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Aus EasyLinux 10/2017

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Abbildung 11: Der Firefox-Fork Pale Moon bewahrt die Firefox-Oberfläche vom Frühjahr 2014, unter anderem auch die alte Tab-Übersicht mit Suchfeld (4).

Neue Software (Teil 2/2)

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise. (Teil 2/2)

Pale Moon 27.3.0 – Firefox-Fork

Der Firefox-Fork Pale-Moon verspricht einen aktuellen, ressourcenschonenden Browser im Gewand von Firefox 28 aus dem Jahr 2014. Allerdings hinkt inzwischen der Kern zur Anzeige der Webseiten hinterher.

Als die Firefox-Entwickler im Frühjahr 2014 mit Version 29 das GUI ihres Browser zugunsten von Geräten mit Touch-Screen-Bedienung umgestalteten, konnte Kritik von Linux-Anwendern nicht ausbleiben: Nur auf wenigen Touch-Screen-Rechnern läuft ein normales Desktop-Linux. So entstand der Firefox-Fork Pale Moon (Abbildung 11, links) [1].

Abbildung 11: Der Firefox-Fork Pale Moon bewahrt die Firefox-Oberfläche vom Frühjahr 2014, unter anderem auch die alte Tab-Übersicht mit Suchfeld (4).

Abbildung 11: Der Firefox-Fork Pale Moon bewahrt die Firefox-Oberfläche vom Frühjahr 2014, unter anderem auch die alte Tab-Übersicht mit Suchfeld (4).

Er machte Veränderungen an der Benutzeroberfläche rückgängig, die etliche Firefox-Anwender verärgert haben, wie den Wegfall der Tab-Übersicht (Abbildung 11, 4). Auch das ins Adressfeld integrierte Stern-Icon zum Setzen von Bookmarks blieb in Pale Moon erhalten, fiel es doch lediglich für Touch-Bedienung mit dem Finger zu klein aus, nicht aber für die Mausbedienung (Abbildung 11, 2).

Geschmackssache

Die beim modernen Firefox oberhalb der Adressleiste und damit weiter weg von der zugehörigen Seite liegenden Tabs (Abbildung 11, 3) gefielen längst nicht allen Anwendern: Mit ihrer geschwungenen Form verschwenden sie Platz, der für die Anzeige des Seitentitels fehlt, wenn viele Tabs offen sind. Die alte Tab-Übersicht mit integrierter Suche (Abbildung 11, 4) ist aus Firefox inzwischen verschwunden.

Anfangs beschränkten sich die Unterschiede auf solche Details im GUI, die den Anwendern jedoch Umgewöhnung abverlangten. Die Engine zur Darstellung der Webseiten blieb gleich, Firefox- und Pale-Moon-Releases erschienen im Gleichtakt. So schwenkten viele Firefox-Anwender zu Pale Moon über, denn unter der gewohnten früheren Firefox-Oberfläche verbarg sich genau die gleiche aktuelle Funktionalität wie beim Originalprogramm. Inzwischen hat sich die Kluft zwischen den beiden Programmen aber vertieft: Der Browser-Kern zur Darstellung der Webseiten ist nicht länger identisch, die Pale-Moon-Entwickler pflegen ihre eigene Fassung. Sie veröffentlichen ihre Software nun auch seltener als die Firefox-Kollegen.

Sicher?

Zwar basiert Pale Moon noch immer zum weitaus größten Teil auf Code vom Mozilla-Projekt. Die Entwickler bemühen sich nach wie vor, die Neuerungen von Firefox in ihre Code-Basis zu integrierten. Doch mit wachsender Distanz wird dies schwieriger. So zeigt denn auch der HTML-5-Test [3], dass Pale Moon weniger Features des neuen Web-Standards unterstützt als Firefox (400 statt 426 Punkte).

