie bei Firefox gibt es einen Marktplatz, über den sich die Themes direkt installieren lassen. Hier stellt Google auch Extensions bereit oder bietet externen Entwicklern die Möglichkeit, das zu tun: Wie Firefox hat auch Chrome eine Plug-in-Schnittstelle, über die sich Funktionen nachrüsten lassen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Google bietet Chrome als standardkonformen Webbrowser an, der besonders gut mit den Google-eigenen Diensten wie Gmail funktioniert.
Open Source – oder doch nicht?
Anders als Firefox ist Google Chrome keine Open Source Software. Das klingt verwirrend – Google, das sich als Vorreiter offener Standards versteht, setzt auf geschlossene Software? So einfach ist es dann doch nicht. Chrome basiert im Kern auf Chromium [6], dem eigentlichen Browser. Chromium nutzt, wie bereits beschrieben, das vom KDE-Projekt übernommene WebKit und ist freie Software. Chrome erweitert Chromium um verschiedene Google-spezifische Funktionen, die nicht frei sind. Bei Chrome werkelt also ein freier Browser-Kern, der von zusätzlichen Komponenten unter einer nicht-freien Lizenz begleitet wird.
Wenn Sie unter Ubuntu oder OpenSuse Chrome verwenden wollen, haben Sie die Wahl: Beiden Distributionen liegt eine Version von Chromium bei, und direkt bei Google erhalten Sie auch den “echten” Chrome für diese Distributionen.
Andere Kultur
Wie schon beschrieben, gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Firefox und Chrome – es ist aber nicht so, als seien die Programme identisch. Denn schaut man genauer hin, offenbaren sich auch große Unterschiede, etwa bei der Art und Weise der Entwicklung. Google richtet seit Jahren beinhart die Entwicklung an der Maxime aus, neue Standards zügig in den Browser zu integrieren und ältere Standards auszumustern. Die Möglichkeit, ein Flash-Plug-in separat zu laden, gibt es z. B. schon seit Jahren nicht mehr: Stattdessen liefert man das Flash-Plug-in als festen Bestandteil des Browsers aus, aktiviert es aber ab Werk nur auf Nachfrage, denn statt Flash sollen Webentwickler nach Googles Ansicht lieber HTML5 nutzen, das ein offener Standard ist und nicht von den Aktivitäten eines einzelnen Unternehmens abhängt.
Insgesamt versucht Chrome, so wenig wie möglich auf externe Anbieter angewiesen zu sein: Wie bei Firefox gehören ein PDF-Viewer und ein Download-Manager zum Lieferumfang. Ein eigener Druckdialog ermöglicht es aus Chrome heraus, lokale Drucker und solche in der Cloud anzusprechen. Hinzu kommt eine eigene Implementation von JavaScript namens “V8”, die jene der Konkurrenz in den Schatten stellen soll. Vorreiter ist Google außerdem in Sachen Sicherheit.
In verschiedenen Situationen nutzte das Unternehmen die Chrome-Verbreitung von im Schnitt 40 % aus, um andere Firmen unter Druck zu setzen. Zuletzt bekam das der Antivirenhersteller Symantec zu spüren: Symantec agiert auch als “Certificate Authority” für SSL-Zertifikate. Wer also für seine Website eine verschlüsselte Verbindung per SSL anbieten will, kann bei Symantec ein Zertifikat kaufen, das die gängigen Browser – auch Chrome – als gültig anerkennen. Anwender bemerken den Einsatz eines gültigen Zertifikats daran, dass in der Adresszeile des Browsers ein entsprechendes Symbol auftaucht. Symantec handhabt die Verantwortung als “Certificate Authority” in den Augen Googles nicht sorgsam genug. Kurzerhand schlug Google deshalb vor, Symantac-Zertifikate voerst nicht mehr anzuerkennen. Das wäre für die Firma eine Katastrophe, weil damit die eigenen SSL-Zertifikate praktisch wertlos wären. Bei Redaktionsschluss war diese Eskalationsstufe allerdings noch nicht erreicht. Der gesamte Vorgang rund um Symantecs Zertifikate zeigt jedoch, dass Google auf die Einhaltung von Standards pocht.
Eng verzahnt
Ganz massiv unterscheidet Chrome sich von Firefox dadurch, dass es Googles Webdienste perfekt integriert. Wer einen Account bei Gmail oder Google+ hat, hinterlegt die Zugangsdaten in Chrome und sorgt so dafür, dass Chrome die Dienste direkt nutzt. Die GSuite, die diverse Groupware-Anwendungen für Google-Nutzer anbietet, funktioniert ebenfalls in Chrome am besten. Es lassen sich auf diese Weise auch Chrome-Einstellungen von einem Rechner auf einen anderen übertragen. Hier wird klar, dass Chrome eben nicht nur ein Browser für alle Fälle ist, sondern auch und gerade für den Einsatz mit Googles Diensten. Aber auch wer nicht bei Google Kunde ist, findet in Chrome einen stabilen und verlässlichen Browser mit moderatem Ressourcenverbrauch.