Auch die Ausgliederung des GUIs in einen eigenen Prozess, die verhindert, dass die Menüs bei vielen geöffneten Webseiten immer träger reagieren [2], macht Pale Moon nicht mit. Dafür belegt er etwas weniger Arbeitsspeicher, doch nicht viel: Nach dem Öffnen der YouTube-Startseite schlug Firefox im RAM mit 364 MByte zu Buche, Pale Moon mit 309 MByte.

Ob Pale Moon auch bei den Fixes für Sicherheitslücken hinterherhinkt, kann ein Kurztest nicht klären. Doch da der Fork ohnehin seltener in einer aufgefrischten Version erscheint, liegt dieser Verdacht zunächst einmal nahe. Zumindest funktionieren etliche Firefox-Add-ons unter Pale Moon nicht mehr. Dafür stellen seine Entwickler ein eigenes Add-on-Portal mit gut 130 für den Browser getesteten Erweiterungen bereit.

Die Redaktion meint

Früher hing die Entscheidung zwischen Firefox und Pale Moon nur an der Benutzeroberfläche: Warum sollte man bei einem ansonsten identischen Browser nicht die GUI-Variante wählen, die einem besser gefiel? Mit dem Auseinanderdriften der beiden Projekte betreffen die Unterschiede nun zunehmend auch den Kern der Software.

Zwar kommt Pale Moon auch heute noch den Erwartungen von Anhängern des alten Firefox-GUIs entgegen. Doch sollte man sich wegen einiger Bedienelemente bei einem sicherheitskritischen Programm auf eine von einem viel kleineren Team gepflegte Variante einlassen? Die EasyLinux-Redaktion tendiert in dieser Frage zu einem “Nein”.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Osmo 0.4.0 – Organizer ohne Cloud-Anbindung

Der Organizer Osmo erstellt nicht wie üblich einen Termin pro Ereignis. Stattdessen ordnet er jedem Tag einen mit formatiertem Text beschreibbaren Notizzettel zu. Mancher wird das praktischer finden als umständlich für jede kleine Aufgaben einen gesonderten Kalendereintrag zu erstellen.

Das Organizer-Programm Osmo (Abbildung 12) [4] ist in vieler Hinsicht mit einem Kalender aus Papier vergleichbar: Es verknüpft jeden Tag mit einem gesonderten Textdokument. Ein Doppelklick auf ein Datum in der Monatsübersicht links öffnet ein Eingabefeld, das einfache Textformatierungen wie Fett, Kursiv, durchgestrichen oder eine Leuchtstiftmarkierung unterstützt.

Abbildung 12: Osmo ist ein konservatives Kalenderprogramm, das statt der nicht immer praktischen separaten Termineinträge für Ereignisse auf Freitext-Notizzettel für alle Tage setzt.

Abbildung 12: Osmo ist ein konservatives Kalenderprogramm, das statt der nicht immer praktischen separaten Termineinträge für Ereignisse auf Freitext-Notizzettel für alle Tage setzt.

Tagesweise

Anders als bei den meisten anderen Kalenderprogrammen gibt es anstatt beliebig vieler zeitlich begrenzter Termine nur diesen einen Notizzettel pro Tag. Das erleichtert es, einen Tagesablauf am Stück zu planen.

Start- und Endzeiten existieren dabei nur als im Freitext festgehaltene Zahlen. Das Zeitraster-einfügen-Werkzeug (Uhr-Symbol in der Button-Leiste) sorgt dafür, dass Sie Zeittabellen nicht von Hand tippen müssen: Es erzeugt simple Textzeilen, die mit 8.00-, 9.00- usw. beginnen. In den Einstellungen definieren Sie Kalenderkategorien mit zugehörigen Farben. Die Monatsübersicht färbt Tage entsprechend der für sie ausgewählten Kategorie ein.

Außer dem Kalender bringt Osmo die Module Aufgaben, Kontakte und Notizen mit, genau wie die “großen” Organizer-Programme KDE Kontact [5] oder Gnome Evolution [6]. Ein integrierter Mail-Client fehlt, doch die Kopplung von E-Mail und persönlicher Terminverwaltung ist eigentlich nur im beruflichen Umfeld gefragt, wo praktisch jeder Termin mit Kollegen zu koordinieren ist.

Listen und Gruppen

Während konventionelle Organizer primär Kalendereinträgen Start- und Endzeiten mit Alarm-Funktion zuweisen, ist dies in Osmo nur bei den Aufgaben möglich (Abbildung 13). Im Reiter Fortgeschritten gibt es ähnliche Einstellungen für sich wiederholende Erinnerungen wie in Kontact oder Evolution. Auch Aufgaben lassen sich wie Kalendertage in Kategorien einordnen.

Abbildung 13: Anders als die Freitexteinträge im Kalender kennen die Aufgaben in Osmo Fälligkeitsdaten und eine Alarm-Funktion.

Abbildung 13: Anders als die Freitexteinträge im Kalender kennen die Aufgaben in Osmo Fälligkeitsdaten und eine Alarm-Funktion.

Allerdings bringt Osmo keinen Hintergrund-Daemon mit, der Benachrichtigungen bei geschlossenem Hauptfenster anzeigt. Da das Programm sich in die Taskleiste minimieren lässt, bietet es sich an, die Autostart-Funktion von KDE zu nutzen. Die RAM-Belegung des Gesamtprogramms von nur rund 50 MByte fällt geringer aus als bei den reinen Benachrichtigungs-Daemons von Gnome oder KDE.

Die Kontakte-Übersicht besteht aus einer simplen Liste mit den Feldern Gruppe, Vorname und Nachname. Die Eingabemaske für neue Kontakte enthält eine unübersichtlich große, unveränderliche Zahl an Textfeldern. Immerhin zeigt die Detailansicht für den ausgewählten Adresslisteneintrag nur die ausgefüllten Felder an. Sind Adressdaten vorhanden, öffnet ein Klick auf das Weltkugel-Icon die Suchseite in OpenStreetMap, Google Maps oder Bing Maps.

Nicht an ein Datum oder eine konkrete Aufgabe gebundene Notizen nimmt der gleichnamige Reiter auf. Die Liste dort lässt sich nach Titel durchsuchen, nicht jedoch nach Schlagwörtern im Text. Notizen lassen sich auf Wunsch mit einem Passwort verschlüsseln.

Im Vergleich zu “modernen” Organizern fehlt eine Synchronisation mit dem Handy oder Osmo-Installationen auf anderen Computern.

Die Redaktion meint

Osmo ist eine recht praktische Termin- und Adressdatenbank. Ihre Einträge lassen sich allerdings nicht zwischen mehren Rechnern oder mit dem Smartphone synchronisieren. Den simplen Features entspricht ein sehr geringer Ressourcenverbrauch, so dass sich das Programm für alte Rechner oder Netbooks empfiehlt.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Sorter 2.0.1 – automatisches Dateisortierwerkzeug

Sorter ist ein simples Tool mit begrenztem Funktionsumfang: Es sucht Dateien nach Typ und Namen aus einem Ordner oder einer Ordnerstruktur und verschiebt sie in ein neues Verzeichnis.

Manchmal passiert es einfach, dass in einem Ordner zu viele Dateien landen und die Übersicht verloren geht. Das praktische kleine Werkzeug Sorter (Abbildung 14) [7] trennt sie automatisch nach Dateityp oder einem Namensbestandteil.

Abbildung 14 zeigt die Arbeitsweise von Sorter am Beispiel einer Bildsammlung, bei der Werke vieler verschiedener Künstler in einem Ordner liegen. Zum Glück nennt der Dateiname jeweils den Künstler. Er lässt sich also in das Feld search als Sortierkriterium eintragen. Nach einem Klick auf Run listet Sorter in einem Report auf, welche Dateien er verschoben hat. Für jede Verschiebeaktion gibt es einen Undo-Button. Auch eine Undo-All-Funktion (alles rückgängig machen) ist verfügbar.