Safari auf Macs
Wer gelegentlich mit Apple-Rechnern arbeitet, findet unter macOS den Browser Safari (Abbildung 3) [7], der wie Chrome auf WebKit basiert: Apple hat KHTML federführend zu WebKit weiterentwickelt. Grundfunktionen wie das Tabbed Browsing stehen ebenso zur Verfügung wie ein privater Modus, der dem Firefox-Inkognito-Modus entspricht. Erweiterungen unterstützt Safari auch, und Apple betreibt einen “Extension Store”, doch dieser enthält nur wenige Erweiterungen, die Apple handverlesen hat. Insgesamt ist das Angebot an Add-ons deutlich kleiner als bei Firefox oder Chrome.

Abbildung 3: Safari ist der Standardbrowser für macOS und steht nur dort zur Verfügung. Das Programm bietet alle Standardfeatures und funktioniert gut.
Verbesserte Performance verspricht Apple gegenüber anderen Browsern: Bis zu anderthalb mal schneller soll Safari im Vergleich zu Firefox oder Chrome sein. Im Alltag wirkt sich das nach der Erfahrung des Autors allerdings nur unmerklich aus – exemplarisch durchgeführte Tests einzelner Seiten führten sowohl bei Safari als auch bei Firefox und Chrome zum sofortigen Aufbau einer Seite. Ob das eine drittel Sekunde schneller geht, ist für Benutzer kaum zu erkennen.
Einen echten Pferdefuß hat Safari im Vergleich zur Konkurrenz allerdings: Das Programm steht ausschließlich für macOS zur Verfügung. Eine ältere Windows-Version hat Apple nicht mehr weiterentwickelt, so dass nur noch Rechner mit dem Apfel in den Genuss des Programms kommen. Wer nebem dem Mac auch einen PC nutzt, müsste sich also an zwei Browser gewöhnen. Das ist lästig und nervt, weil sich die Bedienung der Programme zum Teil subtil unterscheidet. Für Linux-Anwender (mit einem Mac als Zweitrechner) ist Safari darum eher nicht zu empfehlen.
Microsoft Edge
In eine aktuelle Marktübersicht gehört auch Microsoft Edge [8], der Browser, den Microsoft erstmals mit Windows 10 veröffentlicht hat (Abbildung 4). Edge stellt für Microsoft einen radikalen Schnitt dar: Eine komplett neue HTML-Engine hat sämtliche alte Zöpfe des Internet Explorers entfernt. Das ist insofern verwunderlich, als Microsoft dem “IE” viel verdankt: Die Bündelung früher Desktop-Betriebssysteme, der in Europa erst die EU kartellrechtlich den Riegel vorschob, dürfte die Verbreitung von Windows hierzulande sehr gefördert haben. Aus und vorbei: Mit Edge bricht Microsoft auf zu neuen Ufern (auch wenn Windows 10 weiterhin zusätzlich den Internet Explorer enthält).

Abbildung 4: Mit Edge schneidet Microsoft alte Zöpfe ab und schickt den Internet Explorer in Rente. Edge gibt es nur für Windows.
Erstmals gelangen Anwender mit Edge in den Genuss verschiedener Funktionen, die bei Firefox und Chrome seit Jahren existieren. In Sachen Funktionalität und Performance setzt der Browser für Windows-Verhältnisse Maßstäbe. Aber wie sein Vorgänger ist auch Edge weiterhin tief in Windows integriert, so dass es nicht sinnvoll möglich ist, den Browser ohne Windows zu nutzen. Versuche, das Programm unter Linux mit Wine zu betreiben, scheitern. Weil Edge nur für Windows zur Verfügung steht, gilt eine ähnliche Einschränkung wie bei Safari: Wer mehrere Betriebssysteme nutzt, hat nur unter Windows die Edge-Option, auf anderen Computern ist dann eine Alternative wie Firefox oder Chrome nötig.
Opera als Underdog
Nicht fehlen darf bei der Übersicht Opera (Abbildung 5) [9]. Der Browser existiert seit Jahren parallel zu Firefox, Chrome & Co. und hat eine treue Fangemeinde. Die Funktionalität ist solide: Die Basisfunktionen beherrscht Opera gut, so dass bei der alltäglichen Arbeit im Vergleich zu Firefox oder Chrome keine Nachteile entstehen. Weil Opera für Windows, Linux und macOS bereitsteht, eignet sich das Programm gut als universelle Alternative zu den zwei etablierten Platzhirschen. Der Hersteller versucht zudem, seinen Anwendern den Browser über verschiedene Zusatzfunktionen schmackhaft zu machen: Dazu gehört ein Messenger für Chat-Anwendungen, ein integrierter Werbeblocker und neuerdings eine VPN-Funktion, die die eigenen Spuren im Netz verwischen soll.