Abbildung 14: Sorter verschiebt Dateien auf Basis des Typs oder des Dateinamens. Es berichtet akribisch, welche Dateien es verschoben hat, und macht einzelne oder alle Operationen mit einem Klick wieder rückgängig.

Abbildung 14: Sorter verschiebt Dateien auf Basis des Typs oder des Dateinamens. Es berichtet akribisch, welche Dateien es verschoben hat, und macht einzelne oder alle Operationen mit einem Klick wieder rückgängig.

Das Kontrollkästchen recursive weist Sorter an, nicht nur im über das Feld Source gewählten Quellordner, sondern auch in allen seinen Unterverzeichnis zu suchen. Sie können das Programm also auch nutzen, um zum Beispiel alle in Ihrem Home-Verzeichnis in den Untiefen des Dateisystems versteckten PDF-Dateien in einem Ordner zusammenzuführen.

Das Programm ist in der uralten Programmiersprache Tcl/Tk geschrieben, die Optik ist nicht seine starke Seite. Der Dateityp-Auswahldialog, den ein Setzen des Kontrollkästchens types öffnet, ist an Unübersichtlichkeit kaum zu überbieten: Er enthält Kästchen für zahllose Dateiendungen und füllt einen 32-Zoll-Bildschirm beinahe aus. Auf kleineren Monitoren muss man umständlich horizontal und vertikal scrollen.

Die Redaktion meint

Der Sorter-Dateitypen-Wahldialog ist unübersichtlich und ungeschickt konzipiert. Ansonsten erfüllt das simple Tool eine einfache Aufgabe so, wie es der Anwender erwartet. Dass man unerwünschte Verschiebevorgänge in der praktischen Report-Übersicht schnell wieder rückgängig machen kann, steigert den Nutzwert sehr.

Bewertung

3 von 5 Sternen

FlightGear 2017.2.1 – freier Flugsimulator

Der freie Flugsimulator FlightGear ist inzwischen sehr ausgereift. Um abzuheben, brauchen Sie lediglich eine halbwegs aktuelle Grafikkarte und einen Joystick. Die Flugzeuge simulieren alle technischen Komponenten von den Triebwerken bis zum Autopiloten. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine Landschaft, die die Lage von Städten und Bergen einer weltweiten Landkarte entnimmt.

Wenige Maschinen sind in Anschaffung und Betrieb so teuer wie ein Flugzeug, in wenigen Bereichen wirken sich menschliche Fehler so leicht fatal aus. Darum hat man früh versucht, das Fliegen am Boden zu simulieren [8], um Piloten zu trainieren.

Staffelführer

FlightGear (Abbildung 15) [9] ist die führende freie Flugsimulator-Software. Sie ist zwar nur bedingt für ernsthaftes Pilotentraining geeignet und kann bei der Simulation der Flugdynamik nicht mit dem auch für Linux verfügbaren kommerziellen X-Plane [10] konkurrieren. Aber die virtuelle Umgebung mit Städten, Bergen, Straßen am Boden und mit Wolken und Nebelschwaden in der Luft wirkt so realistisch, dass mehr als nur ein Hauch von Fluggefühl aufkommt.

Abbildung 15: Inzwischen rendert FlightGear Städte und Landschaften so ansprechend, dass ein Blick auf den Bildschirm (fast) wie ein Blick aus dem Flugzeugfenster aussieht.

Abbildung 15: Inzwischen rendert FlightGear Städte und Landschaften so ansprechend, dass ein Blick auf den Bildschirm (fast) wie ein Blick aus dem Flugzeugfenster aussieht.

Die simulierte Landschaft entspringt dabei keineswegs der Phantasie oder einem Zufallsgenerator: Sie basiert auf einem vollständigen Modell der Erdoberfläche [11]. Aktuelle Versionen von FlightGear nutzen zur Darstellung von Städten auch OpenStreetMap-Daten – Sie sehen also Fjorde (Abbildung 16), wenn Sie vom Flughafen Oslo Gardermoen aufsteigen. Die Route über den großen Teich führt auch in FlightGear über Spitzbergen.

Abbildung 16: Wer vom Flughafen Oslo Gardermoen aufsteigt, stößt bald auf die atemberaubend schönen norwegischen Fjorde, hier im Fokker-Dreidecker aus dem ersten Weltkrieg.

Abbildung 16: Wer vom Flughafen Oslo Gardermoen aufsteigt, stößt bald auf die atemberaubend schönen norwegischen Fjorde, hier im Fokker-Dreidecker aus dem ersten Weltkrieg.

Auch die Instrumente vieler Flugzeuge bildet FlightGear realitätsnah als räumliche Modelle nach (Abbildung 17). Sie können das Flugzeug von innen und von außen betrachten. Fliegen Sie aber nicht zu lang ohne Blick auf den Geschwindigkeitsmesser, denn FlightGear simuliert auch das Absacken des Flugzeugs bei Unterschreiten der Mindestgeschwindigkeit (“Strömungsabriss”).

Abbildung 17: Das 707er-Cockpit (links) erstrahlt im Glanz der 50er-Jahre. Die 737 daneben besitzt dagegen ein modernes "Glass Cockpit" mit LCD-Schirmen. Beide Modelle kommen den echten Flugzeugen ziemlich nahe.

Abbildung 17: Das 707er-Cockpit (links) erstrahlt im Glanz der 50er-Jahre. Die 737 daneben besitzt dagegen ein modernes “Glass Cockpit” mit LCD-Schirmen. Beide Modelle kommen den echten Flugzeugen ziemlich nahe.

Aus Live-Daten aus der Luftfahrt errechnet FlightGear realistisch wirkende Wetterszenarien. Wenn Sie im FlightGear-Menü das Modul Advanced Weather wählen, simuliert FlightGear sogar Thermiken an Hängen. Akustisch bildet das Programm nicht nur Triebwerksgeräusche nach, sondern auch den Funkverkehr.

In Formation

Wenn Sie in der Luft Gesellschaft wünschen, schalten Sie den KI-gesteuerten Flugverkehr ein oder verbinden sich mit einem FlightGear-Gameserver. Dann können Sie sich sogar mit einem FlightGear-spielenden Freund verabreden und dessen Flugzeug in Ihrem Luftraum sehen. Wer nicht gerade als Profipilot die Flugeigenschaften eines Flugzeugmodells exakt kennt, dürfte das Fliegen als ziemlich realistisch erleben – wenn man mal von den fehlenden G-Kräften beim Looping absieht.

Bei aktivierter höchster Detailstufe der Grafik ist eine nicht mehr als zwei bis drei Jahre alte Mittelklasse-Grafikkarte gefragt. Im Vergleich mit aktuellen kommerziellen Spielen gibt sich FlightGear in seinen Hardware-Anforderungen aber genügsam: Zum Spielen mit der voreingestellten niedrigen Detailstufe sollte Hardware aus den letzten fünf Jahren generell genügen. Für eine halbwegs realistische Flugzeugsteuerung brauchen Sie einen Dreiachsen-Joystick.

FlightGear gibt es schon seit 1997. Die inzwischen mehrmals jährlich stattfindenden Releases erfinden das Programm nicht vollständig neu. In letzter Zeit feilen die Entwickler vor allem an der Darstellung der simulierten Welt um das Fluggerät. Sie sind inzwischen bei Feinheiten wie einem tageszeitabhägigen Verkehr auf den Straßen und einer realistischen Straßenbeleuchtung angelangt.