Abbildung 5: Opera hat sich als Alternative zu Firefox und Chrome etabliert und lockt Nutzer mit Sonderfunktionen wie einer Chat-Integration und VPN.
Opera hat die Firma SurfEasy gekauft, die bis dahin ausschließlich auf dem Markt kommerzieller VPN-Dienstleistungen tätig war. SurfEasy bot eine eigene Software für die gängigen Betriebssysteme an, und diese Software nutzt Opera nun zusammen mit einigen Einwahl-Servern von SurfEasy, um den VPN-Dienst für seine Kunden bereitzustellen. Anders als bei den SurfEasy-Angeboten zahlen Opera-Nutzer aber für diese Funktion im Browser nichts: Lediglich die Anzahl der verfügbaren Einwahl-Server ist beschränkt, aber diese Server sind komplett kostenlos nutzbar. Wir haben vor einem halben Jahr das VPN-Feature in einem Workshop vorgestellt [10].
Ein Energiesparmodus hilft auf portablen Systemen, bei denen das Thema Akkulaufzeit immer eine Herausforderung ist. Hinzu kommt eine Funktion für den Austausch von Dateien im Stile von Dropbox & Co., die in Opera ebenfalls ab Werk integriert ist.
Wer mit Firefox oder Chrome nicht glücklich wird, der sollte sich Opera zumindest genauer anschauen. Gut möglich, dass Anwender hier fündig werden, wenn sie einen robusten und vielseitigen Browser suchen.
Surfen auf der Kommandozeile
Die Mehrheit der Linux-Anwender setzt heute auf grafische Oberflächen mit KDE, Gnome oder einem anderen Desktop und nutzt dazu passende grafische Browser. Es gibt aber auch für die Kommandozeile Browser, die Webseiten anzeigen können. Als Linux-Administrator kommt man mit diesen Programmen bei der Server-Wartung früher oder später in Kontakt.
Die prominentesten Vertreter sind Lynx [11], Links [12] und w3m [13]. Sie alle liegen den gängigen Distributionen bei und sind über die Paketverwaltung nachrüstbar.
Das Prinzip ist immer dasselbe: Beim Programmstart aus der Konsole geben Sie eine URL an, dann startet der Browser und zeigt im Terminalfenster – also rein textbasiert – die geladene Seite an (Abbildung 6). Falls die grafische Oberfläche gerade nicht zur Verfügung steht, leistet ein Textmodus-Browser gute Dienste: Damit können Sie dann z. B. nach Lösungen für ein Problem suchen.

Abbildung 6: Browsen mal anders: w3m (im Bild), Lynx und Links erlauben das Öffnen von Websites im Terminalfenster.
Die Bedienung der Programme unterscheidet sich nur in Details. Bei allen drei Probanden steuern Sie den Bildschirmcursor über die Pfeiltasten. [Eingabe] folgt einem Link, wenn der Cursor sich gerade darauf befindet. Auch Datei-Downloads ermöglichen die Programme, die heruntergeladenen Dateien liegen anschließend üblicherweise entweder direkt in Ihrem persönlichen Verzeichnis oder in dem Ordner, aus dem heraus Sie das Tool aufgerufen haben.
Glossar
-
VPN
-
Ein Virtual Private Network (VPN) fasst Rechner in einem scheinbar lokalen Netzwerk zusammen, die an ganz unterschiedlichen Orten stehen können. Wird ein Rechner z. B. in ein US-amerikanisches VPN integriert, sieht es bei Zugriffen auf Webserver so aus, als stünde der Rechner ebenfalls in den USA. Damit lassen sich Zugriffsbeschränkungen umgehen.
Infos
-
Firefox-Marktplatz: https://addons.mozilla.org/de/firefox/
-
Iridium-Browser: https://iridiumbrowser.de/
-
Tor-Browser: https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en
-
Google Chrome: http://www.google.de/chrome
-
Chromium: https://www.chromium.org/Home
-
Safari: https://www.apple.com/de/safari/
-
Microsoft Edge: https://www.microsoft.com/de-de/windows/microsoft-edge
-
Opera: http://www.opera.com/de
-
Opera-VPN-Artikel: Martin Loschwitz, “Sicherer surfen”, EasyLinux 02/17-04/17, S. 49 ff.
-
Lynx: http://lynx.browser.org/