Die Redaktion meint

FlightGear ist eine intelligente Realitätssimulation, die Spielern Geschick am Joystick und fliegerisches Wissen wie die richtige Anfluggeschwindigkeit für einen Flugzeugtyp abverlangt. Man kann aber auch einfach den Autopiloten einschalten und die Landschaft genießen. Selbst die fast völlig automatische Landung über das Instrumentenlandesystem klappt bei einigen Verkehrsflugzeugen – wenn Sie wissen, wie man einen Autopiloten und ein ILS bedient. Informationen sind im Internet relativ leicht zu finden.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Scribus 1.5.3 – freie Desktop-Publishing-Software

Professionelle Desktop-Publishing-Programme wie InDesign oder QuarkXPress kosten viel Geld. Gut, dass es die freie Alternative Scribus gibt. Da neue Major-Versionen nur alle paar Jahre erscheinen, stellen die Software News auch Releases des meist ausreichend stabilen Entwickler-Zweigs vor, diesmal Ausgabe 1.5.3 vom 22. Mai.

Streng genommen kann ein Desktop-Publishing-Programm nichts, was eine Textverarbeitung nicht auch könnte: Es platziert Text und Grafiken auf einer Seite. Doch die Herangehensweise ist bei DTP-Programmen wie Scribus (Abbildung 18) [12] ganz anders: Bei der Textverarbeitung rutscht alles Folgende nach hinten, wenn Sie am Anfang des Dokuments neuen Text einfügen. DTP-Programme platzieren alle Elemente fest auf der Seite.

Abbildung 18: Scribus ist ein Desktop-Publishing-Programm, das anders als Textverarbeitungen Text und Bilder unverrückbar auf der Seite platziert.

Abbildung 18: Scribus ist ein Desktop-Publishing-Programm, das anders als Textverarbeitungen Text und Bilder unverrückbar auf der Seite platziert.

Ein passender Rahmen

Textverarbeitungen folgen immer noch der Schreibmaschinen-Metapher: Sie tippen los, und die Software füllt die Seiten abzüglich der eingestellten Ränder nach und nach mit Text. Lediglich Kästen oder Bilder platzieren Sie von Hand. Dieses Vorgehen genügt nicht den Qualitätsansprüchen professioneller Print-Produkte wie etwa dem EasyLinux-Heft, das Sie in der Hand halten: Designer möchten jeder Seite ein ansprechendes Gesicht geben. Die genaue Platzierung aller Elemente darf sich nicht mehr verändern, wenn der Schlussredakteur noch Änderungen einpflegt.

Deshalb sind in Scribus und anderen DTP-Programmen Text und Bild gleichermaßen an fest auf der Seite platzierte Rahmen gebunden (Abbildung 19). Seitenvorlagen garantieren, dass der Grundaufbau aller Seiten millimetergenau übereinstimmt. Sie sind für alle wiederkehrenden Elemente wie Kopfzeile oder Seitennummern zuständig.

Abbildung 19: Bildobjekte mit genau definierten Umflussrändern sind eine der Stärken von DTP-Programmen. Die obere Bibliothek-Palette speichert die Maße einmal erstellter Objekte, so dass sich zum Beispiel Bilder mit gleichem Umflussabstand jederzeit mühelos einfügen lassen.

Abbildung 19: Bildobjekte mit genau definierten Umflussrändern sind eine der Stärken von DTP-Programmen. Die obere Bibliothek-Palette speichert die Maße einmal erstellter Objekte, so dass sich zum Beispiel Bilder mit gleichem Umflussabstand jederzeit mühelos einfügen lassen.

Vorlagen

Dass auch bei frei auf der Seite platzierten Elementen Grundmaße wie der Abstand zwischen Bild und Bildunterschrift stets gleich ausfallen, garantiert in Scribus die Bibliothek: Sobald Sie die erste Version von z. B. einem Bildrahmen und einem Textrahmen für die Bildunterschrift erstellt haben, archivieren Sie beide sofort zur Wiederverwendung (Hinzufügen zu / Bibliothek). Für exakte Klone brauchen Sie dann nur noch das Thumbnail des Objekts aus der Bibliothekspalette auf die Seite zu ziehen.

Diese Grundfunktionen sind auch in der mit den EasyLinux-Distributionen mitgelieferten stabilen Scribus-Version 1.4.6 enthalten. Die größten Fortschritte im Entwicklerzweig 1.5 sind vollwertige Tabellen und Fußnoten – allein wegen ihnen behalten wir in den Software News die neuen Entwickler-Releases im Auge.

Auch der jüngste Spross, Version 1.5.3, wartet mit einigen Neuerungen auf: Hier ist die bisher träge Darstellung beim Bearbeiten von Text zügiger geworden. Der Schriftwahl-Dialog zeigt endlich Vorschauen der zur Verfügung stehenden Schriftarten. Auch wurde die übergroße Eigenschaften-Palette, die bisher alle Einstellungen von Text- und Bildobjekten beherbergte, verschlankt: Die Textattribute sind in eine gesondert ein- und ausblendbare Palette gewandert.

Scribus importiert in der neuen Version erstmals die Dateien des ebenfalls in dieser Ausgabe vorgestellten Malprogramms Krita. Sehr praktisch ist auch ein neu hinzugekommenes Skript (ein Makro), das an einen ausgewählten Bilderrahmen einen von der Breite her passenden Textrahmen für die Bildunterschrift anfügt (Skripter Skripte für Scribus / Caption ).

Absturzgefahr

Leider nützen diese Neuerungen für die praktische Arbeit wegen der im Test festgestellten Instabilität wenig: Es gab einfach zu viele Abstürze, als dass die Arbeit mit Scribus 1.5.3 Spaß machen würde. Bleiben Sie also besser bei der stabilen Version der Distributionen. Wenn Sie auf Tabellen oder Fußnoten angewiesen sind, installieren Sie Version 1.5.2 vom OpenSuse-Build-Service [13] oder der Ubuntu-Entsprechung Launchpad [14].

Die Redaktion meint

Eigentlich hatten wir erwartet, dass sich Scribus 1.5.3 aus dem Entwicklerzweig ähnlich stabil verhält wie die in EasyLinux 02/2016 vorgestellte gut benutzbare Entwicklerversion 1.5.1. Leider ist das nicht der Fall: Es kam im Test zu vielen Abstürzen, auch Fehlfunktionen wie nicht auswählbare Schlagschatten oder eine nicht funktionierende proportionale Skalierung sind zu Tage getreten. Darum rät EasyLinux vom produktiven Einsatz dieser Version ab. Die EasyLinux-Wertung von zwei Sternen gilt für Version 1.5.3 und nicht insgesamt für das in stabilen Versionen ausgezeichnete Programm.

Bewertung

2 von 5 Sternen

Tor Browser 6.5.2 – Tor-Firefox-Bundle

Sich beim Surfen zu tarnen, mag manchem in Deutschland als überflüssig erscheinen. Doch niemand kann sicher wissen, wie die Lage in 25 Jahren aussehen wird. Die heute erfassten Daten liegen dann jedenfalls immer noch vor. Die Tor-Nutzung ist in Deutschland legal, und das Tor-Browser-Bundle macht sie durch einfache Installation zum Kinderspiel.

Tor [15] steht in der Internetwelt nicht für die germanische Gottheit Thor, sondern für “the onion router” (“Zwiebel-Router”). Zwiebel-Routing bedeutet, dass Browser-Anfragen durch eine Kette von Routern geleitet werden. Jede Station kennt dabei nur die jeweils vorausgehenden und folgenden Glieder in der Kette. Erst wenn die ganze Kette erfolgreich angegriffen wird, lässt sich eine Verbindung zwischen dem anfragenden Rechner und der aufgerufenen Seite herstellen.

Doppelpack

Tor Browser (Abbildung 20) [16] bündelt Firefox und die eigentliche Tor-Software in vorkonfigurierter Form. Sie müssen lediglich ein Tar-Archiv entpacken und auf die darin enthaltene Desktop-Datei klicken, um anonymisiert über das Tor-Netzwerk zu surfen.

Abbildung 20: Heimanwender, die nicht aus einem Firmennetzwerk auf das Internet zugreifen, brauchen bloß auf "Verbinden" zu klicken. Nach wenigen Sekunden startet der für das Surfen mit Tor eingerichtete Browser Firefox.

Abbildung 20: Heimanwender, die nicht aus einem Firmennetzwerk auf das Internet zugreifen, brauchen bloß auf “Verbinden” zu klicken. Nach wenigen Sekunden startet der für das Surfen mit Tor eingerichtete Browser Firefox.

Die Tor-Software bringen die EasyLinux-Distributionen auch als eigenständiges Paket mit, das prinzipiell mit jedem Browser nutzbar ist. Es handelt sich dabei um einen im Hintergrund laufenden Dienst, der für sich gesehen einfach einzurichten ist. Doch sicherzustellen, dass der Browser tatsächlich nur über ihn Daten aus dem Internet bezieht, ist alles andere als trivial: Manche Add-ons ignorieren die Proxy-Einstellungen und verraten so unbemerkt die Identität des Seitenbesuchers. Leicht übersehen Tor-Anwender auch das so genannte DNS-Leaking, bei dem zwar der eigentliche Seitenabruf über Tor erfolgt, nicht aber die vorausgehende Anfrage “Welche IP-Adresse hat der Server www.xyz.de?”.

Das Tor-Browser-Bundle erspart es Ihnen, sich Gedanken über das Routing der Browser-Anfragen im heimischen Netzwerk zu machen: Klicken Sie einfach auf die Datei start-tor-browser.desktop aus dem entpackten Dateiarchiv. Dann startet der Tor-Verbindungsassistent. Heimanwender mit direkter Internet-Anbindung ohne Proxy klicken gleich auf Verbinden. (Eine Fritz!Box oder der Router Ihres Internet-Providers sind nicht als Proxy konfiguriert.)

Sicherheitsausrüstung

Nach der Verbindung zum Tor-Netzwerk startet Firefox 45.9 (Abbildung 21) mit einigen die Sicherheit fördernden Add-ons: HTTPS Everywhere testet bei jeder Verbindung über HTTP, ob die aufgerufene Seite nicht auch das verschlüsselte HTTPS unterstützt. Torbutton blendet links von der Adressleiste einen kleinen Zwiebel-Button mit Drop-down-Menü ein. Dort können Sie eine neue Identität anfordern. Dabei wird eine neue Route durch das Tor-Netz erstellt, was aber ohnehin alle zehn bis 20 Minuten automatisch geschieht. Solange die Identität gleich bleibt, sehen Webseiten-Betreiber und -überwacher, dass hier die gleiche anonyme Person die Seiten abruft.

Abbildung 21: Im Tor-Browser-Paket sind passende Firefox-Add-ons enthalten: Torbutton und HTTPS Everywhere tragen dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis beim anonymen Surfen Rechnung.

Abbildung 21: Im Tor-Browser-Paket sind passende Firefox-Add-ons enthalten: Torbutton und HTTPS Everywhere tragen dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis beim anonymen Surfen Rechnung.

Die Sicherheitseinstellungen starten in der Stufe Gering (Standard), bei der JavaScript für alle Seiten aktiv bleibt. Mittel und Hoch schalten JavaScript für nicht verschlüsselte Zugriffe über HTTP bzw. für alle Webseiten aus. Dies ist für Anonymität im Tor-Netz nicht zwingend erforderlich, doch JavaScript ist generell anfällig für Angriffe, die die Sicherheit und damit auch die Anonymität gefährden.

Die Redaktion meint

Anonym lossurfen in zwei Klicks – warum eigentlich nicht? Die volle Bandbreite eines schnellen Internetanschlusses werden Sie dabei zwar nicht genießen können, doch für normales Surfen ist das Tor-Netzwerk in letzter Zeit praktisch immer schnell genug.

Bewertung

5 von 5 Sternen

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